Forum: Karriere
Frag die Karriereberaterin: Ich bin wer, ich kann was, wieso krieg ich keinen Job?
Corbis

Der Bewerber ist der absolute Top-Kandidat. Er hat alles richtig gemacht. Und doch stellt ihn niemand ein - 161 Bewerbungen blieben erfolglos. Karriereexpertin Svenja Hofert rät zur Verstellung: Spielen Sie Schmidtchen und nicht Schmidt.

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dirtybob 17.06.2015, 12:13
100. Das Problem aus meiner Sicht

Das Problem aus meiner Sicht ist, dass die meisten Leute keine richtige Persönlichkeit ausbilden. Wir haben in Deutschland einen Kompetenzkult - wer kompetenter ist als der andere darf sich durchsetzen, behält die Oberhand. Dadurch achten Vorgesetzte natürlich darauf, dass die Hierarchie auch der Kompetenz entspricht.

Auf der anderen Seite: Wenn die Vorgesetzten sich selbst besser kennen würden, ihr Ego offen ausleben und auch davon lassen könnten, würden sie auch Konflikte und Kompetenzgerangel ertragen können, ohne in eine Krise zu geraten. Führungsqualität ist nicht durch Loyalität & Kompetenz zu erreichen, sondern beruht auf innerer Stärke und erkennen dessen, was da wirklich geschieht. Es ist ganz natürlich, dass die neuen an den Stühlen sägen. Das macht ja den Biss der Firma aus. Man muss eben auch außerhalb der Kompetenz & Macht eine Persönlichkeit ausgeprägt haben.

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Marv89 17.06.2015, 12:14
101.

Zitat von sebastian.teichert
Ist doch allein schon, dass er mit 39 einen Job sucht. Heißt: Ist er irgendwo rausgeflogen? Niemand will Querulanten. Und wenn er so tolle Referenzen hat, müssten die ihn doch gern wieder nehmen? Alles ist besser als gar nichts. Sorry. Aber nur weil er theoretisch alles kann, heißt das noch lange nicht das er praktisch gut ist! Auch wenn ihr das hier so hinstellen wollt!
Warum sollte man mit 39 nicht einen gute Job suchen, wenn einem der alte nichtmehr gefällt? Solche blödsinnigen Unterstellungen und Mutmaßungen sind es, die Deutschland in die mittelmäßigkeit treiben

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mccash 17.06.2015, 12:14
102. idealer Bewerber?

Vor einigen Monaten fand ich eine interessant besetzte Podiumsdiskussion in München sehr entlarvend. Da wurde der "ideale Bewerber" von den Podiumsteilnehmern (allesamt obere Führungsebene) beschrieben. Da fielen dann die Schlagworte "kritisch, hinterfragend, verantwortungsvoll, selbstbewußt, hands-on, kommunikativ, loyal etc.". Der Moderator stellte die böse Frage, was die Herren (ohne Ausnahme) denn machen würden, wenn sie so einen finden würden. Die Antwort aus dem Publikum war entwaffnend: "Dann gnade Ihnen Gott!" - der Rest war nämlich betretenes Schweigen. In den Imagebroschüren wird genau dieser Mitarbeiter "gefordert", aber die meisten Vorgesetzten sind mit diesen Mitarbeitern doch schlichtweg "überfordert".

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Odde23 17.06.2015, 12:17
103. Scheinselbständigkeit

Zitat von ichbinmalweg
Ich habe mich aus diesem Grund selbständig gemacht und alles läuft rund. Ergebnis: Mehr Geld Mehr Freiheit Mehr Spaß Mehr Verantwortung Auch mehr Arbeit ;-)) Der Druck ist höher, aber wird kompensiert über Spaß Schade nur, dass aufgrund verschiedenster Ausbildungsinhalte und auch Jobs dieser Weg nicht allen offen steht. Denn nur so könnte man diesen "Gleichmachern" eine lange Nase drehen
Das mit der schönen Selbständigkeit wird bald enden. Die Bundesminsiterin für Arbeit & Soziales, Andrea Nahles, arbeitet derzeit an einem Gesetz zur Eindämmung von Werkverträgen. Dieses soll insbesondere Soloselbständigkeit und Scheinselbständigkeit einschränken. Mit dem entsprechenden Gesetz ist im Herbst diesen Jahres zu rechnen, laut BAMS. Die erste Leseung im Paralment fand bereits im Mai statt.

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silenced 17.06.2015, 12:17
104.

Erinnert mich immer wieder an meine Zeit mit Arbeitssuche. Ich hätte gern so manchen Job angenommen, mit gerade mal 1500€/Netto im Monat in irgendeiner kleinen Firma. Ich bin mir sicher, mir hätte das Spaß gemacht und ich hätte mein Wissen auch in anderen Bereichen mit einbringen können, sollte jemand fragen haben.

Doch mir wurde auch immer wieder gesagt: "Sie würden sehr gut in unsere Firma passen, doch wir haben die Befürchtung, daß wir Sie nicht halten können." Eine andere Umschreibung für: "Sie sind uns zu teuer wenn wir alle ihre Qualifikationen und Erfahrungen mit einrechnen."


Die meisten arbeiten sicher nur für Geld und maximale Gehaltsausbeute + stetig die Karriereleiter nach oben klettern, doch es ist viel angenehmer in einem Job zu sein der einem wirklich Spaß macht, wo man sich wohlfühlt. Das merkt vor allem das eigene Umfeld, Freunde usw. wundern sich dann immer, warum man so positiv in die Zukunft schauen kann und einfach nur ausgeglichen ist.

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KlausNahrwold 17.06.2015, 12:19
105. Früher war alles besser.

Da wurde z.B. bei der Absage einer Bewerbung noch eine Begründung angegeben und jeder Bewerber wusste woran er scheiterte. Heute darf man die Wahrheit nicht mehr sagen. Es kommt ja sofort eine Schadenersatzklage wegen Diskriminierung. Bei diesem Bewerber stände wohl "Sie passen nicht ins Team".

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ichdrehdurch 17.06.2015, 12:23
106.

Zitat von stinkfisch1000
Dann bewerbt Euch (Ichdrehdurch, Banause, Thomas Schwaan) doch einfach auf Stellen, die Eurer Qualifikation entsprechen. Und wenn Ihr solche Superraketen seid, macht euch doch selbständig. Ob Ihr das tatsächlich seid, wenn ihr zigmal auflauft, um von ach so mittelmäßigen Chefs eingestellt zu werden, darf wohl bezweifelt werden.
...nur so am Rande: ich schrieb, dass ich mich selbstständig gemacht habe (#28).
Dies war die für mich rundum perfekte Lösung. Seit vielen Jahren. Mit weltweit hervorragender Reputation.
Zweifel sind unnötig.

Wichtige Anmerkung: ich bezeichne mich nie als Superrakete. Im Gegenteil. Ich bin äußerst überrascht, dass nicht mehr Leute das machen, was ich mache.
Anders denken heißt nicht, Übermensch zu sein.

Diese mittelmäßigen Chefs haben sich damals nicht getraut, mich einzustellen, sind aber heute meine begeisterten Auftraggeber.
Ist das nicht verdächtig?

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just_ice 17.06.2015, 12:29
107. Ich wünschte, ich hätte diesen Artikel schon früher gelesen,

aber bei der inflationären Flut an Karriere-Ratgebern weiß man leider nie, was denn zutrifft - das Meiste jedenfalls nicht. Außerdem hätte ich dann wohl aus der Not keine Tugend und mich nicht selbständig gemacht. Zumindest was "second class hires third class" angeht, trifft der Artikel den Nagel auf den Kopf. Was nicht erwähnt wurde ist der Neidfaktor, der in Deutschland für den sog. "überqualifizierten" Bewerber noch mithinzukommt. Das klingt nach Klischee, ist aber so. Alles selbst erlebt, und wurde mir von Exkollegen und Managern in meinem Freundeskreis so bestätigt. Ich habe das sogar mal getestet, und ein paar Jahre nach der Selbständigkeit damit begonnen, meine Online-Lebensläufe, die immer noch im Web abrufbar waren, schrittweise in Richtung Durchschnitt und Bescheidenheit anzupassen - der Druck, unbedingt einen Job zu finden, war ja weg, und da ließ es sich auch leichter experimentieren. Und plötzlich, ich hatte schon ziemlich viele Skills und Projekterfahrungen und sogar meinen MBA rausgenommen, kamen die Kontaktanfragen von Rekruitern und Headhunter wieder nur so reingeflogen - wie damals 2000 kurz nach dem Studium :)

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bartholomew_simpson 17.06.2015, 12:32
108.

Habe es selbst vor Jahren erlebt, dass von "zweitklassigen" Führungskräften ein "erstklassiger" Jungstar eingestellt worden war. Dieser zog beruflich später an diesen vorbei, und stellte sie beruflich kalt.

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d.nix 17.06.2015, 12:34
109. 200 Bewerbungen

sind heute lächerlich, das ist erst noch die Vorstufe zur Arbeitslosigkeit.
Die hier genannte Problemursache DKE wurde richtig genannt und wird jeder ähnliche Bewerber bestätigen.
1) Das Problem liegt nur auf Arbeitsanbieterseite. Bewerber haben darauf keinen Einfluß mehr.
2) Eine derart geschäftsschädliche Psychostörung wie DKE auch noch auffangen zu müssen, neben typischen anderen Eigenheiten wie Lügen über den Arbeitsplatz oder Betrug beim Gehalt, ist Bewerbern nicht mehr zuzumuten.
3) Die DKE-Störung hat Konsequenzen: ein solcher Arbeitsplatz wäre unerträglich, egal mit welcher Strategie man ihn bekommen könnte. Kein Bewerber kann daran noch Interesse haben.
4) Der kleine Nebeneffekt von "Schmidtchen" ist: au fein, ein Flachmann, der braucht ja nichts mehr kosten. Also am besten als Praktikanten verwursten: Superqualität zum Spottpreis, am besten umsonst im Ehrenamt. Möchtens noch nen Kaffee?
Es gibt auch noch andere Personalberater. Ihre Tips zum selben Fall haben leicht abweichende Nuancierung: solche Jobanbieter mit einem Tritt hinter der Tür auf den Platz verweisen, ehe man selbst die Tür von außen schließt.

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