Forum: Karriere
Honorarkräfte in Kliniken und Heimen: "Es brennt gewaltig bei mir und den Kollegen"
Andreas Arnold/dpa

Krankenhäuser können nicht mehr auf Honorarärzte setzen, Altenheime nicht mehr auf freiberufliche Pfleger. Das geht aus zwei höchstrichterlichen Urteilen hervor. Viele Fachkräfte sind empört.

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cno 14.06.2019, 00:47
70.

Zitat von Newspeak
Honoraranstellungen und Leiharbeit unterlaufen die solidarische Finanzierung der Arbeitslosenversicherung und sind einfach nur asozial. Asozial sind dabei alle Beteiligten. Die Festanstellung war früher der Normalfall und da müssen wir auch wieder hin.
ja da haben sie recht, was die festanstellung angeht.
ein grosser teil von pflegeeinrichtungen stellt aber nur zeitverträge aus, wohingegen die zeitarbeitsfirmen mit unbefristeteten arbeitsverträgen locken.
andersherum,was nutzt eine befristete Festanstelung ?

und wie kommen sie auf das dünne brett das die leiharbeitsfirmen für ihre angestellten keine sozialabgaben entrichten ?

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cno 14.06.2019, 00:58
71.

Zitat von Stäffelesrutscher
Danke. Endlich mal eine sachliche Stimme, die auf die Hintergründe verweist. Und der SPON-Artikel wirft eine weitere Frage auf: Wenn die selbsternannten »Freiberufler« nach eigener Aussage so stolz darauf sind, dass sie nur arbeiten, wenn sie wollen - aber wenn wir alle wissen, dass bei den Patienten auch dann der Hinteren abgewischt werden muss, wenn die Damen und Herrn nicht arbeiten wollen: Wer macht dann die Drecksarbeit in den »graveyard shifts«, wie die Nachtdienste so treffend im Englischen heißen? Doch wohl die armen Festangestellten, denen die Krankenhausleitung die ungeliebten, von den Freiberuflern übriggelassenen Schichten aufs Auge drücken muss. Denn die Rosinenpickerei funktioniert ja nur, wenn man als erster den Zugriff hat. Wäre es andersherum, würde also die Leitung die Schichtpläne der Festangestellten monatelang im Voraus planen (mit den Betriebsräten vereinbaren), dann müssten ja die »Freiberufler« nehmen, was übrig bleibt. Und wenn die dann nein sagen ... Wie man es auch dreht und wendet: Das Urteil ist korrekt, und ich hoffe, dass die vielen fleißigen Festangestellten und ver.di als ihre Gewerkschaft bei der nächsten Tarifverhandlung bei der Bezahlung entsprechende Forderungen aufstellen.
es zwingt die armen festangestellten doch niemand, auch diese haben einen mund, aufmachen, nein sagen...
und leiharbeiter und freberufler kann man auch nicht zwingen, wenn die nein sagen, dann kann sich die leitung einfach an die nächste firma wenden.

eine pdl kann wenn kurzfristig etwas zu besetzen ist und die eigenen leute aus gutem grund nicht ans telefon gehen, locker 20 firmen anrufen und ist 30 minuten später mit dem problem immer noch alleine, auch leasingfirmen suchen händeringend personal.

angebot und nachfrage
die arbwit die pflegende machen ist schon schwer genug,warum sollen sie sich billig verkaufwn ?

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yoschi74 14.06.2019, 01:06
72.

Ganz kurz nur bitte...….

bin selber seit vielen Jahren Pflegekraft im "Angestelltenverhältnis", habe mich nie vor Verantwortung und schwerer Arbeit versteckt, meine Patienten waren für mich tatsächlich immer Patienten und nicht "nur Kunden" und im Team zu arbeiten gab mir ein gutes Gefühl......2 Bandscheibenvorfälle hat mir das eingebracht, gerade operiert wurden da ich aus medizinischer Sicht keine andere Wahl hatte, keine Ahnung ob ich diese hohen Arbeitsbelastungen, die in den letzten Jahren enorm gestiegen sind noch lange standhalten kann(da es in unserem Beruf ja der normal ist oft alleine zu arbeiten). Hilfe von den Vorgesetzten/Leitungen gibt es kaum, bestenfalls Durchhalteparolen und die Gesellschaft hält die Zustände in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen für normal da sie ja durch Gesetze und gesetzliche Standards abgesichert zu sein scheinen. Von schlechten Arbeitszeiten, mangelnde Ruhezeiten zwischen den Schichten(Spät auf Früh) und angemessener Bezahlung will ich gar nicht erst reden.
Hätten Politiker, Arbeitgeber und alle anderen Verantwortlichen vorher für menschlichere Arbeitsbedingungen gesorgt, würden Honorar und Zeitkräfte wohl kaum auf diese Möglichkeit zurückgreifen (müssen). Es geht hier weniger ums Geld.

Nein, pflegen kann leider nicht jeder und ja, ich kann nur zu gut verstehen, dass es Menschen gibt die auf diese Art versuchen zumindest etwas Ihre Arbeits und Lebenssituation zu verbessern!!!

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supermom 14.06.2019, 06:25
73. Gegen Patientenwohl

Ich arbeite Festangestellt auf Intensivstation. Auch wir haben Honorarkräfte in der Pflege und bei Ärzten. Wenn die im Einsatz sind, wird für die "festen" das Arbeiten noch stressiger. Kennen die Abläufe,Örtlichkeiten, Geräte, Computerprogramme nicht-man muss also immer wieder einen Teil ihrer Arbeiten auch noch miterledigen. Die fachliche Qualität ist leider oft furchtbar, manche würden in einer Festanstellung nicht die Probezeit überstehen.

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cbuchmann 14.06.2019, 06:43
74. Sozialversicherungsbeiträge sparen?

Ich bin freiberuflicher Krankenpfleger und im Gegensatz zu den Altenpflegern bin ich verpflichtet Versicherungsbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Hiervon kann man sich befreien lassen. Ich tue dies nicht. Wer es macht, muss auch irgendwie vorsorgen. Des weiteren kenne ich keinen Freiberufler der sich heute noch privat krankenversichern würde, die Nachteile sind bekannt. Die Meisten sind in der GKV. Vermutlich sparen sich viele die gesetzliche Arbeitslosenversicherung. Also den Wenigsten geht es vorrangig darum, die Sozialversicherung zu sparen. Ich persönlich befürworte die Sozialversicherungspflicht für alle.

Das Problem an diesem Urteil ist, daß die Freiberuflichkeit einfach nicht anerkannt wird, weil die Kollegen stationär eingebunden sind. Trotzdem legen sie selbst fest wann und wo sie arbeiten und zu welchem Preis, was für mich die Kernkriterien der Freiberufligkeit sind. Die Unzulänglichkeit unseres Sozialsystems (nicht alle müssen einzahlen, gesetzlicher Rente ist nicht existenzsichernd) ist hier der Antrieb eine Liberalisierung dieses Arbeitsmarktes, von der mal die Arbeiter selbst profitieren können, zu untergraben. Dies um Beiträge zusammen zu kratzen die fehlen wegen Konstruktionsmängeln im System.

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plusquam.perfekt 14.06.2019, 07:29
75. "Ansonsten werden eines Tages noch Patienten sterben."

Das ist doch schon längst so.
Mal angenommen ein überwiegender Anteil der Pflegekräfte und Ärzte in einem KH arbeiten als Honorarkräfte und können so ihre Dienstpläne selbst gestalten mit der Folge, dass HK am WE oder an Feiertagen nicht arbeiten. Für die verbliebenen Angestellten heisst das dann, dass diese die o.g. Dienste vermehrt wahrnehmen müssen; das könnte dann dazu führen, dass die noch-abhängig Beschäftigten entweder anstreben selbst HK zu werden oder aber zu kündigen (was den Fachkräftemangel verstärkt). Und was wird aus den Sozialversicherungen, wenn jeder eine HK ist?
Bezahlt die Leute in den KH endlich anständig und das ganze ist kein Thema.

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Gegen Zensur bei Spon 14.06.2019, 07:33
76.

Zitat von Freidenker10
Ich lach mich schlapp. Dann hatten die Einrichtungen Jahrzehnte Zeit die Löhne zu erhöhen, denn Freiberufler in der Menge gibt es noch nicht so lange! Ihre Argumentation zeugt von Unkenntnis! Ich sehe es eher so: Wenn die Einrichtungen Zeitarbeitern das doppelte zahlen können und Freiberuflern das dreifache, dann könnten SIe auch die Löhne der Festangestellten erhöhen, dann bräuchten sie nämlich keine Freiberufler und Zeitarbeiter mehr!
Keine Einrichtung verschenkt Geld

Honorarkräfte in der Pflege werden nicht zur Abfederung einzelner Spitzen genutzt, Honorarkräfte werden genutzt, um Kosten zu drücken

Mit allen Abgaben und Auflagen kostet den Arbeitgeber die Arbeitsstunde eh grob das Doppelte des ausgemachten Lohnes.
Wenn man nun nur dann dieses "Doppelte" zahlen muss wenn derjenige auch wirklich da ist und schuftet, dann ist das zwar auf den ersten Blick gleich teuer
Auf den zweiten Blick hat man kein Risiko für Krankheitsausfall, kein Risiko durch Gewerkschaft und Co, und kann auch das engagement dieser Kräfte dem eigenen Geldbeutel anpassen

Und wenn die festangestellte Belegschaft mehr Geld will, dann nimmt man halt ein aar Freelancer mehr

Kurzum als Grundsatz:
Festangestellte erzeugen incl Krankheits Sozial und sonstigen Abgaben und Kosten so ganz unterm Strich einen Stundensatz
Zu dem reinen nackten Stundensatz gehören ja auch
Ausgaben wie:
-Arbeitgeberanteil Lohn/KK etc etc
-Lohnfortzahlung im Krankheitsfall im Schnitt
-Urlaubs/Weihnachtsgeld
-Kosten für Auflagen durch BG
-Kosten für Kündigungsschutzzeiten
-Kosten für Ausfälle durch Schwangerschaft und Co
-Kosten für Betriebsrat........

Freelancer sind unterm Strich in der Regel billiger, sonst wären die die Ausnahme, nicht die Regel

Ich als Arbeitgeber würde lieber mit Freelancern arbeiten, denn dann kann ich die von heute auf morgen im Notfall entlassen

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interessierter Laie 14.06.2019, 08:00
77. @Jacek G

sorry - es heißt Arbeitsmarkt! Markt bedeutet Nachfrage rauf, Preise rauf. Wenn es diese Dynamik in Deutschland häufiger gäbe, hätten wir auch in solchen knappen Mangelbereichen höhere Löhne. Die Gewerkschaften verhindern das, indem sie alle Berufe über einen Kamm scheren und im öffentlichen Dienst nur Tariflöhne gezahlt werden. Für den Staat ist das natürlich günstig und er ist auch nur bedingt motiviert, andere Dinge zu verbessern. Der Kunde ist machtlos - er steht ja einem Quasi-Monopol gegenüber.

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Freidenker10 14.06.2019, 08:04
78.

Zitat von Jacek G
Ich kann mich irren, aber mein erster Eindruck ist, dass das System so lief:"Hey, die haben uns durch den Fachkräftemanfel nötig. Dann zocken wir die richtig ab und verdienen mit weniger Arbeit viel mehr Geld als die anderen". Der Fachkräftemangel wird dadurch noch schlimmer, da viele dem Beispiel folgen und es ebenso machen. Dazu geht wichtiges Geld nicht an die Festangestellten, sondern für die überteuerten Externen drauf. Oder hab ich das falsch verstanden?
Das Geld würde auch ohne Freiberufler nicht an die Festangestellten gehen, ist es im übrigen auch nicht vor dem Personalnotstand deshalb ist dieser ja auch erst entstanden! Manche Wortmeldungen sind echt ein schlechter Witz! Man hat einfach gedacht man könne die Mitarbeiter auf ewig auspressen und so weitermachen. Geringer Lohn und ein extremer Arbeits,-und Zeitaufwand der auch noch immer schlimmer wurde und da wundert man sich das viele versuchen dem Horror zu entkommen und sich eine Nische suchen? Die meisten kehren dem Beruf komplett den Rücken, die Freiberufler sind wenigstens noch dabei, fragt sich nun aber wie lange noch. Denke die Pflegeberufe haben ihren Teil vom Kuchen der ihnen seit Jahrzehnten verwehrt wurde verdient, die Konsequenz ist nun und das ist neu, weil es sonst keiner mehr macht!

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rainers63 14.06.2019, 08:07
79. Freiheit vs Sozialismus

Das - nicht rechtskräftige- Urteil spiegelt die Entwicklung Deutschlands weg von einem halbwegs liberalen, die individuelle Freiheit beachteten, Staat hin zu einem sozialistischen Nanny-Staat, der alles Regeln und vorschreiben will, der Private und KMUs drangsaliert und mit den grossen Konzernen im Bett liegt (nennt sich Crony Capitalism).
Bei diesem Urteil gilt - mal wieder-: 2 Parteien einigen sich auf einen gemeinsamen Vertrag. Beide sind zufrieden, eine win-win-Situation. Jetzt kommt der Staat und schürt einen Konflikt und derselbe Staat stellt dann sogar noch die monopolisierte Konfliktlösungsinstanz. Pervers! Das ist ein Eingriff in mehrere Grundrechte: freie Entfaltung, Eigentumsrechte und Vertragsfreiheit. Genau die Rechte, mit denen Sozialisten nichts anfangen können!

Ich hoffe, die Betroffenen lassen das ganze System gegen die Wand laufen,, idem sie einfach sagen: Entweder in Freiheit arbeiten oder gar nicht in De.

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