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Informatiker: "Unser Wissen ist in 18 Monaten nichts mehr wert"

Mit 35 zu alt für die IT-Welt? Quatsch! Deutsche Software-Spezialisten sehen sich auch jenseits der 40 noch als gefragte Fachleute. Vier Informatiker berichten, wie sie sich gegen jüngere Kollegen behaupten.

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mr.ious 29.04.2013, 13:55
40.

Zitat von sanierer
...Wenn ich die Azubis sehe und was teilweise von den Unis kommt: Praxiswissen = null Die glauben vielfach , wenn man das neueste Smartphone bedienen kann, ist man schon automatisch ein hochqualifizierter IT-Experte.
Das ist aber schon ziemlich lange so.
Ich hatte einen Arbeitskollegen der in den späten 80er gern mal den Witz wiederhohlte "Heutzutag kommen sogar schon die Deppen von der höheren Schule"
Und ich muß gestehen, daß selbst Leute mit Studium, den so gar nicht verstanden haben, sondern sich persönlich gemeint fühlten.
(Doch, das hat man dann später schon erfahren)

In den 90er viel mir dann auf, daß manche für sich selbst wohl beschlossen haben, wer ein Handy benutzen kann, hat was gleichwertiges zum sauber erworbenen Dr. Titel.

Stimmt und stimmte vermutlich schon immer, was Sie schreiben, aber ich denke es ist auch ein bisschen Zeitgeist und der allseits auch annerkannte Umstand, als qualifiziert zu gelten, wenn man "auf dem Laufenden ist".

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TheGossip 29.04.2013, 13:58
41. Mit zunehmendem Alter

kommt man in dem Gewerbe gar nicht darum herum, immer abstrakter zu denken. Mit Assembler gestartet und heute in Deployment-Diagrammen gefangen, dazu im Netz die Programmierung von Rechnern, von denen man kaum etwas weiss, nur mit Hilfe von schlecht dokumentierten APIs.
Sicherheitsstrategien werden immer wichtiger, halten aber auf, was idR den Jüngeren zum Optimisten macht, der seine Fehler nicht ausbaden muss und den Älteren zum Bedenkenträger, der nie erfährt, wenn er Recht hatte.
Aber am schlimmsten sind Wunschergebnisse bei Aufwandsschätzungen. Da kommt ein Betriebswirt und sagt mir, meine Schätzung sein nicht opportun ?

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lanre 29.04.2013, 14:07
42.

Zitat von sonntagsbrötchen
Jemand im IT-Servicemanagement, der sich aufgrund fehlenden Bezug zur Technik nicht wirklich vorstellen kann wie Abläufe realisierbar sind, kann man sich auch schenken. Solche Personen verursachen nur Aufwände, welche man ohne Sie nicht hätte. Das sind die Leute die ganz dolle "Aris" Prozesse malen die in der Praxis aber dann aus diversen Gründen nicht funktionieren. Wer keine Ahnung von der Technik hat sollte die Finger davon lassen. Erst recht im Management. Ein guter Informatiker wird sich im Gegenzug immer fragen: Lässt sich das einfach/mit angemessenem Aufwand realisieren/lösen ?"
Das erzählen einem die Techniker immer, hauptsächlich weil sie sich nicht an Standards halten wollen und ihre eigene extra Wurst gerne hätten. Die meisten IT Service Manager haben mehr Ahnung vom reibungslosen Ablauf als ihnen die Techniker zugestehen, auch ohne wissen zu müssen wie die Programmierung eines UIs im Detail funktioniert. (Was total unerheblich für den Prozess ist, das sind nur die Nebelbomben die gerne geschmissen werden um sich Dingen zu entziehen die man nicht möchte).

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Gerdd 29.04.2013, 14:13
43. Mein Gott, wo fange ich an?

Einiges, was ich vor 18 Monaten gelernt habe, ist in der Tat inzwischen veraltet. Aber ein gutes Stueck von dem, was ich vor 45 Jahren gelernt habe, ist auch heute noch hoechst relevant und verschafft mir einen massiven Vorsprung vor denen, die das nicht gelernt haben.

Neugierig bin ich in der Tat seit viel mehr als 45 Jahren, erfahren seit 45 Jahren zunehmend. Es hat mal in Deutschland eine Phase gegeben - so vor zwanzig Jahren - da haben mir verschiedene EDV-Manager durch die Blume zu verstehen gegeben, dass sie wenig mit Leuten anfangen koennen, die mehr Erfahrung haben als sie selbst. Daraufhin habe ich angefangen, mich auch im Ausland umzusehen.

In wenigen Wochen werde ich nun 65 und muss aus formalen Gruenden in Rente gehen. Aber sowohl meine derzeitigen Manager als auch mehrere meiner Kunden haben mir gute Angebote gemacht, als Berater weiterzuarbeiten.

Und was habe ich so auf dem Kasten? Na ja, probiert habe ich so ziemlich alles, vom Programmieren zum Beraten, zum Unterrichten, ein wenig Management, Verkauf - im Prinzip alles ganz erfolgreich. Im Moment bin ich primaer damit beschaeftigt, das zu lernen, was in 18 Monaten veralten soll. Aber jede Wette, das, was danach kommt, basiert auf dem, was ich jetzt lerne. Und wenn ich es dann gelernt habe? Dann erklaere ich es anderen - in Lehrgaengen, in Beratungen, in Verkaufsgespraechen. Wieso kann ich das in meinem Alter noch? Zum Beispiel, weil ich aufgrund meiner Erfahrung sofort erkannt habe, wo der Vorteil der neuen Technologie liegt, mit der ich jetzt zu tun habe - und das motiviert total.

Mir hat jedenfalls noch niemand zu erzaehlen versucht (ausser damals in Deutschland) dass meine Erfahrungen irrelevant seien. Und dass das so bleibt - auch dafuer arbeite ich.

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sonntagsbrötchen 29.04.2013, 14:14
44.

Zitat von rational_bleiben
Eine Berechnungskomplexität eines von einer bestimmten Firma benötigten ganz speziellen Gruppierungsalgorithmus von n^2*log(n) ist nun mal besser als n^3, macht schnell mal 2 Sekunden zu 2 Minuten Unterschied. Wer das Muster der Problemstellung als solche erkennt, wird dem jungen Freak gegenüber, der seit dem 16. Lebensjahr alles auf die Schnelle selbst hackt ohne groß über die Berechnungskomplexität nachzudenken, immer im Vorteil sein.
Ich habe auch schon richtig gute Azubis gesehen die mit einem einfachen Dreisatz ein Review eines Projekts von alten Hasen gesprengt haben :-) Am alter würd ich das also nicht festmachen. Eher am Abstraktions- und Vorstellungsvermögen. Der alte Hase tut sich leichter sowas in seinen Schubladen zu finden. Bei neuartigen Sachen sind die Jungen dank geringer Vorurteile aber nicht zu unterschätzen.

Zitat von rational_bleiben
"Computer Science is no more about computers than astronomy is about telescopes. " - Dijkstra.
Sehr wahr dieser Satz. Ergänzend möchte ich meinen alten Prof aus der Vorlesung theoretische Informatik zitieren: "Selbst linearer Aufwand ist für genügend große n manchmal einfach zu viel. Nur O(n) = 1 macht wirklich Spaß, aber die Anzahl der Probleme welche sich dadurch lösen lassen ist leider sehr Begrenzt."

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sonntagsbrötchen 29.04.2013, 14:27
45.

Zitat von lanre
Das erzählen einem die Techniker immer, hauptsächlich weil sie sich nicht an Standards halten wollen und ihre eigene extra Wurst gerne hätten. Die meisten IT Service Manager haben mehr Ahnung vom reibungslosen Ablauf als ihnen die Techniker zugestehen, auch ohne wissen zu müssen wie die Programmierung eines UIs im Detail funktioniert. (Was total unerheblich für den Prozess ist, das sind nur die Nebelbomben die gerne geschmissen werden um sich Dingen zu entziehen die man nicht möchte).
Die Wahrheit hat immer viele Gesichter. Klar gibt es sowas. Andersrum gibt's das aber auch. Da werden schicke Powerpointfolien gemacht, wo mal eben kurz Daten aus einem anderen System mit einem Pfeilchen geholt werden. Das die Daten im anderen System aber ggf. nicht einfach so geholt werden können, weil z.B. die Daten nach anderen Ordnungsbegriffen auf der DB abgelegt (Indexe können da abhelfen, aber auch nur wenn die Datenmenge nicht zu groß ist, manchmal hilft aber nur denormalisieren unter fachlichen Gesichtspunkten) sind oder die Schnittstelle die Funktionalität z.B. Transaktionssicherheit nicht hergibt kommt eben auch häufig vor. Deshalb sag ich ja: Es muss Leute geben, welche sich das technisch auch vorstellen können. Und dazu braucht man eben Abstraktions- und Vorstellungsvermögen am besten basierend auf Fachkenntnis, Erfahrung und Begeisterung für die Technik. Mir persönlich hat es nicht geschadet vor 20 jahren sowohl als Azubi Strippen durch den Doppelboden zu ziehen und im Informatikstudium die theoretischen Grundlagen zu sammeln. Man muss das Problem schon von beiden seiten fassen können um es im Griff zu haben.

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singlesylvia 29.04.2013, 15:07
46. So einiges kann ich nicht nachvollziehen. (2. Versuch)

Was mich immer wieder ärgert ist das (legitime) Fordern der Firmen nach Erfahrungen, aber die Unwilligkeit der Firmen, Unerfahrene die Erfahrungen machen zu lassen. Das passt nicht zusammen!

Lebenslanges Lernen ist ja ganz schön und gut und auch richtig. Nur, so umfangreich, wie das Wissen in der IT inzwischen geworden ist: Woher soll ich wissen, was demnächst gebraucht wird und was ich deshalb speziell lernen sollte? Alles kann ich nicht wissen, und wenn das, was ich speziell weiß, nicht nachgefragt wird, hat mir das Lernen nüscht genütscht. Die, die von Unis und Fachschulen kommen, bringen nun mal ein breiteres und aktuelleres Wissen mit, da kann ich als Quereinsteiger mit knapp 60 trotz breit aufgestellten Wissens nicht mithalten, Erfahrung hin oder her.
Natürlich kann ich mich zu Hause hinsetzen und autodidaktisch die Birne mit Wissen vollkloppen, weiß dann aber immer noch nicht, ob es marktnachfragegerecht ist. Auch kann ich mir als Arbeitslose nicht die neusten Software-Pakete leisten, um aktuell zu bleiben.

Wenn ich dann schon lese "junges Team" etc. Wahrscheinlich ein Team hippeliger Teenies, die vor lauter Ideensprudel und Streichelkästchenstreichelei nichts Nachhaltiges auf die Beine stellen, während unsereiner mit gepflegter Ruhe und Überlegung die Sache durchplant und etwas Bleibendes schafft.

Da ist auch noch die Sache die, dass Leute mit aktuellem Wissen und ausreichender Erfahrung ein Alter haben, das unsereiner nicht mal mehr als Restlebenszeit zur Verfügung steht. Wir haben einfach nicht mehr die Zeitresource zur Verfügung, alles Neue auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln und uns so zu qualifizieren, dass wir mit Jüngeren konkurrieren können oder man uns die Chance dazu gibt.

Findet hier am Ende Altersdiskrimierung statt?

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gruenbonz 29.04.2013, 15:12
47. die Inder sind vorwiegend Programmierknechte

Zitat von sysop
Mit 35 zu alt für die IT-Welt? Quatsch! Deutsche Software-Spezialisten sehen sich auch jenseits der 40 noch als gefragte Fachleute. Vier Informatiker berichten, wie sie sich gegen jüngere Kollegen behaupten.
auf Lötkolbenbasis. Die komplexen Unternehmensabläufe sind ihnen zum grossen Teil unbekannt.

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greentiger 29.04.2013, 15:15
48. Auch (wieder) jenseits der 60...

Zitat von sysop
Mit 35 zu alt für die IT-Welt? Quatsch! Deutsche Software-Spezialisten sehen sich auch jenseits der 40 noch als gefragte Fachleute.
...ist man noch gefragt - jedenfalls wieder, nachdem so zwischen 2000 und 2002 alle Leute ab 50 aussortiert wurden. Selbst die Personen aus meinem Bekanntenkreis, die damals ihre Arbeit verloren, sind schon lange wieder tätig. Einige derer, die inwischen Altersrentner sind, haben sogar auf bittende Nachfrage ihrer Arbeitgeber hin, gut dortierte Werkverträge unterschrieben, so dass sie - zwar selbstverständlich nicht durchgängig - auch mit inzwischen deutlich über 65 noch arbeiten.

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prefec2 29.04.2013, 15:15
49. Halbwertszeit von Wissen in der Informatik

Menschen, die sagen, das Wissen in der IT ist nach 18 Monaten nichts mehr Wert, denken nur in der Anwendung von "Technologien" (was eigentlich nur Implementierungen von Spezifikationen sind). Aber selbst für Technologien ist der Wandel nicht so schnell. Beispielsweise hat sich der Webserver Apache in den letzten 18 Monaten nicht so stark verändert, dass ein Entwickler mit dem Wissen von vor 18 Monaten den aktuellen Release nicht mehr nutzen könnte. Auch andere Technologien sind soweit abgehangen, dass sich dort nicht so viel ändert. Oft ändert sich dort auch gar nichts. Das ist auch gut so. Sonst ließe sich nämlich kein Fortschritt erzielen wenn ständig immer alles eingerissen werden müsste.

Noch langlebiger sind aber Grundlagen, wie z.B. zur Berechenbarkeit, oder Konzepte der Beschreibung von Information. Konzepte, wie z.B. Scheduling oder Grammatiken, welche früher Betriebsystem-Entwicklern und Compilerbauern vorbehalten waren (aber im Studium dennoch gelehrt werden) werden nun wichtiger für normale Software-Entwickler, weil sie z.B. Frameworks entwickeln, welche Prozesse parallel ausführen sollen oder sie domänen-spezifische Sprachen einsetzen wollen. Das Zeug ist aus den 1060 oder 1980 Jahren und nun plötzlich wieder total aktuell. Von einer Halbwertzeit von 18 Monaten kann da keine Rede sein.

Das galt wohl in den 1990 und 2000 Jahren im Bezug auf Webtechnologien. Und das gilt sicher für die zerfrickelte SAP-Technologie. Im Rest des Universums sieht die sache aber anders aus.

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