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Illegale Immigranten zurück in Mexiko: Abgeschoben und aufgestiegen
Sonja Peteranderl

Tausende Kinder mexikanischer Einwanderer werden jedes Jahr von US-Beamten in Mexiko ausgesetzt - in einem Land, das ihnen fast unbekannt ist. Drei erzählen hier, warum ihnen dennoch kaum etwas Besseres passieren konnte.

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prisma-4d 21.07.2014, 14:22
1. Der Standpunkt macht die Welt schön!

Und so ergeht es dann den Kids, wenn sie plötzlich einen anderen Standpunkt einnehmen müssen. Und den roten Faden nicht vergessen: Bildung... in diesem Fall die "zweisprachigkeit". - Etwas was uns so selbsverständlich ist wie es (früher) die schwimmfähigkeit war. Nur der geneigte Amerikaner lernt kaum eine zweite Sprache da er die Weltsprache Englisch gut kann.

Es liest sich so, als ob gute Sprachkenntnisse ausreichen würden um sogar in einem Land wie Mexiko gute Jobs zu bekommen.

Nehmen wir (und damit meine ich die Migranten) uns ein Beispiel.

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kar98 21.07.2014, 15:10
2. Dreamer

Wenn man schon die Vokabel "Dreamer" einwirft, dann doch auch bitte eine Erklaerung, wo sie herkommt.

http://en.wikipedia.org/wiki/DREAM_Act

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dosmundos 21.07.2014, 15:16
3.

Interessant, dass die (illegalen) Kinder illegaler Einwanderer eine komplette Schulausbildung bis hin zum Collegeabschluss durchlaufen können, nur um dann bei der Festanstellung an fehlenden Papieren zu scheitern. "Zurück" in Mexiko konkurrieren sie dann mit jungen Leuten mit ähnlichem Bildungsweg (Secundaria, Universidad), mit dem Unterschied, dass ihr Englisch fließend und akzentfrei ist, was in Mexiko selbst bei Absolventen von privaten, ggf. sogar bilingualen Universitäten nicht selbstverständlich ist!

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Horstino 21.07.2014, 15:18
4.

Die Kinder sind in den USA aufgewachsen. Oft ist die Situation aber gar nicht so anders als hier. Die Menschen stehen zwischen den Kulturen. Sie wollen nicht dem Schritt nach vorne gehen und sich assimilieren aber auch nicht zurück ins arme Herkunftsland. Dieser Identitätskonflikt mag auch zur Kriminalität führten, da es an für verbindlich empfundenen sozialen Normen mangelt. Diese sozialen Normen stammen nämlich von einer fremden, als feindselig empfundenen Mehrheitsgesellschaft.
Bezeichnenderweise hat die Tatserie von "Mehmet" nach der Abschiebung abrupt aufgehört. Vielleicht ist das die bessere Resozialisation im Vergleich zum Gefängnis.

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mcmercy 21.07.2014, 15:18
5.

Zitat von prisma-4d
Es liest sich so, als ob gute Sprachkenntnisse ausreichen würden um sogar in einem Land wie Mexiko gute Jobs zu bekommen.
Hier ist es ähnlich. Deutschalnd ist eine Exportnation, wer eine fremde Muttersprache hat, ist auch hierzulande bei den entsprechenden Firmen gefragt, vorausgesetzt natürlich er hat zusätzlich einen guten Schulabschluß und eine Ausbildung. In Mexiko mag das noch gravierender sein, weil die Schulbildung dort wahrscheinlich noch schlechter ist als die in den USA.

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hinschauen 21.07.2014, 17:15
6. Drei gegen eine halbe Millionen

Und weil die Autorin drei Beispiele gefunden hat, in denen es Menschen es trotzdem geschafft haben, werden die 500.000 Abschiebungen zur Randnotiz?

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The Independent 21.07.2014, 23:25
7. ...

Zitat von Horstino
Die Kinder sind in den USA aufgewachsen. Oft ist die Situation aber gar nicht so anders als hier. Die Menschen stehen zwischen den Kulturen. Sie wollen nicht dem Schritt nach vorne gehen und sich assimilieren.
In den USA geht es bei mittel- oder südamerikanischen illegalen Einwanderern nicht um ein vermeintliches Fehlen der Motivation sich zu assimilieren, sondern um das Fehlen einer Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis (Greencard). Der Besuch einer Hochschule ist ohne gültige Papiere unmöglich. Stipendien oder Darlehen bekommt man ebenfalls nur mit gültigen Papieren.

Selbst wenn sich illegale Einwanderer in den USA den Besuch eines Community-Colleges (Abiturienten in Deutschland lernen den Großteil des im College vermittelten Stoffs in der 12./13. Klasse, es sei denn, dass es sich um ein College mit technischer Ausrichtung handelt) ermogeln können, bleiben aufgrund der nicht vorhandenen Papiere selbst dann nur Hilfs- oder Putzjobs, die dann natürlich auch nur "schwarz", also am amerikanischen Fiskus vorbei, abgewickelt werden können.

Die Situation von jungen Migranten in Deutschland ist wiederum eine ganz andere. Diese sind nicht illegal hier, stehen aber tatsächlich, wie Sie ausgeführt haben, zwischen den Kulturen, weil sich nicht selten deren Eltern entweder nicht assimilieren wollten oder konnten, was dann zu Problemen beim Erlernen der deutschen, aber sogar auch, aufgrund des mangelhaften Angebots an Förderunterricht für Deutsch und die Muttersprache von staatlicher Seite, beim Erlernen der eigentlichen Muttersprache führte.

Zitat von
Dieser Identitätskonflikt mag auch zur Kriminalität führten, da es an für verbindlich empfundenen sozialen Normen mangelt
Durch den illegalen Aufenthalt in den USA bleiben den Illegalen dort nur Handlanger-Jobs oder die Flucht in die Kriminalität.

In Deutschland wiederum ist das Verhalten einiger Migranten nicht Folge eines vermeintlichen Identitätskonflikts, sondern Folge des jahrzehntelangen Ausbleibens angemessener (Integrations-)Förderung seitens des deutschen Staates, aber auch Folge der teilweise fehlenden Motivation und Perspektiven gerade der konservativen Migranten sich zu assimilieren, was dazu geführt hat, dass sich eine große Gruppe der türkischen Mitbürger in Deutschland schlecht integrierte und somit deren Kinder schlechtere Vorraussetzungen hatten, als die Kinder anderer Migrantengruppen.

Eine türkische Familie hat mir das mal so erklärt:
In den 70ern dachte sie, dass man nicht länger als ein paar Jahre bleiben würde, weshalb man nicht mehr als den erforderlichen Grundwortschatz erlernte. Später sah man, dass die Arbeitskraft weiter benötigt wurde, es in der Türkei aber keine Jobs gab, also holte man das Kind nach, bekam weitere, richtete es sich ein bisschen ein, aber immer mit dem Gedanken, dass man in spätestens 10 Jahren wohl wieder zurück müsste. Die Familie ist noch immer hier, die Kinder sprechen fliessend Deutsch, die Eltern sprechen nach wie vor nur wenige Sätze, weil man dann nach 25 Jahren meinte, dass es nun zu spät wäre, die deutsche Sprache zu erlernen, und man ja auch arbeiten gehen musste.

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longdonglarry 22.07.2014, 06:28
8. und nun?

Zitat von hinschauen
Und weil die Autorin drei Beispiele gefunden hat, in denen es Menschen es trotzdem geschafft haben, werden die 500.000 Abschiebungen zur Randnotiz?
es gibt halt kein Menschenrecht auf Immigration. Was meinen Sie was in Deutschland los waere, wenn man die gleiche Ration von illegalen Einwanderen haette wie die USA? Klar sind die Einwanderungsgesetze der USA komplett bescheiden und auch unlogisch.
Eine Kollegin von mir ist seit 20 Jahren illegal in den USA. Hat 3 Kinder, die per Geburt US Amerikaner sind, aber sie und ihr Mann haben dadurch kein Anrecht auf ne Green Card und koennten jederzeit abgeschoben werden, wenn sie erwischt wuerden. 20 Jahre in Angst. Da waere es vielleicht wirklich besser mit der Arbeitsmoral und den Kentnissen in Mexiko etwas aufzubauen.

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MusMusculus 22.07.2014, 06:48
9. Selbst erlebt

Ich habe in Montevideo einen Argentinier getroffen, der hervorragend Englisch sprach. Er erzählte mir, dass er mit 15 in die USA gekommen sei, wo er illegal arbeitete. Als er dabei "erwischt" wurde, in der Öffentlichkeit ein Bier zu trinken, wurde er erst in den Knast gesteckt und dann ausgeflogen. Es sei das Beste, was ihm hätte passieren können, berichtete er mir. Sein Leben sei jetzt viel schöner und reicher. In die USA möchte er nicht mehr zurück, selbst wenn er könnte.

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