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Jobprotokoll einer Rettungsschwimmerin: "Viele Gäste stehen nur da und gucken"
DPA

Für 22 Euro pro Tag rettet sie Ertrinkende und kassiert dazu noch blöde Sprüche. Hier erzählt eine Rettungsschwimmerin von ihrem Ehrenamt - und von der Untätigkeit anderer Badegäste, wenn jemand in Not ist.

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MartinS. 17.07.2019, 13:28
30. ...

Zitat von MatthiasPetersbach
Ist genau DAS nicht der Fehler? "Wir" können alle möglichen Hirnfürze und Finanzjongleure bezahlen, aber für Leistungen, die dem Bürger zugute kommen, ist kein Geld da? Man kann ja gerne aufs Ehrenamt setzen im Sinne von der Tatsache, daß das Freiwillige in ihrer Freizeit machen - aber warum kriegen die z.B. keine 100 oder 200 Euro am Tag? Dann muß der Träger das einfach verlangen und der Bürger solange rebellieren, bis das geleistet - und Unzähliges andere - bezahlt wird. Ob das Geld dann vom "Staat" oder von der Gemeinde oder von wem auch immer kommt, ist da zweitrangig. Wir lassen uns da viel zu viel gefallen.
Solche Pläne klingen ja immer ganz toll.... also ganz kurz halt.
Klar könnte man sagen, dass man den Leuten ganz viel zahlen soll. Nur muss sich das ja wieder irgendwie erwirtschaften. Kann man 10 EUR Eintritt für den Strand rechtfertigen? Eventuell geht das.... andererseits sehe ich eben auch, wie sich die Tagesgäste schon wegen 2 bis 2,50 abfucken... wie man den Kassierern Prügel androht...
Viele bewachte Strände und Badeseen könnten bei diesen Kosten dann aber schlichtweg gar nicht mehr bewacht werden. Aber wenigstens verdienen die eingesetzten Rettungsschwimmer dann ordentlich Asche - da hätten wir zumindest was gewonnen.
Na gut, ersaufen die Leute dann halt wieder dort, wo es nichts kostet... wem sein Leben so wenig wert ist, der hats auch nicht anders verdient.

Klar wären ein paar Euro mehr ne schöne Sache. Man müsste das natürlich fairerweise dann auch konsequent weiterskalieren. Freiwillige Feuerwehr? Pfadfinder? Kegelverein? ....also wenn jemand Vereinsarbeit betreibt, dann muss das doch auch nicht nur gefördert werden, sondern auch ordentlich bezahlt. Wegen dieser ganzen Hirnfürze, die ja sowieso alle ständig bezahlt werden.
Auf der anderen Seite könnte man dann natürlich auch mehr ordentliche Qualifikation und Ausbildung einfordern. Also wer gutes Geld bekommt, der soll dann aber bitte schön auch qualifiziert sein. Da kann man ja gleich noch mehr Arbeitsplätze schaffen mit einer Behörde, die hier für Ausbildung und Überwachung zuständig wäre - also eigentlich nur Vorteile.

... ganz ehrlich? Wenn sie das Ehrenamt abschaffen wollen, dann wäre das zumindest ein guter Weg, Finden sich dann bestimmt schon die richtigen Leute ein, die das dann mit Herzblut und verantwortungsvoll übernehmen. Bei der guten Bezahlung kann man schließlich schon die Besten erwarten.

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varlex 17.07.2019, 13:31
31.

Zitat von MatthiasPetersbach
Ist genau DAS nicht der Fehler? "Wir" können alle möglichen Hirnfürze und Finanzjongleure bezahlen, aber für Leistungen, die dem Bürger zugute kommen, ist kein Geld da? Man kann ja gerne aufs Ehrenamt setzen im Sinne von der Tatsache, daß das Freiwillige in ihrer Freizeit machen - aber warum kriegen die z.B. keine 100 oder 200 Euro am Tag? Dann muß der Träger das einfach verlangen und der Bürger solange rebellieren, bis das geleistet - und Unzähliges andere - bezahlt wird. Ob das Geld dann vom "Staat" oder von der Gemeinde oder von wem auch immer kommt, ist da zweitrangig. Wir lassen uns da viel zu viel gefallen.
Warum muss denn an jeder Stelle nach dem Staat gerufen werden.

Für die Sicherheit bei einer Veranstaltung hat der Veranstalter zu sorgen. Bei öffentlichen Badeplätzen ist es in den meisten Fällen eben die Gemeinde.

Die Gemeinde hat dann 3 Möglichkeiten:

- Festangestellte Rettungsschwimmer und Eintritt verlangen
- Ehrenamtl. Rettungsschwimmer und eine kleine Aufwandsentschädigung
- Badestelle schließen (und das ist auch zu kontrollieren)


Letztlich hat der Staat hier direkt finanziell nichts zu suchen, nur weil etwas in öffentlicher Hand ist, denn am Ende könnte auch der private Betreiber kommen, um die Subvention zu erhalten.

Was der Staat machen könnte bzw. macht, sind Mindestpauschalen für Ehrenämtler festlegen, Steuererleichterungen etc.

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claus7447 17.07.2019, 14:51
32.

Zitat von varlex
Warum muss denn an jeder Stelle nach dem Staat gerufen werden. Für die Sicherheit bei einer Veranstaltung hat der Veranstalter zu sorgen. Bei öffentlichen Badeplätzen ist es in den meisten Fällen eben die Gemeinde. Die Gemeinde hat dann 3 Möglichkeiten: - Festangestellte Rettungsschwimmer und Eintritt verlangen - Ehrenamtl. Rettungsschwimmer und eine kleine Aufwandsentschädigung - Badestelle schließen (und das ist auch zu kontrollieren) Letztlich hat der Staat hier direkt finanziell nichts zu suchen, nur weil etwas in öffentlicher Hand ist, denn am Ende könnte auch der private Betreiber kommen, um die Subvention zu erhalten. Was der Staat machen könnte bzw. macht, sind Mindestpauschalen für Ehrenämtler festlegen, Steuererleichterungen etc.
Wenn ein ehrenamtlicher - oder fest angestellter Rettungsschwimmer vorhanden ist, ist das Bad/See/Fluss "öffentlich".

Damit obliegt es der Verantwortung der Kommune.

Wie sie das finanziell löst - das muss sie sehen. Aus Haftungsgründen wird man aber dazu übergehen einen fest angestellten dazu benennen. Oft bietet sich die Möglichkeit, diese Personen aus den dann geschlossenen Hallenbädern abzuziehen.

Aber wenn jemand an einem nicht beaufsichtigten (Bagger-)See badet - stehen immer Schilder "Auf eigene Gefahr!".

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eisbaer68 17.07.2019, 16:26
33. Man sieht halt immer das, was man sehen will.

Zitat von der Bulle
hier hat sich das Rettungswesen der DLRG in ein Freizeit orientiertes Campen in bester Lage verwandelt. Da wird mit bis zu fünf PKW die 1,0 Km Strecke zur Station an der Pfaueninsel ( Berlin- Wannsee) gefahren und die PKW an einer der schönsten Stelle in Berlin abgestellt. ...
Der angesprochene Zaun dient sicher auch dem Schutz des Gebäudes vor Vandalismus o. Einbruch. Die PKW werden sicher eine Waldfahrgenehmigung des Försters haben, ansonsten droht auch denen eine Strafe. Treten Sie doch ein, dann können Sie auch an einer der schönsten Badestellen von Berlin sitzen. Sollen sich die Leute für eine schmale Aufwandsentschädigung von knapp 20 € pro Wochenende ihrer Meinung nach eher mit Zelten und Campingmöbeln bewaffnen? Und wenn dann auf dem See etwas passiert ist das Geschrei groß, dass dann keiner mehr da ist. Die meisten Rettungsstationen in D befinden sich eben in den besten Lagen, weil da natürlich die Badestellen entstanden sind. Meiner Meinung nach gibt es hier wohl einen Neidfaktor.

Übrigens einfach ein Schild aufstellen, dass das Baden auf eigene Gefahr erfolgt, funktioniert nicht so einfach. Z.B. dort wo überall Kurtaxe kassiert wird sind die Gemeinden auch verpflichtet bewachte Strandabschnitte zu haben. Das Geld wird für vielfältige Projekte verwendet. Nicht nur für die Rettungsschwimmer. Und jeder wird die Beispiele kennen, wo getrickst damit die "teure" Kurtaxe nicht bezahlt werden muss. Da reden wir über 1-2 € pro Tag. Was soll das erst werden, wenn da 4-5 € fällig werden sollen.

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flightlessbird17 17.07.2019, 21:38
34. Kommentar 14

Bitte niemals vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes/Notarztes einer verunfallten Person Schokolade, andere Lebensmittel oder Getränke (das gilt auch für Wasser) zu essen oder zu trinken geben. Es könnte sein, dass die Person intubiert werden muss oder sich herausstellt, dass sie eine Operation benötigt. Deshalb bitte darauf verzichten und warten bis der Rettungsdienst eingetroffen ist. Es ist gut gemeint, aber leider schlecht gemacht.

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rescuedirk 18.07.2019, 16:39
35. @ Eisbaer68

In Berlin gibt es für Rettungsschwimmer der DLRG keine 20 Euro Aufwandsentschädigung. Aber mit dem was Sie schreiben haben Sie völlig Recht (Fahrgenehmigung, Zaun usw.). Und die Pfaueninsel die hier bemüht wird ist an sich schon eine Toplage. Vielleicht spendet ja der örtliche Yachtclub, weil deren Segelboote so regelmäßig fürsorglich aufgerichtet, freigeschleppt, leergepumpt.... werden - wer weiß das schon?
Die Stadt hilft uns auf anderen Wegen. Das kann immer besser und mehr sein - wie überall im Leben.
All denjenigen, die sich fragen, was sie selbst tun können: Hilfe rufen! Mit dem Telefon (110 oder 112) oder dem Mund professionelle Hilfe rufen! Das hat schon viele gerettet und ist recht risikofrei.

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Schnischnaschnecke 19.07.2019, 14:35
36. Eigenverantwortung!

Jeder schreit nach mehr Helfern, aber wie wäre es zeitgleich auch mal wieder an den gesunden Menschenverstand zu appelieren und den Menschen wieder mehr Eigenverantwortung zu zuschreiben. Als Eltern bin ich für meine Kinder verantwortlich und jeder sollte nur da schwimmen, wo er weiß das er es kann. Alle werden leichtsinniger und wollen die Verantwortung abgeben. Ich habe selbst eine Saison im Freibad am See gearbeitet, festangestellt als Rettungsschwimmer, und man kann nur den Kopf schütteln bei so viel Dummheit der Menschen!

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intercooler61 21.07.2019, 10:51
37. Drei Unterschiede

Zitat von schwarzeliste
Das Mittelmeer ist halt wichtiger. Jedenfalls wird den NGOs im Mittelmeer viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet als den ehrenamtlichen Helfern an den Stränden und der Tatsache, dass in Deutschland jedes Jahr Hunderte und in Europa Tausende beim Baden ertrinken
1. Die Schiffbrüchigen baden nicht zum Vergnügen im Mittelmeer, sondern auf der Flucht von einer Notlage in eine andere (Seenot) geraten.

2. Die Opferzahlen sind dort wesentlich höher - weit höher, als es z.B. diejenigen an der innerdeutschen Grenze waren, denen (zu Recht) ebenfalls große Aufmerksamkeit zuteil wurde.

3. Die betreffenden NGOs finanzieren ihren hohen Aufwand _ausschließlich_ aus Spenden; die Retter erhalten idR _keinerlei_ Aufwandsentschädigung. Der DLRG und den sie unterstützenden Gemeinden entgeht dadurch kein Cent.

An der afrikanischen Mittelmeerküste gibt es kein Pendant zur DLRG (und 10-20 NM offshore wären für Baywatcher auch nicht mehr sicht- oder erreichbar).

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existiertdiesernutzername 21.07.2019, 22:23
38. @Kommentar34

Sie haben Recht, das war irreführend formuliert. Wenn eine Person nicht bzw. nur leicht verletzt ist, oder eine unverletzter dritte Person unter Schock steht, dann kann man sich auch einfach mal dazu setzen, beruhigen und einen Schokoriegel anbieten. So war es gemeint. Dass man hingegen einem Schwerverletzten nicht einfach irgendwas verabreicht, sollte hoffentlich klar sein. Danke für die Klarstellung.

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rfb35 24.07.2019, 00:06
39. Über eine Spende

... hat wohl keiner der Kommentierenden nachgedacht - zumindest war in keinem Beitrag etwas davon zu lesen. Wenn nur jeder 10. der an den Badestellen Deutschlands von der DLRG betreuten Schwimmer regelmäßig Minibeträge spendete, wäre es der DLRG locker möglich, ihre Ehrenamtlichen besser zu entschädigen. Ich mache das seit vielen Jahren und erfahre viel positive Resonanz. Und außerdem ist geben seliger denn nehmen, wie schon das Sprichwort sagt.
Außerdem: wer den jungen Helfern ihre Ausrüstung beider, sollte bedenken, dass diese zur schnellen erfolgreichen Hilfe angeschafft wird. Damit muss natürlich auch geübt werden. Es kann ja jeder gerne Helfer werden, dann darf er/sie auch mal Motorboot fahren...

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