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Homosexuelle Arbeitnehmer: Lesben und Schwule schrecken vor Outing im Job zurück
DPA

Die Gesellschaft ist toleranter geworden, doch in der Wirtschaft bleibt Homosexualität vielfach ein Tabu. Fast jeder zweite Befragte verschweigt dem Chef, wenn er in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt.

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pjotrmorgen 26.01.2019, 12:19
10. Da stimmt etwas nicht

58% der deutschen Befragten (aus der jungen LGBT Gruppe) machten gegenüber ihrem Chef offenbar richtige Angaben zu ihrer sexuellen Orientierung. Also herrscht da doch eine große Offenheit. Ohne die Vergleichswerte der USA und des UK zu kennen ergibt das nicht so viel Sinn. Außerdem ist es ein Unterschied, ob mehr als die Hälfte darüber Bescheid weiß (USA) oder ob jemand sich gegenüber einem Drittel der Kollegen aktiv outet.

Diese Feinheiten ohne exakten Vergleich so seltsam darzustellen, ergibt natürlich das Bild eines völlig rückständigen, wenig liberalen Deutschland. Dabei hören in den so fortschrittlichen USA immer noch 53% der LGBTs diesbezügliche Witze am Arbeitsplatz und 13% fürchten sogar ihren Job durch ein "coming out" (das ist übrigens der korrekte englische Ausdruck) den Job zu verlieren, laut einer sehr aktuellen Umfrage: https://www.marketwatch.com/story/half-of-lgbtq-americans-are-not-out-to-co-workers-2018-06-27

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neue_mitte 26.01.2019, 12:25
11.

Zitat von Nordstadtbewohner
Ich verstehe das eigentliche Problem nicht. Ich habe mich als heterosexueller Mann noch nie auf Arbeit "outen" müssen und erwarte das auch von meinen homosexuellen Kollegen nicht. Wichtig ist die Arbeitsleistung. Wer bei uns im Unternehmen nicht die geforderte Leistung bringt, der fliegt ungeachtet seiner sexuellen Präferenzen.
Oh Sie Einfältiger. Als heterosexueller Mann muss man sich nicht outen. Es wird von Kollegen und Chefs einfach davon ausgegangen, dass man Hetero ist. Und wer kein Soziopath ist und 0,0 von seinem Privatleben preisgibt, outet sich von Anfang an völlig unbewusst als Hetero.

"Meine Frau macht dies, meine Frau macht das." ... "Ich war letztens mir der Frau und den Kinder hier, da und dort." ... "Nein, das ist nicht mein neues Auto, das ist das von der Frau. Meins ist grad in der Werkstatt." ... "Ja Chef, dies / das / jenes ist wirklich ein guter Tip als Geschenk für die Frau." ... "Nein Chef, meine Frau wartet nicht mit dem Essen heute auf mich. Wir können noch diese Projekt zu Ende bringen." ... "Danke der Nachfrage, liebe Kollegen, meine Frau hat gestern ein gesundes Baby zur Welt gebracht."

Ein homosexueller Mann muss sich zwangsläufig outen, wenn er in diesem sozio-kulturellen Umfeld mitspielen möchte und nicht ständig vor hat, zu lügen und auszuweichen.

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cave100 26.01.2019, 12:27
12. Vorsicht!

Die Betroffenen haben recht sich nicht zu outen. Denn das Verständnis für ihre sexuelle Präferenz ist
meistens geheuchelt, und hinter ihrem Rücken wird schamlos gelästert. Leider!

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andreasbln 26.01.2019, 12:29
13. Typische Diskussion an der Realität vorbei

Weder ist die sexuelle Orientierung Privatsache noch ist das völlig egal und interessiert niemanden. Die Behauptung die sexuelle Orientierung sei Privatsache sind in der Regel (homphobe?) Heterosexuelle, die sich von der Existenz und den sie womöglich direkt umgebenden Schwulen und Lesben unangenehm "berührt" fühlen. Jeder Heterosxuelle den ich ich kenne, und ich war mal Personaler, hat früher allein mit seiner Steuerklasse, mit seinem Kinderfreibetrag (Ja LGBT können auch Kinder haben), seinem Ehering seine Orientierung weitestgehend offengelegt. Die meisten machen sich auch gar keinen Kopf darüber, ihre Freundin, ihre Frau, ihre Kinder im Gespräch mit Kollegen oder dem Vorgesetzten zu erwähnen, machen es aber in der Regel recht häufig. Bei Betriebsfeiern etc.sind die Hetero-Partner anwesend etc. Früher Frau und später Männer mit Doppelnamen.. etc. Wer behauptet, dass Heterosexualität nicht ständig sichtbar ist und gemacht wird, der behauptet wider besseren Wissens. Dies ist nur geeignet Homosexualität unsichtbar zu halten. Pure Homophobie. Wer aber im Gegenzug behauptet, dass ein Coming Out am Arbeitsplatz immer und überall unproblematisch sei, der irrt ebenso. Da kommt natürlich niemand am Schreibtisch vorbei und beleidigt einen als Schwuchtel oder sonst was. Es geht subtiler und es kommt selbstredend auf die Branche und das Arbeitsklima an. Das ist wie im Sport.... Schwule im Profi-Fußball ein Problem, Lesben bei den Frauen - fast schon normal. Ebenfalls beim Tennis. So wird - auch wenn stereotyp - in einer Werbeagentur mit LGBT sicher anders umgegangen als im Dachdeckerkleinbetrieb. Ausnahmen bestätigen im Zweifel auch nur die Regel. Dann hängt es noch von jedem Charakter selbst ab. Es ist allen Menschen gegeben gleich schlagfertig und selbstbewusst, irgendwelche Komentare oder anderes an sich abprallen zu lassen. Das ist nunmal so. Also muss jeder selbst entscheiden, wie er mit seiner Homosexualität am Arbeitsplatz umgeht. Wenn das alle soooooo normal ist, wo sind denn die offenen Schwulen und Lesben der deutschen DAX-Unternehmen, die selbstverständlich zu gesellschaftlichen Ereignissen mit ihren Lebensefährten auflaufen ???? Oder will jetzt jemand behaupten, die gäbe es eben nicht ?? Bei diesem Thema muss man haarscharf aufpassen, dass es nicht eine verlogene Diskussion um Sichtbarkeit und um Wunschdenken, bzw. angeblich ach so tolerante Gesellschaft geht. Ja ein Großteil der Gesellschaft hat kein Problem "damit", aber gehen sie mal als schwules Paar händchenhaltend durch deutsche Großstädte... klar alles kein Problem.

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Rasmuss 26.01.2019, 12:29
14.

Zitat von dasfred
Es ist doch heutzutage fast nirgends ein Problem, nebenbei zu erwähnen, dass Zuhause der Mann mit dem Abendessen wartet. Dann ist das Thema durch. Für die Leistung am Arbeitsplatz ist es doch absolut unerheblich, welches Geschlecht die Lebenspartner haben. Das wissen auch die meisten Chefs. Auch die Kollegen haben für sowas oft eine Antenne. Außerhalb vom Profifußball oder auf der Baustelle kräht da kein Hahn nach und selbst dort zählt der Mensch, nicht die Orientierung.
Kann es sein, dass Sie von Dingen reden und schreiben, von denen Sie überhaupt gar keine Ahnung haben?
Ansonnsten kann ich mir nicht erklären, wie jemansd so einen blauäugigen Unsinn schreiben kann..

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diplpig 26.01.2019, 12:37
15. Branchenabhängig?

Ich arbeite im Gesundheitswesen bei einem sehr großen kirchlichen Träger. Ergebnis einer anonymen Mitarbeiterbefragung: Diskriminierung bezüglich sexueller Orientierung scheint demnach fast nicht existent zu sein. Geht doch

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dasfred 26.01.2019, 12:37
16. Zu Nr.4 manicmecanic

Wer am Arbeitsplatz aufgrund seiner Leistung als Mitarbeiter und Kollege akzeptiert ist, wird es auch nach einem Outing bleiben. Bestenfalls gibt es Kollegen, die ein paar Witze reißen, die man aber auch gut parieren kann und einige werden vielleicht erwähnen, dass sie noch nie einen Schwulen live erlebt haben. Da ist dann mehr Neugier als Ablehnung. Wenn sich alle an den Gedanken gewöhnt haben, ist das Thema durch. Auch nicht schlimmer, als wenn jemand sagt, er trinkt keinen Alkohol.

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spdf 26.01.2019, 12:50
17. Re

Zitat von dasfred
Wer am Arbeitsplatz aufgrund seiner Leistung als Mitarbeiter und Kollege akzeptiert ist, wird es auch nach einem Outing bleiben. Bestenfalls gibt es Kollegen, die ein paar Witze reißen, die man aber auch gut parieren kann und einige werden vielleicht erwähnen, dass sie noch nie einen Schwulen live erlebt haben. Da ist dann mehr Neugier als Ablehnung. Wenn sich alle an den Gedanken gewöhnt haben, ist das Thema durch. Auch nicht schlimmer, als wenn jemand sagt, er trinkt keinen Alkohol.
Das ist ein bisschen naiv. Wenn es dem Unternehmen gut geht, kann ja alles okay sein. Aber wehe, das Unternehmen kommt in eine Krise und es wird klar, dass Arbeitnehmer entlassen werden. Dann können bei schwacher Führung extreme Kämpfe ausbrechen. Auf einmal ist der schwule Kollege dann doch ein Problem … .

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pepe-b 26.01.2019, 12:50
18. @ kanoba

Sie scheinen einen miesen Job bzw miese Kollegen zu haben. Ich habe es noch niemals anders erlebt, als dass meine Kollegen mich fragen, ob man verheiratet ist, Kinder hat, was man am Wochenende so gemacht hat, wie der Urlaub war, ob man die bessere Hälfte mit zur Weihnachtsfeier bringt etc. pp. In all diesen Situationen muss man als Homosexueller entweder schweigen (was dazu führt, dass man als schräg und distanziert wahrgenommen wird), lügen oder sich eben outen. Man verbringt immerhin fünf Tage die Woche 9 Stunden täglich mit diesen Kollegen - das ist fast mehr Zeit, als man für sein Privatleben hat.

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pepe-b 26.01.2019, 12:55
19. @ diplpig

Naja, in der Kirche wundert mich das nicht :-) Tatsächlich ist meine Wahrnehmung aber, dass das tatsächlich eher Branchen- und bildungsabhängig ist. In Unternehmenszentralen mit vielen höher gebildeten und in Großstädten ist das selten ein Problem. Im Arbeiter-Bereich dagegen sehr schnell - und die stellen nun mal die Masse der Arbeitnehmer.

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