Forum: Karriere
Jobchancen in der Provinz: Sehnsucht nach der Heimat
Fritz Habekuß

Pritzwalk, Schwedt, Wittenberge - wer dort aufwächst, will meist ganz schnell weg. Aber manche kommen nach dem Studium zurück und pfeifen auf die Städter-Lästereien über die Provinz. Denn dort können sich ungeahnte Jobchancen ergeben. Und einer muss ja den Anfang machen.

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tosi1967 02.07.2012, 15:50
1. auf den Punkt gebracht

es ist ganz richtig: wer "weniger ist mehr" als Inbegriff wirklicher Lebensqualität begreift, kann endlich wieder genussvoll leben. Vorbei das Hetzen nach von Werbung verseuchten Dingen, Medien und Informationen, die uns vorschreiben wollen, wie wir zu leben haben. Vorbei auch das Hetzen im immer neuen und schnelleren Auto, selbst zum Zigarettenautomat.

Einen Sonnenuntergang erleben, ein Feuer machen, Tiere sehen, die noch kein (Stadt-) Mensch wahr genommen hat... das sind Dinge, die in der dünner besiedelten Gegend noch gehen. Herzlichen Glückwunsch diesen Entdeckern wahrer Lebensfreude!

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svenbecker 02.07.2012, 16:40
2. Von Vancouver nach Idar-Oberstein

Ich stimme voll zu. Vor kurzem besuchte ich (lebe in der Perle am Pazifik, Vancouver, Kanada) meine Heimatstadt Idar-Oberstein in der Rheinland-Pfaelzischen Provinz. Dort: Stille, Natur, nette Menschen, viele kleine Kulturveranstaltungen, günstige Immobilien/Mieten. Ich kann mir durchaus vorstellen, dort einen Betrieb zu eröffnen oder spätestens als Rentner dorthin zurückzugehen. Die Deutsche Provinz hat verkannte Stärken, die wieder mehr gefragt sind in dieser modernen Welt, die mehr und mehr Leute benachteiligt.

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Jakob Knoblauch 02.07.2012, 16:46
3. Provinz Ost/West

Wenn es sogar in der ostdeutschen Provinz Rückkehrer gibt, ist das ein gutes Zeichen. Allerdings muss es bald passieren. Es gibt nur eine Generation lang potentielle "Rückkehrer". Die Kinder der Ausgewanderten kennen die Prignitz dann nur noch vom Besuch bei Oma, sie ist ihnen nicht selbst Heimat.

In der westdeutschen Provinz sieht es meist besser aus, wegen der Tradition, große Mittelständler und selbst Weltkonzerne am Gründungsort zu belassen ... Volkswagen, Salzgitter, Audi, Braun, Zeiss u.v.a., oder wie in der Fotostrecke Bertelsmann und Miele.

SAP gehört nicht wirklich dazu, denn Walldorf liegt im Ballungsraum Rhein-Neckar, d.h. man kann bequem im durchaus großstädtischen Mannheim/Ludwigshafen oder in Heidelberg wohnen und mit der S-Bahn zur Arbeit bei SAP fahren.

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muttisbester 02.07.2012, 16:50
4. optional

Wie es schon im Artikel heißt:
"Könnte er sich seine Zukunft in Wittenberge vorstellen? "Schon, aber nur mit beruflicher Perspektive. Langfristig.""
Das ist der springende Punkt. Die genannten Beispiele belegen dies anschaulich. Ohne halbwegs auskömmliche Jobs kommt niemand zurück.

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doytom 02.07.2012, 16:56
5. Ausnahmen bestätigen die Regel z. B. Bonn

Zitat von sysop
Pritzwalk, Schwedt, Wittenberge - wer dort aufwächst, will meist ganz schnell weg. Aber manche kommen nach dem Studium zurück und pfeifen auf die Städter-Lästereien über die Provinz. Denn dort können sich ungeahnte Jobchancen ergeben. Und einer muss ja den Anfang machen.
Ausnahmen bestätigen die Regel! Also mich zieht es nicht zurück nach Bonn. Seit meinem Abi und Ausbildung bin ich in der Weltgeschichte unterwegs, von Ägypten, Tunesien, den Malediven bis Dubai und Dublin. Jedesmal wenn ich für kurze Zeit nach Bonn zurückkomme um meine Familie zu besuchen schwirrt das Synonym `Ghosttown` über Bonn und beweist mir wie gut ich es im Ausland habe und das ich die richtige Wahl getroffen habe. Selbst die langweiligsten Institutionen der Bundesregierung zog und zieht es nach Berlin, spricht für den Langeweile-Megafaktor Bonn oder um es anders auszudrücken:

Bundesstadt
ohne
nennenswertes
nachtleben

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onkelbenz,derechte 02.07.2012, 17:05
6. ...

Zitat von Jakob Knoblauch
Wenn es sogar in der ostdeutschen Provinz Rückkehrer gibt, ist das ein gutes Zeichen. Allerdings muss es bald passieren. Es gibt nur eine Generation lang potentielle "Rückkehrer". Die Kinder der Ausgewanderten kennen die Prignitz dann nur noch vom Besuch bei Oma, sie ist ihnen nicht .....
Ich dachte immer, Jena liegt im Osten - oder war das auch eine Heldentat unserer lieben Treuhand?

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gsm900 02.07.2012, 17:09
7. Von Frankfurt nach Paderborn

Zitat von sysop
Pritzwalk, Schwedt, Wittenberge - wer dort aufwächst, will meist ganz schnell weg. Aber manche kommen nach dem Studium zurück und pfeifen auf die Städter-Lästereien über die Provinz. Denn dort können sich ungeahnte Jobchancen ergeben. Und einer muss ja den Anfang machen.
wäre schon möglich gewesen, aber da muss sich die Firma bei mir bewerben, nicht umgekehrt.

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dipl.inge82 02.07.2012, 18:46
8. Darauf werden Sie ...

Zitat von gsm900
wäre schon möglich gewesen, aber da muss sich die Firma bei mir bewerben, nicht umgekehrt.
...wohl ewig warten. Ich bin Ing. in einem angeblich so gesuchtem MINT-Fach und pendele seit über 5 Jahren (inkl. Studium doppelt so lange) wochenweise vom 2000 Seelenkaff im Osten zum Mittelständler im Westen. Da ich seit geraumer Zeit daran bin mich beruflich weiter zu entwickeln, habe ich mich (eigentlich ohne grosse Erwartungen) auch mal bei halbwegs annehmlich Unternehmen im Tagespendelbereich meiner Heimat beworben. Die Resonanz war gerade zu lächerlich. Wenn überhaupt, dann gabs Angebote die befristet waren und eine Bezahlung als besserer Praktikant, mit dem Verweis auf die günstigeren Lebenshaltungskosten. Zu dumm nur das die Preise im Supermarkt und an der Tanke (Dienstwagen ist dann ja auch Geschichte) die gleichen sind, Strom, Gas, Wasser und co. sogar teurer als jetzt, und die Mieten auch nur im Vergleich zu grossen Metropolen mehr kosten. ÖPNV nicht vorhanden. Klar gibts Häuser mit Grundstück für weniger als 10k€. Aber die sind kaum bewohnbar und auch 150k€ später auf dem Markt keine 50k€ wert. Ausserdem arbeitet mandann bei einem Arbeitgeber der alleine mangels Grösse jederzeit dicht machen könnte sobalt 2 oder 3 Kunden mal verspätet zahlen. Sieht so eine berufliche Perspektive aus? Will man mit dem Background Kinder in die Welt setzen? Letztes Woe war echt noch ein Artikel in der Artikel in der Zeitung, in dem die IHK ihre Mitgliedsunternehmen befragte und zum Ergebnis kam das die Firmen die niedrigen Lohnkosten loben, ich aber über Fachkräftemangel beklagen. Ja nee...
Ich würde Rückschritte hinnehmen, um wieder täglich in meiner Partnerin/meinem Bekanntenkreis zu sein. Allerdings nicht um jeden Preis, zumal gleichaltrige Freunde/ehem. Schulkameraden aus gleichen Gründen zu 98% weg sind und nur zu Feiertagen oder Klassentreffen zurück kommen.
Vor einiger Zeit gab es in der Regionalzeitung auch mal eine Serie über Pendlerrückkehrer. Das Ergebnis war ernüchternd und ähnlich des Artikels in SPON: Leute die in die Selbstständigkeit gestartet sind oder Firmen übernommen haben, Lehrer, Beamte. Normale bis qualifizierte Menschen im Angestelltendasein: Null.
Glückwunsch an alle die den Schritt geschafft. Ich hoffe für sie, dass es kein Rückschritt war.

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stephan@mcsteph.com 02.07.2012, 22:22
9. Rückkehr

Ich stamme aus Frankfurt (Oder) (dem "Kleinen") und lebe und arbeite in Frankfurt a. Main (dem Großen). Auch wenn ich manchmal Heimweh nach Brandenburg und Berlin verspüre (ich war als Jugendlicher sehr oft in Berlin), so zieht es mich doch nicht direkt in die Geburtsstadt zurück, weil die kaum noch etwas von dem hat, was ich mal kannte. Mehrere Wohnviertel, die ich als Junge habe wachsen sehen, sind heute weg (um dem Mietwucher Tür und Tor zu öffnen), dafür wurde viel Halbseidenes erdacht und umgesetzt, bei dem ich mich als mittlerweile "Außenstehender" frage, ob und wie da jemand nachgedacht hat (oder nicht). Heimisch fühl ich mich dort nicht mehr, Nostaligie kommt ab und an mal auf, aber diese Momente werden seltener. Als Informatiker könnte ich wohl dort irgendwo arbeiten und sogar besser - weil günstiger - leben als im großen Frankfurt, jedoch wäre es mir auf Dauer zu provinziell und verstaubt. Berlin wäre eine Alternative, jedoch muss mn dort auch eine passende Arbeit finden (und behalten).

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