Forum: Karriere
Frag die Karriereberaterin: Ich bin wer, ich kann was, wieso krieg ich keinen Job?
Corbis

Der Bewerber ist der absolute Top-Kandidat. Er hat alles richtig gemacht. Und doch stellt ihn niemand ein - 161 Bewerbungen blieben erfolglos. Karriereexpertin Svenja Hofert rät zur Verstellung: Spielen Sie Schmidtchen und nicht Schmidt.

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emul_gator 17.06.2015, 09:02
1. Selbst erlebt

Kann ich nur bestätigen. Ich bin ein Experte in meinem Fachgebiet und war 15 Jahre in eine grossen Konzern. Habe 8 Monate gesucht um einen guten Job zu finden. Headhunter haben mich geliebt, trotzdem kamen nur Absagen.

Ich musste wirklich erst auf einen "mutigen" CEO treffen, der erkannt hat, dass ich keine Gefahr sondern eine Unterstützung für ihn bin.

Das Problem ist natürlich, niemand sagt einem dass auch so bei einer Absage, es kommen die verrücktesten Gründe, im besten Fall bekommt man zu hören , man sei überqualifiziert. Immerhin

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ackergold 17.06.2015, 09:04
2.

Wir können es jeden Tag in den Medien und am Arbeitsplatz sehen: dieses Land ist nur Mittelklasse und die wirklich Guten sind längst weg. Allein schon, dass ein Personalmanager den Begriff "überqualifiziert" auch nur in den Mund nimmt, spricht doch Bände. "Überqualifiziert" ist das Unwort des Jahrhunderts, denn es gibt keine Überqualifikation. Wenn sich jemand zu den gegebenen Konditionen auf einen Job bewirbt, so MUSS der Beste genommen werden, alles andere wäre geschäftsschädigend und müsste zwingend zur Kündigung des Personalers oder "Recruiters" führen. Da gibt es keine andere Möglichkeit.

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sebastian.teichert 17.06.2015, 09:06
3. Das komische

Ist doch allein schon, dass er mit 39 einen Job sucht. Heißt: Ist er irgendwo rausgeflogen?

Niemand will Querulanten. Und wenn er so tolle Referenzen hat, müssten die ihn doch gern wieder nehmen? Alles ist besser als gar nichts.
Sorry. Aber nur weil er theoretisch alles kann, heißt das noch lange nicht das er praktisch gut ist! Auch wenn ihr das hier so hinstellen wollt!

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Newspeak 17.06.2015, 09:10
4. ...

Lieber Bewerber, Ihnen bleibt vor diesem Hintergrund nichts übrig, als sich zu verstellen. Fahren Sie Ihre Ambitionen herunter wie den PC am Abend. Machen Sie Ihren Lebenslauf etwas kleiner, als er ist. Bewegen Sie sich zur Mitte, tun Sie durchschnittlich, seien Sie eben nicht authentisch. Passen Sie sich der jeweiligen Umgebung an - aber treten Sie nicht unterwürfig auf.

So, so. Zeigen, wie gut man wirklich ist, ist also nichts. Authentisch sein, ist von Mangel. Anpassen soll er sich, der Bewerbersklave. Aber bloß nicht zu unterwürfig rüberkommen.

Ich würde einen unbequemeren, einen naiven, einen vielleicht utopischen Weg vorschlagen. Diese Managementnieten, die keinen Besseren in ihrem Umfeld ertragen können, müssen weg. Die Gesellschaft muß endlich mal die Prioritäten richtig setzen. Hierarchien, die diesen ganzen Sch... ermöglichen müssen weg. Alte, starrsinnige Säcke, die in ihren Führungsjobs nur ihr Ego ausleben und alpha-Männchen müssen weg. Die junge Generation sollte sich endlich einmal solidarisch zeigen und mit denen, die ihnen den Aufstieg verweigern und all das, was sie früher selbst in Anspruch genommen haben, abrechnen.

Alles andere ist Kompromißquark mit Harmoniesoße.

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themistokles 17.06.2015, 09:11
5.

Zitat von ackergold
Allein schon, dass ein Personalmanager den Begriff "überqualifiziert" auch nur in den Mund nimmt, spricht doch Bände. "Überqualifiziert" ist das Unwort des Jahrhunderts, denn es gibt keine Überqualifikation. Wenn sich jemand zu den gegebenen Konditionen auf einen Job bewirbt, so MUSS der Beste genommen werden, alles andere wäre geschäftsschädigend und müsste zwingend zur Kündigung des Personalers oder "Recruiters" führen. Da gibt es keine andere Möglichkeit.
Im Tenor haben Sie sicherlich nicht ganz Unrecht. Wenn sich aber bei mir ein Dipl.Kfm. und ein Lagerist als Lagerarbeiter bewerben, bin ich geneigt, dem Lagerist die Stelle zu geben. Warum? Weil er der Dipl. Kfm. wahrscheinlich noch in anderen Jobs unterkommen kann, der Lagerist eher ein beschränktes Jobumfeld hat.

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_gimli_ 17.06.2015, 09:12
6.

Die Sache ist doch ganz einfach: Der einstellende Chef muss den Eindruck haben, dass der neue Mitarbeiter ihn in der Erreichung SEINER PERSÖNLICHEN Ziele unterstützt und nicht bedroht.
Sprich: Gesucht sind Leute, die dem Chef die Kastanien aus dem Feuer holen (und dann auch gern finanziell entsprechend von ihm honoriert werden) und nicht Leute, die mittelfristig seinen Job haben wollen.

Die Welt funktioniert oft nach ganz einfach durchschaubaren Regeln und meist sind es die Überflieger, die grundlegende Mechanismen nicht peilen (oder akzeptieren wollen), deshalb über ihre eigenen Füße stolpern und sich nach einigen Jahren frustriert wundern, warum sie keine Karriere machen.

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thomas.schwaan 17.06.2015, 09:16
7. So tickt Deutschland

Genau so ist das, selbst und im Bekanntenkreis erlebt. Und eigentlich ist das nur die Spitze des Eisberges. Innerbetrieblich läuft das über Mobbing, dafür sorgen die 2nd und 3rd-Classler mit aller Energie. Die Deutschen lieben einfach keinen, der "Anders" oder "Besser" ist - wir sind ein passiv-aggressives Gleichmacher- und Mitläufervolk.

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diskus1723 17.06.2015, 09:19
8. Ja...aber...

Aber wenn man Schmidtchen spielt, ist es fast sicher, dass man es unter lauter Schmidtchens nicht auf die Dauer aushält. Low-level performance kostet auf die Dauer Kraft und Nerven, da neben der Arbeit auch noch eine (around the Clock) schauspielerische Performance abverlangt wird... Dann besser warten bis ein adäquates Umfeld gefunden wird oder down-sizing und den Dingen ihren Lauf lassen.

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DMenakker 17.06.2015, 09:19
9.

Zitat von sebastian.teichert
Ist doch allein schon, dass er mit 39 einen Job sucht. Heißt: Ist er irgendwo rausgeflogen? Niemand will Querulanten. Und wenn er so tolle Referenzen hat, müssten die ihn doch gern wieder nehmen? Alles ist besser als gar nichts. Sorry. Aber nur weil er theoretisch alles kann, heißt das noch lange nicht das er praktisch gut ist! Auch wenn ihr das hier so hinstellen wollt!
Warum? Weil 39 genau das richtige Alter ist, um Anlauf für genau die Führungsposition zu nehmen, die man 5 - 10 Jahre später als endgültiges Karriereziel innehaben möchte.

Im übrigen kann man allen fähigen Vorgesetzen nur gratulieren, solche Mitarbeiter zu bekommen. Die wissen oft gar nicht, wie viel sie wirklich wert sind, wenn man sie denn lässt und die Früchte der Arbeit einfach einstreicht. Aber das mag mal wieder der berühmte Unterschied zwischen Unternehmer und Manager sein. Dem Unternehmer kann qua Eigentümerschaft erst gar keine Konkurrenz entstehen. Beim angestellten Manager ist das etwas anderes.

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