Forum: Karriere
Gender Pay Gap: Geld her!
Shutterstock/ nito

Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer - allerdings berücksichtigt dieser allgemeine Gender Pay Gap weder Qualifikationen noch Tätigkeiten. Trotzdem beschreibt er einen gesellschaftlichen Skandal.

Seite 10 von 23
b1964 18.03.2019, 14:20
90. Ideologie

Das Thema ist viel schwieriger, als der linke großstädtische Mainstream suggerieren will. Männer und Frauen sind nicht gleich, sondern "nur" gleichberechtigt. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied! Rechtlich seht völlig außer Zweifel, dass Männer und Frauen für gleiche (!) Arbeit den gleichen Lohn verdienen. Und ebenso steht völlig außer Frage, dass sie bei gleicher (!) Eignung, Befähigung und Leistung auch die gleichen Berufs- und Aufstiegschancen verdienen. Da gibt es ganz sicher noch eine Reihe von Defiziten zu beheben. Aber andererseits wird es diese Gesellschaft aushalten müssen, wenn die Leistungsfähigkeit von Männern und Frauen (jedenfalls typischerweise) unterschiedlich ist und sich dann auch auf Aufstiegschancen und Entlohnung auswirkt. Beispiel: Eine Frau kann in Deutschland selbstverständlich Bundeskanzler werden (haben wir ja nun schon seit 13 Jahren). Dennoch strebt ein Großteil der Frauen (naturbedingt?) keine Führungsrolle an, sondern geht lieber in einer Familienrolle auf (jedenfalls wenn Kinder da sind). Es ist nämlich keineswegs so, dass das nur ein anerzogenes und überkommenes Rollenbild ist, sondern ein Stück weit die Natur der Menschen. Der Mann hingegen ist jedenfalls in der Regel von Natur aus stärker, durchsetzungswilliger und auch aggressiver. Das wird in bestimmten Berufen und bei bestimmten Aufstiegsmöglichkeiten belohnt. Was besagt es jetzt also, wenn statistisch über die Gesamtbevölkerung gerechnet Frauen in Führungspositionen weniger vertreten sind oder ggf. weniger verdienen als Männer? Es ist nur bedingt aussagekräftig. Sind das immer nur die bösen Seilschaften der Männer, die heimlich die Frau unterdrücken wollen? Nach meiner persönlichen Erfahrung ganz sicher nicht. Wenn eine Frau aufsteigen will, "muss sie ihren Mann stehen", d.h. sie muss die gleiche Durchsetzungsfähigkeit an den Tag legen, wie ein Mann. Glaubt den jemand daran, dass ein Mann ohne "männliche" Durchsetzungsfähigkeit Karriere macht? Wie stellen sich hier manche Verfechter der Gleichheit zwichen Mann und Frau unsere Gesellschaft vor, wenn die Führungspositionen nicht mehr nach "Durchsetzungsfähigkeit" (als Kriterium neben der Befähigung) vergeben wird? Es gibt sie, die durchsetzungsfähigen Frauen. Angela Merkel muss ich hier - neben zahllosen anderen - noch mal nennen. Aber nicht alle Frauen sind so und wollen so sein. Das Thema ist halt schwierig. Jede Frau soll und muss die Chance haben, eine Karriere zu machen, wenn sie es will und die dafür nötigen Eigenschaften mitbringt. Aber keine Frau ist dazu gezwungen und eine Gesellschaft wäre verrückt, würde sie Männer zwangsweise ausbremsen, damit wenig durchsetzungsstarke Frauen in Führungspositionen gelangen. Das wäre ja so, als ob man Frauen dazu zwingen würde, schwere Lagerarbeiten zu übernehmen statt im Büro zu arbeiten, damit überall in einer Firma Geschlechtergleicheit einzieht. Ich glaube, das wollen die (viele) Frauen nicht wirklich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Julia Reitenbacher 18.03.2019, 14:22
91. Genauer hinschauen

> Dieser Gender Pay Gap hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Als wäre das nicht schon erschütternd genug, geht nun ernsthaft die Diskussion wieder los, ob diese Zahl überhaupt die richtige ist. Weil sie "unbereinigt" ist, Faktoren wie Qualifikation und Tätigkeit außen vor lässt

Völlig zurecht geht die Diskussion "ernsthaft" wieder von vorne los, denn die unbereinigte Lohnlücke ist beim besten Willen kein Maßstab für eine direkte Ungleichbehandlung. Sie spiegelt die Folgen von strukturellen, gesellschaftlichen Prozessen und Mechanismen wider, die dazu führen dass Frauen in schlechter bezahlte Branchen drängen und und ihre Karriere hinten an stellen.

> Bereinigt liegt die Lohnlücke laut Statistischem Bundesamt nämlich nur bei rund sechs Prozent, das ergab zumindest die letzte Berechnung auf Basis von Daten von 2014. Würden noch weitere lohnrelevante Faktoren einbezogen in die Kalkulation, würde wohl auch diese Lücke noch schrumpfen, heißt es auf der Seite des Amtes.

Neuere Studien sehen die bereinigte Lücke in einem Korridor zwischen 2%-6%, je nach dem welche Faktoren man wie gewichtet und insbesondere ob man den öffentlichen Dienst (mit vollständiger Lohngleichheit) mit einbezieht oder nicht.

> Das Alterseinkommen von Frauen liegt, wenn man private, betriebliche und gesetzliche Vorsorge zusammenrechnet, um rund 50 Prozent niedriger als das von Männern. Millionen von Frauen sind deshalb finanziell abhängig von ihrem Partner oder Mann. Und damit sind sie eine riskante Wette eingegangen. Denn die Scheidungsquote liegt in Deutschland bei fast 40 Prozent.

Ein schlechtes Beispiel, denn gerade im Scheidungsfall werden Rentenansprüche geteilt, Zugewinne ausgeglichen und Verdienstnachteile nach der Scheidung für einen gewissen Zeitraum im Unterhaltsrecht abgemildert. Falls die Ehe bis zur Rente hält so lebt das Ehepaar ohnehin sowohl im Erwerbsleben als auch in der Rente vom gemeinsamen Einkommen.

Lasst uns eine Debatte darüber führen wieso Jungs Elektroingenieure und Mädchen Medienpädagogin werden müssen und welche irrationalen Rollenbilder dazu führen dass sich strukturelle Gehaltsunterschiede auf diese Weise manifestieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
markus_wienken 18.03.2019, 14:27
92.

Zitat von HerrTurtur
Die Löhne in den Pflegeberufen zeigen die Löchrigkeit Ihres Arguments. Diese hätten sich in den letzten Jahren überproportional erhöhen müssen, da der Bedarf an Fachkräften immer mehmehr steigt. Dies ist auch oft genug thematisiert worden. Dennoch liegt die Lösung der Arbeitgeber eher daran ausländische Pflegekräfte zu fördern. Pflegen kann ja nicht so schwer sein, wenn es Frauen machen, oder?
/einmisch
In der (Privat-)Pflege werden Sie sofort jemanden finden der sich um Sie kümmert...Sie müssen nur entsprechend viel bezahlen. Ist überhaupt kein Problem.
Ansonsten unterliegt die Pflege hat nicht den "normalen" marktwirtschaftlichen Mechanismen, da die Pflegesätze für Nichtselbstzahler vorgegeben werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
saarkast 18.03.2019, 14:27
93. Nur dann gleich, wenn gerade passt!

Beim Überfliegen hier im Forum habe ich keinen einzigen Beitrag gesehen, in dem jemand meint, dass es gerecht sei, dass eine Frau für die Gleiche Arbeit und das Gleiche Ergebnis schlechter bezahlt wird!
Allerdings muss man die 21% richtig einordnen! Wer fordert, dass aus der 21% irgendwann 0% werden, muss auch andere Bereiche der Gesellschaft grundlegend in Frage stellen: Kindererziehung, Rollenverteilung in Partnerschaften, Scheidungs- und Sorgerecht (!), unterschiedliche Bezahlung unterschiedlicher Tätigkeiten und in verschiedenen Branchen.
Ich denke, wenn da 0% stehen sollte, müsste man auch biologische Hürden überwinden, da nahezu 100% der Kinder von Frauen geboren werden - verbunden mit all den Einschränkungen die eine Schwangerschaft und Geburt so nach sich ziehen können (!).
Die überwiegende Zahl von Frauen ist dann eben mal eine Zeit lang aus dem Beruf heraus. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, selbst wenn es andere Beispiele gibt - wir reden hier über eine landesweite Statistik! Manche Frauen berücksichtigen das auch bereits bei der Berufswahl (oder bekommen es von außen gesagt), andere nehmen sich auch bewusst Zeit für die Kinder - etwas, worum sie manche Männer auch beneiden!
Wir reden hier also nicht über einen Lohnskandal, sondern über biologische und gesellschaftliche Unterschiede. Die aufgebauschte Schlagzeile ist wieder eine Episode aus der Feder der Zwangsgleichmacher!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
allesmussraus 18.03.2019, 14:27
94. Die meisten Frauen wollen weniger

arbeiten. In unserem Bekanntenkreis gibt es genau eine Frau die Vollzeit mit 35 Std. arbeitet. Alle anderen, incl. meiner Frau, wollen weniger arbeiten. Alle könnten mehr arbeiten, da sie akademische Berufe haben in Bereichen, in denen Mehrarbeit durchaus begrüßt werden würde und die Kinder sind schon groß oder aus dem Haus. Wer macht die Überstunden, die Ehemänner. Und wer wird ausgelacht, wenn wir von Arbeitszeitreduzierung sprechen. Genau, auch die Ehemänner. Und wer will auf gar keinen Fall in Führungspositionen. Genau, unsere Ehefrauen. Weil es da viel zu stressig ist. Und dafür sind 21% noch viel zu wenig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Equalizer 18.03.2019, 14:31
95. Möglicherweise gibt es gar keinen echten Skandal!

Sondern der Skandal wird konstruiert.

Nehmen wir meine Frau als Beispiel. Ich verdiene Brutto fast 6 Mal so viel wie meine Frau.
Dafür habe ich ein MINT-Fach studiert und arbeite Vollzeit in einem internationalen Konzern, meine Frau arbeitet im Einzelhandel in Teilzeit. Kinder haben wir keine.
Und ja, es ist schon so, dass meine Frau im Moment nichts besseres bekommt.
Aber, ich hätte es allerdings vor einigen Jahre gerne gesehen, wenn meine Frau noch ein Bachelor-Studium gemacht hätte, aber sie wollte das nicht.

Also, wer ist da Schuld?
Und ja, es ist nur eine Geschichte unter Millionen.
Aber trifft das nicht für jedes Arbeitsleben zu?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
burgundy 18.03.2019, 14:31
96.

Zitat von htoru.forum
Sie halten die 21% für einen Skandal. Niemand jedoch weiß ob diese 21% die Folge einer strukturellen Ungerechtigkeit sind oder die Konsequenz von freien Entscheidungen über Karriere und Beruf. Und wenn beide Aspekte eine Rolle spielen, weiß trotzdem niemand, in welchem Verhältnis dies in Zahl mit einspielt. Also alleine aus der Zahl "Skandal" zu rufen ohne die Gründe dahinter zu verstehen ist voreilig.
In der Tat ist es so, dass wenn man die von Ihnen genannten Einflussfaktoren herausrechnet, dann bleibt eine Differenz der Gehälter von 6%, für die es allerdings immer noch keine Rechtfertigung gibt, wenn man davon ausgeht, dass jeder Erwerbstätige nur für seine eigene Biographie verantwortlich ist, was die heute allgemein anerkannte Philosophie ist.

Aber 21% hört sich doch viel besser an, um Unzufriedenheit, Missgunst, Neid, Unverständnis oder gar Hass zu schüren. Das bringt mehr Salz in die Suppe des gelangweilten Konsumlebens.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Horatio Caine 18.03.2019, 14:35
97. Das ist nicht bloß eine "interessante Fußnote"

"Bereinigt liegt die Lohnlücke laut Statistischem Bundesamt nämlich nur bei rund sechs Prozent, das ergab zumindest die letzte Berechnung auf Basis von Daten von 2014. Würden noch weitere lohnrelevante Faktoren einbezogen in die Kalkulation, würde wohl auch diese Lücke noch schrumpfen, heißt es auf der Seite des Amtes. Und in so manchem polternden Twitter-Kommentar."

sondern reine Mathematik, die aus wahnsinnig ungerecht wirkenden 21 % zwergenhafte 2% machen, wenn man das Statistikmodell bis zur Neige bereinigt. Die FAZ hat hierzu einen schönen Artikel geschrieben, leider kostenpflichtig.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/gender-pay-gap-warum-frauen-weniger-verdienen-als-maenner-16093149.html

Gender-Pay-Gap ist für mich ein Thema das nur zur Ablenkung dient, dass die Verdienste in Deutschland insbesondere im Niedriglohnbereich nach wie vor insgesamt viel zu niedrig sind. Da pusht man doch lieber einen Konflikt zwischen den Geschlechtern und - jedes Jahr - spielt der komplette Medienapparat das Spiel wieder mit...meine Fresse für wie blöde haltet ihr so manchen Wähler ?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nordlichtx 18.03.2019, 14:36
98. Wirklich skandalös

Ja das ist schon wirklich ganz erschütternd und skandalös, wenn das Statistische Bundesamt und mittlerweile auch viele Kommentatoren Lohnunterschiede nach Einflußfaktoren analysieren und eine sachliche Diskussion darüber führen wollen. Wo kommt man denn da hin, wenn über Fakten diskutiert wird, statt Zeit mit feministischen Gejammer wie diesem Artikel zu verschwenden? Jeder Mensch, unabhängig vom Geschlecht, kann sich den Beruf nach den eigenen Kriterien, sei es Gehalt, Spaß, Fähigkeiten oder Arbeitszeiten, aussuchen. Das ist der Vorteil einer freien Gesellschaft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
babbi7 18.03.2019, 14:37
99. Unsachliche Diskussion...

Die ganze Diskussion ist nicht sachlich, sondern emotional geführt. Wie es auch bei Krankenkassen ist, kosten Frauen auch einem Arbeitgeber mehr Geld, nämlich durch das Schwangerschaftsrisiko, Mutterschaftsurlaub usw. Bevor es dazu kommt, dass Frauen 21% mehr verdienen, wird es eher dazu kommen, dass Frauen 10,5% und Männer 10,5% weniger verdienen werden. Karrierefrauen ohne Kinder wird es helfen, Familien aber in keiner Weise. Und nun eine Frage: Wenn schon Karrierefrau, warum nicht ordentlich ein Gehalt aushandeln? Muss es dafür Gesetze geben?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 10 von 23