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Experte für Exotensprache: Vor 1300 Jahren hätten mich alle verstanden
privat

Niedersorbisch, Yukatekisch oder Altgriechisch helfen im Alltag wenig weiter. Trotzdem lernen Tausende Schüler und Studenten Sprachen, die kaum einer spricht. Ein Erklärungsversuch.

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lindenbast 09.10.2015, 13:20
60.

Zitat von 2469
Ich verstehe, dass Sie das für sich so sehen. Aber: Wer Medizin, Geschichte, Philosophie studieren will, braucht ein Latinum. In Chemie, Biologie, Linguistik hilft einem Latein und Griechisch enorm. Nicht zuletzt hat die Beschäftigung mit alten Sprachen die moderne Literatur sehr bereichert. Tolkien wäre da als Beispiel zu nennen.
O Herr, schütze einen vor falschen Freunden, möchte ich da manchmal sagen...

Für Medizin braucht man schon seit langem kein Latinum mehr. Und wozu auch? Um der Fachterminologie willen? Die für die Medizin einschlägigen Wörter (ulna 'Elle' fällt mir spontan ein) sind für die an der Schule gelesenen Autoren nicht sehr zentral, um es vorsichtig zu sagen, und dürften kaum an der Schule vorkommen. Dort wird dafür Syntax geübt bis zum Abwinken, und die kann dem Mediziner wiederum völlig egal sein. Ähnliche Erwägungen gelten auch für Chemie und Biologie.

Ührigens ist m. W. auch für ein Philosophiestudium Latein nicht mehr an allen Universitäten Vopraussetzung. (Da würde ich ketzerischerweise sagen: zu Recht, da wäre Altgriechisch viel einschlägiger.)

Und wenn Sie Tolkien anführen: nun ja, Altnordisch und Altenglisch wird nun auch der eingefleischteste Latein-und-Griechisch-Hardliner nicht ernsthaft für die Schule fordern.

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san_wei 10.10.2015, 01:01
61. @ Friedrich Hattendorf

Ja, z.B. lernt man in den Niederlanden in der 7.Klasse als Realschüler und Gymnasiast zwei Fremdsprachen, um dann in der 8.Klasse noch eine dritte Fremdsprache lernen zu müssen. In der 10.Klasse kann man dann wieder ein bis zwei Fremdsprachen "ablegen".
Trotzdem, man hat dann zwei-drei Jahre (ungeliebtes) Deutsch oder Französisch (oder Spanisch, Russisch, Türkisch, etc.- die Altsprachler natürlich Latein und Griechisch-) neben der Landessprache und Englisch gehabt. Also drei Fremdsprachen zwei Jahre lang gleichzeitig.
Sprachen lernen kann den Horizont erweitern. Und im (Berufs-)leben ist es einfach nützlich, sich gut auszudrücken, auch in einer Zweit-oder Drittsprache.

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ambulans 10.10.2015, 17:18
62. >lindenbast (nr. 61, oben),

Zitat von lindenbast
O Herr, schütze einen vor falschen Freunden, möchte ich da manchmal sagen... Für Medizin braucht man schon seit langem kein Latinum mehr. Und wozu auch? Um der Fachterminologie willen? Die für die Medizin einschlägigen Wörter (ulna 'Elle' fällt mir spontan ein) sind für die an der Schule gelesenen Autoren nicht sehr zentral, um es vorsichtig zu sagen, und dürften kaum an der Schule vorkommen. Dort wird dafür Syntax geübt bis zum Abwinken, und die kann dem Mediziner wiederum völlig egal sein. Ähnliche Erwägungen gelten auch für Chemie und Biologie. Ührigens ist m. W. auch für ein Philosophiestudium Latein nicht mehr an allen Universitäten Vopraussetzung. (Da würde ich ketzerischerweise sagen: zu Recht, da wäre Altgriechisch viel einschlägiger.) Und wenn Sie Tolkien anführen: nun ja, Altnordisch und Altenglisch wird nun auch der eingefleischteste Latein-und-Griechisch-Hardliner nicht ernsthaft für die Schule fordern.
wer solche freunde ersehnt wie sie, muss auch dann damit klarkommen, dass dr medizinman seiner wahl - wenn es um details wie anatomie, diagnosen. etc. (scheiss-fremdworte für sie - ich ahne es schon ...) seinen studien-abschluss lediglich per multiple choice geschafft hat. der rest ihrer hervorbringung ist - tut mir leid - nichts anderes als bullshit: wie wollen sie eigentlich das NT verstehen, wenn sie die quelle nicht im original lesen können? wie historisches, wie philosophische klassiker - wollen sie allen ernstes vorschlagen, z.b. plato, aristoteles lediglich per wikipedia kennenzulernen? baumschule, ick hör di trapsen ...

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lindenbast 10.10.2015, 18:42
63.

Zitat von ambulans
wer solche freunde ersehnt wie sie, muss auch dann damit klarkommen, dass dr medizinman seiner wahl - wenn es um details wie anatomie, diagnosen. etc. (scheiss-fremdworte für sie - ich ahne es schon ...) seinen studien-abschluss lediglich per multiple choice geschafft hat. der rest ihrer hervorbringung ist - tut mir leid - nichts anderes als bullshit: wie wollen sie eigentlich das NT verstehen, wenn sie die quelle nicht im original lesen können? wie historisches, wie philosophische klassiker - wollen sie allen ernstes vorschlagen, z.b. plato, aristoteles lediglich per wikipedia kennenzulernen? baumschule, ick hör di trapsen ...
Anatomie: o-stufiges Verbalnomen (genuin griechisch dann ein a-Stamm) ana-tomé zu ana-temno, aufschneiden. Verwandt damit beispielsweise a-tomos, eigentlich: das nicht (Zer-)Schneidbare. Oder auch die En-tomologie, die Lehre von den Insekten - der aus dem lateinischen kommende Ausdruck ist exakt wir der griechische gebildet, nämlich en = in plus das Wort für 'schneiden', griech. témno, lat. secare.

Diagnose: Verbalnomen (feminin, wortbildungsmäßig von der Wurzel abgeleitetes Verbalnomen auf -tis, das in einem Teil der griechischen Dialekte zu -sis wurde) dia-gnosis zu dia-gignosko, 'auseinanderkennen'. Entsprechend Prognose zu pro-gignosko, 'vorher erkennen'.

Und warum genau muss ein Arzt das jetzt wissen? Er soll nicht das Wort 'Diagnose' herleiten können, er soll eine richtige Diagnose stellen.

Im Übrigen: machen Sie sich um mich mal keine Sorgen, Ich kann das NT und Platon problemlos im Original lesen. (Homer macht mir allerdings mehr Spaß.) Falls Sie den Foristen angreifen wollten, der behauptet hat, man könne das alles ganz prima in Übersetzung lesen, da gehe nichts verloiren: das war nicht ich. DAS würde ich nun wirklich nicht behaupten. Habe ich ja auch nicht.

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ambulans 10.10.2015, 19:40
64. >lindenbast (nr. 64, oben),

Zitat von lindenbast
Anatomie: o-stufiges Verbalnomen (genuin griechisch dann ein a-Stamm) ana-tomé zu ana-temno, aufschneiden. Verwandt damit beispielsweise a-tomos, eigentlich: das nicht (Zer-)Schneidbare. Oder auch die En-tomologie, die Lehre von den Insekten - der aus dem lateinischen kommende Ausdruck ist exakt wir der griechische gebildet, nämlich en = in plus das Wort für 'schneiden', griech. témno, lat. secare. Diagnose: Verbalnomen (feminin, wortbildungsmäßig von der Wurzel abgeleitetes Verbalnomen auf -tis, das in einem Teil der griechischen Dialekte zu -sis wurde) dia-gnosis zu dia-gignosko, 'auseinanderkennen'. Entsprechend Prognose zu pro-gignosko, 'vorher erkennen'. Und warum genau muss ein Arzt das jetzt wissen? Er soll nicht das Wort 'Diagnose' herleiten können, er soll eine richtige Diagnose stellen. Im Übrigen: machen Sie sich um mich mal keine Sorgen, Ich kann das NT und Platon problemlos im Original lesen. (Homer macht mir allerdings mehr Spaß.) Falls Sie den Foristen angreifen wollten, der behauptet hat, man könne das alles ganz prima in Übersetzung lesen, da gehe nichts verloiren: das war nicht ich. DAS würde ich nun wirklich nicht behaupten. Habe ich ja auch nicht.
o.k. - nachgeschaut haben sie. allerdings: die (alt-)griechische form der verneinung ist "a", nicht "en" - das weist nämlich in eine richtung hin. zum anderen: was ist eigentlich der gegenstand der anatomie? wenn mich meine agenten hier nicht falsch informiert haben, doch der aufbau des (z.b.) menschlichen körpers und skeletts - und die fachlichen bezeichnungen für knöchelchen, usw. sind eben (latein war nun mal mind. 1000 jahre die wichtigste wissenschaftssprache hier in europa) nach der üblichen konvention weltweit lateinisch benannt. wenn sie dagegen neuere oder neueste wirtschaftswissenschaftliche erkenntnisse kennenlernen wollen, kommen sie an englisch nicht vorbei. also: medizin, geschichte, philosophie, theologie = latein, usw. ... mfg, dr. ambulans (alle kassen)

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ambulans 10.10.2015, 19:44
65. >lindenbast (nr. 64, oben),

o.k. - nachgeschaut haben sie. allerdings: die (alt-)griechische form der verneinung ist "a", nicht "en" - das weist nämlich in eine richtung hin. zum anderen: was ist eigentlich der gegenstand der anatomie? wenn mich meine agenten hier nicht falsch informiert haben, doch der aufbau des (z.b.) menschlichen körpers und skeletts - und die fachlichen bezeichnungen für knöchelchen, usw. sind eben (latein war nun mal mind. 1000 jahre die wichtigste wissenschaftssprache hier in europa) nach der üblichen konvention weltweit lateinisch benannt. wenn sie dagegen neuere oder neueste wirtschaftswissenschaftliche erkenntnisse kennenlernen wollen, kommen sie an englisch nicht vorbei. also: medizin, geschichte, philosophie, theologie = latein, usw. ... mfg, dr. ambulans (alle kassen)

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trebbien 10.10.2015, 21:06
66. Verehrte Doctores!

Ich möchte behutsam darauf hinweisen, dass der Sprachunterricht an Gymnasien nicht die Vermittlung eines Fachvokabulars ist - weder in Latein, noch in Englisch. Vielmehr handelt sich es in jedem Fall um die Vermittlung von Literatur in der jeweiligen Sprache. Analog gilt Gleiches für alle anderen Schulfächer, einschließlich Mathematik. Deshalb ist die Frage nach dem Nutzen für den späteren Gelderwerb nicht gerade sinnvoll, wenn die Antwort in einem einzelnen Fach gesucht wird - welches das auch immer sein mag.

Viel wichtiger ist es, zum Zeitpunkt der so genannten Hochschulreife über eine möglichst breite Perspektive zu verfügen, was es alles so gibt und gab in der Welt, und welchem Gebiet man sich zuwenden möchte. Wenn in einer Schulklasse die eine Hälfte Lehrer werden will, und die andere Hälfte Arzt, spätestens dann lässt sich ahnen, was das eigentliche Ziel einer höheren Schule sein sollte. In guten Gymnasien gibt es deshalb neben den Pflichtfächern auch Wahlfächer, und jede Menge Arbeitsgemeinschaften.

Wozu also Latein und Griechisch? - Ich brauchte es, um das schriftliche Abitur zu bestehen. Was ich aber an Latein für mein Pharmaziestudium benötigte, bekam ich in einer Pflichtvorlesung vermittelt, die sich "Medialistik" nannte. Und was Homer betrifft, Herr Lindenbast - Goethes Faust macht noch mehr Spaß, und ich liebe ihn heiß und innig. Wenn allerdings in den Theatern von zwei benachbarten Städten fast gleichzeitig dreimal "Faust" aufgeführt wird, dann frage ich mich ziemlich gründlich, in welcher Welt diese Gesellschaft eigentlich lebt. Mir sind nämlich deklamierende Mottenpulvercharaktere genau so ein Graus, wie fortschrittsgläubige Schmalspurutilitaristen :)

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