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Gerechtere Bezahlung von Frauen: Zwei Drittel der Betriebe ignorieren Entgelttranspar
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Per Gesetz wollte die Bundesregierung die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern vorantreiben. Doch der Mehrzahl der Betriebe ist das egal.

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belustigter 11.01.2019, 07:54
10. Warum der Aufreger? Es sind doch alle glücklich

Die Feministen haben ihr Gesetz bekommen. Zwar konnte selbst ein Blinder mit Krückstock sehen, dass das genauso effektiv sein wird wie die Mietpreisbremse aber das lassen wir mal außen vor.
Politiker können sagen, dass sie ihr Wahlversprechen eingelöst haben. Die sind zufrieden.
Irgendjemand wurde für diese Studie bezahlt, die können auch nicht meckern.
Der Spiegel kann diese Studie exklusiv veröffentlichen und Klicks generieren, kann also auch gut damit leben.
Und wir können uns sinnlos darüber aufregen und so tun als hörte man uns zu. Läuft doch!

Viel interessanter ist eigentlich ein ganz anderer Aspekt: Wenn nur 0,7% aller Betriebe Deutschlands mehr als 200 Angestellte haben aber 32% aller Arbeitnehmer beschäftigen, sollte man vielleicht mal darüber nachdenken, welche Bedeutung Klein(st)betriebe, Mittelstand (Wann/Wo beginnt und endet das eigentlich?) und Großunternehmen tatsächlich einnehmen (Mittelstand wirklich das Rückgrat Deutschlands?) und wie sich deren Verteilung auf die regionalen Verhältnisse auswirkt.
Aber letztendlich gibt es auch dafür schon längst Studien und sichtbare wirtschaftliche und soziale Realitäten. Man muss eigentlich gar nicht mehr darüber nachdenken.

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peter.stein 11.01.2019, 07:56
11. Ich verstehe den Ansatz nicht

Sofern ein Tarifvertrag besteht (und diese ja nicht zwischen Männlein und Weiblein differenzieren) sollte eine eventuelle Ungleichbehandlung ohnehin kaum ein Thema sein. Vielleicht hat das die "nicht-handelnden" Betriebe dazu bewogen, nichts zu tun. Außerdem stellt sich mir ohnehin die Frage, was ein Unternehmen pro-aktiv aufgrund dieses Gesetzes machen kann/soll. Wenn keiner anfragt - und genau das tut ja offensichtlich kaum jemand - was sollen die Unternehmen dann machen?

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orca20095 11.01.2019, 08:00
12. Die Fragestellung der Studie ist schon suggestiv,

nur weil zwei Drittel nichts tun, heißt das ja nicht, dass sie das Gesetz ignorieren.
Sie müssen etwas tun, wenn Sie die Bestimmungen nicht einhalten. Darüber steht aber nichts im Artikel, ob denn die zwei Drittel auch alle überhaupt Änderungsbedarf haben.

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deconstruct 11.01.2019, 08:01
13. Artikel = Mogelpackung?

Also was erst einmal auffällt ist, sind die bewusst unterschiedlichen Faktenlagen und die völlig verschiedenen und dennoch vermischten Ebenen, welche der Text und vor allem Titel und Untertitel ansprechen. Einerseits geht es um ein Gesetz welchen eine Auskunftspflicht und höhere Lohntransparenz mit dem Ziel der gleichen Löhne für Männer und Frauen beinhaltet, was ja an sich eine sehr gutes Ziel ist. Andererseits behauptet der Text das sich 2/3 der Betriebe nicht daran halten. Doch woran halten sie sich nicht? Wie hoch ist denn der Gender Paygap überhaupt? Aktuelle Berechnungen sprechen von bereinigten 4,5%. Hier wird es dann aber wichtig, einmal darauf zu achten, welche Gehaltsgruppen es überhaupt betrifft. In den Lohnstufen von bis zu 35000€ Jahresgehalt sind es zwischen 0,5% und 1,5% .Wenn man jetzt bedenkt, das der durchschnittlichen Brutto Lohn bei ca. 33.000€ liegt, könnte man feststellen, das der durchschnittliche Arbeiter sogut wie gar nicht davon betroffen ist und es erst in sehr viel höheren Gehaltsstufen.

Kann es sein, das die wirklich spürbaren Gehaltsunterschiede erst für die oberen 25% der Gesellschaft existieren und weit über die Hälfte der Gesellschaft aktuell kaum betroffen sind und wenn, dann im Bereich von maximal 1,5% ? Kann es vielleicht sogar sein, das in unteren Gehaltsregionen sogar Berufsbereiche existieren, in welchen Frauen durchschnittlich sogar bis zu 2% mehr verdienen?

Wieso wird zu diesem Thema nicht die volle Wahrheit gesagt, sondern mit Vorliebe mit Zahlen hantiert, welche mit der Realität der meisten, wenig bis nichts zu tun hat?

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Sibylle1969 11.01.2019, 08:02
14. @3

Bezahlungsunterschiede in nicht tarifgebundenen Jobs werden m.E. am ehesten als fair empfunden, wenn sie durch Kriterien wie Leistung und Berufserfahrung begründet sind. Leistung ist ja nicht immer ohne weiteres objektiv messbar. Es gibt aber nur ein paar Jobs, wo es aufs bei der Ausübung auf Verhandlungsgeschick ankommt (Diplomat, Vertrieb, Einkauf...). In den allermeisten Jobs rechtfertigt ein gutes Verhandlungsgeschick also fairerweise kein höheres Gehalt.

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Nazir 11.01.2019, 08:02
15. Fehler im Artikel

Sehr geehrte Redaktion,
der Artikel kann so nicht richtig sein. So schreiben Sie:
"...obwohl sie (die Firmen) eigentlich regelmäßig ihre Gehaltsstruktur überprüfen müssten."
Andererseits lautet das Fazit:
"Eine Novellierung des Gesetzes ist also angeraten", schreiben die WSI-Forscher. Sie fordern, dass die Überprüfung von Gehaltsstrukturen für alle Betriebe verpflichtend gemacht wird.
Beide Aussagen passen nicht zusammen. Entweder halten sich alle oder die meisten Betriebe an das Gesetz und machen, was sie müssen (bzw. ignorieren unverbindliche Empfehlungen, was nicht verboten ist). Oder aber Ihr Artikel ist missverständlich bis falsch formuliert. Wenn nämlich die Überprüfung der Gehaltsstrukturen nur für Großbetriebe verpflichtend ist, dann "hält" sich der überwiegende Teil der Unternehmen an das Gesetz, da es für Sie keine Relevanz hat. Wenn diese Überprüfung hingegen für alle optional ist, dann gibt es überhaupt keinen echten "Fehler".

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silberstern 11.01.2019, 08:05
16. @3

"Ehrlich gesagt verstehe ich das Problem des Gender Pay Gap nicht so richtig. Also wenn man einen Vetrag individuell verhandeln kann und der Mann mehr Geld aushandelt und die Frau weniger Geld aushandelt, dann würde ich das immer auf die individuelle Verhandlungsstärke zurückführen."

Was hat Verhandlungsstärke mit Verantwortung, Komplexität, Belastbarkeit und Leistung des eigentlichen Jobs zu tun? Ich beantworte Ihnen das gleich einmal:

Nichts.

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angelobonn 11.01.2019, 08:09
17. Realität

Der Gender Pay Gap existiert bei näherer Betrachtung nicht, daher ist es auch nicht verwunderlich, dass ein solches Gesetz keine Auswirkungen hat. Gerade in großen Unternehmen wird der weit überwiegende Teil der Mitarbeiter nach Tarif bezahlt. Wer wissen möchte, was der Kollege verdient, kann einfach in den Tarifvertrag schauen. Bei Beamten genügt sogar ein Blick ins Gesetz. Im außertariflichen Bereich hängt das Gehalt zudem zu einem großen Teil vom jährlichen Bonus und damit vom Erfolg des Unternehmens und der eigenen Leistung im jeweiligen Jahr ab.

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catcargerry 11.01.2019, 08:34
18. Schlecht beraten?

Zitat von loncaros
Würde mich überraschen, wenn bei 2/3 aller Betriebe überhaupt jemand die Auskunft nach Entgeldtransparenzgesetz gefordert hätte. Wie soll man sich an etwas nicht halten, wenn es nicht gefordert wurde? Und was diese Berichte angeht, naja. Wir (WP/StB) haben Kunden, die jedes Jahr lieber 30 tsd € Strafe zahlen, als einen Jahresbericht zu veröffentlichen...
Wer hat denn diese Kunden beraten? Mit der Bußgeldzahlung ist es ja nicht zu Ende, das war früher mal. Jetzt werden die Pönalen gesteigert bis zu richtig unangenehmen Zwangsmaßnahmen. Kunden, die nachhaltig uneinsichtig sind, müssen wir uns allerdings zum Glück nicht leisten.

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ichbindannmalfort 11.01.2019, 09:14
19. Wieder ein gutes Beispiel ...

... dafür, wie die Wirtschaft missliebige Gesetze schon im Vorfeld so konsequent verwässert, dass sie in der Realtität tatsächlich nicht funktionieren. Der Gesetzgeber hätte sich auf die Idee mit der Straffreiheit und der Ausnahmeregelung für alle Betriebe unter 200 Mitarbeiter nie einlassen dürfen. Dass die Wirtschaftsverbände jetzt triumphieren (Tenor: "Wir haben es immer gesagt, dieses Gesetz ist Blödsinn") und seine komplette Wieder-Abschaffung fordern, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten.

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