Forum: Karriere
Ein Metzger schließt seinen Betrieb: "Meine Mutter stand neben mir und hat geweint"
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In den vergangenen zehn Jahren mussten rund 30 Prozent der Metzgereien und Bäckereien in Deutschland aufgeben. Auch Arno Schmelz in Kassel war darunter. Hier erzählt er von Schulden, Ängsten - und lügenden Kunden.

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ericus 28.04.2019, 10:11
50. Die wenigen boomen

Wir wohnen auf dem Land, Dorf, noch landwirtschaftlich geprägt, aber nahe der Großstadt und nicht ganz im Abseits. Die letzten zwei Landschlachtereien haben schon vor 15 Jahren geschlossen. Die nächsten liegen ca. 12km weg. Aber die boomen total: Auch wochentags immer voll. Oft bei Spezialitäten ausverkauft, vieles nur auf Vorbestellung. Erfolgsfaktoren aus meiner Sicht: Eigene Schlachtung, regionale Biolieferanten, sehr appetitliche Auslage, und tatsächlich sehr gute Qualität. Und v.a.: Zahlungskräftige Kundschaft (Speckgürtellage), Zuzug aus der Stadt, aktueller Wohlstand, allg. Trend zu Regionalität und Exklusivität. Man muss aber gestehen, dass die Supermärkte EDEKA und Rewe ziemlich aufgeholt haben in ihren Fleischtheken. Da ist das Alleinstellungsmerkmal der Metzger stark aufgebraucht.

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outsider-realist 28.04.2019, 10:13
51.

Zitat von schwäbischalemannisch
Betriebswirtschaft ist oft nicht das Ding von Handwerkern. Man muss sich den Gegebenheiten anpassen. Was über Generationen ein „Selbstläufer“ war, ist heute leider eher ein Auslaufmodell. Es ist wohl so, dass die großen Betriebe Massenware produzieren, zwar unter hygienisch einwandfreien Umständen. Aber die Qualität ist eben nicht die selbe wie im Fleischerfachgeschäft, was heute die meisten Metzgereien ja nur noch sind. Nur: immer mehr Menschen können sich qualitativ hochwertigere Lebensmittel nicht mehr leisten. Und ein paar Dutzend Großkonzerne weltweit decken heute weitgehend unsere Versorgung mit Kalorien ab. Ich sage bewusst nicht Lebensmittel…
Ich habe mal einen Satz korrigiert:
Nur: immer mehr Menschen WOLLEN sich qualitativ hochwertigere Lebensmittel nicht mehr leisten.

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outsider-realist 28.04.2019, 10:14
52.

Zitat von karlo1952
dass immer mehr Menschen immer weniger Fleisch verzehren. Vor allem die Jüngeren essen lieber vegetarisch oder vegan. Auch wir essen max. 2mal die Woche Fleisch, und davon einmal im Restaurant. Wurst brauchen wir seit Jahren nicht mehr. Von uns kann also kein Metzger überleben. Aber das ist eben der Lauf der Dinge.
Dafür essen die anderen immer mehr Fleisch. Was früher der Bedarf für eine Woche war, wird heute für den täglichen Konsum in den Einkaufswagen gelegt.

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syracusa 28.04.2019, 10:14
53.

Zitat von zerr-spiegel
Das Zeug beim Metzger ist oft nicht besser als beim Discounter, aber immer viel teurer. Der Discounter hat Rahmenverträge, der Metzger kauft jede Sau einzeln. Jetzt raten sie mal, wer im Einkauf weniger zahlt!
Ich muss gestehen, dass ich bzgl Hygiene und Frische auch deutlich mehr Vertrauen in Dicounter habe als in einzelne Metzgereien. Die kleinen Metzger stehen einfach unter zu starkem Wettbewerbs- und Kostendruck, und wenn da erst mal 100.000 Schulden angehäuft sind, dann dürfte die Hemmschwelle, diese durch Schummeleien und Gammelfleisch wieder herein zu holen, deutlich gesunken sein. Bei großen Discounter-Ketten geht es beim Auffliegen eines Gammelfleischschandals auch um deutlich höhere Summen. Da liegt die Hemmschwelle deutlich höher.

Das Problem ist, dass ich weder beim normalen Metzger noch beim Discounter wirklich gute Fleischqualität von naturnah gehaltenen Tieren ohne Qualzucht bekomme. Es gibt nur wenige Edelmetzger, die das wirklich dokumentieren, und die dann auch edle Fleischqualitäten wie z.B. trockengereiftes Entrecote o.ä. anbieten. In meiner Gegend ist sowas leider nicht käuflich erwerbbar.

Der Markt für Partyservice und Caterer ist deutlich überschaubarer als der für Fleischtheken. Diese sind also kaum geeignet, das Überleben der Metzger zu sichern. Die Nachfrage nach hochwertigstem Fleisch dürfte aber auch nicht so groß sein, als das jeder Metzger damit überleben könnte. Beim Überlebenskampf handwerklich arbeitender Lebensmittelbetriebe dürften die Bäcker bessere Chancen haben als Metzger.

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antelatis 28.04.2019, 10:19
54. Nicht Geiz, sondern Moral

Das Sterben der Fleischer hat wohl weniger mit Sparen zu tun, sondern eher damit, dass immer mehr Menschen auf Fleisch verzichten, weil es ungesund ist und eine Tierquälerei gigantischen Ausmaßes. Wer sich so viele Gedanken macht, dass er das Fleisch lieber beim Metzger als im Supermarkt kauft, der wird auch ganz schnell noch einen Schritt weiter tun, und gar kein Fleisch mehr kaufen. Das Problem der Fleischer ist also, dass sie Kunden mit Moral brauchen, allerdings schadet ihn diese Moral dann letztendlich mehr, als dass sie ihnen nützt.

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sikasuu 28.04.2019, 10:21
55. Tja, aber leider kauft der Metzger beim gleichen Schlachthof....

Zitat von sunnysideoflife
(...) Fast niemanden interessiert es woher sein Fleisch od andere Produkte herkommen, Hauptsache billig, ob dabei nötig oder nicht, billig ist und bleibt der Trend, damit man mehr für, Klamotten, Urlaub, Auto ausgeben kann.. Dabei ist es beim Metzger um die Ecke, gar nicht mal teuer, aber man hat das Verhältnis durch die ganzen Discounter total verloren..alles kaputt und es lässt sich leider nicht aufhalten..traurig
... von den gleichen Erzeugern wie der "Supermarkt"! Bietet also mit "Handwerkskunst" das gleich Grundmaterial an. Da geht der Wettbewerb dann nur noch über den Preis!
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Komischerweise überleben aber einige! Nicht nur Bio- oder Landmetzgereien, sondern all DIE, die noch selbst schlachten, bzw. aus der Umgebung gezielt einkaufen.
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Da siehst &schmeckst du auch den Unterschied, ob das ein Standard-Schwein, eins aus Offenstallhaltung, oder gar eine alte Landrasse mit Weide usw. ist. Vom Rind will ich gar nicht erst anfangen:-)
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Dabei ist GEIZ nicht geil. Da kostet z. B. das KG "Schwein am Stück/Haken" auch nicht 1.30- 1.60 Euro sonder auch mal 2.50-3.50.
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Nur, was du dann in der Truhe hast ist ein Unterschied wie Tag & Nacht.
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MMn. liegt das Problem bei Metzgern, Bäckern usw. nicht daran, das sie nicht mehr ihr Handwerk verstehen, sondern das sie sich nicht um die Vorprodukte kümmern.
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Wer Massenware usw. "handwerklich veredelt" fällt bald raus. Wer Handwerk mit guten Vorprodukten kombiniert, hat mMn. auch noch HEUTE seine Nische in der er zwar nicht reich werden, aber doch gut leben kann!

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discprojekt2 28.04.2019, 10:21
56. Also,

Es gab einmal in nahezu jedem Dorf einen Bäcker und Fleischer. Und nicht allein die Beschäftigten in der Produktion und im Verkauf, auch die Bauern leiden ja. Es ist die Politik, die den Rahmen setzt. In Polen, wie in anderen Ländern, wird Kuchen nach Gewicht verkauft. Da steckt viel drin. In D ist der Kuchen federleicht. Hier hat die Lebensmittelindustrie das Sagen. Gewinnmaximierung geht über Personalkosten oder Materialveraenderung, bis hin zum Betrug. Nicht zuletzt das Lohngefuege. Auch Einkommensschwache Menschen würden Rinderfilet kaufen, wenn es dann ginge. Jedenfalls das Handwerk und die Kunden für Fehlentwicklungen verantwortlich machen zu wollen, ist zu kurz gesprungen.

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alt-nassauer 28.04.2019, 10:24
57. Vermissen Sie...

Zitat von jens.kramer
Man spürt erst dann einen Verlust, wenn das, was selbstverständlich war, plötzlich fehlt.
den "klassischen" Drogist? Der von der Windel, Körperhygiene bis hin zu Fotoartikel sein Sortiment pflegte...

Ich vermisse ihn nicht!

Selbst meinen erste erlernten Beruf den vermisst auch keiner mehr. Weil alles Digital und "Geiz ist geil" - Ironie. Aber der Fotodrucker zu Hause das erledigt. Oder sollen wir wieder Analog?

Darin liegt das Problem, zu viele Einzelhändler hängen in Analog oder "alten Zeiten" fest!

Neuland ist eben Neuland und für viele nichts, womit man sich Beschäftigen müsste. Aber der potentielle Kunde tut es.

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gammoncrack 28.04.2019, 10:24
58. Ihr letzter Satz ist wirklich dummes Geschwätz.

Zitat von cum infamia
...als KInd mußte ich - mit kleinem Rucksack- ins nächste Dorf um beim Bäcker 1 Brot zu holen. War ca. 3 km und über einen Berg. Habe das gern gemacht, da ich da bummeln konnte...Der Schulweg ebenso. Heute würde Eltern, die ihrem Kin so etwas "zumuteten" wegen Kindsmißhandlung angezeigt und das Kind in die Intensivstation- wegen Trauma- eingeliefert. Übrigens würden die 6,2 km als Fußweg auch Ihnen gut tun..Ist eine knappe Stunde an der frischen Luft...
Erstens sind es nicht 6,2 km sondern 12,4 km die der Forist laufen müsste, zweitens wissen Sie doch nicht, ob dieser Forist überhaupt die Möglichkeit hat, diese Strecke zu laufen.

Erst Denken, dann Kommentieren!

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Garum 28.04.2019, 10:24
59. Schon mal

Zitat von zerr-spiegel
Wer 100000 Euro Schulden anhäuft, bis er die Bremse zieht, der hat von Betriebswirtschaft keine Ahnung. Und der Betrieb lief vorher offensichtlich auch nicht gut oder der gesamte Gewinn wurde verjubelt. Rücklagen für solche Zeiten bilden ist wichtig, lernt man in BWL (ja, muss auch ein Meister lernen). Und wenn die Baustelle weg ist, dann muss man Werbung machen, dass jetzt wieder vor dem Geschäft geparkt werden kann. Aber möglicherweise haben die Leute gemerkt, dass es woanders auch nicht schlechter, aber viel billiger ist (welcher Geschäftsmann gesteht schon gerne, dass er jahrzentelang seine Kunden übervorteilt hat?).
darüber nachgedacht, das die Schulden auch was mit den Investitionen zu tun haben könnten, die mann für den Umbau berappen musste.

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