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Informatiker-Gehälter: Für den Fachkräftemangel zu billig
DPA

Gute IT-Leute sind kaum zu bekommen, klagen die Unternehmen. Gleich zwei Studien sorgen für Zweifel an dieser Behauptung: Demnach sind die Gehälter in der Branche zuletzt um zwei bis drei Prozent gestiegen. Müssten seltene Fachleute nicht viel besser bezahlt werden?

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greentiger 05.03.2013, 15:34
30. Kunde und Konkurrenz bestimmen

Zitat von hman2
Wenn dem so wäre, dann müssten da ja die Gehälter explodieren. Tun sie aber nicht. Gäbe es aber einen Mangel, dann würden eben keine vernünftigten Gehälter mehr gezahlt werden, sondern deutlich mehr.
Mal ganz ehrlich - wer als angestellter technischer Sachbeabeiter zwischen 50K und 100K Euro jährlich verdient, und das als unzureichend empfindet, soll doch in Länder abwandern, die mehr bezahlen.

Die Gehälter werden diese Grössen in den von mir genannten Bereichen (QA, CM, technische Entwicklung) einfach deshalb nicht übersteigen, weil man für ähnliche Gelder genügend freie Leute aus Drittfirmen in Europa bekommt.

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hman2 05.03.2013, 15:36
31. Huch

Zitat von lecon
...ist aber häufig auch subjektives Empfinden. Sind sie, wenn Sie einmal nicht davon ausgehen, das schwierigste Studium hinter sich zu haben und absolut unersetzbar zu sein – und ja, dieses Denken haben Ingenieure und MINT'ler so an sich –, noch immer unterbezahlt? Hier liest man ja häufig von der Unverschämtheit, für 50.000€ arbeiten zu müssen.
Wenn auf vergleichbaren Posten in CH 80.000 und in USA 100.000 gezahlt werden ist es unverschämt.

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hman2 05.03.2013, 15:39
32. Yepp

Zitat von droschmisch
Anscheinend sind Sie auch einer von denen, die Entwickler suchen, die 50 Stunden die Woche für 33.000 Jahresgehalt mit umfassenden Kenntnissen in allen uns bekannten Programmiersprachen suchen!
Natürlich nicht älter als 30 Jahre, aber 25 Jahre Praxiserfahren nach dem Studium "cum laude", zehn Jahre davon im Ausland, mindestens 20 Jahre Erfahrung mit Java-Programmierung, bereit Überstunden völlig unentgeltlich und in unbegrenzter Höhe jederzeit zu fahren, Urlaub wird grundsätzlich nie gewährt oder genommen, Familie und Immobilie unerwünscht etc. pp. et. al. Beruflicher Aufstieg ist natürlich auch von vornherein ausgeschlossen, und so weiter...

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hman2 05.03.2013, 15:42
33.

Zitat von greentiger
Mal ganz ehrlich - wer als zwischen 50K und 100K Euro jährlich verdient, und das als unzureichend empfindet, soll doch in Länder abwandern, die mehr bezahlen.
Das geschieht ja auch längst, massenhaft. Deutschland ist kein Einwanderungsland für Fachkräfte, sondern ein Auswanderungsland.

Zitat von
Die Gehälter werden diese Grössen in den von mir genannten Bereichen (QA, CM, technische Entwicklung) einfach deshalb nicht übersteigen, weil man für ähnliche Gelder genügend freie Leute aus Drittfirmen in Europa bekommt.
Dann gibt es aber offensichtlich den Mangel gar nicht, den Sie behauptet haben...

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invinoveritas! 05.03.2013, 16:08
34.

Zitat von papa9799
Tut mir leid, aber diese Erhebung möchte ich sehen! Wer hat mitgemacht und welche Interessen stecken hier dahinter? Die IG Metall ist doch in der Branche überhaupt nicht vernetzt und wird auch nicht Ernst genommen! Meine Erfahrungen sind, dass die Gehälter passen und auch die Erhöhungen in Einzelverhandlungen angepasst werden. Dazu brauche ich keine IG Metall.... Ich kenne auch keinen in der Branche, der jammert! Aber was stimmt ist, Leistung zählt und wird auch ohne Wenn und Aber bezahlt!
Da kann ich nur zustimmen, ich selbst komme aus dem SAP IT-Umfeld und kenne so gut wie niemanden, der sich als "unterbezahlt" bezeichnen würde.
"Informatiker" ist halt sehr undifferenziert, denn so unterschiedlich die Tätigkeitsfelder sein können (Webseiten-Designer, Systemadministrator, Softwareentwickler, ERP-Architecture Designer, Demand Manager, Incident Supporter, etc. etc. etc.), so unterschiedlich ist auch die dementsprechende Gehaltsspanne - dazu kommt dann noch ein weiterer wichtiger Faktor: die Firmengröße.

Es kommt schlichtweg darauf an in welchem Segment man sich als „Informatiker“ bewegt, da tun sich Welten auf was Angebot und Nachfrage betrifft…
Ich möchte da niemandem auf die Füße treten, aber Web-Designer gibt es wie Sand am Meer, 1st- und 2nd-Level Supporter jedweder Coleur findet man auch ohne Probleme und auch Leute die einem irgendwas in irgendeiner beliebigen Programmiersprache entwickeln können sind nicht schwer zu finden.
Gefragt sind hingegen IT-Leute, die auch das Business dahinter verstehen, den schweren Prozess von Business-Anforderung hin zur IT-Realisierung managen können und Erfahrung damit haben, komplexe betriebswirtschaftliche Problemstellungen zu erfassen, zu modularisieren und auf effiziente Art und Weise in IT-Prozesse zu übersetzen und die dazugehörigen Konzepte erstellen können.

Ich selbst arbeite bei einem Dax30 Unternehmen, leite dort mittelgroße SAP Projekte, habe Erfahrungen in der Entwicklung, im Prozessdesign und bilde die Schnittstelle zwischen Business- und IT-Bereich. In meinem Geschäftsfeld (mehrere hundert MA), in welchem zu 90% SAP Spezialisten arbeiten verdient kaum jemand weniger als 60.000€ pro Jahr, der Median dürfte eher bei 70-75k liegen (denn es laufen hier genug „alte Hasen“ rum mit Salären von ~100k) – Freunde von mir die bei anderen großen Firmen im IT Bereich arbeiten (z.B. Rewe, Henkel, Bayer) und mehrjährige Erfahrung im SAP Umfeld vorweisen können verdienen ähnlich (kenne keinen der unter 60k liegt) – und das bereits wenige Jahre nach dem Studium.
Die Nachfrage nach Leuten aus diesem Bereich ist zur Zeit extrem hoch, offene Stellen lassen sich nur schwer besetzen und die Kontaktversuche von Headhuntern sind in den letzten 1-2 Jahren enorm angestiegen.

Falls hier zufällig ein angehender Student mitliest: wenn ein grundlegendes Interesse an betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen besteht kann ich nur empfehlen „Wirtschaftsinformatik“ statt reiner Informatik zu studieren und dabei Schwerpunkte (auch durch Praktika) im ERP Bereich zu legen (z.B. SAP).

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herrbianco 05.03.2013, 16:17
35. Wasch mir den Rücken...

... aber mach mich nicht nass.
Das ist es, was ich laufend höre. Ich bewerbe mich derzeit intensiv, weil ich nach der Pleite meines alten Arbeitgebers im Krisenjahr 2009 eine neue Stelle suchen musste und mein derzeitiger Arbeitgeber schlauerweise meine Einstellung so lange rausgezögert hat, bis man mich auf das Gehalt von 2003 drücken konnte.
Es war klar, dass ich hier so schnell wie möglich weg gehen würde, aber 3 Jahre musste ich nach mehreren kurzen Wechseln leider voll machen.
Meine Firma sucht händeringend Leute. Die seit 2012 gekommen sind, verdienen 25% mehr als ich und alle die mit mir gekommen sind, wandern langsam ab, weil man unsere Gehälter nicht anpassen will. Klar, reicher wird man nicht vom abgeben, sondern vom zusammenraffen.
Die Gespräche, die ich hatte (und das waren einige) endeten mehrheitlich mit Vorträgen, man brauche mich dringend, ich solle aber doch mit einem Gehalt zufrieden sein, was die Firma auch entspannt bezahlen könnte, wenn es ihr wieder schlechter geht.
Man fragt sich ja, wie es zusammen passt, dass einerseits mündige Arbeitnehmer mit Abstraktionsvermögen verlangt werden und andererseits erwartet wird, dass man an den Klapperstorch glaubt.
Wenn die Firmen nicht die cojones haben, ein unternehmerisches Risiko einzugehen, brauchen sie wahrscheinlich doch keine neuen Leute.
Bevor ich als gut ausgebildeter Wirtschaftsinformatiker mit einem ganzen Katalog hundsteurer Zertifikate für alle erdenklichen Produkte für kleinen Euro zur Profitmaximierung irgendwelcher Business-School Bübchen arbeite, gehe ich lieber für das gleiche Geld als LKW-Fahrer, denn so nem Pack, das mich offenbar verkaspern will, schenke ich nichts.
Und ja, dem Pflegebereich geht es noch viel schlechter. Das sind Berufe, die so richtig nur von Idealisten ausgeübt werden können. Hedonisten, wie ich, würden das nicht ertragen, daher Hut ab!!
Idealisten lassen sich aber für 'die gute Sache' gern auch mal ausbeuten, daher selbst schuld. Wenn es keiner mehr macht, müssen die Leute, die derzeit das Geld lieber horten, als leistungsgerecht zu bezahlen, eben umdenken und löhnen. Solange sich aber genug Duldsame finden, die sich für ein paar Cent ihren Allerwertesten aufreißen, wird sich nichts ändern.

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greentiger 05.03.2013, 16:21
36. Mal ganz ehrlich...

Zitat von hman2
Dann gibt es aber offensichtlich den Mangel gar nicht, den Sie behauptet haben...
..., wenn mir ein technischer Sachbearbeiter im Rahmen einer geplanten Festanstellung vorgeschlagen wird (wurde, ich mache das nicht mehr) und der ab Einstellungstermin über 70000 Euro verlangte, würde ich diese Person sofort ablehnen (tat ich auch schon mal), weil so jemand entweder von sich selber zu sehr eingenommen ist, oder aber in den nächsten 10 Jahren nach Höherem strebt, ich mich also nicht für die Projektlaufzeit von meist über 10 Jahren auf ihn verlassen könnte.

Ich rede nicht davon, dass jemand im Laufe der Jahre mehr erhalten kann, aber bestimmt nicht am Anfang.

Ich halte für Einsteiger oder Leute mit relativ geringer Berufserfahrung im industriellen Umfeld mit 60K jährlich für deutlich überbezahlt.

Wer sehr spezialisiert ist und Erfahrung hat, der ist im Rahmen einer Beratungsfirma oder als Freelancer so oder so besser aufgehoben, weil extreme Spezialkenntnisse meist nicht dauerhaft an einem Ort benötigt werden.

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greentiger 05.03.2013, 16:32
37. Das ist im industriellen technischen Entwicklungsumfeld...

Zitat von invinoveritas!
Gefragt sind hingegen IT-Leute, die auch das Business dahinter verstehen
...auch nicht anders, nur geht es dort nicht um Kenntnisse aus dem Wirtschaftsbereich, sondern um Wissen über die Zielprojekte. Beispielsweise mussten sich die Entwickler für Europäische Bahntechnologien im Rahmen ihrer Arbeit jahrelang in die Details einarbeiten - von der Ausbildung her (Informatik, Mathematik oder Nachrichtentechnik) ist dieses Spezialwissen selbstverständlich nicht vorhanden. Ähnlich sieht es im militärischen Bereich aus.

Viele Leute scheuen vor einer Orientierung in diese Bereiche zurück, weil sie, sollte es der Branche später mal schlecht gehen, über Jahre bis Jahrzehnte hinweg zu sehr spezialisiert sind und dann grosse Probleme haben eine neue Tätigkeit zu finden. Allerdings laufen diese Projekte auch über mehrere Jahrzehnte (Maintenance nicht vergessen!), so dass man normalerweise für lange Zeit eine sichere Arbeit hat.

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hman2 05.03.2013, 16:38
38. Soso

Zitat von greentiger
..., wenn mir ein im Rahmen einer geplanten Festanstellung vorgeschlagen wird (wurde, ich mache das nicht mehr) und der ab Einstellungstermin über 70000 Euro verlangte, würde ich diese Person sofort ablehnen (tat ich auch schon mal), weil so jemand entweder von sich selber zu sehr eingenommen ist,
Wie gesagt: Ganz offensichtlich haben Sie keinen Mangel mehr. Sonst würden Sie das sehr wohl bezahlen.

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berater2050 05.03.2013, 16:45
39.

Zitat von muunoy
Glücklicherweise stimmt das nicht. Ich selbst war schon häufig Projektleiter auf ERP-Projekten, die hauptsächlich mit Billigst-Kräften (meist aus Indien) besetzt wurden (aber meistens auch im Ausland). Glücklicherweise sind Kosten nicht gleich Tagessatz, sondern Tage mal Tagessatz. Ich gebe Ihnen Recht, dass viele Manager in DE schon mit so einer einfachen Formel überfordert sind. ... Früher konnte man mir allerdings mit Ihren Aussagen auch Angst machen. Inzwischen weiß ich, dass es mit Personal für anspruchsvolle Aufgaben wie mit Schuhen ist. Die billigen Schuhe sind am Ende schließlich auch teurer. Also, leiten Sie einfach mal ein umfangreiches und kompliziertes Entwicklungsprojekt mit Billigkräften aus Indien oder Osteuropa und prüfen Sie danach Ihre Aussagen.
Das mag Ihre Erfahrung sein, aber Fakt ist, dass es viele positiv-Beispiele gibt:
Bosch Media Service
Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass die vietnamesichen Kollegen sogar fließend Deutsch sprechen, weil es dort noch aus den Zeiten des kalten Krieges einen engen Austausch mit osteutschen Unis gibt. Die Erfolge mit der Blue-Card relativieren außerdem Ihre Aussage, dass man Inder nicht nach Deutschland bekommt:
Durch die Absenkung der Gehaltschwelle zur Einstellung von nicht EU-
Fachkräften auf 33.000 € Jahresgehalt konnten in den letzen 6 Monaten über 4000 Fachkräfte nach Deutschland geholt werden, darunter vorrangig Inder und Chinesen:
Mehr als 4.000 Fachkräfte bislang mit 'Blue Card' zugewandert | STERN.DE

Natürlich darf man aber nicht die (deutschen IT-) Frösche fragen, wenn man den Teich austrocknen will :-)

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