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Jobprotokoll einer Rettungsschwimmerin: "Viele Gäste stehen nur da und gucken"
DPA

Für 22 Euro pro Tag rettet sie Ertrinkende und kassiert dazu noch blöde Sprüche. Hier erzählt eine Rettungsschwimmerin von ihrem Ehrenamt - und von der Untätigkeit anderer Badegäste, wenn jemand in Not ist.

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max-mustermann 17.07.2019, 07:40
10.

Zitat von touri
Mir ist auch schon aufgefallen, das die Anzahl der Rettungsschwimmer abnimmt. Ich denke da sollten sich die Städte/Gemeinden stärker engarieren, 22 Euro Tagesgeld ist schon mehr als dürftig für so einen verantwortungsvollen Job.
Wieso sollten sie schließlich funktionierte es doch bisher wunderbar. So wie überall in diesem Land darauf gesetzt wird das Ehrenamtliche die Dinge schon regeln werden und die Politik sich bequem zurücklehnen und aus der Verantwortung stehlen kann. Würde ja sonst etwas kosten.

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fatherted98 17.07.2019, 07:41
11. Untätigkeit?

....daneben stehen? Wenn jemand im Wasser am ertrinken ist, ist er meist für andere nicht so einfach erreichbar. Als Rettungsschwimmer weiß man wie schwer es ist einen nach Luft schnappenden aus dem Wasser zu ziehen....hier besteht auch die Gefahr selbst nach unten gezogen zu werden, weil der Ertrinkende sich an einem festklammert. Wer da nicht als Rettungsschwimmer geübt und ausgebildet ist, kann leicht selbst zum Opfer werden. Wenn solche Fälle beobachtet werden muss der Rettungsschwimmer ran....alle anderen stehen "nur daneben"...richtig....aber wenn sie Hilfe geholt haben, haben sie alles richtig gemacht. Ist wie wenn jemand auf dem Eis einbricht....selbst aufs Eis zu gehen um zu helfen, kann tödlich sein.

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Augustusrex 17.07.2019, 08:22
12. Kinder sind besonders gefährdet

Ein ehemaliger Kollege erzählte das: Er war mit Familie an der Ostsee am Strand, ein unbewachter Strand übrigens, als plötzlich eine junge Frau aufgeregt von Strandburg zu Strandburg lief und fragte, ob ein dreijähriger Junge gesehen worden war. Er war nicht gesehen worden und eine ganze Anzahl der Leute am Strand eilte ins Wasser, um zu suchen. Natürlich hält man das nicht lange durch und so mussten sie dann wieder aufgeben. Nur ein Mann, wie sich herausstellte Leistungssportler, machte ohne Pause weiter. Und er fand das Kind schließlich in gerade mal hüfttiefem Wasser. Aber für den armen Kleinen war das zu tief gewesen. Er war ertrunken und niemand hatte es bemerkt.

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andreasm.bn 17.07.2019, 08:24
13. Danke an alle Ehrenamtlichen, die helfen diese....

Gesellschaft am Laufen zu halten. Das sind die wahren Helden unserer Gesellschaft, nicht irgendwelche grenzdebilen Möchtegernpromis, EinigermaßengegendenBalltreter oder in gewissen Körperregionen vakuumisierten YouTube & Instagramer.

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existiertdiesernutzername 17.07.2019, 08:59
14. Was man tun kann

Ich lese hier seit Jahren mit, nun musste ich mich für diesen Kommentar anmelden. Ich war schon öfter in der Situation, Erste Hilfe zu leisten oder Leute aus dem Wasser zu holen. Meistens kommen danach Menschen zu mir, die sich bedanken und sagen, sie hätten Angst gehabt etwas falsch zu machen. Liebe Leute, sowohl bei den hier beschriebenen Situationen im Wasser, als auch bei Verkehrsunfällen etc.: Gesunder Menschenverstand. Beim Ertrinkenden schwimme ich in die Nähe und versuche ihn erstmal verbal zu beruhigen. Wie mein Ausbilder immer sagte: "Solange er gefährlich stark um sich schlägt, reicht auch die Kraft noch, um sich über Wasser zu halten.". Hingehen, andere aufmerksam machen, Hilfe holen. Auch an Land braucht niemand Blut anzufassen oder eine Herz-Kreislauf-Massage anzufangen, wenn man sich damit nicht auskennt. Kniet euch runter zu den Leuten, fragt ob sie es warm haben, lasst andere einen Rettungswagen/Polizei rufen oder die Unfallstelle absperren, sichert die Wertgegenstände des Opfers wenn diese verstreut liegen, fragt was passiert ist, gebt einen Schokoriegel gegen den Schock etc. pp. Ich habe noch nie eine Herzmassage ausführen müssen, noch nicht einmal die stabile Seitenlage. Das Argument 'ich will nix falsch machen' zieht einfach nicht, sorry. Macht die Ausbildung, um euch sicherer zu fühlen, keine Frage. Aber jeden meiner Einsätze hätte ich auch ohne jegliches Vorwissen geschafft, bloß mit weniger Ruhe. Es ist einfach traurig - eine verpflichtende 8h-Ersthelfer-Fortbildung pro z.B. 5 Jahre Führerschein könnte so viel verbessern. Solange es freiwillig ist, denken die Leute halt 30 Jahre lang darüber nach, wie gut eine Fortbildung in Erster Hilfe WÄRE.

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eisbaer68 17.07.2019, 09:04
15. Nicht jeder der Hilfe braucht

ist am ertrinken. Diese "Todesszenarien" sind ja eher selten. Es gibt aber viele Fälle wo erkennbar ist, dass dort jemand Hilfe benötigt und da sind dann die Rettungsschwimmer gefragt. Dafür gibt es dann auch mehr oder weniger gute Hilfsmittel. Die Unterschiede sind dann eher von der finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt, Gemeinde etc. wozu der bewachte Abschnitt abhängig. Am Ende bekommt man als Rettungsschwimmer auch beigebracht, dass Eigenschutz Vorrang hat. Diese Entscheidung kann dann jeder selbst treffen. Es ist dann immer sehr "witzig" wenn die Fahnenkombination am Strandabschnitt "Baden Gefährlich" anzeigt und die Badegäste dann zu den Rettungsschwimmern kommen und fragen: Wenn ich jetzt baden gehe und in Not gerate holen Sie mich doch raus? Ich sag mal so: Kommt drauf an. Immer weniger Leute können schwimmen, immer mehr Leute denken die See ist nichts anderes als ihr heimischer Baggersee und immer mehr Leute haben ein Anspruchsverhalten was schon an Arroganz grenzt.

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existiertdiesernutzername 17.07.2019, 09:06
16. PS untertauchen

Wenn sich ein Opfer im Wasser fest an mich klammert, tauche ich ab. In der Todesangst ist Luft holen der stärkste Reflex. Die Umklammerung löst sich und ich kann entweder 5 Meter weg tauchen und mich von neuem annähern oder - mit entsprechender Erfahrung - die Lockerung des Griffes für eine Ggentechnik verwenden und das Opfer fixieren. Ersteres sollte aber völlig ausreichen, dann das Opfer müde werden lassen und es erneut versuchen und/oder Hilfe holen.

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alexander_tutass 17.07.2019, 09:19
17. Sollte mehr Berichte über Hilfsorganisationen geben

Guter Bericht, bin auch bei der DLRG und unterstütze bei der Kinderschwimmausbildung und würde mir mehr Berichte dieser Art in unseren Medien wünschen.

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DiegoMarlasca 17.07.2019, 09:23
18.

Vor 2 oder 3 Jahren herrschte bei uns in Spanien ca. 100 Meter vor der Küste aufgrund einer Sandbank eine starke seitliche Strömung. Hinzu kamen noch hohe Wellen. Seitlich vom Strand befinden sich Felsen. Wegen der Wellen waren viele Jugendliche mit Bodyboards im Wasser. Als zwei Mädchen von der Strömung erfasst wurden und auf die Felsen zutreiben, da habe ich mich direkt ins Wasser gestürzt. Ich war in den 70ern jahrelang im DLRG und trainiere für Triathlon mittlere Distanz. Einem der Mädchen könnte ich helfen, so dass sie ausserhalb der Strömung und der hohen Wellen ( 1-2 Meter) wieder alleine zurückschwimmen könnte. Bei dem anderen Mädchen bin ich geblieben und konnte verhindern dass sie gegen die Felsen getrieben wurde. Wir wurden nach ca. 10 bis 15 Minuten von einem Schlauchboot aus den Wellen herausgefahren. Ein Rettungsteam welches vorher auf einem Jetski mit Träge ankam wurde von den Wellen umgeworfen, sie konnten dann aber den Jetski wieder aufrichten. Zurück am Strand gab es einen riesigen Menschenauflauf. Viele Bekannte haben mich für den Mut beglückwünscht aber es gab auch Vorwürfe aus der Familie dass es leichtsinnig war. Für mich war in dem Moment nur klar, dass ich schwimmen kann und da jemand in Not war und niemand half. Alleine wäre ich wohl unter den Wellen durchgetaucht und aus der Situation herausgekommen. So konnte ich verhindern, dass das Mädchen gegen die Felsen geworden wurde. Eine Woche später war in der gleichen Situation ein Mann gegen die Felsen getrieben und konnte nur noch tod geborgen werden. Der Bereich wurde daraufhin für den Rest des Sommers gesperrt.

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MatthiasPetersbach 17.07.2019, 09:34
19. Da läuft vieles falsch....

... und es ist die Frage, warum man den Leuten nicht richtiges geld auszahlen kann und warum die nicht richtig unterstützt werden können. Viele Badestellen werden heutzutage gesperrt, weil der Gesetzgeber Rettungsstellen verlangt, die die Gemeinde nicht mehr zahlen kann.

Warum kann man das nicht aus nem anderen Topf bezahlen - Geld ist doch anscheinend genügend da? EIN -überflüssiger- Beratervertrag mit MCKinsey würde wohl für unzählige sich auftuende schwarze Löcher im Sozialgefüge ausreichen.

ZUERST DER BÜRGER ist wohl keine gängige Regel mehr.

Andere geschilderte Dinge erscheinen mir allerdings weniger richtig oder kritisierbar. Daß die Frau ihren Privatberuf im Rahmen der DLRG nicht ausüben kann, ist wohl ne versicherungstechnische - und verständliche - Regelung.
Und aus dem Wasser retten kann auch kein Unausgebildeter - zumindest würde ich mir das nicht zutrauen.
Das heißt aber nicht unbedingt, daß man nur GAFFEN muß - aufeinander aufpassen und im Zweifelsfall melden - und dann nICHTS behindern ist auch ne Hilfe.

aber mir ist das eigentlich der falsche Aufhänger - ne Überschrift hätte auch sein können : 22 Öre/Tag und Klamotten selber mitbringen :)

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