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Immer schnelleres Arbeitstempo: "Ich kann nicht mehr mithalten"
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Soll man mit über 50 im Job nochmal eine neue Aufgabe übernehmen? Oder lieber eine ruhige Nische suchen, um dem wachsenden Tempo drumherum zu entgehen? Karriereberaterin Svenja Hofert weiß Rat.

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rstevens 08.05.2018, 12:31
20.

Zitat von Wulf Eisenschwert
Selten so gelacht. Der Vorteil daran Babyboomer zusehen ist, daß man früher tot ist und diesen Schwachsinn nichtmehr hören muß. So agil sehen die jugendlichen vollbärtigen Handykönner ja auch aus
Das ist genau die Einstellung, die dazu führt, dass man irgendwann nicht mehr mitkommt.

Die ganzen englischen Bezeichnungen sind etwas albern, stimmt. Aber die Konzepte dahinter sind durchaus sinnvoll. Im IT-Bereich sind viele Unternehmen in Deutschland noch eher langsam unterwegs. Neues wird mit Wasserfall oder V-Modell entwickelt. Oft werden Monate oder gar Jahre Fachkonzepte geschrieben, die dann wieder Monate oder Jahre umgesetzt werden. Nicht selten ist das Ergebnis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon wieder überholt oder es entspricht zumindest nicht mehr den Anforderungen.

Agile Konzepte, kürzere Iterationen, stärkere Einbindung der Anwender durch gemeinsame Entwicklung, integrierte Teams aus Entwicklung und Betrieb statt Silos, etc. Das sind alles gute Entwicklungen. Agile Coaches helfen dabei, die oft durch Leute mit sehr unterschiedlichem Hintergrund zusammengesetzten Teams zu koordinieren und die Kommunikation zu verbessern. Die Erfahrung hat gezeigt, dass so etwas nötig ist.

Man kann da mitmachen und versuchen, die Vorteile dieses Ansatzes bestmöglich für sich und das Projekt zu nutzen. Man kann sich auch über die Begrifflichkeiten lustig machen und behaupten, früher sei alles besser gewesen. Es kann jeder selbst entscheiden, wie er vorgeht. Ich sehe viel von letzterem. Leider.

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Leser161 08.05.2018, 12:32
21. Alter agil egal

Wenn einem einer einen Kurs zum Agile Coach beibiegen will ist das Alter eh egal. Das Coachen ist eine komplexe Sache und kann nicht in Form eines Methodensets in einer Schulung erlernt werden.

Eigentlich sehe ich alte Arbeitnehmer hier im Vorteil. Sie haben langjährige Erfahrung mit den praxisfernen Dingen die man halt ab und zu mal tun muss.

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meta_matze 08.05.2018, 12:33
22. lasst euch nicht kirre machen

ich bin auch Babyboomer - Generation X. Henning arbdeitet bei einer "Agentur" und dort ist der Wettbewerber und die Ausdifferenzierung "mörderisch" geworden. Kaltakquise verdrängt Kundenberatung. Kein Wunder, dass das Tempo gefühlt zunimmt. Ich gebe der Autorin recht, dass ein Großkonzern nicht die Lösung ist, da dort das Tempo noch mal höher ist, man ständig mit Umorganisation zu tun hat. Andererseits weiß ich seit 20 Jahren, dass man niemals auslernt. Wenn man sich erstmal mit den neuen Begriffswelten vertraut gemacht hat, stellt man fest, dass das gar nicht so anders ist, als das bewährte. Und als alter Hase kennt man die Kundenpotenziale viel besser als die nachrückenden Heißdüsen die erstmal auf Speed kommen müssen und dann erst nachdenken. Ich arbeite jetzt für ein kleines Beratungsunternehmen auf dem Lande, das meine Erfahrung schätzt und mich machen läßt - und mir trotzdem was neues beibringt

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zweimann 08.05.2018, 12:33
23. Stimme Fa_hh zu...

....und zwar aus tiefstem Herzen. Als alter Selbstständiger bin ich gezwungen ständig freiwillig Neues zu lernen und genau DAS ist das Salz in der Suppe. Neugierig bleiben, sich neu erfinden, hält die Arbeit, für die wir so viel Zeit aufwenden, und damit das Leben spannend. Nur so nebenbei, ich genieße auch meine Freizeit in vollen Zügen, aber ich leide unter einer „deutlich über 40 Stunden Woche“ nicht, sondern genieße eben auch wenn‘s bei der Arbeit „brezelt“ ;-)

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huz6789 08.05.2018, 12:40
24. Auch Agile brauchen Struktur (sie wissen es anfangs aber oft nicht)

In modernen Unternehmen verändert sich derzeit die Arbeitswelt in bahnbrechender Weise. Ein eher sequentielles, prozessorientiertes Vorgehen, das bisher als Tugend galt, wird teilweise - und zuweilen mit der Brechstange - ersetzt durch ein Rotationsprinzip. Die dafür benötigte Arbeitsgrundhaltung und der Methodenkoffer oft deutlich anders als bisher. Gefragt sind z.B. weniger commitment - mehr ausprobieren, weniger planen - mehr aus dem Moment entscheiden usw.
Agiler Coach zu werden, wenn man die Grundhaltung eines Projektleiters reichlich verinnerlicht hat, bedeutet, ein Protagonist im Stream zu werden. Ein solcher Wechsel dürfte in der Praxis für viele Betroffenen ein zu harter und auch unpassender Schnitt sein. So gesehen erscheint mir der Expertenrat etwas praxisfern zu sein.
Eher zu empfehlen ist, energiezehrenden inneren Widerstand gegen agile Methoden Zug um Zug durch Öffnung und Integration zu ersetzen. ich weiß wovon ich rede: Als "klassischer" Projektleiter hatte ich auf einen Schlag klassisches Projektmanagement mit agilen Methoden in einem Riesenprojekt zu verbinden, das war ein gewaltiger Lernschritt.
Die agile Fraktion war anfangs der Meinung, dass sie Konzeption, Projektmanagement, Pläne usw. nicht benötige. Inzwischen lernen die "jungen Wilden" aber gerade dazu: Sie stellen fest, dass sie im Prinzip die gleichen Probleme haben wie vorher und stellen jetzt sogar Projektleiter ein.
Meine Erfahrung ist: Struktur, Planung und Konzeption (letzteres teilweise, nicht immer) brauchen die Agilen genauso. Nur anfangs, wenn das Unternehmen "agil entfacht" worden ist, hängt das Management noch an Lippen der agilen Berater, die Ihnen einen Garten Eden verheißen, nämlich enorm gesteigerten Durchsatz bei weniger Aufwand. Inzwischen lernen auch wir, dass Agil nur ein Methodenkoffer ist, der v.a. zu mehr Mut animiert und Jüngere durch seine Spontaneität oft besser anspricht. Billiger ist er meiner Erfahrung nach keineswegs.
Projektleiter braucht es dort nach wie vor und möglicherweise mehr denn je. Vor allem dort, wo komplexe infrastrukturelle Themen zu lösen sind und nicht nur Weboberflächen gestaltet werden.
Ich empfehle: Bleibt bei deinem Leisten, aber öffne dich für die Methoden. Integriere sie. Halte die Pubertätsphase der Methode im Unternehmen durch - du solltest mit über 50 genug Weisheit haben, das zu verstehen. Und sei nicht mehr ganz so committed auf Pläne und Termine. Du hast doch jetzt eine gute Ausrede.

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Leser161 08.05.2018, 12:44
25.

Zitat von rstevens
Das ist genau die Einstellung, die dazu führt, dass man irgendwann nicht mehr mitkommt. Die ganzen englischen Bezeichnungen sind etwas albern, stimmt. Aber die Konzepte dahinter sind durchaus sinnvoll. Im IT-Bereich sind viele Unternehmen in Deutschland noch eher langsam unterwegs. Neues wird mit Wasserfall oder V-Modell entwickelt. Oft .......
Super Beispiel. Wasserfall war mal total cool. Faktisch zeigt es aber nur das ein Entwicklungsprozess mit starren Modellen egal ob sie fallen, sprinten oder Rugbyformationen verwenden nicht effektiv beschrieben werden kann.

Der langsame Entwickler verliert sich in den Formalismen was dann zu den Marathonprojekten führt wo zwar jeder einzelne Formalismus eingehalten wurde aber trotzdem nichts bei rum kommt. Der effektive (sic!) Entwickler hingegen kriegt seine Aufgaben trotz das er sich noch um Formalismen kümmern muss praktikabel und deadlinegetreu fertig.

Aber am Ende des Tages gibt gute und weniger gute Entwickler. Das Modell ist egal.

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unaufgeregter 08.05.2018, 12:47
26. Geht schon

Zitat von oliver_kreuzzer
Wer heute 50 ist, hat nach heutigem Stand noch 17 Jahre Berufsleben vor sich. Wahrscheinlich sogar 20. Es dürfte schwierig sein, diese Zeit mit Wegducken zu überbrücken.
Es gibt Kollegen, die erst 35 Jahre jung sind und schon seit 15 Jahren unterhalb des Radars unterwegs sind. Alles eine Frage der eigenen Einstellung.

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J. Hotzenplotz 08.05.2018, 12:51
27. Das Runde muß ins Eckige...

...und sonst nix! Wieder mal so ein rollkragendertragender Wendeschaubildakrobat mit wilden Worthülsen. Schwachsinn hoch drei! Die genannten Generationen haben wohl erfolgreich den größeren Entwicklungsschritt zu bewerkstelligen gehabt: vom Buchhalterjournal in Maßen 50x100cm zu *.xls. Und die haben das mit Bravour gepackt, ohne agil coaching u.ä. Klar muß man sich umstellen und anpaßen, aber das war doch schon immer so...und es ging auch immer, ohne coaches, die einen in weltfremden Semiaren komplett verwirren.

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Aurora vor dem Schilf 08.05.2018, 12:55
28. Alles bleibt anders

Den hiesigen Unkenrufen zum Trotz: Die Arbeitswelt wird sehr wohl schneller, bedeutend schneller. Der kleine Zauberkasten, den Herr Jobs erstmals ersann, brachte mindestens einen Teil dieses Steins ins Rollen: jeder hat jederzeit Zugang auf eine vernetzte, digitale, parallele Welt. Dies setzt Kettenreaktionen in Gang: Videotheken? Versicherungsberater? Anbieter von Faltkarten? Buchdruck? Brauchen wir schon heute nicht mehr.

Ökonomisch interessant sind jetzt Feature, mit denen sich diese Digitale Welt beherrschen lässt. Und diese Feature haben wir bereits heute, in einer erschreckenden Präzision. Waren Sie genauso erstaunt wie ich, als sie feststellten, dass in Hollywood-Filmen plötzlich Tote wieder auferstehen? Waren Sie erschrocken, als sie feststellten, wie gut die Gesichtserkennung auf ihrem Handy funktioniert?

Wir können jetzt die typische Verweigerungshaltung an den Tag legen, die beim Siegeszug aller neuen Technologien an den Tag gelegt werden. Ändern oder verhindern lässt sich dieser extreme, schnelle Wandel dadurch nicht. Und er wird weiter an Tempo zunehmen.

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wortgewalt87 08.05.2018, 12:59
29. Geiles Hamsterrad

Bin fast 60 und arbeite in einer ehrwürdigen, erfolgreichen Firma. Leider bin ich gezwungen, den Agilitätsmist mitzumachen, das Rad jeden Tag neu zu erfinden und dann zu staunen, dass es rollt. Vor allen Dingen frage ich mich, nachdem alles, was wir bisher gemacht haben falsch war, wie wir 1870, 1914, 1939, 1989 und 2008 überstehen konnten. Manchmal glaube ich, dass ein bisschen mehr Besinnung auf unsere gewachsenen Kernkompetenzen statt mehr pseudowichtiges Gewusel gar nicht schlecht wären. Aber vielleicht bin ich auch einfach bloß aus der Zeit gefallen.

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