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Geschlechterunterschiede bei der Jobsuche: Frauen zaudern, Männer bewerben sich einfa
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Frauen sind oft hoch qualifiziert, bewerben sich dann aber auf Positionen unter ihrem Niveau. Grund sind laut einer neuen Studie die Formulierungen der Stellenanzeigen - und längst überholte Klischees.

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hr.cacau 24.06.2019, 19:59
1. Mein Lieblingsthema...

Wer nicht alles immer Schuld ist an der Misere der Frauen. Nun sind es also bestimmte Worte. Böse, böse Wörter!

Ich selbst würde nie auf die Idee kommen, irgendeiner Frau Durchsetzungskraft abzusprechen. Hier wird das aber getan.

Ich würde mir wünschen, dass bald nicht mehr solche Pseudoprobleme diskutiert sondern die tatsächlichen Hürden bekämpft würden:

1. Erzieher/innen und andere soziale Berufe deutlich besser bezahlen.
2. Frauen und Männern in Elternzeit attraktive Angebote seitens des Arbeitgebers machen (Betriebs-KiTa, Aufstiegsperspektiven trotz Beurlaubung/Teilzeit, Qualifizierungen, Home-Office, etc.).
3. höhere staatliche Zuschüsse für weibliche Existenzgründer.
4. Teilzeitbeschäftigung durch staatliche Zuschüsse in den ersten 6 Lebensjahren des Kindes auf das Gehaltsniveau einer/eines Vollzeitbeschäftigten heben.
etc.

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vera gehlkiel 24.06.2019, 21:26
2. @hr.cacau

Klingt ja alles Tofte, allerdings haben Sie "in Wirklichkeit" so gut wie alle kostenintensiven Problemloesungen auf die Regulierungsinstanz "Vater Staat" abgeschoben. Vor allem aber die gesellschaftspolitische Verantwortung, die heutige Unternehmen gemäß Corporate Identity- orientierter Leitbilder ja angeblich in so hohem Maße mit sich führen, dass sich sogar aufstrebende Grsundheitsministerinnen gern damit schmücken möchten. Wie "Aufstiegsperspektiven" überhaupt an die Frau kommen sollen, hängt etwa schon wieder vom Sprachgebrauch ab. Respektive natürlich davon, wie der/die Boss/in so drauf ist. Und die initial coole Betriebskita kann für eine Frau nur allzu schnell zu einer Mausefalle werden, sobald sie über einen Arbeitgeberwechsel nachdenkt. Da wäre eine unternehmerische Beteiligung am Konzept kostenlose Kita für alle vielleicht das aufrichtigere Modell. Homeoffice (mach ich als "Freelancerin" sowieso) ist andererseits überhaupt gar kein frauenspezifisches Thema. Dass ausgerechnet Menschen, deren Beruf die Vermarktung von Produkten durch Sprache ist, die Relevanz von Sprache in Verbindung mit der Frage "die berufstätige Frau" die ganze Zeit über stringend abwerten, wirkt in sich ehrlich gesagt schon leicht absurd. Prinzipiell machen das aber längst nicht mehr alle Unternehmen so. Einigen wird mittlerweile tatsächlich klar, wieviel Ressource an kreativem Potential einem flöten geht, bleibt man beim braesigen "Maennerkultus" und tut so, als müssten Frauen sich halt etwas Aufmerksamkeit erst mal verdienen. Mittlerweile soll es, so wird jedenfalls gemunkelt, sogar Personalchefs (männlich) geben, die es im Zielvereinbarungsgespraech als unkreative Verhaltensweise problematisieren, wenn der junge Vater dezidiert keine Elternzeit nimmt, oder er noch nie wegen dem kranken Kind gefehlt hat...

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Sponutzer 24.06.2019, 21:41
3. Studie, die einige Frage offen lässt

Bei den 62.000 offenen Stellen für Hochschulabsolventen wird nicht lediglich ein Hochschulabschluss gefordert, sondern es muss ganz konkret ein Anforderungsprofil erfüllt werden. Eine Kunsthistorikerin kann mit ihrem Abschluss in der IT (bzw. praktisch jeder anderen gefragten Berufsbranche) halt überhaupt nichts anfangen. Es gibt nun mal Unterschiede bei der Studienwahl von Männer und Frauen und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Chancen am Arbeitsmarkt. Als Geisteswissenschaftler muss man eben unter Umständen eine Stelle antreten, die formal nicht die Qualifikationen entspricht, Maschinenbauern wird das seltener passieren.
Den 62000 offenen Stellen also die 28000 arbeitslosen Akademikerinnen gegenüber zustellen, ist also ziemlich unsinnig.
Sinnvoll wäre gewesen, es nach Branchen aufzugliedern.
Die RP (https://rp-online.de/wirtschaft/iw-studie-frauen-sind-bei-der-jobwahl-oft-zu-bescheiden_aid-39547231) schreibt:
"Demnach suchen von derzeit rund 86.000 arbeitslosen Akademikerinnen nur zwei Drittel eine Stelle, die auch einen Hochschulabschluss erfordert. Das restliche Drittel der Frauen gibt sich mit einfacheren Tätigkeiten zufrieden. Bei den studierten Männern liegt der Anteil derer, die nicht-akademische Jobs akzeptieren, dagegen bei weniger als einem Fünftel."
Hier wäre interessant, ob sich in dieser Frage männlich und weibliche Kunsthistoriker auf der einen Seite und Maschinenbauer auf der anderen Seite unterscheiden. Oder ob grundsätzlich Kunsthistoriker eher bereit sind (bzw. bereit sein müssen), niederqualifizierte Arbeit anzunehmen. Und der Unterschied zwischen Männer und Frauen hauptsächlich durch die unterschiedliche Berufswahl zustande kommt.
Man hätte aus er Studie durchaus etwas machen können, so ist halt nur der übliche 'Frauen werden benachteiligt'-Sermon draus geworden.

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spdf 24.06.2019, 22:28
4.

Zitat von Sponutzer
Bei den 62.000 offenen Stellen für Hochschulabsolventen wird nicht lediglich ein Hochschulabschluss gefordert, sondern es muss ganz konkret ein Anforderungsprofil erfüllt werden. Eine Kunsthistorikerin kann mit ihrem Abschluss in der IT (bzw. praktisch jeder anderen gefragten Berufsbranche) halt überhaupt nichts anfangen. Es gibt nun mal Unterschiede bei der Studienwahl von Männer und Frauen und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Chancen am Arbeitsmarkt. Als Geisteswissenschaftler muss man eben unter Umständen eine Stelle antreten, die formal nicht die Qualifikationen entspricht, Maschinenbauern wird das seltener passieren. Den 62000 offenen Stellen also die 28000 arbeitslosen Akademikerinnen gegenüber zustellen, ist also ziemlich unsinnig. Sinnvoll wäre gewesen, es nach Branchen aufzugliedern. Die RP (https://rp-online.de/wirtschaft/iw-studie-frauen-sind-bei-der-jobwahl-oft-zu-bescheiden_aid-39547231) schreibt: "Demnach suchen von derzeit rund 86.000 arbeitslosen Akademikerinnen nur zwei Drittel eine Stelle, die auch einen Hochschulabschluss erfordert. Das restliche Drittel der Frauen gibt sich mit einfacheren Tätigkeiten zufrieden. Bei den studierten Männern liegt der Anteil derer, die nicht-akademische Jobs akzeptieren, dagegen bei weniger als einem Fünftel." Hier wäre interessant, ob sich in dieser Frage männlich und weibliche Kunsthistoriker auf der einen Seite und Maschinenbauer auf der anderen Seite unterscheiden. Oder ob grundsätzlich Kunsthistoriker eher bereit sind (bzw. bereit sein müssen), niederqualifizierte Arbeit anzunehmen. Und der Unterschied zwischen Männer und Frauen hauptsächlich durch die unterschiedliche Berufswahl zustande kommt. Man hätte aus er Studie durchaus etwas machen können, so ist halt nur der übliche 'Frauen werden benachteiligt'-Sermon draus geworden.
Das sind Klischees pur. Kunst ist nach Drogen und Waffen der drittgrößter Schwarzmarkt. Hinzu kommt noch der legale Markt. Es gibt also im Bereich Kunst für Akademiker genug zu tun. Unabhängig von dem was jemand studierte, niemand wird daran gehindert, in eine Stabi zu gehen und sich dort BWL - Kenntnisse zuzulegen. Das geht sehr gut. Außerdem profitieren sie gerade als Kunsthistoriker, wenn sie sich sehr weitreichende Kenntnisse bzgl. Datenbanken zulegen. Das ist ohne Probleme machbar. Das Problem ist eher, dass viele Studenten und Studentinnen nicht sonderlich gut daran sind, sich selbständig Kenntnisse beizubringen und alles extra vorgekaut brauchen.

Was man bei der Berufswahl als Problem ansehen kann ist, dass so einige Frauen ihre Berufswahl sehr stark mit ihrem Hobby verknüpfen. Es gibt so einige Akademikerinnen die dann Mode verkaufen, auch wenn sie von der Qualifikation her das nicht nötig hätten.

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Welten_Wanderin 24.06.2019, 23:34
5. Klischees

Ich finde, da werden gerade Klischees eher verstärkt mit solchen Vorschlägen.

Hat sich jemand schon mal gefragt, ob sich Frauen unter anderem auch deshalb weniger auf entsprechende Jobs bewerben, weil sie einfach die Erfahrung gemacht haben, dass man ihnen entsprechende Eigenschaften nicht zutraut?

Nicht, dass ich mich deshalb von Bewerbungen abhalten lassen würde, ich kann da stur sein, aber meine Erfahrung ist es tatsächlich, dass man als Frau, egal wie super man auf das Profil paast, wenn es um verantwortungsvolle Stellen geht mit Beschreibungen, die man eher Männern zuordnet, und dann auch noch das entsprechende Gehalt fordert, dass es dann noch nicht mal eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch gibt. Egal, wie rar die Mitbewerber gesät sind.
Aber sicher werden jetzt wieder ein paar kommen und mir erzählen, dass das nicht sein kann und ich irgendeinen Fehler mache ;)

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hans_von_hier 24.06.2019, 23:39
6.

"Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie selbst."

Ich Frage mich manchmal wie weit man gehen kann mit Regulation und Unterstützung. Irgendwann muss man einfach akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich sind und auch Geschlechterunterschiede existieren. Es gibt Top Frauen in Führungspositionen, aber wenige. Der Grundstein wird aber viel früher (nicht) gelegt. Beispielsweise hat bei meinen früheren Kolleginnen keine einzige (!) ihr Gehalt verhandelt. Oftmals findet sich auch eine Scheu vor Konflikten und seine Meinung zu vertreten.
Natürlich kann man da erstmal entgegenwirken und das erste Gehaltsangebot ungefragt nach oben korrigieren oder alles etwas weniger kompetitiv gestalten. Das Problem ist aber, dass nach Einstellung eben Verhandlungsfähigkeit und das Bestehen im Wettbewerb nötig sind. Die Konkurrenz wird sich nicht selbst in der Marktteilnahme limitieren.

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Christoph Seifert 24.06.2019, 23:48
7. Furcht

ist womöglich der einzige wesentliche Unterschied. Das klingt auch beim Thema Bewerbung in dem Artikel an - die Befürchtung, dass man nicht genommen werden könnte, und man sich lieber die Arbeit spart. Die Befürchtung, dass die Kündigung für eine bessere Stelle riskant sein könnte. Die Furcht, dass der Chef einen feuern könnte, wenn man mehr Geld verlangt. Die Befürchtung, dass man nicht genommen werden könnte, wenn man zu hoch pokert.
Wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann eine Mutpille, die man vor diesen Gelegenheiten nehmen kann. Alternativ dazu ist wahrscheinlich nur das Schwedische Modell geeignet, die Unterschiede einzuebnen, weil es Tranzparenz innerhalb der Unternehmen beim Gehalt erzeugt.

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Paule Paulson 25.06.2019, 00:01
8. Letzte Satz offenbart den Denkfehler

Die Firmen wollen sehr wahrscheinlich gar nicht alle Arbeitssuchende ansprechen. Denn oft ist es besser, eine Stelle gar nicht zu besetzen als mit einem ungeigneten Kandidaten Zeit zu verplempern. Besser, als Stellenanzeigen mit weniger Anforderungen zu verlangen, wäre es, wenn Frauen das Selbstvertrauen finden würden, sich auch auf einen offenbar anspruchsvollen Job zu bewerben. Und nein, "Wortgewandheit" und "Selbstbewußtsein" sind nicht weibliche Synonyme für "Verhandlungsgeschick" und "Durchsetzungsfähigkeit", sondern nur Teilaspekte (z.B. Verhandlungsgeschick = Wortgewandheit + Taktik + Charisma + Empathie + Auffassungsgabe + Erfahrung + ...)

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anonym187 25.06.2019, 00:39
9. heute wird viel über Leiharbeitern ermittelt

und diese sogenannten Fachkräftmängel sind künstlich erzeugt. viel mehr wird es für Maschinenbauer schwerer sein, eine passende Stelle zu finden, weil die Anforderung utopisch sind und sehr fern von der Realität sind

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