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Immer mehr Einsätze: Notärzte in Not

Die Zahl der Notfalleinsätze in Deutschland steigt stark an. Den Arbeitstag der Retter verändert das drastisch. Ihnen bleiben kaum Momente zum Durchatmen.

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theobserver01 27.12.2015, 11:39
10. 100% Auslastung bedeutet keine Pausen

ausser den gesetzlich festgelegten Pausenzeiten. Und wenn die Retter dort hinfahren, dann haben sie wärend der Fahrt Pause, ist doch ganz klar - Zynismus aus!

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andreas.rudolf.1 27.12.2015, 11:45
11. Der kassenärztliche Bereitschaftsdienst ist z. T. mangelhaft

Besonders im ländlichen Raum funktioniert der kassenärztliche Notfalldienst an Sonn- und Feiertagen oftmals nicht. Beispiel: Die Notdienstzentrale stellt einen zur diensthabenden Ärztin durch und diese teilt unfreundlich mit, sie habe keine Zeit, außerdem sei für sie gleich Dienstschluss, sie wisse auch nicht, wer danach Notdienst habe und man solle sich doch einfach ins Krankenhaus begeben! Diese Reaktion der Bereitschaftsärztin war kein Ausnahmefall. Auch bei Notfällen in der Familie einige Monate später erfolgte eine ähnliche Reaktion. Da ist es kein Wunder, wenn einige Verzweifelte den Rettungsdienst rufen! Ich für meinen Teil hatte ein Taxi für die anstehende Fahrt in die Ambulanz gerufen. Dort sagte mir die Bereitschaftsärztin, dass es andauernd Probleme mit dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst gäbe. Im letzten Jahr hatte ich dann allerdings auch ein positives Erlebnis: Endlich mal ein freundlicher Arzt, der kurze Zeit später tatsächlich mitten in der Nacht wegen meiner heftigen Magen- und Darmprobleme bei mir zu Hause erschien und es für selbstverständlich hielt, erheblich erkrankte Patienten zu Hause aufzusuchen. Grundsätzlich muss allerdings am kassenärztlichen Notdienst noch gearbeitet werden. Allerdings sollte auch die Bevölkerung nicht unnötigerweise den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Anspruch nehmen.

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maryrose 27.12.2015, 12:09
12. NHS England

Zu Ihrem Beitrag, Grosswolke, kann ich nur sagen, dass Sie besser nicht nach England gucken bezueglich Verbesserungsvorschlaegen im deutschen Gesundheitssystem. Ich lebe seit Jahren im Nordwesten von England und ich kann nur sagen, dass man hier im Notfall von den Aerzten allein gelassen wird. Das grenzt schon an unterlassene Hilfeleistung, was ich hier erlebt habe. Das britische Gesundheitssystem ist sicher kein Vorbild fuer andere Laender, weil es einfach schlecht ist.

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zinedine02 27.12.2015, 12:12
13. Es gibt kaum einen laueren Job als...

... Notarzt! Wer schon mal Notarzt gefahren ist, egal wo in Deutschland, weiß, dass es kaum einen Einsatztag gibt, an dem es mal weniger als 1h Pause gibt. Vielleicht gibt es mehr Einsätze in der letzten Zeit. Wenn es sich dabei aber nur um Befindlichkeitsstörungen handelt, kann sich der Notarzt auch schnell wieder zurückziehen.
Notarzt ist in Bezug auf Pausen ein paradiesischer Job. Wenn er nicht im Vergleich zur Tätigkeit in der Klinik eher anspruchslos wäre, würden mehr Ärzte als Notfallmediziner arbeiten.
Ich habe während meiner halbjährigen Notarztzeit in einer deutschen Millionenstadt viel gelesen, geschlafen und den Feuerwehrmännern bei ihren Übungen zugeschaut...

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m.m.s. 27.12.2015, 12:42
14. Noch schlimmer

Keine Sorge, aus eigener Erfahrung ist zu berichten, dass es immer weniger Ärzte und Schwestern gibt. Denn, an dem Personal wird gespart. Dann kann man die Gebäude erneuern, eine neue Notaufnahme bauen, den Geschäftsführer mit 1 Mio Euro abfinden, etc. Viel Glück Deutschland im echten Notfall, dass es zur richtigen Uhrzeit passiert wenn auch jemand sofort da ist.

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Danieljoseph 27.12.2015, 13:00
15. Alles zu einer geringeren Entlohnung

Zu den häufigen Einsätzen kommt noch bedauerlicherweise die Tatsache, dass den Notärzten die Vergütung pro Einsatz auf die Hälfte gekürzt wurde (von etwa 90€ auf 45€ brutto), und ab dem sechsten oder siebten Einsatz gar nichts mehr gezahlt wird.
So rettet ein Notarzt zum Beispiel einen Schwerverletzten mit einem Arbeitsaufwand von ca. 2h entweder für 45€ (BRUTTO!) oder einfach für lau. Ein Schlüsseldienst verdient etwas mehr, habe ich gehört. Und der macht nur Türen auf.

Zugegeben, die Stundensätze wurden leicht angehoben, um im ländlichen Bereich die "Attraktivität" zu erhöhen, aber die Kollegen in der Stadt müssen erhebliche Einkommensverluste hinnehmen. Kein Wunder, dass gerade die Hausärzte, die bis jetzt noch Notarzt gefahren sind, dieses nicht mehr machen, wenn sie ihre Praxis unter Tags dafür für ein bis zwei Stunden unbesetzt lassen müssen.
Zu dem Missbrauch würde ich empfehlen, die Patienten, welche aus Bequemlichkeit den Rettungsdienst oder den Notarzt kommen lassen (O-Ton eines Patienten: "Das Taxi kostet mich was, ihr fahrt mich umsonst ins Krankenhaus!"), einfach eine Privatrechnung schicken zu lassen.
Ein Einsatz kostet alleine als Notarzt nicht unter 200-300€ bei privater Abrechnung. Der Einsatz des Rettungsdienstes kommt noch extra dazu. Das würde den Leuten die Suppe ziemlich versalzen.

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Hamberliner 27.12.2015, 13:45
16. Re: Rettungsgasse

Zitat von elblette
Wird das in der Fahrschule nicht mehr gelehrt? Ich habe das in Hamburg schon so oft erlebt, dass von hinten ein Notarztwagen kommt, und die Autofahrer sich einfach nicht bewegen, total pomadig. Wissen die nicht, dass man zur Seite fahren muss?
Nicht dass ich dieses Fehlverhalten verniedlichen wollte, aber hier in Hamburg lassen sich NAW-Fahrer gar nicht erst darauf ein, sondern beherrschen die Kunst des gezielten Geisterfahrens. Wenn eine Kreuzung vor und hinter der roten Ampel verstopft ist, dann ist nur jeweils eine Richtungsfahrbahn verstopft. Als fährt der NAW auf der "falschen" Richtungsfahrbahn als Geisterfahrer auf die Kreuzung zu, schwenkt da zurück auf die "richtige", und kein Vollpfosten hat auch nur den Hauch einer Chance, den NAW zu blockieren.
Was mich eher stört ist, dass mit der Kooperationsbereitschaft der Verkehrsteilnehmer aus Spieltrieb Missbrauch getrieben wird: Manche NAW hier in Hamburg sind gelb lackiert als seien wir hier in den USA (man will ja schließlich die gringophilste Stadt Deutschlands bleiben), und manche Signalhörner schalten dauernd das Frequenzpaar um, so dass vorgetäuscht wird, es kämen zwei verschiedene Fahrzeuge mit Sonderrechten und man verzweifelt guckt, wo denn das andere kommt.

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chris4you 27.12.2015, 14:24
17. Vielleicht der

gleiche Hintergrund der hinter dem Zahnarztmangel in ländlichen Gebieten steckt? http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/890459/zahnmedizin-maenner-verzweifelt-gesucht.html
Immerhin studieren deutlich mehr Frauen inzwischen Medizin unter Beibehaltung der work-life-balance. Das ist jetzt zwar nicht Medien-, Emma- und Feministinnenkonform, aber das wird uns noch auf einigen, etwas "härteren Jobs" treffen, das gleiche gilt für Tierärzte auf dem Land (Großtiere, keine Hamster in der teilzeit Großstadt). Aber immerhin ändert das gottseidank nichts am Genderpaygap, viele Damen in der Stadt drücken das Gehalt, der pöse (männliche) Arzt auf dem Land verdient per Geschlecht (oder mangels Alternativen) besser....

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horstnorbert 27.12.2015, 14:46
18.

Zitat von Spiegelleserin57
Besonders auf dem Land und auch in stadtnahen Gebieten ist es ein Problem ohne Auto zum Arzt zu kommen.
Und dann ruft man statt eines Taxis, das man selbst bezahlt, einfach den Notarzt? Damit bestätigen Sie doch genau das, was der Forist fordert. Bei der Abwägung 50,-- € Notarzt oder 15,-- € Taxi würde man dann doch lieber bei der Taxizentrale anrufen.

Es wird auch immer so getan, als würden diejenigen, die ein Auto haben, "umsonst" zum Arzt fahren können. Auf dem Land kann ich als Rentner lange Taxi fahren, bis ich die Fixkosten eines Autos (incl. Wertverlust) erreicht habe.

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dr.magill 27.12.2015, 15:55
19. Lösung:

Abschaffung der arztbesetzten Rettungsmittel und Ersatz derselben durch hypertrophe Quacksalber (Notfallsanitäter). Effekt: Geld gespart und aktive Bekämpfung der Überalterung unserer Gesellschaft.

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