Forum: Karriere
Eine Lehrerin packt aus: "Das Problem steht vor der Klasse"
DPA

Desinteressiert oder autoritär, im schlimmsten Fall auch beides: So hat Lehrerin Sigrid Wagner ihre Kollegen erlebt und darüber ein Buch geschrieben. Hier erzählt sie, wer den Job lieber nicht machen sollte.

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kajoter 09.04.2019, 10:25
420. Endlich

Ich hoffe, dass SPON dieses Thema stringent behandeln wird, denn es ist wichtig.

Man erinnere sich: Als der sogenannte Pisa-Schock einsetzte, wurde intensiv über die Ursachen diskutiert. Aber nein, hieß es, unsere Lehrer sind dermaßen gut ausgebildet und engagiert, an denen kann es nicht liegen. Außerdem sei eine pauschale Schuldzuweisung sowieso abzulehnen. Man reformierte danach Lehrpläne, benannte Schularten um und übte sich in Aktionismus. Aber das Thema Lehrer wurde dabei in der Regel ausgeklammert.
Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, kann auch ich nur zwei oder drei gute, dafür aber mindestens zehn oder mehr katastrophale Lehrer aufzählen. Letztere wären zum Teil Fälle für einen Psychoanalytiker gewesen.
Als ich ein paar Jahre nach dem Abi meinem ehemaligen Rektor begegnete und wir uns lüber die Schule unterhielten, wurde mir klar, dass auch er diese Negativfälle sehr gut evaluieren konnte. Er quittierte meine Kritik an ihnen mit einem Achselzucken. Was hätte er denn machen sollen, war sein einziger Kommentar. Ich denke, dass ihm und vielen seiner Kollegen die Verantwortung und die Bedeutung nicht mehr bewusst ist, die die Lehrer auf jedes einzelne Lebensschicksal ihrer Schüler haben.

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domino3116 09.04.2019, 10:32
421. Der Quatsch wird immer quätscher.

Nun soll sich die junge hübsche Lehrerin also nicht mehr in den knackigen Sportlehrer verlieben dürfen? Und heiraten sollen sie auch nicht mehr, weil die wilde Ehe das bessere Modell der Gegenwart ist? Oder weil man durch eine private Beziehung ein weniger guter Pädagoge ist? Aber ein früherer Kanzler ist der Superman, weil er 4- mal verheiratet war?
Was machen Sie aber mit den Gymnasiasten und Studenten, die schon vor dem Eintritt in Studium und Beruf unvorsichtigerweise zusammen sind? Sollen die sagen: Weil wir Lehrer werden wollen, dürfen wir uns nicht mehr lieben und laufen auseinander, weil irgend einem Spiegelforisten unsere Berufswahl nicht passt? Wie armselig seid ihr eigentlich? Was wisst ihr über Menschen im allgemeinen und über Lehrer im besonderen?
Und dann geht's weiter. Ganz besonders beschissen sind die Lehrerkinder dran. Haben sie gute Leistungen, heißt es, dass ihnen ihre Lehrereltern ja alle Ergebnisse vorgeben. Haben sie irgendwelche Probleme wie andere Kinder auch, hört man den Spruch: Lehrers Kinder und Pfarrers Vieh..... Hat eine Lehrerin keine Knder, dann hat sie keine Ahnung von ihrem Beruf. Ist ein Lehrer alleinstehend, kann er nur homosexuell und damit potentiell gefährlich sein.
Nein, ich kann nur noch einmal ganz laut in diese deutsche Wüste rufen: Schulabgänger, macht nicht den Fehler, diesen verrufenen Job anzustreben. Es ist in diesem Land sinnlos.

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leostoever 09.04.2019, 10:38
422. Guter Lehrer - schlechter Lehrer

Bei mir drängt sich die Frage auf: War Frau Wagner eine gute Lehrerin?
Schüler würde ich vielleicht ein paar Jahre nach der Schulzeit zu dem Thema befragen.
Ist ein autoritärer Lehrer ein schlechter Lehrer? Schülern Angst machen und sie bloßstellen, das ist ein Kriterium für einen schlechten Lehrer.
Viele Schüler kommen heute mit Problemen bepackt in die Schule. Diese Probleme sollen die Schulen lösen?
Ein guter Lehrer ist wie ein Künstler: kreativ, offen für Neues, im Austausch mit seinen Schülern.
Das Schulsystem wird leider beeinflusst von Politikern, die ihr eigenes Süppchen kochen. Siehe NRW: Die FDP- Ministerin hat jetzt - na Gott sei Dank (Ironie) - endlich das Fach Wirtschaft eingeführt (war bisher Teil des Politikunterrichts).
Was soll das Fach Religion in der Schule?
Warum werden angestellte Lehrer (oft mit viel Lebenserfahrung, da sie schon in anderen Berufen gearbeitet haben) viel schlechter bezahlt?
Es gibt noch viele schräge Dinge im Schulsystem.
Hat Frau Wagner diese auch im Blick?
Mir kam das Interview wie Hate - Speech vor. Merkwürdig für eine gute Lehrerin.

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doc_snyeder 09.04.2019, 10:49
423. Ich hoffe, dass Frau Wagner stark übertreibt

Es gibt eine sehr grosse Zahl von Lehrern. - wahrscheinlich ist dies einer der häufigsten Berufe in Deutschland oder überhaupt in der Welt. Und alle Lehrer sind Menschen - mit Stärken und Schwächen. Da es gibt natürlich ein breites Spektrum unterschiedlich guter oder weniger guter Lehrer. In Deutschland steht die Schule aber unter intensiver Beobachtung. Zuerst einmal schon von Seiten der Eltern, dann durch die Behörden und dann noch durch eine so fürchterliche linkspolitische Einrichtung wie die GEW, so dass ein wirklich schlechter Lehrer sicher nicht lange arbeiten wird. - Bei all ihrer Erfahrung als Lehrerin und Mutter von fünf Kindern sollte man meinen, dass Frau Wagner weiss, wovon sie spricht. Aber mit einem Satz wie diesem, "Lehrer waren schon immer ein Problem in den Schulen.", disqualifiziert sie sich selbst in erstaunlicher Weise. Was soll denn die Alternative sein? Schulen ohne Lehrer vielleicht? - Ich hatte wenige schreckliche Lehrer und sehr viele richtig gute.

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domino3116 09.04.2019, 10:53
424. Frage

Zitat von kasimier
Heute bei meinen Kids so wie vor 25 Jahren bei uns. Ein Haufen renitente Spinner die rumheulen, weil sie nicht klarkommen und ihnen nichts weiter einfällt als die Kinder mit Ihrer (Noten)Macht unterdrücken zu wollen. Bestes Beispiel die 800 Lehrer, die aus Berlin weggehen wollen, wenn sie nicht verbeamtet werden. Das solche Leute nicht umgehend gekündigt werden ist eine Schande. Geld- und Privilegiengeile Menschen sollten Kinder nicht unterrichten dürfen. Immer die selbe Sauce, danke das es auch mal eine Lehrerin gibt, die offen darüber spricht – Buch ist gekauft. Zum Abschluss: Ja, es gibt auch ein paar andere Lehrer. Leider können die aber nicht viel mehr tun, alles es in ihrem Rahmen besser zumachen. Beeinflussen, können sie ihre Kollegen in der Regel nicht. Diesen Lehrern, kann man nicht oft genug Dank aussprechen.
Diese Frage sei erlaubt! Als ich 1966 in den Schuldienst ging, warnte man uns dezent: Vermeidet es, in der Hauptstadt der DDR eingesetzt zu werden. Dort gibt es Schulen, bei denen jeweils 2 Lehrer in eine Stunde geschickt werden, damit unterrichtet werden kann. Ihr toller Beitrag erinnert mich irgendwie an diese Sprüche? Verallgemeinerungen sind häufig falsch. Ich verallgemeinere jetzt trotzdem: Es liegt an der renitenten Berliner Bevölkerung, dass dort die Lehrer heute so gern wegrennen. Eigentor Herr/Frau Forist/in?

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Bondurant 09.04.2019, 11:27
425. Warum sollte ich?

Zitat von smsderfflinger
Da ich aber nicht störrisch bin, hier mein Vorschlag: Es ist durchaus nicht unnormal, dass 19 jährige planen Lehrer zu werden und dazu gehört - in der Regel - natürlich auch das Leben im Beruf zu verbringen. Hier ist es Zeit für ein Ovid Zitat aus Asterix. Vielleicht verfahren die jungen Adepten auch nach dem schönen Satz: Video meliora, proboque deteriora sequor... Da aber dieser in dem Alter gefasste Entschluss nicht unabänderlich ist, kann er sich in den weiteren Jahren ständig anders entscheiden. Ist Ihnen diese Möglichkeit etwa unbekannt? Und damit sind wir schon wieder bei den 22 Berufsjahren der Autorin. Ich hoffe, Sie nehmen mir das jetzt nicht übel. D
Im Gegenteil: Sie sagen Nachdenkenswertes, wenn es auch etwas kryptisch ist: Warum sollte ein "normaler" 19-jähriger nach dem von Ihnen lateinisch zitierten Motto "ich sehe das Bessere und erkenne es an, dem Schlechteren folge ich" sein Berufsleben planen? Das allerdings fände ich nun wirklich bedenklich.

Und selbstverständlich kann man in noch jungen Jahren, aber auch später, seine Entscheidung wieder ändern. Das hat aber alles nichts mit den Berufsjahren der Autorin zu tun, denn es geht um die Grundsatzfrage, warum ein 19-jähriger (Ex ) Schüler sich dazu entschließen sollte, nach 13 Jahren auf einer Lehranstalt auch den Rest seines Lebens in einer solchen zu verbringen? Ich finde schon, dass diese Frage einer ernsthaften Überlegung und einer plausiblen Antwort bedarf. Hilfestellend kann man erwähnen, dass in früheren Zeiten der Lehrerberuf (insbesondere der Volksschullehrer) eine Stufe auf der Treppe zum sozialen Aufstieg war: Menschen, die nicht aus privilegierten Kreisen stammten, konnten durch diesen Beruf einen ersten Schritt in die bürgerliche gute Gesellschaft machen. Dieses Motiv dürfte heute ja vollkommen fern liegen. Wenn zudem, auch hier im Forum, immer gerne geklagt wird, dass man ja in der "freien Wirtschaft" so viel mehr Geld verdienen würde, wird es vollends unverständlich, wieso überhaupt jemand Lehrer wird, insbesondere aber, wieso sich ein junger Mensch gleich nach der Schule für so etwas entscheidet. Genau betrachtet bleiben nur zwei Möglichkeiten: entweder die Lehramtsstudenten in spe sind samt und sonders ganz große Idealisten. Oder es ist eben doch der Hang zur Sicherheit und insbesondere das Bedürfnis, dort zu bleiben, wo man glaubt sich auszukennen, eben in der Schule. Was meinen Sie?

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mk58 09.04.2019, 11:28
426.

Zitat von smsderfflinger
Hier sind die 8 Zeilen noch einmal: "Zitat von parismch Unfassbar, klar dass der Spiegel wieder sowas fördert. Das Problem sind nicht Lehrer sondern die narzisstischen Eltern, die sich nicht kümmern und denken Erziehung findet nicht zuhause sondern in der Schule statt. 15 SchülerInnen pro Klasse und 24 Wochenstunden würden die Unterrichtsqualität sofort vervierfachen. Die schlechten Arbeitszeiten, Überstunden und schlechte Vergütung fördern nicht wirklich guten Unterricht. Wie soll denn bitte da der Blick auf den Einzelnen Schüler noch fallen können...?!" Und jetzt Butter bei die Fische : Wo ist die "Unzahl" an Fehlern? Listen Sie auf! Bin gespannt. D
Unfassbar, klar KOMMA dass der Spiegel wieder sowas fördert. Das Problem sind nicht Lehrer KOMMA sondern die narzisstischen Eltern, die sich nicht kümmern und denken KOMMA Erziehung findet nicht ZU HAUSE (statt zuhause) KOMMA sondern in der Schule statt. FÜNFZEHN (Zahlen am Satzanfang werden ausgeschrieben) 15 SchülerInnen pro Klasse und 24 Wochenstunden würden die Unterrichtsqualität sofort vervierfachen. Die schlechten Arbeitszeiten, Überstunden und schlechte Vergütung fördern nicht wirklich guten Unterricht. Wie soll denn bitte da der Blick auf den EINZELNEN (klein geschrieben wäre richtig) Einzelnen Schüler noch fallen können...?!"

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Bondurant 09.04.2019, 11:30
427.

Zitat von elizar
Die Frage ist so intelligent wie: Warum wählt man konservativ?
bedaure. Sie haben die Frage nicht verstanden.

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redebrecht 09.04.2019, 11:45
428. Zu kompliziert

Und wieder kommen all die unzufriedenen Kinder, die nicht genug bespasst worden sind aus der Ecke, und schimpfen auf die Lehrer. Die Schule ist der Ort, wo Eltern ihre Kinder abschieben, damit sie dort lernen, was sie zu Hause nicht lernen können. Kinder sollen fit gemacht werden Selbstverantwortung zu übernehmen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Alles andere ist Luxus. Die Leute gehen davon aus, dass ein Lehrer zu allen Schülern ein Verhältnis aufbauen muss. Dazu kann ich nur sagen, die Lehrer die das wollten, wurden von einem Teil der Schüler, ganz besonders verachtet. Ein Lehrer kann sich nicht für alle richtig verhalten. Manche Typen kann man als Schüler nicht leiden, basta. Es reicht, wenn er gerecht und fair benotet. Gute Arbeit leistet er, wenn er es schafft den Lehrplan in einer Stunde darzustellen. Schafft er das nicht, weil er Kevin und Lena davon überzeugen muss, das jetzt keine Papierflieger gebastelt werden und auch nicht die Zeit für Schminktips ist, dann verstehen die Schüler die Bedeutung der Schule nicht. Das muss den Kindern klar gemacht werden. In der Schule geht es um lernen, nicht um Erziehung. Man muss schon erzogen sein, um zu lernen. Bin jemand, der Autorität immer abgelehnt hat, aber den Sinn der Schule, den Sinn vom Lernen verstanden hat. Ich war also immer jemand, der mit Lehrern Probleme hatte, aber gerne gelernt hat. Kluge Lehrer haben das erkannt und genutzt und dumme Lehrer kann man nicht klug machen.

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kuschl 09.04.2019, 11:47
429. Pestalozzis Erben

Die Kritiker kommen häufig aus den eigenen Reihen und die Empörung der Kollegen ist mal wieder groß. Über meine eigenen Erfahrungen habe ich schon in Beitrag 365 geschrieben. Das Buch ist nicht das einzige, in dem über Qualität und Eignung berichtet wird. Lehrer leben nun mal in ihrer eigenen Filterblase und in relativer Isolation mit Schülern und Kollegen, wobei da Kommunikation schon relativ eingeschränkt ist.was ihnen fehlt, ist der Blick über den Tellerrand ihrer Schule. Schüler dürfen emotional ihre Ideale ausleben, wie dies momentan Freitags passiert, Lehrer sollten sich hier zurückhalten und sich nicht verzückt über ihren tollen Einfluss freuen, sondern die Umsetzung der Maximalforderungen einmal für Wirtschaft und Finanzen, sowie die Gesellschaft mit dem Verlust hunderttausender Arbeitsplätze einmal durchdiskutieren. Das muss man von ihnen verlangen können. Dieser Bezug zu realen Problemen fehlt vielen Lehrern völlig es reicht eben nicht, zu meinen, über die Sicht und die Probleme der Schüler, die Welt zu verstehen oder sogar belehren zu wollen. Merkwürdigerweise kommen die Kritiker häufig aus den eigenen Reihen. Ich empfehle das Buch Pestalozzis Erben, ein Schulleiter, der nach Pensionierung sein eigenes Kollegium beschreibt und sich ähnliche Kritik aus den eigenen Reihen eingehandelt hat. Ein herrliches, amüsantes Buch, in dem sich seine namenlosen Kollegen so gut beschrieben vorfanden, dass einer ihn sogar verklagt hat.

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