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Geplantes Psychotherapie-Studium: Psychologiestudenten fühlen sich abgehängt
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Ein neues Studium soll die Ausbildung zum Psychotherapeuten verbessern. Doch aktuelle Studenten der Psychologie sind sauer: Sie fürchten, dass ihr Abschluss durch die Pläne wertlos wird.

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Revisor 29.01.2019, 18:32
1. Das Psychologiestudium wird bevorzugt von Menschen gewählt,

die mit sich besonders wenig im Reinen sind und hoffen, mit Hilfe der Wissenschaft die eigenen seelischen Belastungen zu überwinden. Das aber gelingt eher selten, denn zwischen der rationalen Einordnung eines Traumas, wenn sie überhaupt zutrifft und gründlich genug ist, und dessen Überwindung liegen Welten. Echte Menschenkenntnis findet man bei Psychologen oft weniger als bei andren das Leben offenen Auges betrachtenden Menschen. Das beweisen die zahlreichen abstrusen, nach Schema F angefertigten Gutachten in Familiensachen. Bei vielen Psychotherapeuten hat man den Eindruck, sie brauchten eher eine eigene Therapie, als daß sie imstande wären, andere sinnvoll zu belehren und ihnen zu helfen. Da werden Orientierungsschwäche und die Fähigkeit, auf jede Haltung ein angelerntes Etikett zu kleben, gerne mit Souveränität verwechselt.

Im übrigen gilt Adornos Satz: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Was körperliche Gesundheit ist, weiß jeder, aber mit der seelischen Gesundheit steht es anders. Darum ist das Heilungsziel von Psychotherapeuten unklar.

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Newspeak 29.01.2019, 18:36
2. ...

"Bis zum Herbst wollen sie die Änderungen am Gesetzentwurf durchsetzen - "denn sonst", sagt eine Hamburger Psychologie-Studentin fatalistisch, "kann ich mein Studium auch gleich abbrechen"."

Wieso? Hat sie es denn nicht unter den alten Bedingungen angefangen? Und ist sie nicht davon ausgegangen, dass es bei diesen Bedingungen bleibt? Es koennen sich doch immer Dinge aendern, und normalerweise gibt es Bestandsschutz, aber eben nicht eine automatische Verbesserung. Es handelt sich strenggenommen um einen voellig anderen Beruf. Macht die Psychologiestudentin ihr weiteres Studium davon abhaengig, was in anderen Berufen entschieden wird?

Davon abgesehen soll man jeden, der im Rahmen seiner Ausbildung auch praktische Arbeit verrichtet, dafuer entlohnen. Aber das ist eine andere Frage.

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LFtheria 29.01.2019, 20:59
3. ugh...

Zitat von Revisor
die mit sich besonders wenig im Reinen sind und hoffen, mit Hilfe der Wissenschaft die eigenen seelischen Belastungen zu überwinden. Das aber gelingt eher selten, denn zwischen der rationalen Einordnung eines Traumas, wenn sie überhaupt zutrifft und gründlich genug ist, und dessen Überwindung liegen Welten. Echte Menschenkenntnis findet man bei Psychologen oft weniger als bei andren das Leben offenen Auges betrachtenden Menschen. Das beweisen die zahlreichen abstrusen, nach Schema F angefertigten Gutachten in Familiensachen. Bei vielen Psychotherapeuten hat man den Eindruck, sie brauchten eher eine eigene Therapie, als daß sie imstande wären, andere sinnvoll zu belehren und ihnen zu helfen. Da werden Orientierungsschwäche und die Fähigkeit, auf jede Haltung ein angelerntes Etikett zu kleben, gerne mit Souveränität verwechselt. Im übrigen gilt Adornos Satz: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Was körperliche Gesundheit ist, weiß jeder, aber mit der seelischen Gesundheit steht es anders. Darum ist das Heilungsziel von Psychotherapeuten unklar.
Wow... ich weiß nicht, wie ich das diplomatischer ausdrücken soll, außer, dass es vermutlich klügere Beiträge als diesen im Internet gibt.

Ihre Behauptung ist einfach unwahr. Psychologie ist ein wahnsinnig begehrter Studiengang, der leider einen extrem hohen NC hat und die Interessierten vor allem dadurch selektiert. Natürlich muss ein gewisses Interesse an psychischen Erkrankungen bestehen, allerdings machen nicht alle Psychologie-Studierenden die therapeutische Ausbildung. Viele gehen in die Personalberatung, in die Unternehmensberatung oder machen etwas ganz anderes. Psychologie hat außerdem einen sehr hohen Anteil zu Themen der Neurobiologie - einige gehen in die Wissenschaft. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass es nur um psychische Erkrankungen ginge. Es geht viel mehr darum, zu erforschen, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Wie Menschen sehen, verstehen, denken, sich motivieren, LERNEN, fühlen etc. Das Gehirn ist das komplexeste und am wenigsten verstandene Organ des Menschen.

Was gerichtliche Gutachten angeht, muss ich Ihnen leider sagen, dass es noch keine gerichtlichen Standars gibt, wer ein solches Gutachten erstellen darf. Teilweise haben Gerichte mangels verfügbarer Gutachterinnen, psychologische Heilpraktikerinnen verpflichtet...
Es gibt mittlerweile eine sehr aufwändige Weiterbildung zur Rechtspsychologin, allerdings gibt es momentan nicht genügend Menschen, die diese Ausbildung haben und entsprechen Gutachten in geprüfter Qualität schreiben können.

Bitte verwechseln Sie außerdem nicht Psychiaterinnen (das sind Ärzte), Psychotherapeutinnen (4jährige Ausbildung nach Psychologie-Studium) und Psychologinnen (5jähriges Studium).

Was Adorno wohl von Ihrem Zitat in diesem Kontext gehalten hätte...

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LFtheria 29.01.2019, 21:13
4. nein!

Zitat von Newspeak
"Bis zum Herbst wollen sie die Änderungen am Gesetzentwurf durchsetzen - "denn sonst", sagt eine Hamburger Psychologie-Studentin fatalistisch, "kann ich mein Studium auch gleich abbrechen"." Wieso? Hat sie es denn nicht unter den alten Bedingungen angefangen? Und ist sie nicht davon ausgegangen, dass es bei diesen Bedingungen bleibt? Es koennen sich doch immer Dinge aendern, und normalerweise gibt es Bestandsschutz, aber eben nicht eine automatische Verbesserung. Es handelt sich strenggenommen um einen voellig anderen Beruf. Macht die Psychologiestudentin ihr weiteres Studium davon abhaengig, was in anderen Berufen entschieden wird? Davon abgesehen soll man jeden, der im Rahmen seiner Ausbildung auch praktische Arbeit verrichtet, dafuer entlohnen. Aber das ist eine andere Frage.
Nein, den Gesetzentwurf gibt es schon mindestens seit 2012. Dass sich etwas ändert, ist also schon sehr lange bekannt. Es gibt vermutlich kaum Studierende, die deswegen ihre Lebensentwürfe auf Eis legen, nur, weil sich die Berufsverbände, Kliniken und Politiker nicht einigen können.
Die Situation ist schon lange untragbar. Psychologinnen werden in den Kliniken ausgebeutet. Dabei ist der Klinikbetrieb von ihnen abhängig. Sie machen Einzel- und Gruppentherapien und bekommen dafür kein angemessenes Gehalt und keinen gesicherten Status. Es wird ja noch nicht mal Mindestlohn gezahlt.
Es wäre eine riesige Ungerechtigkeit, wenn Studierende des alten Systems - bei genau gleicher Arbeit - deswegen schlechter bezahlt würden. Da auch im neuen Studiengang viele Grundlagen gelehrt werden müssen und Psychologie-Studierende auch im alten System (je nach Schwerpunkt und Interessen) schon viele klinische Inhalte lernen, wird der fachliche Unterschied nicht so gigantisch sein. Eine unterschiedliche Bezahlung ist daher nur sehr schwer zu rechtfertigen.

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lahozdeoro 29.01.2019, 21:43
5. Studienwahl

@Revisor
Die Frage der Studienwahl ist sehr vielfältig und es gibt sicherlich Hunderte von Gründen, ein Studienfach zu wählen. Würden Sie auch behaupten, dass Mathematikstudenten vor allem deshalb ihr Studienfach wählen, weil sie nicht mit Zahlen umgehen können, oder Ingenieure, weil sie technisch ungeschickt sind? Ähnlich strukturiert ist die (seltsamerweise oft zu hörende) Behauptung, Psychologen seien persönlich von psychischen Problemen betroffen. Mag im Einzelfall nicht ganz unzutreffend sein, aber das zu verallgemeinern grenzt schon an billigen Populismus.

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lindas91 29.01.2019, 22:56
6. Ich fühle mich verstanden!

Ich habe meinen Master in Klinischer Psychologie 2016 abgeschlossen. Die Therapeutenausbildung habe ich bislang nur nicht begonnen, weil ich zuerst einen Studienkredit abzuzahlen habe, bevor ich es mir leisten kann, die Therapeutenausbildung zu beginnen. Ich finde die Reform in vielen Hinsichten notwendig und sinnvoll, allerdings frage ich mich nun auch, inwiefern mein Master neben dem zukünftigen therapeutischen Master Bestand hat / in Kliniken anerkannt wird (werde ich eventuell nachteilig behandelt, nur weil ich den Master nicht direkt in Psychotherapie machen konnte und natürlich damit ein bestimmtes Wissen auch nicht habe? Muss ich in 5 Jahren für eine 5jährige tiefenpsychologische Ausbildung zahlen, während andere diesen Abschluss innerhalb des Masters umsonst bekommen? Musste ich 5 Jahre studieren + 5 Jahre Ausbildung machen, während andere in der Hälfte der Zeit den gleichen Abschluss bekommen?) die bisherigen verständnislosen Kommentare wurden leider ausschließlich von Nicht-Betroffenen geschrieben.
Auch ich frage mich jetzt: sollte ich einfach, statt mir eine teure Ausbildung zu leisten, die so lang dauert wie das Therapiestudium, nochmal Psychotherapie studieren - trotz bereits abgeschlossenem Master in Psychologie?
Meine Idee wäre, dass ich mir bestimmte Inhalte meines Studiums im neuen Therapiestudium anrechnen lassen kann und zb. dementsprechend nur nochmal den Master in Psychotherapie (nochmal 2 Jahre) machen muss, um den gleichen Abschluss zu haben.
Das wären 2 Jahre mehr Investition, als Studenten nach der Reform leisten müssten, aber vertretbarer als die jetzige Situation. Wir wünschen uns einfach Klarheit, inwiefern sich die Reform auf unsere klinische Laufbahn auswirkt.

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Luemgi 29.01.2019, 23:08
7.

Davon ganz abgesehen: zur Ausbildung eines Psychotherapeuten gehört die Selbsterfahrung. Die machen also tatsächlich eine eigene Therapie. Ein Therapeut sollte nämlich wissen, wie man sich auf der anderen Seite fühlt. Ein Studium ist ja gut und schön, aber manche Dinge muss man eben erleben, kann man nicht LERNEN. Ich für meinen Teil habe in meinem Studium zwar interessante Dinge gelernt, aber für die tägliche Arbeit ist das allermeiste doch eher nicht so relevant. Das ist mehr so eine Art Hintergrundrauschen. Schon irgendwie da, aber für sich allein wertlos.

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Revisor 29.01.2019, 23:14
8. Es ist verständlich, daß man sich angegriffen fühlt und pro domo

Zitat von LFtheria
Wow... ich weiß nicht, wie ich das diplomatischer ausdrücken soll, außer, dass es vermutlich klügere Beiträge als diesen im Internet gibt. Ihre Behauptung ist einfach unwahr. Psychologie ist ein wahnsinnig begehrter Studiengang, der leider einen extrem hohen NC hat und die Interessierten vor allem dadurch selektiert. Natürlich muss ein gewisses Interesse an psychischen Erkrankungen bestehen, allerdings machen nicht alle Psychologie-Studierenden die therapeutische Ausbildung. Viele gehen in die Personalberatung, in die Unternehmensberatung oder machen etwas ganz anderes. Psychologie hat außerdem einen sehr hohen Anteil zu Themen der Neurobiologie - einige gehen in die Wissenschaft. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass es nur um psychische Erkrankungen ginge. Es geht viel mehr darum, zu erforschen, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Wie Menschen sehen, verstehen, denken, sich motivieren, LERNEN, fühlen etc. Das Gehirn ist das komplexeste und am wenigsten verstandene Organ des Menschen. Was gerichtliche Gutachten angeht, muss ich Ihnen leider sagen, dass es noch keine gerichtlichen Standars gibt, wer ein solches Gutachten erstellen darf. Teilweise haben Gerichte mangels verfügbarer Gutachterinnen, psychologische Heilpraktikerinnen verpflichtet... Es gibt mittlerweile eine sehr aufwändige Weiterbildung zur Rechtspsychologin, allerdings gibt es momentan nicht genügend Menschen, die diese Ausbildung haben und entsprechen Gutachten in geprüfter Qualität schreiben können. Bitte verwechseln Sie außerdem nicht Psychiaterinnen (das sind Ärzte), Psychotherapeutinnen (4jährige Ausbildung nach Psychologie-Studium) und Psychologinnen (5jähriges Studium). Was Adorno wohl von Ihrem Zitat in diesem Kontext gehalten hätte...
argumentiert, wenn man aus dem betreffenden Berufskreis kommt, was ich Ihrer Informiertheit nach bei Ihnen annehme.

Die "wahnsinnige" (ein verräterischer Ausdruck?) Begehrtheit des Studiengangs widerlegt meine Auffassung allerdings nicht und könnte gerade bedeuten, daß immer mehr Menschen mit sich nicht im Reinen sind. Auch bestreite ich keinesfalls, daß es qualifizierte Psychologen, Psychiater und Psychotherapeuten gibt. Meine unmittelbaren Erfahrungen mit Vertretern der Seelenkunde (um es etwas pauschalisierend zusammenzufassen) sind jedoch wenig beeindruckend. Da gibt es viel Spreu, Personen, bei denen man an Brechts Keuner-Geschichte vom Philosophieprofessor denken muß. Und die mir bekannten jungen Leute, die Psychologie studieren wollen oder studiert haben, kommen typischerweise aus auffällig gestörten Verhältnissen. Diesen Zusammenhang halte ich für verständlich und das entsprechende Studieninteresse für legitim. Nur wird die erhoffte Selbsterkenntnis und Stabilisierung seltener erreicht als erwartet.

Was Adorno mit seinem berühmten Satz meinte, haben Sie möglicherweise nicht verstanden, oder Sie können es nicht nachvollziehen. Sonst wären Sie sachlicher auf das Zitat eingegangen.

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alabama110 30.01.2019, 10:05
9. Ähhh....

Zitat von Revisor
die mit sich besonders wenig im Reinen sind und hoffen, mit Hilfe der Wissenschaft die eigenen seelischen Belastungen zu überwinden. Das aber gelingt eher selten, denn zwischen der rationalen Einordnung eines Traumas, wenn sie überhaupt zutrifft und gründlich genug ist, und dessen Überwindung liegen Welten. Echte Menschenkenntnis findet man bei Psychologen oft weniger als bei andren das Leben offenen Auges betrachtenden Menschen. Das beweisen die zahlreichen abstrusen, nach Schema F angefertigten Gutachten in Familiensachen. Bei vielen Psychotherapeuten hat man den Eindruck, sie brauchten eher eine eigene Therapie, als daß sie imstande wären, andere sinnvoll zu belehren und ihnen zu helfen. Da werden Orientierungsschwäche und die Fähigkeit, auf jede Haltung ein angelerntes Etikett zu kleben, gerne mit Souveränität verwechselt. Im übrigen gilt Adornos Satz: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Was körperliche Gesundheit ist, weiß jeder, aber mit der seelischen Gesundheit steht es anders. Darum ist das Heilungsziel von Psychotherapeuten unklar.
....von welchem Baum sind Sie denn herabgestiegen?
Ohne die Hilfe von Therapeutinnen wären viele meiner Klientinnen komplett aufgeschmissen bzw. hätten sich wahrscheinlich schon suizidiert. Die überwiegende Mehrheit der Therapeutinnen die ich im beruflichen Kontext kennenlernen durfte machen verdammt gute Arbeit und helfen den Menschen, indem sie zuhören, die richtigen Fragen stellen und die Patientinnen geschickt zur Lösung ihrer eigenen Probleme führen. Das ist das Ziel, ob damit eine Heilung einhergeht ist ziemlich individuell, aber das ist es auch bei körperlicher Gesundheit: Die Patientin muss halt mitarbeiten, sonst geht da wenig, in beiden Bereichen.

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