Forum: Karriere
Jobsharing in Führungspositionen: Ein Fall für zwei
Deutsche Bahn / Philipp von Reck

Zwei Professorinnen leiten zusammen einen Lehrstuhl, zwei Managerinnen teilen sich eine Führungsposition bei der Deutschen Bahn. Funktioniert Jobsharing bei Chefs?

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penie 29.08.2018, 08:33
1. Bei Professorinnen mag das gehen ...

... ansonsten ist es aber eine totale Schnapsidee, Positionen, an denen schnelle und richtige Entscheidungen getroffen werden müssen, zu teilen. Das führt nur zu Verwirrung. Dann lieber zeitlich kürzen oder auf ständige Anwesenheit verzichten oder beides.
Außer in Vorzeigeprojekten (oder wenn niemand anderes in Frage kommt) wird jedes Unternehmen von seinen Führungskräften den maximal möglichen Einsatz verlangen, zumindest auf den oberen Etagen.

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jan2118 29.08.2018, 08:39
2.

Das gute an der Emanzipation ist ja, dass Frauen die gleichen Freiheiten haben wie Männer um genau deren Fehler nachzumachen. ICh verstehe nicht, was so erstrebenswert daran ist, sich im Job aufzureiben. Job ist zum Geld verdienen da. Selbstverwirklichung im Job basiert meiner Meinung nach auf einer falschen Wahrnehmung der Dinge. Es gibt soviel schönere Dinge als einem stressigen Job nachzugehen. Also genießt das Familienleben, Frauen wie Männer :)

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pontifex maximus 29.08.2018, 08:49
3. Der entscheidende Satz lautet:

"Die halbe Stelle bedeutet für die Frauen aber nicht halbe Arbeit."

Genau deshalb sollte man sich wirklich gut überlegen, ob es sich überhaupt lohnt oder ob es am Ende nicht doch auf gleiche Arbeit für halbes Gehalt hinausläuft.

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undutchable 29.08.2018, 09:10
4. keine der genannten Personen macht einen "halben Job"

Da hat wohl der Arbeitgeber aufgepasst und für das gleiche Geld gleich 2 Leute eingestellt.
Wahrscheinlich muss dadurch nicht mehr eine Person den Job mit 80 Stundenwochen machen und es dann kaum noch gewuppt bekommen.
Sicher kein Fall für jeden Job/Position, aber eine Alternative...

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vitalik 29.08.2018, 10:12
5.

Ich hätte gern eine Erklärung zu dem Satz: "Die halbe Stelle bedeutet für die Frauen aber nicht halbe Arbeit."
Wenn die beiden Personen auf einer Stelle jeweils mehr als nur zur Hälfte arbeiten, dann hätte die Stelle also niemals von einer Person besetzt werden können. Warum redet man also hier von einer Stelle? Wer bestimmt eigentlich, was "eine Stelle" ist? Wird nicht aus einer Stelle, die mit zwei Personen besetzt wird nicht automatisch 2 Stellen?

In Anbetracht meiner Schlussfolgerung frage ich mich, welchen Sinn die Umfrag ergibt?

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rleu 29.08.2018, 11:17
6.

Zitat von undutchable
Da hat wohl der Arbeitgeber aufgepasst und für das gleiche Geld gleich 2 Leute eingestellt. Wahrscheinlich muss dadurch nicht mehr eine Person den Job mit 80 Stundenwochen machen und es dann kaum noch gewuppt bekommen. Sicher kein Fall für jeden Job/Position, aber eine Alternative...
Genau.

Als personellen Leiter hätte ich außerdem gern weiterhin nur einen Chef. Und ja, in meiner Erfahrung haben männliche Vorgesetzte bisher mehr Entscheidungsfreude und weniger Mikromanagement mitgebracht, daher die Präferenz.

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vera gehlkiel 29.08.2018, 11:54
7.

Da ich sozusagen schon von Haus aus zutiefst davon überzeugt bin, dass die einzige angemessene Haltung des postmodernen Menschen sich aus dem Durchdrungensein vom Prinzip des Eklektizismus speist (oder, um es anschaulicher und circa mit Bob Dylan zu sagen, wir alle lernen müssen werden, das Chaos auszuhalten), hatte ich schon ab dem ersten Tag meines Studiums eine Heidenpanik davor, diese Reden mitanzuhören, bei denen es immer nur darum ging, sich beruflich endgültig festzulegen. Wie fast jedes Mädchen wollte ich irgendwann Krankenschwester, Nonne, Bundeskanzlerin oder Hausfrau werden, hat aber alles aus verschiedenen Gründen niemals das rein theoretische Stadium überstanden. Ich hab aber nach den entsprechenden Prüfungen einen Brotberuf, den ich leidenschaftlich liebe, erlernt, und den ich deswegen so liebe, weil man dort niemals eigentlich "fertig" wird in dem Sinn, dass man wirklich, so wie etwa ein Meistertischler, ausgelernt hätte. Immer war ich, wegen des absolut zeitfressenden Charakters dieser Sache, darauf aus, mir etwas zu teilen, davon wenigstens die Hälfte einfach loszuwerden. Trozdem ich in einem Umfeld leb(t)e, in dem wirklich alle beständig darüber klag(t)en, wie wenig Zeit für die alternativen Interessen verbleibt, war es wirklich nicht einfach, mit effektivem Jobsharing je zu Potte zu kommen. Automatisch haben die Leute es im Kopf, egal ob auf Arbeitnehmer- oder Arbeitgeberseite, dass so ein halber, oder gar ein gedrittelter Job, eigentlich gar keinen zureichend ernsthaften Hintergrund haben kann. Dass es dabei in Wahrheit also darum geht, meistens kiffend in der Sonne zu liegen, illegale Nebentätigkeiten in Interaktion mit der Ndrangheta, dem israelischen Geheimdienst oder Schlimmerem nachzuvollziehen, oder sogar, dessen wurde ich einmal "ganz im Ernst" durch so einen perversen Machthirni bezichtigt, als Luxuscallgirl unendlich viel Schotter abzuräumen. Mittlerweile habe ich weitgehend "privatisiert", das geht eben in meinem beruflichen Umfeld, war aber letztendlich auch nur möglich, als ich einen Batzen Geld unerwartet erbte, an dem zudem Verantwortlichkeiten hingen, die mir ohnedies keine andere Wahl liessen. Zum Jobsharing gehört natürlich zwingend das radikale Loslassenkönnen, sprich die ausgiebige Verwendung desjenigen Prinzips, das in der Wissenschaft als Occams Rasiermesser bekannt geworden ist.

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celui-ci 29.08.2018, 12:43
8. Gute Alternative

Das Modell liefert nicht (zwingend) mehr Ergebnisse als die Arbeit einer einzelnen Vollzeitperson und erfordert von den Stelleninhabern zusätzlichen Koordinationsaufwand. Es ist aber überhaupt eines der wenigen Modelle, welches Teilzeit und Führung vereinbart. Nebenbei gibt es wohl keinen besseren Feedbackpartner als jemanden der die selbe Stelle innehat. Wird dieser Weg von den Unternehmen nicht eingeschlagen, so steht nur eine kleine, uniforme Gruppe für Karriere zu Verfügung, und die Nachteile davon sollten sich inzwischen in allen (großen) Unternehmen herumgesprochen haben.

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vera gehlkiel 29.08.2018, 13:16
9.

Übrigens wäre Jobsharing auch eine echte Alternative in niedrigeren Lohnbereichen. Vorausgesetzt, diese wären an sich erst mal besser bezahlt. Besonders, wo alleinerziehende Frauen arbeiten, fehlen hier darüber hinaus oft Dienstplanungsmodelle, welche z.B. eine echte Integration von Teilzeitstellen im Bezug auf fachlich voll zentriertes und damit hochprofessionelles Arbeiten möglich machen. Hier fehlen sowohl die Kenntnisse auf Arbeitgeberseite, die solche kreativen Möglichkeiten eröffnen würden, als auch der Wunsch, den Job als Bestandteil der Selbstverwirklichung, nicht nur als Geldnotwendigkeit, wirklich ernst genug zu nehmen, auf Arbeitnehmerseite. Bei den Krankenschwestern etwa sind Teilzeitkräfte momentan so eine Art Landplage geworden, weil sie in den Dienstplanungen meist reine "Füllfunktionen" übernehmen, und im übrigen innerhalb der Kultur und Sprache der Teams fast mehr draussen als drinnen sind. Was zu radikalen Qualitätsminderungen führt, welche es in einem derart hochspezifischen Fachberuf niemals geben dürfte. Hier müsste man zum Beispiel eigenverantwortliche Teams, bestehend aus Teilzeitlern, bilden, die sich in durchdacht getakteten, sich ausserdem sinnreich überlappenden, Einheiten um eine gegebene Anzahl von Patienten kümmern. Drei Dreissig-Prozent-Teilzeitkräfte wären dann z.B. für die Vollversorgung eines schwerstkranken Patienten über Tag hin zuständig, und zwar in eigenverantwortlicher Zeiteinteilung und Gestaltung der Pflege, etc. Den Mehraufwand an Personal könnte man relativieren, indem man wirklich diesen ganzen administrativen Krempel, der die Schwestern sowieso schon unangemessen belastet, von ihren Schultern nimmt. Wobei die eigenverantwortlich konkrete Situation in einem Team mit und gegenüber "echten" Kolleginnen, statt nur einer absurd weit entfernten "Institution" namens "Arbeitgeber", auch segensreich für die Verbesserung der Zahlen des Krankenstandes wirken würde, der im Pflegeberuf mittlerweile eine weitere Landplage geworden ist. Natürlich wären diese Mädels auch frecher und kritischer, da es dann konkret um "ihr" Ding geht, statt um irgendetwas, aus dem sie sich gepflegt raushalten können, weil sie ja "nur" Teilzeitkräfte sind. Letzterer Effekt ist glaub ich oft das eigentliche Problem aus Arbeitgebersicht, wenn es um die Teilzeit im Ganzen geht: man will den komplett sich ausliefernden, und damit komplett ausgelieferten Arbeitnehmer, der ausser an die Firma nicht an viel denkt, oder überhaupt denken kann. Was längst zur Sackgasse geworden ist, aber die Linken auch lieben.

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