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Jobprotokoll einer Rettungsschwimmerin: "Viele Gäste stehen nur da und gucken"
DPA

Für 22 Euro pro Tag rettet sie Ertrinkende und kassiert dazu noch blöde Sprüche. Hier erzählt eine Rettungsschwimmerin von ihrem Ehrenamt - und von der Untätigkeit anderer Badegäste, wenn jemand in Not ist.

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schwarzeliste 17.07.2019, 09:38
20. Mittelmeer

Das Mittelmeer ist halt wichtiger. Jedenfalls wird den NGOs im Mittelmeer viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet als den ehrenamtlichen Helfern an den Stränden und der Tatsache, dass in Deutschland jedes Jahr Hunderte und in Europa Tausende beim Baden ertrinken

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der Bulle 17.07.2019, 09:39
21. Also

hier hat sich das Rettungswesen der DLRG in ein Freizeit orientiertes Campen in bester Lage verwandelt. Da wird mit bis zu fünf PKW die 1,0 Km Strecke zur Station an der Pfaueninsel ( Berlin- Wannsee) gefahren und die PKW an einer der schönsten Stelle in Berlin abgestellt. Der Rettungscontainer ist mittlerweile mit einem grünen Draht Zaun eingefriedet; fehlen nur noch die Gartenzwerge. Ein Stück weiter wird die Zuwegung zum Wasser gleich ganz gesperrt. Man möchte vom Volk bei der aufgebauten Kaffetafel mit Blick bis zum Grunewaldturm nicht gestört werden. Das „Retten“ steht hier eindeutig als Vehikel für die Freizeitgestaltung in bester Lage.
Den zuständigen Förster stört das Ganze auch- aber die DLRG ist ja eine heilige Kuh........

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MatthiasPetersbach 17.07.2019, 09:44
22.

Zitat von claus7447
Ich sagte es schon... lassen sie es. Ich habe das in meiner Jugend ehrenamtlich gemacht. Wir hatten kein Boot, sollten wir die Leute ersaufen lassen? Es gibt genügend Möglichkeiten einen ertrinkenden ohne sich selbst in Gefahr zu bringen raus zu holen. Lernen sie ihren Job erstmal.
Warum gleich so spröde?

Der Schreibende traut sich das nicht zu. Ich -und andere- wohl auch nicht. Am Ufer ist ein QUERSCHNITT der Bevölkerung und der Schwimmfähigkeit.

Obwohl ich auch als Jugendlicher Rettung geübt habe und den Jugendschwimmer hatte, würde ich da nicht eingreifen können. Ich bin eben jetzt NICHT mehr Jugendlicher und meine Schwimmkünste erstrecken sich im Wesentlichen aufs Schwimmen in ruhigen Gewässer. Am Meer plansche ich nur.

Was aber NICHT heißt, daß man da sich zurücklehnt und "nur zuguckt".

Ist aber - wie schon geschrieben - m.E. nicht das Hauptthema. DAS ist die grundsätzlich (unerklärlich) schlechte Unterstützung dieser verdienstvollen Leute.

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herr schnitzelmann 17.07.2019, 09:51
23. Und wieder ein Feld,

...aus dem sich der Staat komplett raus nimmt.
Steuergelder können nach Staatssicht gerne für unrealistische Mautprojekte, Bänker und Banken in Not, Segelschulschiffe und Expertenkommissionen verpulvert werden, aber scheinbar nicht für die Menschen in diesem Land.
Sei es bei den Einkommensschwächeren, den Alleinerziehenden, den Rentnern mit kleiner Rente oder wie hier bei den Ehrenamtlichen.. den Staat scheint das nicht zu kümmern u. die Leute organisieren sich hier (zum Glück) selber. Was den Staat dann aber scheinbar zur Überzeugung kommen lässt, dass man hier nix mehr tun muss. Ich finde diese Haltung schlichtweg zum kotzen und irgendwann rächt sich sowas auch.
Die Leute haben längst gemerkt, dass nur die, die am lautesten Schreien bedient werden u. Hilfe erwarten können. Der Rest muss sehen wie er hier zurecht kommt.
Von wegen christliche abendländische Wertegesellschaft, den einzigen Wert, den diese Gesellschaft und vorneweg seine Volksvertreter kennen ist das Geld und viel davon für einen selber abfällt.

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glamax 17.07.2019, 10:03
24. Dank!

Ich wollte meinen Dank ausdrücken für die Existenz von Menschen, die bereit sind, solche Arbeit zu verrichten.

Leider werden das immer weniger. In einer Atmosphäre, in der nicht nur das Berufsleben sondern auch die Freizeit durchoptimiert wird, ist dafür wohl nicht mehr viel Raum...

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sailor60 17.07.2019, 10:29
25. Sie wissen schon, das die DLRG 1913 gegründet wurde?

Zitat von herr schnitzelmann
...aus dem sich der Staat komplett raus nimmt. Steuergelder können nach Staatssicht gerne für unrealistische Mautprojekte, Bänker und Banken in Not, Segelschulschiffe und Expertenkommissionen verpulvert werden, aber scheinbar nicht für die Menschen in diesem Land. Sei es bei den Einkommensschwächeren, den Alleinerziehenden, den Rentnern mit kleiner Rente oder wie hier bei den Ehrenamtlichen.. den Staat scheint das nicht zu kümmern u. die Leute organisieren sich hier (zum Glück) selber. Was den Staat dann aber scheinbar zur Überzeugung kommen lässt, dass man hier nix mehr tun muss. Ich finde diese Haltung schlichtweg zum kotzen und irgendwann rächt sich sowas auch. Die Leute haben längst gemerkt, dass nur die, die am lautesten Schreien bedient werden u. Hilfe erwarten können. Der Rest muss sehen wie er hier zurecht kommt. Von wegen christliche abendländische Wertegesellschaft, den einzigen Wert, den diese Gesellschaft und vorneweg seine Volksvertreter kennen ist das Geld und viel davon für einen selber abfällt.
und sich der Staat an dieser Stelle sich also nicht aus seiner Verantwortung verabschiedet? Ist die Sicherung von Badestellen tatsächlich eine staatliche Aufgabe?
Die Frage ist doch: können Sie sich persönlich so verantwortungsvoll verhalten, das sie keine Hilfe von außen benötigen? Können Sie im Zweifelsfall Hilfe leisten?
Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn die Tätigkeit der Freiwilligen besser bezahlt würde.

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herr schnitzelmann 17.07.2019, 11:01
26. @sailor60

aus meiner Sicht ist es ein weiters Armutszeugnis unseres Staates, dass er sich um solche Dinge nicht kümmert. Wieso ist das Baden an Badeseen und die Sicherstellung von Rettungskräften vor Ort keine staatliche Aufgabe? Wer soll es sonst übernehmen -> ja, klar, Freiwillige, die wird es aber bald nicht mehr geben, das gebe ich Ihnen schriftlich. Und wer kümmert sich dann? Der Staat sicher nicht und wenn, dann erst, nachdem mehrere Hundert Menschen ertrunken sind. Und dann würde zuerst mal eine Expertenkommission einberufen werden, da sich ein Politiker an und für sich ja gar nicht vorstellen kann, dass das gemeine Volk einfach so in Baggerweihern oder Seen zum Baden geht. Das ist soweit weg von diesen Leuten, dass man dazu erstmal Experten bräuchte, die dann in jahrelangen Studien und Untersuchungen herausfinden müssten, wie das Badeverhalten des gemeinen Volks ist.
Am Ende wird dann eine Empfehlung raus gegeben, dass man bitte die städtischen Badeeinrichtungen benutzen soll.

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MartinS. 17.07.2019, 11:20
27. ...

Zitat von herr schnitzelmann
aus meiner Sicht ist es ein weiters Armutszeugnis unseres Staates, dass er sich um solche Dinge nicht kümmert. Wieso ist das Baden an Badeseen und die Sicherstellung von Rettungskräften vor Ort keine staatliche Aufgabe? Wer soll es sonst übernehmen -> ja, klar, Freiwillige, die wird es aber bald nicht mehr geben, das gebe ich Ihnen schriftlich. Und wer kümmert sich dann? Der Staat sicher nicht und wenn, dann erst, nachdem mehrere Hundert Menschen ertrunken sind. Und dann würde zuerst mal eine Expertenkommission einberufen werden, da sich ein Politiker an und für sich ja gar nicht vorstellen kann, dass das gemeine Volk einfach so in Baggerweihern oder Seen zum Baden geht. Das ist soweit weg von diesen Leuten, dass man dazu erstmal Experten bräuchte, die dann in jahrelangen Studien und Untersuchungen herausfinden müssten, wie das Badeverhalten des gemeinen Volks ist. Am Ende wird dann eine Empfehlung raus gegeben, dass man bitte die städtischen Badeeinrichtungen benutzen soll.
Wieso sollte das eine staatliche Aufgabe sein?
Mir erschliesst sich nicht so ganz, warum man hier überhaupt auf die Idee kommt, dass da "der Staat" zuständig sein müsste.
Das liegt ganz regulär in kommunaler Hand. Die Kommune schließt hierzu üblicherweise einen Vertrag mit einem freien Träger (oder eben einer Hilfsorganisation).
Für die Bewachung der Badestrände an der Küste gibt es einen Rahmenvertrag der DLRG, in dem eben auch die entsprechende Aufwandsentschädigung vereinbart ist. (Bei der Wasserwacht dürfte das ziemlich ähnlich aussehen)
Es geht hier auch in der Tat um ehrenamtlichen Dienst, der eben nicht bezahlt wird, sondern eben nur mit einer Aufwandsentschädigung vergütet wird. (zuzüglich Erstattung der Anreisekosten und Stellung einer Unterkunft)

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MatthiasPetersbach 17.07.2019, 11:56
28.

Zitat von MartinS.
Wieso sollte das eine staatliche Aufgabe sein? ...... Es geht hier auch in der Tat um ehrenamtlichen Dienst, der eben nicht bezahlt wird, sondern eben nur mit einer Aufwandsentschädigung vergütet wird. (zuzüglich Erstattung der Anreisekosten und Stellung einer Unterkunft)
Ist genau DAS nicht der Fehler?

"Wir" können alle möglichen Hirnfürze und Finanzjongleure bezahlen, aber für Leistungen, die dem Bürger zugute kommen, ist kein Geld da?

Man kann ja gerne aufs Ehrenamt setzen im Sinne von der Tatsache, daß das Freiwillige in ihrer Freizeit machen - aber warum kriegen die z.B. keine 100 oder 200 Euro am Tag?

Dann muß der Träger das einfach verlangen und der Bürger solange rebellieren, bis das geleistet - und Unzähliges andere - bezahlt wird.
Ob das Geld dann vom "Staat" oder von der Gemeinde oder von wem auch immer kommt, ist da zweitrangig.

Wir lassen uns da viel zu viel gefallen.

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alter55 17.07.2019, 12:43
29. Einfach aufhören !

Ich habe zwei Jahre im Ehrenamt gearbeitet. Wo ist jetzt mal egal.
Allen Ehrenamtlern kann nur empfohlen werden, ihre Tätigkeit einzustellen.
Erst dann werden Kommunen und Träger dazu gebracht werden, dass die Entlohnungen zumindest "anerkennend" sein müssen. Unerträglich ist, dass Veranstalter es als Selbstverständlich ansehen, dass Ehrenamtler billige Kräfte sind. Wenn Ehrenamtler die Arbeit niederlegen, am besten bei einem Open Air Konzert, werden auch unsere verwöhnte und konsumversaute Gesellschaft merken, das irgend etwas falsch läuft.

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