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Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts: Nach 22 Jahren Pause erneute sachgrundlose Be
Martin Schutt/ DPA

Wie lange muss ein festes Jobverhältnis zurückliegen, damit eine weitere Befristung ohne Nennung von Gründen wieder möglich ist? Die höchsten deutschen Arbeitsrichter setzen eine sehr große Zeitspanne an.

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großwolke 21.08.2019, 21:06
1. Zwei Seiten derselben Medaille

Die Frage bei diesem Sachverhalt ist, wieviel Schaden die Regelung verhindert, aber auch, wieviel sie verursacht. Wer als Arbeitsloser beispielsweise ein sachgrundlos befristetes Arbeitsverhältnis mit einem Bundesland oder einem Großkonzern im Lebenslauf stehen hat, der ist für diese ziemlich großen Arbeitgeber für lange Zeit verbrannt, selbst wenn er sich auf einen Job an völlig anderer Stelle bewirbt.

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outofthebox39 21.08.2019, 21:44
2. Sachgrundlose Befristungen abschaffen!!

Jahrelang habe ich mich von Vertrag zu Vertrag gehangelt, bis ich endlich nach sechs Jahren eine feste Stelle bekam. Meine Familienplanung musste ich stets nach hinten schieben - wer entfristet eine Schwangere oder eine Mutter in Elternzeit? Mein Mann macht das ganze bereits seit 20(!) Jahren als Universitätsangehöriger beim Land Rhein-Land-Pfalz mit. Projekt hier, Vertretung dort, nie eine feste Stelle trotz top Noten und Zeugnissen. Als wir (beide über 40) kürzlich ein Haus kaufen wollten bekam nur ich einen Kredit. Ich selbst arbeite im öffentlichen Dienst jetzt alle zwei Jahre eine neue Mitarbeiterin ein. Selbst Petitionen an die Landesregierung halfen nichts. Ich muss immer wieder von vorne anfangen und verliere die Leute in dem Moment, in dem ich sie endlich selbständig arbeiten lassen könnte. Dadurch geht wahnsinnig viel Zeit, Energie und Geld verloren. Frust überall. Aber es werden nicht genug Stellen für Daueraufgaben freigegeben. Das Land verbrennt unfassbare Ressourcen. Sachgrundlose Befristungen insbesondere für Daueraufgaben müssen abgeschafft werden. Besonders im öffentlichen Dienst, der ein schädliches Vorbild ist!

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NoBrainNoPain 22.08.2019, 09:16
3. Bilanz nach 2 Jahren...

In der jetzigen Form gilt die Regel seit Anfang 2018. Bei uns in der Firma wurden jetzt den meisten befristeten Mitarbeitern mitgeteilt, das sie zum Jahresende arbeitslos sein werden und für uns geht jetzt das anlernen immer neuer befristeter Mitarbeiter los. Bin mal gespannt, wie die Bilanz am Ende des Jahres auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Das könnte ein interessanter Artikel hier bei Spon werden.

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StefanieTolop 22.08.2019, 10:14
4. Der Staat macht sich die Regeln selbst

Die Klage wurde doch nur deshalb abgewiesen, weil der Beklagte der Staat selbst war. Hätte es sich um einen normalen Arbeitgeber gehandelt, dann hätte sie durchaus gute Chancen gehabt. Bei dem Facharbeitermangel, den wir angeblich haben, müssten sich die Firmen (inkl. Staat) aber doch um die Angestellten reißen...

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vitalik 22.08.2019, 11:42
5.

Zitat von NoBrainNoPain
In der jetzigen Form gilt die Regel seit Anfang 2018. Bei uns in der Firma wurden jetzt den meisten befristeten Mitarbeitern mitgeteilt, das sie zum Jahresende arbeitslos sein werden und für uns geht jetzt das anlernen immer neuer befristeter Mitarbeiter los. Bin mal gespannt, wie die Bilanz am Ende des Jahres auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Das könnte ein interessanter Artikel hier bei Spon werden.
Für mich klingt es so, als liegt das Problem bei Ihrer Firma und nicht bei der Regelung. Anscheinend ist es so, dass Ihre Firma Sie als "Ressource" für die Ausbildung immer neuer befristeter Mitarbeiter verschwendet. Ihre Ausführung klingt auch so, als würde Ihre Firma dauerhaft Mitarbeiter benötigen, sonst würde man ja nicht direkt Neue einstellen, wenn die Alten wegen der Befristung gehen müssen. Warum dann nicht gleich die Mitarbeiter übernehmen und Verantwortung zeigen.

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unglaublich_ungläubig 22.08.2019, 12:19
6.

Wieder zeigt sich, dass der öffentliche Dienst einer der miesesten Arbeitgeber ist. Wir (IT-Unternehmen) könnten es uns überhaupt nicht erlauben, unsere Mitarbeiter so zu behandeln, und würden es auch nicht wollen. Ich als Bürger schäme mich, dass meine Repräsentanten (Kommune, Land, Bund) so mit Menschen umgehen. Und ich ärgere mich, dass auf diese Weise teure Ineffizienz gefördert wird.
Fazit: Sachgrundlose Befristung verbieten!

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cunosabatke 22.08.2019, 13:34
7. Staat wird zum Lohn Sklavenhalter

Der größte Arbeitgeber für sachgrundlos befristete Arbeitsverhältnisse, ist unser so all geliebter Staat und dabei kann ihm keiner der Privatunternehmer das Wasser reichen, es sollte sich jeder bei der nächsten Wahl genau Überlegen, wo das Kreuz hin kommt, ach ja, keiner unserer Parteien wird sich je für uns normalen Menschen einsetzten, das ergibt sich aus der Beobachtung von vierzig Jahren Innenpolitik, eigentlich sind wir selber Schuld!!!

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cs01 22.08.2019, 13:37
8.

Fehlt nur noch, dass jetzt über die raffgierigen unmenschlichen Unternehmer geschimpft wird, die ihre Mitarbeiter nur befristet anstellen. :-) Befristungen sind in erster Linie ein Problem staatlicher Arbeitgeber und da ganz einfach zu bekämpfen. Einfach keine Befristungen machen, es gibt kein Gesetz, dass einen Arbeitgeber ob staatlich oder nicht, zur Befristung zwingt.

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scooby11568 22.08.2019, 16:34
9. @ cs01 die gibt es leider genauso...

Ist nicht nur ein staatliches Problem. Befristungen zur Überbrückung oder für ein spezielles Projekt sind ok, die Stelle anschließend wieder so zu besetzen sollte gesetzlich verboten werden.

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