Forum: Karriere
Jobstart: Vier von zehn neuen Mitarbeitern werden befristet eingestellt
Bernd von Jutrczenka / DPA

Wer eine neue Stelle anfängt, der bekommt zunächst gerne mal einen Vertrag, der auslaufen kann. Arbeitsmarktforscher haben ausgewertet, welche Unternehmen besonders gern auf Befristungen zurückgreifen.

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vitalik 10.09.2019, 14:12
10.

Zitat von Sleeper_in_Metropolis
Ich sehe in dieser Praxis kein Problem, laufen doch die meisten dieser anfänglichen Befristungen letztlich auf einen unbefristeten Vertrag hinaus. Ist in dem Unternehmen, in dem ich arbeite genau so : Jeder neu eingestellte erhält erst mal zwei auf jeweils ein halbes Jahr befristete Verträge, im Anschluß daran dann i.d.R. einen unbefristeten Vertrag. Sollte es bei einem Kandidaten doch mal zu unerwarteten Problemen kommen, muß sich das Unternehmen nicht mit aufwändigen Kündigungs- und ggf. Abfindungsregelungen herumschlagen, der Vertrag läuft dann einfach aus und fertig.
Interessant ist, dass Sie die nicht-Verlängerung einseitig bei dem Kandidaten sehen. Das Problem mit den Verlängerungen ist doch, dass es viele Fälle gibt, wo die Unternehmen das unternehmerische Risiko auf den Mitarbeiter abwälzen. Da bricht ein Projekt weg und schon kann man bequem die Leute los werden.

Zum Herausfinden, ob ein Kandidat etwas taugt, vereinbart man eine Probezeit. In 6 Monaten sollte man in der Lage sein den Mitarbeiter einzuschätzen. Nach der aktuellen Regelung kann man insgesamt 2 Jahre die Mitarbeiter hinhalten.

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tkedm 10.09.2019, 14:14
11.

Zitat von Sleeper_in_Metropolis
Ich sehe in dieser Praxis kein Problem, laufen doch die meisten dieser anfänglichen Befristungen letztlich auf einen unbefristeten Vertrag hinaus. Ist in dem Unternehmen, in dem ich arbeite genau so : Jeder neu eingestellte erhält erst mal zwei auf jeweils ein halbes Jahr befristete Verträge, im Anschluß daran dann i.d.R. einen unbefristeten Vertrag. Sollte es bei einem Kandidaten doch mal zu unerwarteten Problemen kommen, muß sich das Unternehmen nicht mit aufwändigen Kündigungs- und ggf. Abfindungsregelungen herumschlagen, der Vertrag läuft dann einfach aus und fertig.
Nunja, das Problem ist halt, dass der Mitarbeiter im schlimmsten Fall 2 Jahre seines Lebens nicht längerfristig planen kann.

Aus Unternehmenssicht dagegen völlig verständlich. Ist halt gesetzlich erlaubt und das wird dann natürlich gerne auch von solchen ausgenutzt, die die Stelle eh später fest besetzen.

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interessierter Laie 10.09.2019, 14:19
12. tolle Analyse...

nur hätte mich interessiert, welche "Unternehmen" am häufigsten befristen. Im öffentlichen und staatsnahen Bereich werden 60 Prozent der Neueinstellungen befristet und insgesamt stecken fast 10 Prozent der Beschäftigten in befristeten Arbeitsverhältnissen. In der Wirtschaft sind es rund 7 Prozent. Erstaunlich dabei: Alle Gründe für Befristungen treffen Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber gleichermaßen. Nur das Marktrisiko - sinkende Einnahmen aufgrund von Konjunkturflauten oder ähnlichem gibt es im öffentlichen Dienst nicht!

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spiegeleix 10.09.2019, 14:22
13. Genau so geht es mir seit über 20 Jahren

Zitat von _oliver_
Befristete Arbeitsverträge sind sozial ungerecht. Menschen die sich eine Existenz aufbauen wollen, werden so lange in einer Warteschleife gehalten, bis man sie nicht mehr braucht. In der Zwischenzeit kann nicht geplant werden für die Zukunft, also weder eine Immobilie erworben werden noch die bewusste Entscheidung für einen Kinderwunsch getroffen werden. Wer gute Arbeit macht, soll sie auch behalten dürfen und für seine Zukunft vorsorgen können. Eine Frechheit wie hier unternehmerisches Risiko auf Menschen ausgelagert wird, die dadurch nie Vermögen aufbauen können, weil Planungssicherheit nicht vorhanden ist und jeder Umzug wieder Geld kostet. Ein Unternehmer geht bewusst Risiken ein, die sich meistens auch auszahlen. Aber der Sinn hinter einer abhängigen Beschäftigung ist doch gerade, dass man diese Risiken nicht eingehen muss. Sonst kann man sich ja gleich selbstständig machen.
ich bin im öffentlichen Dienst (Forschung) und inzwischen beim 16. (sic!) Arbeitsvertrag und eine Entfristung ist immer noch nicht in Sicht. Mein einziges Kind habe ich mit Ende 30 nach vergeblichem Warten auf die Entfristung schnell während eines 3jährigen Arbeitsvertrages bekommen, nur 10 Monate Elternzeit genommen (alleinerziehend!) um schnell wieder zur Stelle zu sein, bevor der Arbeitsvertrag auslief, sodass ich mich nicht als Arbeitslose neu bewerben musste. Hat geklappt, aber was das mit der Psyche macht, diese ständige Existenzangst, das können nur selbst Betroffene nachvollziehen. Ich hätte gerne noch ein oder 2 Kinder gehabt, aber unter diesen Umständen? Dies ist der WAHRE Grund warum Akademikerinnen kaum Kinder kriegen, nicht deren Karriere-Geilheit!

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senfgurke 10.09.2019, 14:24
14. Einseitiger Bericht

Alles recht kurz gegriffen. Der Stadt (Kommunen,Land,Bund) stellen andauernd
befristet ein auch mit seltsamen eigentlich
unzulässigen Kettenverträgen. Lehrer werden
über den Sommer entlassen, wissenschaftliche Mitarbeiter sind nahezu grundsätzlich befristet und werden i.A. Auch nicht entfristet ....
Tariflohn ist übrigens nur ein Grund in Westdeutschland - im Osten kein Thema (gibt meist keine Tarifbindung ) und dennoch gern befristet als verlängert Probezeit. Im Gegensatz zum Staat ist der zweite Vertrag wenigstens meist unbefristet.

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markusherbert1 10.09.2019, 14:34
15. Unmöglich!

Im Handwerk, wo händeringend nach Fachpersonal gesucht wird, kommt man damit nicht weit. Wir stellen nur unbefristet ein, da wir an einer langjährigen Zusammenarbeit interessiert sind.

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Korken 10.09.2019, 14:38
16. Änderung notwendig

Mal abgesehen davon, dass es wirklich schwarze Schafe gibt, die einmal unbefristet den Betrieb völlig vergiften, sollte es doch möglich sein, etwas an der unsozial verlängerten Probezeit zu ändern. Wie wäre es, wenn Befristungen nicht erneuert werden können, diese auf max. 6-12 Monate gelten können und als Schwergewicht: Befristungen nicht in unbefristete umgewandelt werden können. Somit wären Betriebe erstmals gezwungen, gleich normal unbefristet einzustellen und nur die tatsächlich notwendigen und begründbaren Befristungen, die auch nur so benötigt werden, durchzuführen.

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ohjeee 10.09.2019, 14:38
17.

Zitat von SusiWombat
Da verlängert man die Probezeit und schafft keinen Anreiz zum Bleiben? Komisch.
Sachgrundlose Befristungen, naja. Wer es sich heutzutage leisten kann...
ansonsten
" Insbesondere für Helfertätigkeiten nehmen Betriebe der Studie zufolge Befristungen vor"
Helfertätigkeiten werden idR nicht von Fachkräften ausgeführt.

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derBob 10.09.2019, 14:40
18. Ja, Fachkräftemangel

Zitat von SusiWombat
- Fachkräftemangel also - Da verlängert man die Probezeit und schafft keinen Anreiz zum Bleiben? Komisch.
Es muss sich erst einmal herausstellen, ob der neue Mitarbeiter tatsächlich eine Fachkraft ist. Das lässt sich nicht in einem einstündigen Bewerbungsgespräch ermitteln.
Wenn es sich dann herausstellt, dass es sich um eine teamunfähige Fachkraft für Rechthaberei handelt, wie man sie hier im Forum zu Hauf findet, lässt man die Befristung einfach auslaufen.
Ist das Team mit dem neuen Kollegen zufrieden, gibt's einen unbefristeten Vertrag.

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Freier.Buerger 10.09.2019, 14:41
19.

Verlängert den Einstieg in den Kündigungsschutz auf 2 Jahre und es gibt keine Befristungen mehr. Viele Jobs sind zu komplex als dass 6 Monate Probezeit ausreichen.
Ich stelle immer befristet ein, außer der/die Kandidat ist so passgenau auf den Job, dass ich befürchten muss er/sie unterschreibt sonst nicht. Wenn die befristete Einstellung so gut ist, wie wir erhoffen, was in ca. 80% der Fälle so ist, dann wird nach 14..18 Monaten entfristet.

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