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Gefragte Ingenieure: Was wurde aus dem Fachkräftemangel?
DPA

Bis zu 390.000 Ingenieure werden in Deutschland bald fehlen. Davor warnt das Institut der deutschen Wirtschaft jetzt erneut - wie schon so oft. Kommt es wirklich so schlimm? Frühere Prognosen lagen gewaltig daneben.

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dykker 13.04.2015, 15:06
150. Schlechter Witz

Es gibt keinen Fachkräftemangel. ich habe Technische Informatik und Automatisierung studiert. In der IT fehlen definitiv keine Fachkräfte. Allenfalls in den Chefetagen der Konzerne wenn es um die Frage geht welche Arbeiten man automatisieren kann und sollte und welche Arbeiten kreative Köpfe brauchen. Heute werden Ingenieure, Master eingesetzt, um Arbeiten zu erledigen die sie besser mit ihrem know how automatisieren sollten. Das Problem ist nur, dass das weitestgehende Standards in der Industrie voraussetzt. Außerdem ist es offenbar günstiger Fachkräfte einzusetzen als Automation und das zeigt die eigentliche Krux der Dinge. Akademiker sind viel zu billig zu bekommen. Die Löhne in den MINT Fächern liegen auf dem Niveau des Handwerks, weil akademische Grade mittlerweile inflationär gehandelt werden.

Ein weiteres Problem ist auch, dass wir doch die Arbeit ins Ausland verlagern müssen. Ich selbst habe bei zwei namhaften Konzernen gearbeitet in denen die Führung klar angesagt hatte die Arbeiten an ausländische Konzerne zu übergeben. Die Ingenieure der Fachabteilungen, also die, die das entwickelten wovon die Konzerne lebten, waren extrem angepisst, dass die Server mit ihrem know how nach Indien, China oder auf die Philipinen gehen sollten, denn die kennen keinen Datenschutz und bedienen sich dort, was den know how Boom Chinas gut erklärt.

Ich vermute auch, dass Deutschland versucht mit solchen Parolen den know how Rahm anderer Länder abzuschöpfen denn der Akademiker, der aus Indien, China oder den Philipinen nach Deutschland kommt, um hier vom ingenieurswissenschaftlichen Standpunkt gesehen, minderwertige Arbeiten ausführen muß, der kann nicht den Konkurrenten dienen. Letztendlich gibt es viel zu viele Akademiker und Ingenieure, die alles nur nichts kreatives entwickeln oder hält irgendjemand die Entwicklung einer WebSite für Innovation? Innovation wäre die Entwicklung eines leistungsfähigen Contenmanagement aber nicht dieses mit Daten zu befüllen und zu betreiben.

Aus Sicht des Automatisierers sage ich mal: Es gibt keinen Fachkräftemangel und in Deutschland findet auch nur sehr wenig Innovation statt. Allenfalls in der Automobilindustrie und vielleicht noch bei SAP. Ich vermute, dass VW, BMW und Mercedes am Band bald nur noch Ingenieure und Master beschäftigen werden. Für die Leute nicht schlimm. Die machen das. Weil am Fließband in Deutschland ist besser als das was in den Heimatländern diesen Ingenieuren geboten wird.

Nur, uns versaut es die Preise, Innovation und Zukunftschancen.

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andi442 13.04.2015, 15:07
151. kein Fachkräftemangel

Es gibt keinen Fachkräftemangel sondern einen Mangel an Unternehmen die bereit sind Geld in Ihre Mitarbeiter zu investieren.

Wenn eine bestimmte extreme Spezialisierung gesucht wird für die niemand gefunden werden kann dann muss ich als Unternehmen eben einen jungen Mitarbeiter in diesem Bereich ausbilden oder das entsprechende Geld in die Hand nehmen um den Mitarbeiter beim Konkurrenten abzuwerben. Die Unternehmen wollen alle hohe Qualität und am besten nichts dafür bezahlen.
Aus diesem Grund finden auch viele Berufsanfänger trotz hoher Qualifikation keine Stelle.
Das Problem liegt darin, dass es für die Unternehmen vorteilhaft ist wenn es viele Arbeitslose gibt. Um wirklich Vollbeschäftigung zu erreichen müßte es eine jährliche Strafsteuer für Unternehmen geben die an die Höhe der Investitionen in Ihre Mitarbeiter gekoppelt ist. Wer einen hohen Personaletat hat zahlt nichts und bei wem dieser niedrig ist der zahlt viel, sodass es keine Vorteile mehr hat am Personal zu sparen.

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gatoalforno 13.04.2015, 15:08
152. Beängstigend!

Wenn man die Kommentare liest, müsste man eigentlich Angst bekommen. Als junger Hochschulabsolvent bekommt man gar keine Arbeit mehr und wenn, dann nur zum Hungerlohn und ab 50 braucht man sich gar nicht erst bewerben. So düster kann es doch nicht aussehen, oder? In meinem Bekanntenkreis sind die Ingenieure zumindest zufrieden. Wenn es allerdings stimmen sollte, dann müsste es sehr düster aussehen in Deutschland.

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lotoseater 13.04.2015, 15:11
153. Danke für diesen Beitrag

Danke für Ihren Beitrag, er ist deutliches Indiz dafür, dass es den Fachkräftemangel nicht gibt:

Zitat von dr.joe.66
Vielleicht mal am Anfang kleinere Brötchen backen und inhaltlich flexibel sein. Wenn mir ein Bewerber sagt, dass er als Konstrukteur arbeitet, weil er am Anfang noch nicht den Traumjob gefunden hat, dann sagt mir das 3 Dinge: 1) Er ist flexibel 2) Er lernt Praxis, ist bereit, auch mal abseits von seinem Weg etwas zu lernen, was er vorher noch nicht konnte 3) Er will!
Meine Erfahrung, wenn ich mich auf Stellen bewerbe, für die man überqualifiziert ist:

1. Der hat studiert, für den Einsatz in der Praxis ist der mit seinen zwei linken Händen bestimmt ungeeignet. (Meine nachgewiesene jahrelange Praxiserfahrung wird ignoriert)
2. Auf so einem Job in der Provinz, für den er überqualifiziert ist, wird der sicher nicht glücklich, vorsichtshalber stellen wir den nicht ein. (Das habe ich tatsächlich so schon ins Gesicht gesagt bekommen. Woher wollen die denn wissen, mit welcher Arbeit ich glücklich werden kann? Warum sollte ich mich überhaupt auf eine Stelle bewerben, die ich nicht will?)
4. Der kann deutlich mehr, als für die Stelle nötig ist, das geht ja mal gar nicht, womöglich findet der in zwei Jahren eine bessere Stelle und haut wieder ab. (Dass ich familienbedingt langfristig in der Region bleiben möchte, zählt scheinbar nicht.)

Zitat von dr.joe.66
Der andere Bewerber sagt mir, dass er jetzt schon seit 5 Monaten sucht und einfach nicht das richtige findet, obwohl er doch überall so gute Referenzen hat. Was sagt mir das? 1) X andere Personaler und potenzielle Vorgesetzte haben sich bereits gegen ihn entschieden. Warum? 2) Er ist lieber arbeitslos als überhaupt etwas zu machen und dabei zu lernen. Rosinen-Picker?
Zu 1.) Wenn sich dutzende und teilweise über 100 Bewerber um eine Stelle bewerben, muss man als Bewerber gezwungenermassen vergleichbar viele Absagen erhalten, das ist schlicht Statistik und hat nichts mit vom Personaler auf bloße Vermutung unterstellten Fehlern zu tun.

zu 2.) Wenn ich irgendwas Fachfremdes mache, kann ich dabei zwar was lernen (habe ich ja auch schon gemacht, wenn Not am Mann war), nur wird einem das vom durchschnittlichen Personaler nicht als Stärke ausgelegt, wie Sie das sagen, sondern als Schwäche.

Abschließend: Einarbeitungszeit wird im heutigen Alltag kaum noch gewährt, Bewerber sollen möglichst plug-and-play funktionieren und exakt alles schon mindestens 3 Jahre lang gemacht haben. Aber sie sollen bloß nicht überqualifiziert sein! Und die Gehaltsforderungen müssen moderat (vulgo: unterdurchschnittlich) sein. Soviel zum real existierenden "Fachkräftemangel".

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gatoalforno 13.04.2015, 15:13
154. Also Moment mal!

Zitat von docmillerlulu
Der 27 jährige Maschinenbauingenieur arbeitet heute mit seiner Frau zusammen Vollzeit und fährt einen 10 Jahre alten Volvo oder Passat Kombi. Nimmt er die Ausbildung seiner Kinder ernst bleibt nicht viel mehr übrig. Wie sollte auch nach 1 Jahr Praktikum ohne Verdienst und dann eine Anstellung über zunächst 2 Jahre mit 3250.- €/Monat nach 4-5 Jahren Studium.
3250 Euro scheint mir ein akzeptables Einstiegsgehalt zu sein. Andererseits, für ein Häuschen in der Vorstadt, Benz und Hausfrau muß man heutzutage schon eher zum Management gehören.

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peku32 13.04.2015, 15:15
155. 2500 für Nicht-EU-Ings

Zitat von Amadís
Interessante Liste. Aber besonders interessant sind die Mindestverdienste die für die BlueCard gefordert werden. "Für die Blue Card gilt eine Mindestverdienstgrenze von rund 48.400 Euro mit einem deutschen oder einen anerkannten ausländischen Hochschulabschluss. In den sogenannten Mangelberufen wie zum Beispiel Ärzte, Mathematiker, Naturwissenschaftler und Ingenieure ist die Mindestverdienstgrenze 37.752 Euro / jährlich." 3000 Brutto im Monat? Ich glaub es hackt! Damit erhält eine "Mangelfachkraft" in der Wirtschaft den gleichen Stundenlohn wie ein Doktorand an der Uni.
Die "Mindestverdienstgrenze" wird praktisch monatlich gesenkt, momentan liegt sie bei 2700 für EU-Ings und bei 2500 bei Nicht-EU-Ings, wahrscheinlich aber schon dadrunter. Sie wird von der Regierung festgelegt. Dass diese Grenze irgendwann ganz verschwindet, ist wohl mehr als wahrscheinlich. Man sieht ja an den falschen Zahlen hier schon, wie wenig bekannt das ist. 3000 Euro! Das ist ja wohl ein Witz, vor 10 Jahren vielleicht.

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DocMoriarty 13.04.2015, 15:16
156. Immer Fachkräftemangel

Es wird laut solchen Studien immer Fachkräftemangel geben denn je mehr Fachleute es daraufhin gibt desto mehr sind diese bereit zu Dumpinglöhnen zu arbeiten, was das eigentliche Ziel solcher "Prognosen" ist. Von der willfährigen Konkurrenz die für den halben Lohn arbeitet aus den neuen lupenreinen Demokratien der EU mal ganz zu schweigen.

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gatoalforno 13.04.2015, 15:22
157. Absolut richtig!

Zitat von solitaryway
Schöner Artikel. Vielleicht wird auch irgendwann mal der subakademische Bereich näher beleuchtet. Meine Vermutung wäre, dass auch bei Facharbeitern, Handwerkern, Pflegekräften usw. etwaige Mängelprognosen übertrieben dargestellt wurden.
Im Pflegebereich wird mitunter nur über Leiharbeitsfirmen bzw. Tochterfirmen angestellt mit weniger Geld und befristet. Irgendwann wird die Tochter aufgelöst und die Mitarbeiter in eine andere Tochter überführt und bleiben weiter befristet. Wirklich gutes Personal sucht sich einen Job mit tariflicher Entlohnung und irgendwann können die Stellen nicht mehr besetzt werden bzw. die Bewerber sind so unfähig, dass es unzumutbar ist ihn einzustellen. Dann kommt der Arbeitgeberverband und faselt etwas von Pflegenotstand und finanziert chinesische Krankenschwestern den Sprachkurs. Das wäre doch mal ein Thema für unsere Leitmedien, oder!

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ClausWunderlich 13.04.2015, 15:25
158.

Zitat von gatoalforno
Wenn man die Kommentare liest, müsste man eigentlich Angst bekommen. Als junger Hochschulabsolvent bekommt man gar keine Arbeit mehr und wenn, dann nur zum Hungerlohn und ab 50 braucht man sich gar nicht erst bewerben. So düster kann es doch nicht aussehen, oder? In meinem Bekanntenkreis sind die Ingenieure zumindest zufrieden. Wenn es allerdings stimmen sollte, dann müsste es sehr düster aussehen in Deutschland.
Natürlich gibt es immer auch gute jobs. Mein Nachbar von gegenüber ist Ingenieure und im öffentlich Dienst tätig. Der ist auch zufrieden spricht aber auch von diesen "Problemen"! Sicher gabs auch Unternehmen die vor dem Mindestlohn mehr bezahlt haben was aber nicht heisst das es genug war. Und sicher wird ein Ingenieure auch schneller einen job finden wenn er ganz wenig Lohn will.

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Leser161 13.04.2015, 15:26
159.

Zitat von bernd.stromberg
Was ich nicht verstehe: wenn das Leben als Unternehmer so einfach ist und man als Arbeitnehmer ja sowieso nur ganz böse abgezockt wird und die Unternehmen es ganz leicht haben und den ganzen......
Vielleicht weil nicht alle Ingenieure gute Unternehmer sind? Nur so zum Bleistift.

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