Forum: Karriere
Eine Lehrerin packt aus: "Das Problem steht vor der Klasse"
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Desinteressiert oder autoritär, im schlimmsten Fall auch beides: So hat Lehrerin Sigrid Wagner ihre Kollegen erlebt und darüber ein Buch geschrieben. Hier erzählt sie, wer den Job lieber nicht machen sollte.

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scoopx 08.04.2019, 13:54
100. Kinder sind die besten Lehrer

Deshalb bin ich schon lange dafür, die Klassen aufzulösen, Kleingruppen verschiedenen Alters zu bilden und das von mir so genannte Kaskadensystem einzuführen: Achtjährigen erklären den Sechsjährigen, Neunjährige den Siebenjährigen usw. Die Lehrer moderieren, geben den Lernstoff vor und prüfen hin und wieder. Aber das wird nicht mehr oft nötig sein. Die Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache, wenn sie mal anderen was beibringen können und wissen meist sehr genau, wie und was sie erklären müssen.

Ich selbst bin kein Lehrer aber habe so meine Erfahrungen in der Eishalle und auf dem Skateplatz. Die Kompetenz Halbwüchsiger ist oft derart verblüffend, daß man es nicht für möglich hält. Jedenfalls, mit dem Kaskadensystem ließe sich der Grundschulstoff bequem in höchstens zwei Jahren bewältigen. Den Rest der Zeit könnte die Gruppe dafür verwenden, den Horizont zu erweitern: in Museen gehen, mehr Geschicklichkeitssportarten lernen, sich handwerkliche Fähigkeiten aneignen, Kochen lernen usw.

Von der 5. bis zur 8. Klasse könnte man das Kaskadenlernen ebenfalls einsetzen. Dadurch würde auch viel früher eine gewisse Denkselbständigkeit ausgebildet werden. Ab der 9. Klasse müßte dann systematischer Skeptizismus gelehrt werden, und die jungen Leute könnten sich auf diese Weise problemlos das wissenschaftliche Denken aneignen.

Und vor allem: wer weiß denn heute noch, daß das Wort "Schule" von griechisch σχολή, zu deutsch "Muße" kommt? Mit dem Kaskadensystem käme diese Bedeutung wieder zu ihrem Recht.

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Ina Morata 08.04.2019, 13:54
101. Differenzierung?

Beim Lesen des Artikels entstand bei mir unweigerlich der Eindruck, dass die Dame irgendwie aus der Zeit gefallen ist. Sie beschreibt Zustände, wie man sie sich in den 60iger Jahren hätte vorstellen können, die aber mit dem heutigen Bild der Schule, so wie ich sie kennengelernt habe, so rein gar nichts zu tun hat.
An den Schulen, die ich besucht habe und ebenso Freunde und Bekannte von mir - und zwar von der Grundschule bis zum Abitur - waren durchweg engagierte Lehrer vertreten.
Lehrer, die sich sehr wohl weiterbildeten und die im Interesse der Schüler handelten und die sich auch um die vermeintlich Schwächeren gekümmert haben. Es gab eine Ausnahme, ein Quereinsteiger, der aber auch nicht lange am Gymnasium blieb.

Es mag gewiss auch solche Schulen, wie im Artikel beschrieben, geben, aber sollte gerade ein/e Lehrer(in nicht in der Lage sein zu differenzieren?
Ich möchte nicht wissen, wie der Unterricht aussah, wenn sich das wie ein roter Faden durch sämtliche Fächer zog, die die Gute jemals unterrichtet hat.
Oder soll, den Verkaufszahlen zuliebe, möglichst platt und polemisch einfach nur verbal auf "die Lehrer" eingedroschen werden?
Es mag genug Leute geben, die die Schuld am eigenen Versagen oder am Unvermögen der Kinder, gerne alleine den Lehrern anlasten, aber jeder halbwegs intelligente Mensch sollte und wird diesen billigen Trick der Schreiberin (Autorin wäre zu viel der Ehre) sofort durchschauen.
Wäre es nicht wesentlich sinnvoller gewesen, sich während der Ausübung des Lehramtes an der oder den betreffenden Schulen so zu engagieren, dass sich die desolaten Zustände ändern, wenn man es denn so viel besser wusste und konnte, statt im Nachhinein aus dem Pensionsdasein nachzutreten? So wirkt das ganze Szenario etwas erbärmlich... Ja, ich hab zwar davon gewusst und war auch beteiligt, aber ich hätte ja doch nichts ändern können...

Heutzutage wird nicht jeder Lehrer sofort verbeamtet, wie Kommentar 1 suggeriert. Im Gegenteil, in vielen Bundesländern werden angestellte Lehrer vor den Sommerferien entlassen und nachher wieder eingestellt um Kosten zu sparen. Helikoptereltern (nicht alle, auch hier gilt es zu differenzieren), wenig Geld für Bildung, reformunwillige Bildungsministerien, in jedem Bundesland unterschiedliche Vorgaben machen es den Lehrern/Lehrerinnen nicht einfach diesen Beruf mit Spaß und Freude auszuüben und trotzdem gibt es viele, die es richtig gut machen, die "berufen" sind. Und es gibt jene, die es nicht können. Wie überall... in allen Berufen... in allen Lebensbereichen. Deswegen...differenzieren!

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mullertomas989 08.04.2019, 13:55
102. Ja. Aber:

Zitat von kalu1512
Der richtige Lehrer ist vor allem Glücksache. In jedem anderen Beruf gibt es im Laufe des Berufslebens eine Weiterorientierung; wer es kann steigt auf, wer es nicht kann, muss sich im extremsten Fall was anderes suchen. Bei Lehrern ist das nicht so. Fachliche und/oder soziale Unfähigkeit ein Berufsleben lang, Generationen von Kindern mit verpassten Chancen.
Das gleiche gilt auch für Eltern - leider! Auch unzählige Eltern schaden ihren Kindern über Jahrzehnte. Weil sie es nicht besser wissen oder weil ihnen Erziehung zu schwer ist oder oder .....
Früher hieß es, man brauche für die Erziehung eines Kindes "ein ganzes Dorf". Das heißt, viele Menschen sind beteiligt, die viel richtig, aber auch viel falsch machen können......

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Bondurant 08.04.2019, 13:56
103. Eben.

Zitat von Stefan12345678
Fehler in der Personalwahl? Man kann auch nur Leute einstellen, die sich bewerben.
da liegt das Problem. Mir geht es übrigens nicht um Lehrer Bashing, sondern nur um Realismus. Überlegen wir mal: Schüler waren wir alle. Das haben wir mit den Lehrern gemeinsam. Und jetzt: was ist denn das für eine Perspektive für einen jungen Menschen von 18 oder 20 Jahren, sein ganzes Leben - abgesehen von einem relativ kurzen Ausflug an die Universität - in der Schule zu verbringen? Erst als Schüler und dann als Lehrer? Ich glaube, dass das doch wohl die meisten Menschen eher abschreckt als anzieht. Und deshalb gibt's vermutlich auch ein Problem mit dem Personal. Das meine ich ganz sachlich und die Politik sollte sich diese Frage mal vorlegen und darüber nachdenken, ob und wie man gegebenenfalls etwas daran ändern kann.

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el2ei3hv.o4l 08.04.2019, 13:58
104. Volle Zustimmung

Leider muss ich der Autorin voll und ganz zustimmen. Darüber hinaus denke ich, dass dieses Problem im ländlichen Gebiet noch viel gravierender ist. Hier können Schüler nicht zwischen weiterführenden Schulen selektieren und ländliche Regionen stehen weit unten auf der Wunschliste der wenig motivierten Lehrer. Ich war leider gezwungen auf ein Gymnasium in einer ländlichen Region Baden-Würrthembergs zu gehen und denke mit Unbehagen an meine Schulzeit zurück. Insgesamt hatte ich nur drei zufriedenstellende Lehrkräfte während meiner Zeit am Gymnasium. Das ich trotzdem im heutigen Leben erfolgreich bin, habe ich allein meinem Elternhaus zu verdanken, die viel auffangen konnten. Leider haben nur wenige dieses Glück, was die Ungerechtigkeit des Schulsystems untermauert. Wenn ich darüber hinaus betrachte wer sich aus meinem Abiturjahrgang für ein Lehramtsstudium entschieden hat, kann ich der Autorin leider beipflichten. Talentierte und gut sozialisierte Personen waren nicht dabei.

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spasssbremse 08.04.2019, 13:59
105. Das Problem befindet sich oft zuhause

Lehrerbashing verkauft sich halt gut.

Meine Frau ist Lehrerin und ich kenne viele engagierte Lehrer, die oftmals viel mehr leisten als der gemeine Bürohengst!
Und diese Lehrer wollen nur das Beste für die Schüler!

Problematischer als die Lehrer (da gab es schon immer Nieten drunter) sind heutzutage aber viele Eltern, die von Erziehern/Lehrern verlangen, dass sie auch noch ihre verzogenen Kinder erziehen sollen!

Ich erlebe es gerade bei meinem Kind: Da debattieren Eltern in irgendwelchen Whatsapp Gruppen darüber, dass der Lehrer nicht die Wahrheit sagt, da das Kind zuhause den Sachverhalt anders darstellt.
Früher hat man da im Allgemeinen erstmal dem Lehrer vertraut.

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fthoe 08.04.2019, 13:59
106.

Viel wäre schon erreicht, wenn sich mehr Lehrer darum kümmern, selbst den Lernstoff zu vermitteln. Ich habe oft den Eindruck, dass den Schülern ein Brocken hingeworfen wird und diese dann sehen sollen, was sie daraus machen. Es gibt ja schließlich noch Eltern und Nachhilfeschulen.

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sa7ra9 08.04.2019, 14:01
107. x

Klingt sehr "Evidenz basiert" wenn man von seinen persönlichen Erfahrungen auf die ganze Lehrerschaft schließen möchte so etwas hat null Aussagekraft, dient lediglich dazu das eigene Ego zu befriedigen und das indirekt beworbene Buch zu verkaufen. Seriös geht anders.

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allesamt 08.04.2019, 14:03
108.

Zitat von Wolfilein
Ein Freund von mir hat Lehramt studiert. Gegen Ende des Studiums kam er zu der Erkenntnis das gut 80 Prozent seiner Komilitonen ungeeignet für diesen Beruf sind. Da er zukünftig nicht mit solchen "Psychopathen" (seine Worte) zusammenarbeiten wollte hat er sein Studium zwar beendet, sich dann aber beruflich umorientiert. ...
Das erscheint mir wie ein Witz: Alle anderen sind Falschfahrer...

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phg2 08.04.2019, 14:04
109.

Meine Schulzeit ist zwar schon ne' halbe Ewigkeit her, es gab aber nur 2 Lehrer, die problematisch waren.
Dem einen haben wir klar gemacht, dass es eine Katastrophe gibt wenn er sich nicht ändert und dem anderen hat der Direktor seine Machtspielchen ausgetrieben. Allerdings war damals klar, dass jeder Lehrer erst mal eine Respektsperson ist und im Zweifel strenger ist als die Eltern. Nur übertreiben durften sie's nicht.

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