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Experte für Exotensprache: Vor 1300 Jahren hätten mich alle verstanden
privat

Niedersorbisch, Yukatekisch oder Altgriechisch helfen im Alltag wenig weiter. Trotzdem lernen Tausende Schüler und Studenten Sprachen, die kaum einer spricht. Ein Erklärungsversuch.

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Friedrich Hattendorf 08.10.2015, 15:49
30. zwei Fremd-Sparachen

Zitat von muellerthomas
Muss man denn in Deutschland zwei Sprachen lernen oder gibt es nicht auch Gymnasien, an denen Schüler nur eine Fremdsprache als Pflichtfach belegen müssen?
Es gab mal das NRW-Abi mit nur einer Fremdsprachen - das wurde dann gekippt.

Es war insbesondere für Schüler mit Realschulabschluss die Chance, zum Studium zu kommen, Man kannte damit zwar nicht alle Fächer studieren - aber das waren i.a. Fächer, die diese Klientel eh wenig interessierte.

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tomquixote 08.10.2015, 15:50
31. Doch, doch

Zitat von bronck
Kinder in der Schule mit Altgriechisch oder Latein zu belästigen ist reine Verschwendung von Lebenszeit. 99,999% der Schüler werden das nie wieder in ihrem Leben benötigen. Das sind sogar noch weniger als die, die Mathe jemals wieder benötigen (nicht Rechnen!). Die Schulfächer leben doch nur wegen des ehernen Beamtendreisatzes: "Das haben wir schon immer so gemacht. Da könnte ja jeder kommen. Denn wir haben das schon immer so gemacht."
Bester Bronk -
Sie haben m.E. mit Ihrer Ablehnung des Altgriechischen im Unterricht nicht Recht. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen versichern, dass mir die drei Jahre Griechisch auch später, in meinem Leben als Chemiker, vor allem auch beim Erlernen weiterer Sprachen, darunter Japanisch, sehr genützt haben.

Einer meiner Söhne, jetzt gut verdienender Informatiker, hat das große Graecum, also 5 Jahre Schulgriechisch und hat mir bestätigt, dass dieses Fach ihm später sehr geholfen hat, nicht zuletzt, weil man auf beiden Gebieten darauf achten muss, kohärente Formulierungen zu erstellen.

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Friedrich Hattendorf 08.10.2015, 16:04
32. Das große Lat(r)inum

Fragen Sie mal Ihren Arzt, wieviel es im Studium geholfen hat.
Ich bin nicht dagegen, dass Schüler eine zweite, ditte, ... Fremdsparche lernen dürfen, bin aber schon dagegen, dass dies i.w. zu Lasten von Fächern geht, die zum Verständnis unserer heutigen Welt mehr beitragen: Wirtschaft, Naturwissenschaften, Informatik.

Allein die zur Verfügung stehende Zeit setzt Grenzen.
Ich hatte anfangs nach "größeren" Sprachräumen gefragt - diese Frage wurde mit Indien teilweise beantwortet. Da es dort i.w. viele kleinere Sprachräume gibt ist die Antwort Hindi als erste und Englisch als zweite (oder erste?) Fremdsprache nur z.T. treffend.

Es liegt vielleicht doch eine ähnliche Situation vor, wie bei kleineren europäischen Sprachräumen. Ein Luxemburger, der länger als eine halbe Stunde mit dem Auto unterwegs ist, kann sich auch nicht mehr auf Lëtzebuergesch unterhalten.

Soweit ich weiss, müssen Schüler in F und GB (von USA ganz zu schweigen) nicht unbedingt eine zweite Fremdsprache lernen. Muss überhaupt jeder mindestens eine Lernen? Über F,I, RUS weiss ich in diesem Punkt nichts.

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willibaldus 08.10.2015, 16:14
33. Da habe ich kein Problem mit.

Zitat von eMaX
Ausserdem wird einem beim Umgang mit indischen Kollegen bald auffallen, dass sie das Englische regelmässig mit in ihren Sprachfluss einmischen, ohne dass das irgend jemanden verwundern würde. Dasselbe in Deutschland, und man muss sich anhören lassen, man verschandele durch seine Anglizismen die deutsche Sprache. Darüber hinaus: Es mag zwar sein, dass in Deutschland die Schüler typischer Weise Englisch lernen, allerdings kann man die Mehrzahl von ihnen schon 10 Meilen gegen den Wind als Deutsche identifizieren, wenn sie sich sowohl in Aussprache als auch in Wortwahl wirklich nicht auskennen.... "I juhse sis 'till I die 'cause I have learned sis in skuhl..."
Im englischen gibt es so viele Versionen schon aus den englischen Regionen und den alten Kolonialgebieten, da stinkt das deutschenglische keineswegs gegen das kolonialenglische ab, zB aus Nordamerika. Selbst da gibt es verschiedene Versionen. Eingefleischte Highländer und Leute aus Hintertexas werden Probleme haben sich zu verstehen, der mit dem deutschenglischen wird da schon eher allgemein verstanden.
Bei einer Konferenz verstehen sich Leute aus Deutschland, Indien, Japan und Nigeria leidlich mit ihrem Englisch, bei einem Midlander, Waliser oder Schotten bekommen sie Probleme.

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skiski-bowski 08.10.2015, 16:23
34. Kann man machen, muß man nicht.

Zitat von sawn1979
Man kann die Odyssee und griechische Sagen auch in der deutschen Übersetzung lesen. Übrigens hatte ich in der Schule auch 5 Jahre lang eine der alten Sprachen und könnte trotzdem kein Buch darin lesen. Das liegt an der im Artikel beschriebenen Puzzlearbeit beim Übersetzen, so dass ein flüssiges Lesen gar nicht möglich wäre.
Wie andere Foristen bereits geschrieben haben, die Schönheit der Sprache erschließt sich erst im Original. Dazu kommt das strukturierte Denken und Arbeiten beim Erlernen der Sprache, Extrembeispiel ist sicher Griechisch. Zum Thema heute noch lesen können: Ich kann es noch. Gelegentlich finde ich sogar einen Grund es tatsächlich auch zu tun und bin immer wieder erschrocken über die (im Internet) mitgelieferten Übersetzungen.

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willibaldus 08.10.2015, 16:23
35. Ich bedauere, dass in meiner Generation das

Plattdeutsche fast verschwunden ist. Damit konnte man sich von Holland bis Skandinavien, mit etwas Mühe zwar aber passabel verständigen.
Wer glaubt, das zB Norwegisch und Dänisch völlig verschieden sind, liegt falsch. Ein Kollege aus Norwegen hat mich eines Besseren belehrt. Die Sprachen hören sich sehr verschieden an, die Grammatik und Worte selber sind aber sehr ähnlich.

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skiski-bowski 08.10.2015, 16:27
36. Und was bedeutet das nun?

Zitat von stonecold
Platzangst ist im allgemeinen Sprachgebrauch die Angst, nicht genug Platz zu haben.... Sprich- Klaustrophobie :)
Soll ich mich jetzt denjenigen anschließen, die die deutsche Sprache (auch Fremdwörter gehören dazu) nicht beherrschen, nur weil es in manchen Kreisen allgemeiner Sprachgebrauch ist? Den Smiley habe ich übrigens gesehen. :)

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lindenbast 08.10.2015, 16:34
37.

Zitat von bronck
Kinder in der Schule mit Altgriechisch oder Latein zu belästigen ist reine Verschwendung von Lebenszeit. 99,999% der Schüler werden das nie wieder in ihrem Leben benötigen.
Altgriechisch gibt es praktisch nirgends mehr als Pflichtfach. Man kommt auch ohne Latein prima an ein Abi; wenn jemand die Kinder mit Latein belästigt, sind es die Eltern, die darauf bestehen, dass sie es lernen sollen. Wie mit dem Klavierunterricht, den manche Eltern ihren Kindern angedeihen lassen, obwohl nur sehr wenige Pianisten werden.

Im Grunde prügeln sie einen toten Hund.

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lindenbast 08.10.2015, 16:37
38.

Zitat von Institutsmitarbeiter
Es wäre schön gewesen, wenn Herr Grube mehr über die Anwendungsbereiche für diese exotischen Sprachen gesprochen hätte. Es wurde kurz angerissen, aber ich hätte gerne mehr gehört.
Ich habe auch ein paar etwas, nun ja, entlegenere Srpachen gelernt im Leben. Anwendungsbereiche gibt es schlicht keine.

Ich fand es einfach toll. Und man sieht, wie verschieden Sprachen doch sein und wie fundamental unterschiedlich sie funktionieren können. Das erweitert den Horizont. Mehr kann ich als Begründung nicht aufbieten, und die ist verlogen, denn ich habe es nicht aus Horizonterweiterungsgründen getan, sondern weil ich es, siehe oben, einfach toll fand.

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trebbien 08.10.2015, 18:15
39. Schön, dass Griechisch noch Schulfach ist!

"Kinder, lernt Griechisch, sonst könnt ihr nicht in den Himmel kommen." Das empfahl unser erster Griechischlehrer, genannt "Knolle". (Alle Schriften des Neuen Testamentes sind im Original Griechisch.)

Ein späterer Versuch, aus meinem Schulgriechisch das moderne Griechisch abzuleiten, scheiterte an den Griechen selbst, die das stets beharrlich abwehren: Es würde ja ganz anders ausgesprochen, als wir das in der Schule täten (erasmische Aussprache), und überhaupt - der Formenreichtum des alten Griechisch mache ein solches Unterfangen unmöglich.

Davon sollte man sich nicht irritieren lassen! Die moderne Aussprache kann in 10 Minuten erlernt werden. Als Paradigma benutzte ich das Paradigma παιδεύειν. Es enthält fast schon alles, was anders ist. Zur Kontrolle bat ich einen befreundeten Griechen, mir einen kleinen Abschnitt aus einem Platontext vorzulesen - fertig.
Auch grammatisch scheint eine Herleitung aus dem Altgriechischen keine besondere Schwierigkeit zu sein. Die Betriebsanleitungen neu gekaufter Elektrogeräte sind jedenfalls leicht zu verstehen. Es ist also doch möglich abzuleiten.

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