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Haftplicht-Problem: Verhandlungen zwischen Hebammen und Krankenkassen gescheitert
DPA

Tausende Hebammen bangen um ihre Existenz, weil sie ihre steigenden Haftpflichtprämien kaum noch bezahlen können. Jetzt sind ihre Verhandlungen mit den Krankenkassen vorerst gescheitert: Beide Seiten schieben sich die Schuld zu.

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pimposse 24.05.2014, 11:46
50. Toll die Vielfalt von Beiträgen hier

wir hätten wegen - eingestandener - Fehler der Hebammen zudem an einem Krankhaus mit Hebammenschule undin einer Nacht,an dem die beiden anderen Kreissäale unbesetzt waren also Null-Stress beinahe zwei Familienmitglieder verloren - nicht auszudenken, wenn das in einem Wellness-Geburtshaus passiert wäre. Nie, wirklich nie würde ich jemanden zu einer Hausgeburt, Geburtshäusern oder ähnlichem raten: Sucht Euch eine Klinik mit angeschlossener Kinderklink und sonst gar nichts! Das es zuviele Hebammen gibt, die gezwungener Maße (oder eben statt als Betreiber einer Abschreibungs-Boutique) freiberuflich agieren, ist keine Notwendigkeit, sondern ganz einfach ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage (die esoterisch motiviert künstlich gesteigert wurde). Da ist es nur konsequent, dass die Marktkräfte über den Umweg der Haftpflichtversicherung zu einer Bereinigung führen, offenbar, weil die Fehlerquote und die Folgekosten der Gesellschaft nicht mehr zuzumuten sind. Hier künstlich politisch einzugreifen kann nur kontrakproduktiv sein. Tut mir Leid für den Berufsstand, aber deshalb sind wir so erfolgreich in Deutschland: was sich als schlecht erweist, fegen die Marktkräfte mit großen Schmerzen für die Betroffenen weg. In diesem Falle auch langfristig und volkswirtschaftlich und volksgesundheitlich völlig zu Recht.

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helma2356 24.05.2014, 12:20
51. Unglaublich

was hier manche ins Forum schreiben! Dummheit und Unwissen geben sich die Hand. Zum einen betrifft die Versicherungsproblematik nicht nur Hebammen, die eine Hausgeburt durchführen. Auch in einem Krankenhaus angestellte Hebammen müssen sich zusätzlich versichern, weil die Deckungssummen nicht ausreichen. Obwohl laut Statistik die Schadensfälle abnehmen. Und an die Leute gerichtet, die meinen Hebammen sind überflüssig, sei gesagt, dass bei einer normalen Geburt in der Klinik die Hebamme den Hauptjob erledigt. Ein Arzt kommt erst zum Schluss dazu und wird wenn alles gut läuft nur für die Versorgung evtl. Wunden danach gebraucht. Ich selbst hätte gerne eine Beleghebamme gehabt, die ich schon vor der Geburt kennengelernt hätte. Ich hätte Sorgen und Ängste besprechen können und eine mir vertraute Person wäre in diesen außergewöhnlichen Stunden bei mir gewesen. Doch das war im letzten Jahr schon nicht mehr möglich. Ich selbst habe im übrigen nur sehr bodenständige, fähige Hebammen kennengelernt, die sichauch in ihrer Freizeit noch weitergebildet haben. Wenn ich diese Respektlosigkeiten hier lese, frage ich mich ernsthaft, welche Bildung hier einige genossen haben.

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trevi 24.05.2014, 12:43
52. Wer steckt dahinter ?

Mir scheint, dass hinter dieser seit Jahren laufende Kampagne
ggf.die Krankenhaus-Lobby hinter den Versicherungen steckt um das Feld "Umsatz Hebammen-Arbeit" allein in den Krankenhäusern zu machen -

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1976er 24.05.2014, 13:26
53. Keine Ahnung von irgendwas

Wenn ich den Beitrag von Arctic Girl lese sehe ich einen Beitrag von einer Person die absolut keine Ahnung hat was Hebammen überhaupt leisten
Meine Tochter kam vor zwei Wochen zur Welt.aktuell werde ich von einer Hebamme betreut die mir zu Hause mit Rat und Tat zur Seite steht
Die freiberuflichen Hebammen nehmen nicht nur hausgeburten vor wie Arctic Girl meint.
Sollte es keine Einigung zwischen Hebammen und Krankenkassen geben fällt ein hervorragender service weg.darum liebe Krankenkassen,streicht vonir aus Leistungen für Alkoholiker oder Drogenabhängige,aber keine Leistungen die unschuldigen Kindern zu gute kommen

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hesekiel2517 24.05.2014, 14:31
54. Unschuldige Kinder

Zitat von 1976er
Wenn ich den Beitrag von Arctic Girl lese sehe ich einen Beitrag von einer Person die absolut keine Ahnung hat was Hebammen überhaupt leisten Meine Tochter kam vor zwei Wochen zur Welt.aktuell werde ich von einer Hebamme betreut die mir zu Hause mit Rat und Tat zur Seite steht Die freiberuflichen Hebammen nehmen nicht nur hausgeburten vor wie Arctic Girl meint. Sollte es keine Einigung zwischen Hebammen und Krankenkassen geben fällt ein hervorragender service weg.darum liebe Krankenkassen,streicht vonir aus Leistungen für Alkoholiker oder Drogenabhängige,aber keine Leistungen die unschuldigen Kindern zu gute kommen
...die Leistungen kommen nicht den Kindern zu gute sondern den unfähigen Müttern!Da sehe ich das Geld bei KRANKEN wie Alkoholikern und Drogensüchtigen besser aufgehoben!

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fab77 24.05.2014, 15:27
55. Ziemlich naiv

Zu denken, dass man in Krankenhäusern besser aufgehoben wäre. Oft ein Trauma, vor allem für das Kind, aber das kann sich ja zum Glück nicht wehren.
Staunen lässt einen auch die hohe Kaiserschnittrate und man wundert auch manchmal, wie die Menschen früher auf die Welt gekommen sind. Ein Wunder! Ich wäre im KH nach eben diesem sterben können, hätte mein Partner nicht damit gedroht die 112 zu wählen. Die Ärztin hatte keine Zeit ... Hach!
Die Hebammen machen einen verdammt guten Job! @ arctic_girl: Autofahren darf übrigens auch jeder, obwohl man dabei sterben kann. Es geht niemanden was an wie oder wo Frauen gebären, das wäre ja noch schöner. Es ist das persönlichste, natürlichste und intimste Gut! Sex darf man aber schon noch zuhause praktizieren, oder ist das auch schon gefährlich?

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diestimmeausdemnix 24.05.2014, 15:39
56. Wertschätzung

Es würde uns allen gut tun, noch einmal tief durchzuatmen und sich auf den grundsatz des gegenseitigen respekts zu besinnen. genauso wichtig wie die qualifizierte Arbeit einer Hebammme ist die qualifizierte Leistung des ärztlichen und des ggf. darübr hinaus am Geburtsvorgang beteiligten Personals. Fehlleistungen kommen bedauerlicherweise vor, dürfen aber keinesfalls dazu missbraucht werden, um die jeweiligen Berufsstände zu diffamieren. Die Bemühungen um die Vermeidung von Fehlleistungen müssen im Vordergrund stehen. Der Wunsch einer Mutter nach weitergehender Unterstützung ist nachvollziehbar, die Frage, in welchem Umfang diese zu finanzieren ist, berechtigt. Darüber hinaus gehört zu dem System nachgeburtlichet Fürsorge auch die vorgeschriebene, kinderärztliche Betreuung. Auf diese verzichten zu wollen wäre auch ein gefährlicher Wunsch. Es geht nicht nur um eine Berufsgruppe! Es geht um ein in sich komplexes System sich ergänzender Berufsgruppen und der Wertschätzung deren Arbeit und Versorgungsschwerpunkte. Es geht um Prozesssichetheit.

Es geht um Leben und Gesundheit.

Unter diesem Aspekt müssen wir uns als Gesellschaft um die Finanzierung bemühen.

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peewee 24.05.2014, 18:03
57. Von wegen Wellness und so ...

Zitat von pimposse
wir hätten wegen - eingestandener - Fehler der Hebammen zudem an einem Krankhaus mit Hebammenschule undin einer Nacht,an dem die beiden anderen Kreissäale unbesetzt waren also Null-Stress beinahe zwei Familienmitglieder verloren - nicht auszudenken, wenn das in einem Wellness-Geburtshaus passiert wäre. Nie, wirklich nie würde ich jemanden zu einer Hausgeburt, Geburtshäusern oder ähnlichem raten: Sucht Euch eine Klinik mit angeschlossener Kinderklink und sonst gar nichts! Das es zuviele Hebammen gibt, die gezwungener Maße (oder eben statt als Betreiber einer Abschreibungs-Boutique) freiberuflich agieren, ist keine Notwendigkeit, sondern ganz einfach ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage (die esoterisch motiviert künstlich gesteigert wurde). Da ist es nur konsequent, dass die Marktkräfte über den Umweg der Haftpflichtversicherung zu einer Bereinigung führen, offenbar, weil die Fehlerquote und die Folgekosten der Gesellschaft nicht mehr zuzumuten sind.
Es ist sehr bedauerlich und tragisch, dass Sie diese Erfahrung machen mussten. Aber Ärzte machen auch Fehler, mit teilweise schlimmen Folgen - soll man sie deswegen auch abschaffen? Oder soll die Luftfahrtindustrie dichtmachen, weil es Unfälle und Abstürze mit Flugzeugen gibt? Nochmal: Es geht hier nicht um Wellnessbehandlungen, wie manche hier wohl meinen. Es geht um die wichtige Versorgung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen durch kompetente Expertinnen, das kann man nicht so einfach ersetzen oder abschaffen, nur weil man denkt, man will sich dies in unserer Gesellschaft nicht mehr leisten, weil es ja genug Technik gibt, die den Part der Hebammen übernehmen kann. Wer selbst schon einmal ein Kind auf die Welt gebracht hat, der weiß einfach, dass es ohne sie nicht geht. Und auch nochmal: Eine Geburt in Deutschland darf ohne Hebamme nicht durchgeführt werden - ich bin mal gespannt, wie das gehen soll, wenn es bis nächstes Jahr keine Lösung gibt. Denn das Problem trifft wie schon gesagt auch Hebammen, die in Kliniken tätig sind! Und wie sähe das dann aus, wenn dort auf einen Schlag die Hebammen wegbrechen? Gebären auf dem Krankenhaus-Gang? Alleine, ohne Hilfe? Alle, die schon mal ein Kind geboren haben, können das ja, weil sie mittlerweile wissen wie es geht? Und danach: Jeden Tag mit einer Frage und einem Neugeborenen zum Kinderarzt rennen, wo die Wartezimmer jetzt schon überfüllt sind? Den Säugling dort schön mit den ganzen Viren und Bakterien anderer Kinder konfrontieren? Das klingt jetzt vielleicht polemisch und im Idealfall findet sich ja doch noch eine Lösung. Aber ehrlich gesagt fällt mir bei vielen Kommentaren hier auch gar nichts mehr ein, was man entgegen sollte. Außer vielleicht: Bekommen Sie mal selbst ein Kind. Und danach reden wir dann weiter über diesen "mittelalterlichen" Berufsstand, den offenbar keiner braucht. Und übrigens, von wegen Angebot und Nachfrage: Ich habe mich in der 8. SSW bei meiner Nachsorge-Hebamme angemeldet. Später wäre nichts mehr frei gewesen - und das, wo es doch immer heißt, es gäbe zu wenige Kinder in Deutschland - offenbar gibt es für diese "zu wenigen Kinder" selbst jetzt schon zu wenige Hebammen.

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vagus26 24.05.2014, 18:18
58. Die Kombination aus Hebamme und Arzt bringt die Sicherheit...

Ich bin Oberarzt für Geburtshilfe in einer Klinik mit 2500 Geburten. Ich habe mehrere 10.000 Geburten begleitet und weiß, wovon ich rede - und nein, es sind nicht alles Kaiserschnitte. Das Ärzte-Bashing hier artet dermaßen aus dass ich doch mal meine Meinung hier zum Besten geben muss.
1.) Hebammen machen gute Arbeit und sind zu schlecht entlohnt, dem ist absolut zuzustimmen. Im gesamten Gesundheitssystem ist zu wenig Geld für die von der Bevölkerung erwartete Leistung.
2.) Die Ärzte in der Geburtshilfe sind nicht alle Idioten wie hier vermittelt und wollen nur Geld und Kaiserschnitt. Das oben zitierte Gesetz, dass ein Arzt eine Geburt nicht allein betreuen soll, ist erlassen, um den Augenarzt in Hintertupfingen zu hindern, Geburten durchzuführen, und bezieht sich nicht auf einen Facharzt für Geburtshilfe. Dieser ist - ebenso wie eine Hebamme - ein Experte für Geburtshilfe, und zwar sowohl für eine vaginale Geburt als auch einen Kaiserschnitt.
Das Grundproblem der gesamten Haftpflichtsdiskussion und auch der steigenden Kaiserschnittrate (meine persönliche liegt bei 28%) ist etwas anderes:
- Die Natur machts natürlich auch ganz allein. Dann überlebt halt nicht jedes Kind und insbesondere überlebt nicht jedes Kind ohne Hirnschaden. Es ist eine unbestreitbare Tatsache dass in unserer Evolution der Kopf so groß geworden ist dass das Kindskopf-Mutterbecken-Verhältnis grenzwertig ist - bei keiner anderen Spezies ist das so der Fall. Deswegen braucht der Mensch Geburtshilfe.
- Hebammen leisten dies seit Jahrtausenden und mit guten Ergebnissen. Nur wenige Kinder kommen so mit Schäden zur Welt.
- Heutzutage - trotz des omnipräsenten schönen Geredes über Inklusion usw. - will nahezu niemand mehr eine Behinderung bei seinem Kind akzeptieren. Nahezu jede Schwangerschaft mit erkannter Trisomie 21 wird abgebrochen, und zwar nicht auf Wunsch der Ärzte, sondern auf Wunsch der werdenden Eltern. Wenn man aber unter einer Geburt nicht bereit ist, auch nur ein minimales Risiko einzugehen, führt dies automatisch zu steigenden Kaiserschnittraten - denn kein Arzt oder keine Hebamme kann bei einer sehr langen Geburt garantieren, dass es dem Kind gutgeht, sondern wir sind uns nur sehr sicher - in einigen Fällen täuschen wir uns eben auch, weil z. B. das CTG keine Methode mit 100%iger Sicherheit ist. Ich habe normale CTGs gesehen, wo dass Kind mit Sauerstoffmangel geboren wurde. Dank unser hochspezialisierten Neugeborenenintensivmediziner überleben diese Kinder aber heute und müssen ein Leben lang versorgt werden (Kosten bis zu 10 Mio pro Kind); früher wären sie verstorben...

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vagus26 24.05.2014, 18:23
59. Die Kombination aus Hebamme und Arzt bringt die Sicherheit... 2

Ich habe als Sachverständiger für Gerichte etwa 50 Fälle von vermeintlichen oder reellen Geburtsschäden begutachtet. Heutzutage läuft es so ab: Wenn der kleine Fiffi dann mit 16 nicht in den Mathe-Leistungskurs kommt, dann sind doch wahrscheinlich der Geburtshelfer und die Hebamme schuld, und nicht etwa die eigene Genausstattung, Erziehung durch Playstation und Co. sowie das wöchenendliche Betrinken (realer Fall). Da wird die Hebamme verklagt weil es zu einem Dammriss gekommen ist, und die Patientin, die im Geburtshaus entbinden wollte, sagt, sie wurde gar nicht darüber aufgeklärt, dass sowas passieren kann (realer Fall). Da kann die Mutter nach einer Spontangeburt mit höherem Blutverlust (nicht verschuldet durch Hebamme oder Arzt) sich ein paar Wochen nicht ums Kind kümmern, und das Paar verklagt die Hebamme und den Arzt auf Verdienstausfall des Ehemannes (realer Fall).

Im Krankenhaus sind entgegen der Meinungen hier Ärzte und Hebammen zivilrechtlich gleichermaßen abgesichert - wenn ein Schaden beklagt wird gegen den Klinikträger vorgegangen.
Abschließend: Die Hebammen sind nicht schuld an dem Anstieg der Kosten. Die ärztliche Geburtshilfe auch nicht. Das gesellschaftliche Unvermögen, Behinderungen zu akzeptieren, gepaart mit erfreulichen Fortschritten in der Neugeborenenintensivmedizin sind verantwortlich dafür.
Letztlich muss die Vergütung der Hebammen angehoben werden; gleichzeitig sollte man aber ggf. über eine Haftungsbegrenzung in der außerklinischen Geburtshilfe nachdenken; die Eltern, die eine Hausgeburt wählen, müsse sich bewusst sein, dass es nicht der sicherste Weg ist, und dann eben einen Teil des Risikos mittragen. Wenn sie aber Vollkasko wollen => Klinik.

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