Forum: Karriere
Eine Lehrerin packt aus: "Das Problem steht vor der Klasse"
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Desinteressiert oder autoritär, im schlimmsten Fall auch beides: So hat Lehrerin Sigrid Wagner ihre Kollegen erlebt und darüber ein Buch geschrieben. Hier erzählt sie, wer den Job lieber nicht machen sollte.

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airfresh 08.04.2019, 13:28
80. Angst vor Fehlern

Vieles, was hier gesagt wird, ist richtig. Ich glaube aber nur bedingt, dass die "falschen" Menschen Lehrer werden. Ja, natürlich wäre es toll, wenn die Geeignetsten den Job machen würden. Aber es ist halt auch nur ein Querschnitt der Gesellschaft. Es gibt auch in anderen Bereichen unglaublich viele mäßig Begabte.

Habe in der Verwandtschaft einige Lehrerinnen - nach allem, was ich da so raushöre, ist es die Bürokratie, die jegliche Motivation erstickt. Angst davor, bei irgendeiner Vergleichsarbeit schlecht dazustehen; sich angreifbar zu machen bei der Benotung oder Prüfungsvorbereitung oder Eltern gegen sich aufzubringen. In Dienstberatungen geht es ausschließlich um Formalitäten und "Risiken", nie um inhaltliche Konzepte oder Schülermotivation. Dinge wie Schulüberprüfungen sind grausame Laien-Theaterstücke. Wer erinnert sich nicht an diese Stunden, wo Lehrer (plötzlich komplett aufgebrezelt) vor der Klasse stehen und eine einstudierte Stunde geben und die Schüler mit Belohnungen ködern "wenn alles klappt". Dann hat man wieder ein paar Jahre Ruhe.
Auch wird nicht häufig genug die Frage geklärt, warum die Schüler ein bestimmtes Thema im Unterricht behandeln (da verliert wahrscheinlich jemand, der sein Leben komplett in der Schule verbringt tatsächlich die Orientierung). Wie oft muss ich als Vater abends erklären, warum Bismarck, der Cosinus oder die Tundra von Bedeutung sind...

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leser58 08.04.2019, 13:28
81. Vorgeschlagene Lösung nicht umsetzbar

Wenn eh Lehrerinnen und Lehrer fehlen, wie soll dann noch eine Auswahl getroffen werden. Zudem gibt es in allen Berufen Versager. Mag sein, dass die Quote im Lehrberuf höher ist, sicher bin ich mir da aber nicht.

Wenn ich an meine eigene Schulzeit in den 60er und 70er denke, dann gab es einige sehr gute Lehrerinnen und Lehrer, der Großteil war Mittelmaß und dann gab es welche, die die Hölle für uns Schüler waren. Bei meinen Töchtern gab es in der Grundschule eine Lehrerin mit psychischen Problemen, die eigentlich in Behandlung gehört hätte. Im Gymnasium war ich dann positiv überrascht über das Engagement des Personals. Das wurde allerdings nicht von allen Eltern gewürdigt. Häufig wurden Lehrer für Probleme verantwortlich gemacht, auch wenn die eigentliche Ursache bei den Kindern und ihren Eltern lag.

Richtig ist sicherlich, dass die Erfahrungen von Frau Wagner nicht allgemein übertragbar sind. Dennoch werde ich das Buch lesen.

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Bondurant 08.04.2019, 13:30
82. Alter Hut?

Das System zieht die Falschen an: verunsicherte junge Menschen, die nach der eigenen Schulzeit am liebsten da bleiben wollen, wo sie sich auskennen - in der Schule. Und die studieren dann Lehramt.

Neulich noch machte mich eine Bekannte darauf aufmerksam, dass genau dieses Problem des Lehrers an sich bereits 1974 in dem bekannten Werk des noch bekannteren Psychoanalytikers Horst Eberhard Richter - "Lernziel Solidarität" - als eben das Problem des Lehrers schlechthin bezeichnet wurde: der Wunsch, auch als Erwachsener dort zu bleiben, wo man sich auszukennen glaubt, also in der Schule. Offenbar ist das Problem nicht lösbar.

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Stefan12345678 08.04.2019, 13:31
83. Teilweise vielleicht richtig

Frau Wagner mag vielleicht teilweise nicht Unrecht haben, aber in großen Teilen bin ich anderer Meinung. Wenn ich schon lese "Lehrer müssen mit den Kindern zusammen (er)arbeiten und lernen wollen." Das ist eine romantische Ansicht, die sich in den letzten Jahren in der Gesellschaft etabliert hat. Selbst ein guter Lehrer kann sich nach 25 Jahren im Dienst Dinge mit Kindern nicht immer erarbeiten. Außerdem kann man das vielleicht in der Grundschule und in der Oberstufe machen, weil die Kinder lernwilliger sind und die Oberstufler wissen worum es geht. Aber Teenager in der Pubertät? Mit denen kann man nicht arbeiten, erst recht nicht zusammen.
Fehler in der Personalwahl? Man kann auch nur Leute einstellen, die sich bewerben. Und Quereinsteiger können auch nicht die Lösung sein. Wer in seinem Job Erfolg hat, wird wohl eher selten auf einmal Lehrer werden wollen.
Allein in NRW gibt es über 170.000 Lehrer, die können nicht alle so bescheiden sein. Und man kann auch nicht erwarten ausschließlich die Creme de la Creme zu bekommen. Die zu niedrige Anzahl Lehrer ist übrigens unter anderem ein Grund, dass Klassen zu groß sind, zu viel Unterricht ausfällt und Kinder/Schüler*innen nicht die nötige Betrreuung erhalten. Sicherlich, muss die Schulausbildung modernisiert werden, vor allem im Digitalen Bereich. Auf der anderen Seite hat sich in der Mathematik oder der Deutschen Sprache nicht viel geändert. Dass Schüler immer weniger lernen bzw. schlechter ausgebildet die Schule verlassen, bestätigt doch auch die Wirtschaft, die sich zunehmend über die Qualität der Auszubildenen beschwert.
In meinen Augen liefert Frau Wagner hier eine Ausrede für dumme und faule Schüler bzw. deren Eltern, die auf dieses Buch verweisen und behaupten die Lehrer sind an allem Schuld.

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i_surfer 08.04.2019, 13:32
84. wow! so ein thema mit dem inhalt!

und zwar beim spiegel ganz oben! kaum sind 25 jahre vergangen, und schon spricht jemand tacheles über das hauptproblem der deutschen schulen. respekt. jetzt noch schnell die bildungspolitik in der brd ändern->und die zukunft ist gesichert.

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peter70465 08.04.2019, 13:32
85. Richtiger Bullshit! ALLE Lehrer: Finde den Fehler!

Diese Frau will mal ordentlich den Verkauf ihres Buches ankurbeln, auch Abverkauf genannt. Wie macht man das am Besten? Richtig, einfach mal paar pauschale negative Meinungen über Kollegen raushauen.

(Fach-) Didaktik ist eine wichtige Kompetenz und die haben die meisten Lehrer wirklich besser drauf als Nicht-Lehrer. Wie es menschlich harmoniert ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Nur Erziehung kann ein Lehrer einfach nur beschränkt übernehmen: Kein Lehrer kann den prozentual hohen Einfluss des Elternhauses komplett aufheben. Dann müssten die Schüler schon im Internat wohnen damit das geht.

Mit der gleichen negativen Haltung könnte man bei der Lehre an der Uni anfangen: Die Didaktik und die Mühe Wissen zu vermitteln ist dort gleich erheblich viel niedriger. Ganz ehrlich, Schule und Lehrer sind dagegen noch richtig gute Wissensvermittler.

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zudummzumzum 08.04.2019, 13:33
86. Endlich spricht es mal jemand aus!

Der Fisch stinkt vom Kopf, das Problem ist hausgemacht. Aber mittlerweile tourt schon die vierte Nachkriegsgeneration durch die Klassenzimmer und die Negativ-Auslese bei den Lehrern nimmt immer heftiger Fahrt auf.
1. Zu kleine (!) Klassen. Nein, Schule ist kein Ort individueller Lernförderung - dazu sind die Eltern da. Es geht um "Sozialverträglichkeit" und Allgemeinbildung, nicht um Neigungen und Stärken stärken ...
2. Falscher beruflicher Aufstieg: Wie machen Lehrer Karriere? Richtig, mit weniger Stunden und mehr Tätigkeiten (Schulleitung oder Ministerialarbeiten) für die sie nicht ausgebildet oder qualifiziert sind. Übrig an den Schulen bleiben die, die man als leistungsträger zum beruflichen Aufstieg identifiziert hat. Aber die stellen in den Lehrerkonferenzen die Mehrheit.
3. Keine Beurteilung, kein Feedback über die eigenen Leistungen. Stattdessen Selbstgefälligkeit und Rumhacken auf den Kollegen.
4. Dadurch fehlende Konfliktfähigkeit - auch gegenüber den Eltern.

Lösung: Klassengröße auf 35 bis 40 ausweiten, dafür aber Lehrerabdeckung 135 bis 150 %. Lehrer hospitieren ständig in anderen Klassen und geben den Kollegen Feed-Back, halten aber auch den Rücken frei bei Problemkindern.
Damit verbunden viel griffigere Absprachen im Rahmen der Selbstverwaltung der Schule.
Mobbing wird Vorschrift: Jedes Jahr MÜSSEN 10% der Lehrer die Schule verlassen und entsprechend neue dazukommen. Dieses "Schmoren im eigenen Saft" muss aufhören.

Damit wird der Beruf unattraktiv? Warum? Aber wenn, dann umso besser, denn das wäre der Beweis für meine Thesen.

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alba36 08.04.2019, 13:34
87. Was ich mich frage:

Ich bin seit 25J Lehrer an einem Gymnasium, und würde sagen, bei uns entsprechen deutlich weniger als 1/3 der Beschreibung des Artikels. Es fragt sich halt, wie hoch der Anteil in anderen Berufen "mit Menschen", und überhaupt allen Berufen ist. Schon mal bei den Ärzten nachgesehen, oder den Politikern, oder Managern? Wie benehmen sich die, aus welchen Gründen wählen sie ihren Beruf usw., wie behandeln sie die andern in ihrem beruflichen Umfeld? Alles vollprofessionelle Menschenfreunde, die aus Liebe zur Sache arbeiten? Aha!
An den Lehrern wird gerne herumdiagnostiziert, weil jeder, der in der Schule war (also jeder) meint, sich ein fundiertes Urteil erlauben zu können. Ich arbeite übrigens gerne mit den Jugendlichen, die sind nämlich noch nicht so wie ein erstaunlich großer Anteil der Leute, die in Meinungsspalten der Zeitungen tagtäglich haten, jammern, und alle Welt belehren, wie furchtbar alles ist, wie falsch alle alles machen, und wie genau sie wissen, wie es wirklich ginge. Die Jugendlichen, mit denen ich arbeite, sind neugierig, offen, überwiegend erstaunlich höflich und freundlich. Natürlich gilt: Wie man in den Wald schreit...

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vanilla2611 08.04.2019, 13:34
88.

Zitat von ahauser
Nur noch Lehrer einstellen, die vor dem Studium einen Beruf erlernt haben, also Kontakt zum realem Leben. Permanentes Qualitätscontrolling, 3 Wöchige Weiterbildung in den Sommerferien und wenn die Leistung nicht erbracht wird, Tschüss (auch wie im realem Leben):-)
Ach kommen sie, wo ist das denn im realen Leben so? Ich hab mittlerweile viele (zugegeben nur große) Unternehmen kennengelernt und in keinem sah es so aus, als würde da irgendein "Minderleister" vor die Tür gesetzt.
Selbst in der eigenen Firma, die als Beratungsunternehmen eher den "up-or-out" Gedanken pflegt, wird nur ganz selten jemand vor die Tür gesetzt, weil er nicht genug Leistung bringt.

Ich bin mir sicher, dass man aus der deutschen Wirtschaft locker 50% Effizienz-Steigerung raus quetschen könnte, ohne dass jemand eine Überstunde mehr machen müsste. Nicht, dass ich mir das jetzt herbei wünschen würde, aber die Mär von der knallharten Wirtschaft ist doch lächerlich. Leistungsbedingte Kündigungen sind in großen Firmen und Konzernen extrem selten.

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sierra_hotel 08.04.2019, 13:36
89. Für mich nicht ganz nachvollziehbar

Ich habe das zu meiner Abizeit Ende 80er Anfang 90er Jahre und danach etwas anders erlebt. Die Quote der fiesen unfähigen Typen unter meinen Lehrern lag bei nur etwa 30%. Sehe ich mich heute in der großen Firma um in der ich arbeite ist die Quote der Unfähigen, Low Performer oder einfach Unkollegialen etwa gleich. Nicht die Opfer wie die Buchautorin das beschreibt wurden in meinem Jahrgang Lehrer sondern die allergrößten Chaoten, Kasper und Cliquenanführer und die It-Girls wie man sie heute vermutlich nennen würde haben nach dem Abi diesen Beruf ergriffen. Somit kann das Buch keine Allgemeingültigkeit für sich in Anspruch nehmen. Aber Lehrerbashing ist natürlich immer ein gern genommenes Thema zwischen Klimaschutz und Zuwanderung mit dem sich gut ein Buch schreiben und Geld verdienen lässt. Sie sollten einmal andere Lehrer fragen was die sich von Schülern so alles gefallen lassen müssen und von Eltern, denen man genau so jede erzieherische Kompetenz absprechen muss.

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