Forum: Karriere
Herr Schmiedl und die Ingenieure: "Der Fliesenleger hat doch recht"
imago/Photoshot/Construction Photography

Ein Handwerker empfindet Ingenieure als Problemkunden und will nicht mehr für sie arbeiten. Sozialwissenschaftler Fritz Böhle kann den Fliesenleger verstehen - und erklärt, warum viele Akademiker mit der Lebensrealität fremdeln.

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fritzberg1 17.01.2019, 08:40
220. Herrlich.....

Ich würde mal sagen, dass der H. Professor da sämtliche Vorurteile gegenüber Sozialwissenschaftler voll bestätigt.
Aber er beschreibt es eigentlich schon selbst:
Das Defizit der akademischen Ausbildung liegt darin, dass sie wissenschaftlich fundiert ist und man davon ausgeht, dass Wissenschaft in der Lage ist, alle wichtigen Dinge der Realität und Praxis exakt zu erfassen und zu beschreiben.
Gilt eigentlich eher für die Nicht-Naturwissenschaftlichen Fächer.
:)

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cervo 17.01.2019, 08:42
221. Ich staune nicht schlecht...

... über all die unterhaltsamen Beiträge, die so das wahre Leben widerspiegeln (sollen oder wirklich tun).
Als jemand aus der belächelten Kaste - und damit kann ich leben - habe ich mit selbigen auf der Kundenseite gearbeitet. Mein Fazit: wenn die Mehrheit der Autokonstrukteure von Fliesen und dem Metier so wenig versteht, wie von den betreuten Autokomponenten, dann sollte er sich wirklich besser nicht mit seinem Fliesenleger anlegen. Mich wundert in der Reflexion des Ruheständlers , dass heutige Audis wirklich fahren.

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observerlbg 17.01.2019, 08:44
222. Kunden haben Rechte....

Zitat von droptableall
Kumden sind nicht arrogant und spielen keine Macht aus, wenn sie unzufrieden mit dem Ergebnis simd oder enttäuscht über mangelnde Einhaltung versprochener Termine. Es gibt wirklich gute Handwerker, die wenig Probleme damit haben, manche sind sogar auf das Verlegen ohne Fugen spezialisiert.
Aber einige Kunden gehen weit darüber hinaus. In meinem Handwerksbetrieb reklamierte ein Kunde laaange nachdem die Gewährleistungsfrist abgelaufen war und outeten sich als Redakteure eines bekannten Tagesblattes. Er drohte mit Veröffentlichung des Sachverhaltes wenn nicht kostenlos ausgebessert wird. Oder aber es werden Kosten gedrückt bis zur Unwirtschaftlichkeit mit dem Hinweis, der Kunde hätte einen starken Einfluss auf den lokalen Markt usw. Wer nicht alle Seiten kennt, sollte keine Allgemeinplätze artikulieren. Dieter Nuhr sagte es drastischer.

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ElvisTheKing 17.01.2019, 08:46
223. @hegoat

Zitat von hegoat
Da macht es sich der Herr Sozialwissenschaftler aber ein bisschen einfach. Es geht nicht um eine eingebildete bessere Expertise der akademischen Auftraggeber oder deren Weltfremdheit, es geht vielmehr darum, dass solche Menschen sei es qua Ausbildung oder qua Intelligenz relativ penibel bei der Bewertung von Leistungen oder Sachverhalten sind. Ich will auch keine schiefe Küche oder unsaubere Fugenarbeiten haben, aber ich kenne genug Leute, denen sowas egal ist. Der Fliesenleger des Artikels kann ja gerne bei denen Fliesen legen.
Das ist nicht ganz richtig. Ich bin selbst studierter Ingenieur und Informatiker, habe auber auch langjährig auf der "anderen Seite" in der Fertigung gearbeitet. Es gibt auf dem Bau gewisse Toleranzen. Z.B. darf eine Mauer bis zu 1 cm vom Maß abweichen. Für einen Ingenieur ist das viel, auf dem Bau oft nicht anders machbar. Je nach Preisklasse und Qualität haben Fliesen unteraschiedliche Güte. D.h. bei billigen Baumarktfliesen kann die Oberfläche gewölbt oder Kanten krumm bzw. verzogen sein. Alles im Rahmen der Toleranz der Qualitätsklasse. Da kann der Fliesenleger nichts daran ändern. Ich kenne einige Leute, die zu geizig sind sich teuere qualitativ hochwertige Fliesen mit kalibrierten und rektifizierten Kanten zu kaufen und die sich dann beschweren, warum Fugen zu breit oder ungleich sind. Gerade bei großen Fliesenformaten summiert sich die Ungenauigkeit auf der Fläche auf. Der Fliesenleger wird dann dafür verantwortlich gemacht. Er kann aber aus einer Kurve keine Gerade machen, das ist en Naturgesetz. Ein Ingenieur sollte das eigentlich wissen. Auch manche Badezimmerwand ist nicht gerade oder alle Ecken im rechten Winkel. Auch dafür kann der Fliesenleger nichts.

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schneemann3 17.01.2019, 08:59
224. das kann er sich erlauben

aber auch nur in der momentanen Situation, in der jeder bauen und renovieren will, weil die Kredite günstig sind und es zu wenig Personal gibt.
Nach einem Hausbau bin ich aber der Meinung, dass man ungefähr 10% aller Handwerker trauen kann, alle anderen versuchen einen über den Tisch zu ziehen. Nicht erst jetzt, wo sie meinen, sich alles erlauben zu können, sondern auch schon vor mindestens 5 Jahren. In einem gewissen Rahmen muss man aber auch den Ingenieuren Recht geben, denn das Thema Toleranz am Bau mag sich zwar nicht im Nanometerbereich bewegen, aber eine 'haben wir schon immer so gemacht, dann ist der Flur halt hinten knapp 10cm breiter als vorne, das gleicht der Verputzer schon aus' ist auch nicht die Lösung.

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ElvisTheKing 17.01.2019, 09:05
225. Auch die gibt es...

Zitat von thiak
Es gibt bei allem zwei Seiten. Während des Baus meines Hauses habe ich fast sämtliche Handwerker von der Baustelle werfen müssen, bzw. ständig hinterher sein müssen, damit das Ergebnis nur annähernd etwas mit den Plänen zu tun hat. Ja, ich bin Akademiker, aber ich denke nicht dass dies die Ursache dafür ist, das Eisenbewährung falsch verlegt wird, Beton falsch verarbeitet, Fenster beim Mauern vergessen werden, die falschen Steine verbaut werden, der Putzer nur ein halbes Zimmer aber 11 halbe Liter am Tag schafft. Diese blöden Fittinge (90°) sich partout nicht unter 70° zusammenprügeln lassen wollen...
Richtig, da haben Sie absolut Recht, aber darum geht es nicht. Es gibt überall schwarze Schafe, vorallem in der z.Zt. total überhitzten Baubranche. Auch ich habe vor ca. 3 Jahren ein Haus gebaut und fast alles selbst erledigt (Elektroinstallation, Kabelziehen, Innenausbau, Fliesen, Bodenbeläge, Sanitär etc.). Trotz meiner Ansprüche hatte ich nie Probleme mit unterstützenden oder ausführenden Handwerkern. Man muss sich die Argumente anhören und danach ggf. seine Meinung reflektieren. Bei Ingenieuren in bestimmten Arbeitsumgebungen ist es sicher so, dass sie dazu nicht fähig sind ein reales Problem zu erkenne. Es darf ja laut Definition nicht existieren. Gerade die Automobilindustrie hat bewiesen, dass für sie eigene Gesetze gelten, die über allem anderen stehen. Stimmt z.B. ein Abgaswert nicht, wird die Software "optimiert" bis das Messergebnis stimmt. Der tatsächliche Ausstoß bleibt derselbe. Wenn man so durch Leben rennt, bleibt kann man mit handwerklicher Leistung nicht zufrieden sein. Eine krumme Fliese bleibt eben ein krumme Fliese, auch wenn man es sich schönrechnet.

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noworriesmate 17.01.2019, 09:10
226. Gute Kunden - schlechte Kunden

Der Handwerker kann sich anscheinend diesen Luxus erlauben weil er einfach genug Kunden hat. Schön für ihn, wenn er sich seine Kunden aussuchen kann. Vielleicht gibt es ja noch andere Branchen, die Kunden nach bestimmten Kriterien aussortieren möchten. Man stelle sich auch mal vor, zum Beispiel in einem Gastrobetrieb sollen Handwerker draußen bleiben, weil die immer (Achtung Verallgemeinerung) am Essen rumnörgeln. Ich glaube nicht, daß dies dann überall so Zuspruch findet wie dieser Handwerker, der sicher nicht um seine Existenz bangen muss und es sich erlauben kann, Kundenselektion zu betreiben.

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effing 17.01.2019, 09:12
227. @210 schnubbeldu

Das mag zwar in der Praxis der letztlich beste Weg sein, den auch ich so gehen würde. Allerdings ist das andererseits kein griffiges Argument. Schließlich erwarte ich auch in meinem Auto, dass der Airbag aufgeht, ohne dass ich mich erst auf die gleiche Wellenlänge mit dem zuständigen Audi Ingenieur begeben muss.

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ford_mustang 17.01.2019, 09:20
228. Pro Fliesenleger

Ich arbeite für eine Kundenhotline eines bekannten Unternehmens der Unterhaltungselektronik. Immer wieder sagen Kunden, dass sie zum Beispiel Architekten sind. Das soll wohl ihre Kompetenz unterstreichen. Wenn das Gespräch dann nicht in ihrem Sinne verläuft, zum Beispiel haben sie schon am Gerät rumgeschraubt und es gibt keine Garantiereparatur, werden sie immer sehr ungehalten, bis hin zu Beleidigungen. Am erbärmlichsten sind Rechtsanwälte, denen man erstmal den Unterschied zwische Gewährleistung und Garantie erklären muss.

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moritz1989 17.01.2019, 09:25
229.

Das ist doch absurd und viel zu verallgemeinert. Stellen wir uns mal vor es wäre genau andersherum: Die Ingenieure von Audi würden sich über die faulen, unpünktlichen und viel zu teuren Handwerker beschweren. Dann wäre die Empörung groß, wie kann man eine Berufsgruppe so stigmatisieren. Nur wo ist jetzt der Unterschied? Weil Audi-Ingenieure im Verhältnis gut verdienen, dürfen sie als gesellschaftlicher Boxsack dienen?

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