Forum: Karriere
Erzieherstreik: So hart ist die Arbeit in der Kita
DPA

Streik in der Kita: Erzieherinnen sollten mehr verdienen, sagen die Gewerkschaften, auch weil sie einen belastenden Job haben. Stimmt das? Die wichtigsten Fakten.

Seite 9 von 11
Mitti 09.05.2015, 15:19
80. nur bedingt Verständnis

"Die Zahl der Krankheitstage hat im Laufe der Nullerjahre zugenommen, mit der Umsetzung der Bildungspläne der Bundesländer fühlen sich viele Erzieher überfordert. "

Mehr Geld hilft da nicht, da hilft nur ein anderer Betreuungsschlüssel. Davon hätten auch die Kinder was. Gegenüber ist eine Kita und wenn in der warmen Jahreszeit die Fenster offenstehen, bekommt man einen guten Eindruck davon, was für ein Lärmpegel drinnen herrscht. In der Tat, wer lärmempfindlich ist, wird da krank, aber nicht nur die Erzieher, sondern auch deren Schützlinge. Mehr Erzieher pro Kind wären zumindest hier allemal sinnvoller als mehr Geld für die, die schon da sind.
Es wurde kritisiert, dass es kaum Vollzeitstellen gibt – bitte, warum wird dann nicht darum gekämpft statt für mehr Lohn? Ich finde das genannte Einstiegsgehalt nicht gerade gering, wenn man bedenkt, dass man bereits mit 22 die vielzitierte „5-jährige Ausbildung“ abgeschlossen haben kann.

Beitrag melden
tullrich 09.05.2015, 15:40
81. was man nicht alles müssen muss

Zitat von Ein Erzieher
Bei den Aufgaben, die Erzieher heutzutage haben, wird oft der große Anteil an Sozialarbeit übersehen, der gravierend ist. Erzieher haben häufig mit Eltern zu tun, die wenig bis gar keine erzieherischen Kompetenzen mitbringen. Dann muss mit der gesamten Familie gearbeitet werden und es müssen zusätzliche Hilfsmaßnahmen gesucht und organisiert werden. Dieser Aspekt taucht in der Ausbildung kaum auf. Erzieher legen den Grundstein und tragen die Verantwortung für den Start ins Leben für viele Kinder, die sonst auf der Strecke bleiben würden....
Sie wollen mir und den anderen Foristen im Ernst erzählen, dass Erzieher in Kindertagesstätten auch Erwachsene erziehen müssen? Also zuerst eine amtliche Einschätzung der Erziehungskompetenz der Eltern, gefolgt von Umerziehungsmaßnahmen gegen die Eltern? Vielleicht sollten Sie ein Zitat von Friedrich Nietzsche über dem Tor zu Ihrer Kita anbringen: "Ich, der Staat, bin das Volk."

Beitrag melden
thekingisdead 09.05.2015, 15:48
82. Vergleiche

...heranzuziehen mit anderen Berufen, halte ich für wenig zielführend und unsachlich. Denn wenn man immer vermeintlich schlechter gestellte bzw. schlechter bezahlte Berufsgruppen heranzieht, dürfte man nach dieser Logik ja nie aufhören. Nach unten geht's immer. Streiken ist ein Grundrecht. Man sollte dies jedem zugestehen und nicht wieder eine typisch deutsche Neiddebatte starten.

Beitrag melden
hoope 09.05.2015, 16:07
83. Gut erkannt..

..Widerstandsgewächs? 1. All die widrigen Umstände und Rahmenbedingungen, denen Pädagogen ausgesetzt sind, beeinträchtigen auch das Wohlbefinden und die Optimale Entwicklung der Kinder! 2. warum waren Erzieher früher weniger gestresst als heute, haben sie doch auch schon immer 18 Kinder allein betreuen müssen? Ja, der gesellschaftliche Wandel wirkt sich eben aus: Kinder werden heute nicht mehr wohlerzogen und brav von ihren Eltern in die Kita gebracht. Sie sind selbstbewusste kleine Persönlichkeiten, mit einem eigenen Willen. Sie sollen so früh wie möglich lernen, sich durchzusetzen. Sie dürfen auf gar keinen Fall autoritär erzogen werden. Erzieher sollen keine pädagogische Beschäftigung, an denen alle 18 Kinder gleichen Alters teilnehmen müssen, durchführen. Sie sollen auf 18 Kinder zwischen 3 und 6 Jahren den ganzen Tag über ganz individuell eingehen, seine Bedürfnisse erkennen und es angemessen fördern. Eltern wollen darüber natürlich minutiös in Kenntnis gesetzt werden. Erzieher tragen den ganzen Tag den Fotoapparat mit sich rum, damit sie auch alles schön im Portfolio für jedes einzelne Kind dokumentieren können. Wann sie dokumentieren? Leider nicht mehr während die Kleinen Mittagsschlaf halten. Denn es gibt jetzt mehr "Wachgruppen", weil kein Kind mehr schlafen muss. Also nimmt der Pädagoge die Portfolioarbeit mit nach Hause und versucht die Infotafeln und Wandzeitungen in der Kita mit Infos für die Eltern zu füllen, während die Kinder "schön spielen". Schließlich muss er beweisen, dass er gearbeitet hat, das glaubt ihm sonst ja keiner, weil die Kinder auf die Fragen ihrer Eltern, was sie denn den ganzen Tag in der Kita gemacht haben, immer nur antworten: "Ich habe gespielt." Ach und dann sind da noch die diversen Auffälligkeiten, die die Kinder mitbringen. Da keine zusätzlichen Therapeuten in die Kita kommen, muss der Erzieher ganz nebenbei in seiner Freizeit noch fix die Ausbildung zum Heilpädagogen machen, damit er auch den Kindern mit besonderem Förderbedarf gerecht werden kann. Und dann die vielen Magen-Darm-Infekte: wieder den ganzen Vormittag im Waschraum verbracht, um Kinder von Erbrochenem und Exkrementen zu befreien? Aber das pädagogische Angebot kann man doch noch irgendwie mit rein quetschen, damit man einen Leistungsnachweis erbringen kann! Und wann trinkt er seinen Kaffee? Natürlich zufällig immer dann, wenn es Eltern sehen können: in der Bringe- und Abholzeit. Denn eine wirkliche Pause hat er nicht, wo er, ohne dass ständig irgendein Kind was von ihm will, in Ruhe seinen Kaffee trinken kann. Es gibt ja keine Vertretungskräfte, die ihn zur Pause ablösen. Tja da haben wir es, das Bild vom Erzieher in der Öffentlichkeit. Er hat nicht mal ein schlechtes Gewissen, wenn die Eltern ihn sehen, dass er Kaffee trinkt und die Kinder wieder nur spielen lässt.

Beitrag melden
melek_saribas1970 09.05.2015, 16:30
84. Mehr Geld = besser Arbeit?????

Die Frage, die ich mir hier stelle ist folgende: Meint hier irgendjemand, dass die Erzieherinnen bzw. Erzieher bessere Arbeit leisten werden, wenn sie mehr Geld bekommen?

Ich habe zwei Kinder. Diese waren (sind) in zwei verschiedenen Städten zu verschiedenen Jahren in der Kita. Leider muss ich sagen, dass Erzieherinnen nie die Arbeit geleistet haben, die sie leisten sollten. Auch im Bekanntenkreis sind wir der Meinung, dass nicht im Entferntesten die Arbeit geleistet wird, für die sie bezahlt werden.

Folgendes konnte ich (auch im Bekanntenkreis) beobachtet werden. Erzieherinnen, die auf ihrem Handy Spiele spielen (während der Arbeitszeit). Kinder werden längere Zeit unbeaufsichtigt gelassen (Unfälle an der Tagesordnung). Wenn man die Erzieherinnen fragt, wo sie denn gewesen ist, kommen fadenscheinige Ausreden. Beim Ausflug verliert man 3 Kinder (ist tatsächlich passiert). In der Kita sind tatsächlich 3 Kinder weniger angekommen. Die Kinder haben eigenständig das Elternhaus gefunden. Ist wirklich wahr.

Das allerbeste ist: (bei Ganztagskindern): Wenn Eltern sich beklagen, dann wird den Eltern ein schlechtes Gewissen gemacht, weil man versucht den Eltern einzureden, dass diese ihre Kinder nicht fördern. Auf die Frage der Eltern, wann man denn die Kinder fördern soll, wenn die Kinder 5 Tage die Woche von 8.00 Uhr morgens bis 16.30 Uhr in der Kita sind, zucken die Erzieherinnen mit den Schultern.

Leute, mal ganz im Ernst: Diese Behauptung, dass Kinder anstrengend sind, finde ich lächerlich. Zumindest werden die Erzieherinnen weder bedroht, noch beschimpft wie in vielen anderen Berufen. Diese Aussage ist deshalb lächerlich, weil man vorher wissen muss, dass Kinder laut sind. Dann darf man diesen Beruf nicht erlernen.

Eltern trauen sich oft nicht Leistung von den Erzieherinnen zu verlangen, weil man Angst hat, dass die Kinder dann darunter leiden.

Ich bin mal gespannt, ob Erzieherinnen, zumindest die Leistung bringen werden, die von Ihnen als Gegenleistung zum Lohn, erwartet wird.

Beitrag melden
zephyroz 09.05.2015, 17:46
85. nicht signifikant unterbezahlt

nach den bekannten und auch hier genannten Zahlen, finde ich nicht, daß die Erzieher signifikant unterbezahlt sind

Beitrag melden
hoope 09.05.2015, 17:57
86. Mehr Geld + bessere Rahmenbedingungen = bessere Qualität

Durch mehr Lohn lässt sich die Qualität der pädagogischen Arbeit in den Kitas langfristig verbessern, weil dadurch auch die jungen studierten Frühpädagogen und Sozialpädagogen wieder den Weg in die Kitas finden. Aber das ist nur die eine tragende Säule. Auch ein hochqualifizierter und hochmotivierter Frühpädagoge kann nicht allen 18 Kindern gleichermaßen gerecht werden. Die hohen Standards der Bildungspläne können nur durch mehr (Betonung! MEHR!) qualifiziertes pädagogisches Personal umgesetzt werden. Internationale Studien belegen, dass die Qualität der pädagogischen Interaktionen sinkt, wenn der Personalschlüssel im Kiga über 1:7 und in der Krippe über 1:3 liegt!!! Also: nur mehr Lohn allein reicht nicht. Es muss insgesamt mehr Personal her. Aber Bitteschön nicht durch Umschulung und Kinderpfleger. Eignungstests sollten wieder Voraussetzung für die Ausbildung zum Erzieher sein. Es kann nicht sein, dass Hauptschulabsolventen nach 2 Jahren Kinderpfleger in die Kitas gelassen werden. Und genommen werden müssen, weil sich niemand sonst bewirbt.

Beitrag melden
hoope 09.05.2015, 18:22
87. Wo bleiben die Eltern...

... wenn Erzieher für bessere Rahmenbedingungen kämpfen und mehr Personal fordern? Nicht nur die Pädagogen leiden unter dem schlechten Personalschlüssel! Auch die Kinder leiden unter der Massenbetreuung in viel zu großen Gruppen! Kein Wunder, dass sie immer lauter werden und Auffälligkeiten entwickeln. Ich kann verstehen, dass Pädagogen sich nicht mehr kritisieren lassen wollen, wenn sie bei ihren Forderungen nach MEHR Personal über viele Jahre ignoriert bzw. nicht unterstützt werden. Bei dem Desinteresse der Öffentlichkeit entwickelt sich zwangsläufig Frust und dann sagt man sich eben: " Das tue ich mir nur weiterhin an, wenn ich mehr Geld bekomme. Dann kann ich wenigstens mit vollem Portmonee den ganzen shitstorm ertragen."

Beitrag melden
Paul-Merlin 09.05.2015, 19:25
88. Gerechte Lohnhhöhe?

Zitat von shishmi
Laut Statistischem Bundesamt liegt die Betreuungsquote in den westlichen Bundesländer bei ca. 4,5 Kinder pro Vollzeitkraft und in den östlichen Bundesländer bei ca. 6. In unserem Bundesland Bremen sind es sogar nur ca. 3,1 Kinder pro Vollzeitkraft. In jedem Berufsfeld lassen sich "ungenügende" Verhältnisse finden - diese sind aber nicht die Regel. Dass man seinen Beruf im Laufe seines Lebens wechselt oder wechseln muss, ist nichts ungewöhnliches. Den meisten Menschen geht das im Laufe ihres Berufslebens so - aus den unterschiedlichsten Gründen. Ich bin selbst Vater eines Kindergartenkindes und ich vermag nicht zu erkennen, dass ErzieherInnen größeren Belastungen ausgesetzt sind, als die Verkäuferin, als der Handwerker, als der Facharbeiter, als der Rettungssanitäter, als der Polizist, als ... . Das Gehalt, das ErzieherInnen aber heute bereits beziehen, bei 30 Urlaubstagen im Jahr, ist alles andere als ein Hungerlohn und jetzt schon teilweise deutlich höher, als das Gehalt der anderen hier genannten Berufsgruppen. Und welches der in diesem Beitrag aufgeführten Probleme wird durch mehr Gehalt gelöst? Wenn die Probleme in einigen Regionen oder Kindergärten tatsächlich so gravierend sind, dann müsste für die Einstellung von mehr Personal und für kürzere Arbeitszeiten gekämpft werden. Die Selbstüberschätzung der ErieherInnen ist maßlos und die Forderungen sind maßlos. ... und offensichtlich hat dieses Berufsgruppe eine gute Lobby - den kritische Stimmen vermag man hier im Spiegel und auch sonst in der Presse kaum zu finden. Im Kreis der Eltern in unserem Kindergarten herrscht in der Mehrheit vollkommenes Unverständnis ob der phrasenhaften Argumentation seitens der ErzieherInnen - wir müssen nämlich auch alle hart für unser Geld arbeiten, uns ständig Weiterbilden und hin und wieder auch die Anstellung oder die Tätigkeit wechseln. Bei geringerem Brutto, bei weniger Urlaub im Jahr.
Ein schwieriges Feld. Da die Lohnentwicklung generell deutlich hinter dem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zurückgeblieben ist, sind die Arbeitnehmer insgesamt um ihren Anteil am Produktivitätsfortschritt der vergangenen zwei Jahrzehnte betrogen worden. Der Euro hat hierzu kräftig beigetragen. Dies gilt auch für die Erzieherinnen. Innerhalb des bestehenden Gehaltsgefüges der verschiedenen Arbeitnehmergruppen sind die Erzieherinnen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum öffentlichen Dienst allerdings sicher relativ besser gefahren als der Durchschnitt der Arbeitnehmer, einfach deshalb weil die Anzahl der nicht tarifgebundenen Arbeitgeber stetig nach oben gegangen ist und sich der Niedriglohnsektor kräftig ausgedehnt hat. Zu beachten ist auch, dass von den Kommunen jede Erhöhung der Vergütung für die Erzieherinnen umgehend zu einer Erhöhung der Kindergartenbeiträge genutzt werden wird. Im Ergebnis bedeutet dies, dass letztlich die Eltern der Kindergartenkinder die Zeche bezahlen werden.

Beitrag melden
ralf.podzierski 09.05.2015, 19:35
89. Krankenpfleger + Altenpfleger ...

das sind die Berufe, welche in Deutschland absolut (auch durch die "Oberen" wie Frau Merkel) unterbezahlt sind. Es wird laufend in der Öffentlichkeit darüber diskutiert, wie wichtig Berufe, wie Flugkapitäne, Lokführer, Straßenbahnführer, und sonstige per Electronic gesicherte Berfe sind.
Die Berufe AM MENSCHEN FÜR DEN MENSCHEN bleiben unten vor !

Beitrag melden
Seite 9 von 11
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!