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Experte für Exotensprache: Vor 1300 Jahren hätten mich alle verstanden
privat

Niedersorbisch, Yukatekisch oder Altgriechisch helfen im Alltag wenig weiter. Trotzdem lernen Tausende Schüler und Studenten Sprachen, die kaum einer spricht. Ein Erklärungsversuch.

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opag78 08.10.2015, 12:26
10. Fremdsprachen als Zugang zu höherer Bildung

Zitat von Friedrich Hattendorf
Gibt es eigentlich - ausser Deutschland/Österreich - einen grösseren Sprachraum in dem fast alle zwei Fremdsprachen lernen müssen, wenn sie studieren möchten?
Deutschland ist in dieser Hinsicht eher sehr großzügig gegenüber seinen Schülern. Immerhin müssen in Dtl. die Sprachen nur im Zeugnis stehen, aber nicht durch einen Extra-Test belegt werden. Das ist in anderen Ländern strenger. Außerdem wird bei uns auch die höhere Bildung in der Landesprache Deutsch vermittelt. Das ist in vielen anderen Ländern nicht üblich. Dort wird am Gymnasium und an der Uni ausschließlich in Englisch gelehrt.

Ansonsten gilt gerade für die "kleinen" Sprachen, z.B. die skandinavischen Sprachen, dass Fremdsprachen sogar Vorraussetzung sind, überhaupt die Schule zu beenden. Auch in Entwicklungsländern sind 2 Fremdsprachen gang und gäbe, ein Beispiel wäre z.B. Indien. Sicherlich ist das Bildungssystem dort deutlich schlechter, als bei uns, aber jeder Student muss dort mindestens Englisch fließend und Hindi beherrschen. In diesem Zusammenhang sollte man wissen, dass es in Indien 20 verschiedene lokale Sprachen und nochmal 200 Dialekte gibt. Auch in Indien ist daher sowohl die gymnasiale , als auch die universitäre Ausbildung ausschließlich in Englisch. Nur die Grundschule ist in der lokalen Sprache ...

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skiski-bowski 08.10.2015, 12:26
11. Habe ich nicht ganz verstanden

Zitat von termin8r
Genau. Und zu Klaustrophobier schreibt Wikipedia: "... Angst vor dem tatsächlichen oder gefühlten Eingesperrtsein oder vor der bloßen Präsenz enger oder abgeschlossener Räume." Beide Beispiele, werden also völlig korrekt in ihrer angeblich falschen Form verwendet.
Der Forist schreibt, Platzangst und Klaustrophobie werden verwechselt. Klaustrophobie ist die Angst vor engen Räumen (abgeleitet von claustrum), Platzangst ist Agoraphobie, die Angst vor weiten Plätzen. Enge gegen Weite. Wo ist das Problem?

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rayray77 08.10.2015, 12:40
12.

Zitat von bronck
Kinder in der Schule mit Altgriechisch oder Latein zu belästigen ist reine Verschwendung von Lebenszeit. 99,999% der Schüler werden das nie wieder in ihrem Leben benötigen. Das sind sogar noch weniger als die, die Mathe jemals wieder benötigen (nicht Rechnen!). Die Schulfächer leben doch nur wegen des ehernen Beamtendreisatzes: "Das haben wir schon immer so gemacht. Da könnte ja jeder kommen. Denn wir haben das schon immer so gemacht."
Würde ich so niemals unterschreiben. Ich hatte sieben Jahre Latein auf dem Gymnasium und bereue es kein bisschen. Es öffnet die Tür zu allen romanischen Sprachen, zu Englisch ebenfalls. Viele Fremdwörter der deutschen Sprache erklären sich mit Lateinkenntnissen von selbst. Und außerdem: "belästigt" wird meines Wissens nach niemand mit Latein oder Altgriechisch, da herrscht an den Schulen Wahlfreiheit (da lasse ich mich aber auch gern korrigieren).

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postit2012 08.10.2015, 12:41
13. Interessanter Gesichtspunkt,

Zitat von bronck
Kinder in der Schule mit Altgriechisch oder Latein zu belästigen ist reine Verschwendung von Lebenszeit. 99,999% der Schüler werden das nie wieder in ihrem Leben benötigen. Das sind sogar noch weniger als die, die Mathe jemals wieder benötigen (nicht Rechnen!). Die Schulfächer leben doch nur wegen des ehernen Beamtendreisatzes: "Das haben wir schon immer so gemacht. Da könnte ja jeder kommen. Denn wir haben das schon immer so gemacht."
den meine akademisch gebildeten Angestellten auch immer geäußert haben: "Watte nich brauchß, musste nich lernen".

Man braucht dann nur noch jemanden, der für einen entscheidet, was man braucht...

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Institutsmitarbeiter 08.10.2015, 12:52
14. Anwendungen und Forschung

Es wäre schön gewesen, wenn Herr Grube mehr über die Anwendungsbereiche für diese exotischen Sprachen gesprochen hätte. Es wurde kurz angerissen, aber ich hätte gerne mehr gehört.

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Sibylle1969 08.10.2015, 12:53
15. @rayray77

Ich war an einem altsprachlichen Gymnasium, an dem Latein als zweite Fremdsprache Pflicht war, altgriechisch war optional, die Alternative war Französisch. Ich habe nicht bereut, Latein gelernt zu haben, aber ich bin wahnsinnig froh, dass ich mich für Französisch entschieden habe, denn das hat mein Leben sehr stark bereichert (bei Reisen, durch Freunde finden und auch im Job). Ich habe nichts gegen Latein generell, bin aber dagegen, dass es zulasten einer zweiten lebenden Fremdsprache geht. Zudem ist Latein ein starkes Selektionsinstrument: an meiner Schule haben von ehemals 30 Schülern in meiner Klasse rund 10 das erste Jahr mit Latein nicht überstanden, das war in der 7. Klasse.

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Beansidhe 08.10.2015, 13:02
16. Latein und Griechisch...

sind nicht nur Türen für andere Sprachen, sondern vermitteln eine Kultur und Bildung sowie - richtig gelehrt - eine Systematik hinsichtlich Satzbau und Grammatik, die auch in der deutschen Sprache für die Schüler sehr nützlich sein kann.
Nebenbei: Die Schule soll auf das Leben vorbereiten und eine grundlegende Bildung vermittleln, nicht nur eine Vorstufe zum Berufsleben sein... Wenn wir angeblich unsere "abendländischen Werte" verteidigen wollen, sollten wir wenigstens wissen, worin sie bestehen.

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whostalking 08.10.2015, 13:10
17. Journalismus?!

"Niedersorbisch, Yukatekisch oder Altgriechisch helfen im Alltag wenig weiter."

One of these is not like the other: Sorbisch ist immerhin Amtssprache in Brandenburg und Sachsen, kann also mindestens beim ergattern eines Arbeitsplatzes im ÖD helfen (und das in einer wirtschaftlich schwachen Region). Gleichzeitg ist es recht nah am polnischen (wenn auch die Schreibweisen z.T. abweichen), erlaubt also eine Grundverständigung mit den nahegelegenen polnischen Nachbarn und bildet eine gute Basis für das weiterführende lernen weiterer slawischer Sprachen. Da die Lausitz im Grenzgebiet zu Polen und Tschechien ist, also ebenso von Vorteil.

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g10220530 08.10.2015, 13:36
18. Immer das gleiche schlechte Argument

Zitat von rayray77
Ich hatte sieben Jahre Latein auf dem Gymnasium und bereue es kein bisschen. Es öffnet die Tür zu allen romanischen Sprachen, zu Englisch ebenfalls. Viele Fremdwörter der deutschen Sprache erklären sich mit Lateinkenntnissen von selbst.
Mit diesem Argument wird immer wieder versucht, armen Schülern das Lernen toter Sprachen schmackhaft zu machen.

Haben Sie schonmal darüber nachgedacht, dass z.B. Französisch viel besser die Tür zu allen romanischen Sprachen öffnet? Viele Fremdworte kommen auch aus dem Französischen. Das gleiche gilt für Spanisch/Italienisch.

Und: Wenn man diese lebenden Sprachen kennt, kann man sich dann später tatsächlich im Bus mit anderen unterhalten.

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Tostan 08.10.2015, 13:44
19.

"Bei der Sorabistik stehen Ober- und Niedersorbisch auf dem Lehrplan; .... Die meisten Sprachspezialisten arbeiten später in der Forschung und Lehre. Andere Jobs gibt es kaum. "

Klar, genauso wie Germanistik, da gibt es auch nur Jobs in der Forschung und Lehre. Stimmt in beiden Fällen wenn man "Lehre" nicht mit "Hochschule" gleichsetzt. Sorbisch-Lehrer werden in der Lausitz dringend gebraucht, das sind keine toten Sprachen.

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