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Jobstart: Vier von zehn neuen Mitarbeitern werden befristet eingestellt
Bernd von Jutrczenka / DPA

Wer eine neue Stelle anfängt, der bekommt zunächst gerne mal einen Vertrag, der auslaufen kann. Arbeitsmarktforscher haben ausgewertet, welche Unternehmen besonders gern auf Befristungen zurückgreifen.

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Proletheus 10.09.2019, 15:38
30. Kein Wunder.

Ich bin selbst in leitender Funktion bei einem großen tariflichen Arbeitgeber, bei dem das Kündigungsschutzgesetz greift. Wer bei mir angestellt ist, kann arbeitsrechtlich gesehen für alle Ewigkeit dort arbeiten, egal, ob er Leistung bringt oder nicht, jedes Jahr fünf Wochen erkältet ist etc. So lange er mir nicht direkt mit der Faust ins Gesicht schlägt, reicht's in der Regel nicht für eine Kündigung. Solche Mitarbeiter werden auf Kosten der motivierten Kollegen mitgezogen. In zwei Jahren Befristung habe ich bessere Chancen, solche Menschen zu erkennen als in sechs Monaten Probezeit. Deshalb bin ich um die Möglichkeit ganz dankbar, sonst hätten die engagierten Kollegen noch weniger zu Lachen.

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goldenrome 10.09.2019, 15:43
31. Mir kommen die Tränen

ob vor Lachen oder weinen kann ich nicht sagen. Befristung ist an sich ein Instrument das Gerne genutzt werden sollte, u.a.auch um Arbeitnehmer für Projekte beschäftigen zu können, von denen man nicht weiß wie lange sie laufen, o.ä. Das es große subventionierte Firmen in DE gibt, u.a. große Auto- oder Flugzeughersteller, die nun um die Zeitarbeitnehmerbefistungen von 2 (manche auch 3) Jahren zu verlängern, und zwar aufs unendliche, da sie jetzt 3 Jahre Zeitarbeiter einstellen, diesen dann 2 Jahre übernehmen, das evtl verlängern oder ihn gleich wieder über Zeitarbeit an der Gleichen Stelle einsetzen (ggf. muss der arme Hans Wurst erst 6 Monate zwangsurlaub auf kosten des Staates nehmen), sollte auch mal erwähnt, bzw. an den PRANGER gestellt werden. keine Ahnung warum der BR und der Staat es nicht durchsetzen, das eine Firma DEN Zeitarbeiter zu übernehmen wenn er jmd. für DIE Stelle weiterhin braucht, und es GAR NICHTS an seiner Arbeitsleistung und -Einstellung auszusetzen gibt. Aber dann hätten wir ja keine 2 Klassen Gesellschaft mehr, in der die Festangestellten mit 25 ihr 2 Haus bauen, während der 35-Jährige Leiher jeden Tag unterbewusst um seinen Job bangt, Haus, Hof und Kinder mal wieder aufs nächste Jahrzehnt verschiebt (bzw. die Träume davon) und die Arbeit der (meisten) festen mit macht.

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_oliver_ 10.09.2019, 15:59
32. Kündigungsschutz lockern?

Was mich so stört ist einfach, dass all die Leute die ordentlich arbeiten bei der persönlichen Lebensplanung in "Geiselhaft genommen" werden, wegen der mutmaßlich paar (ja wie viele eigentlich? würde mich mal interessieren...) faulen Äpfel mit der falschen Arbeitsauffassung. Möglicherweise wäre es auch sinnvoll den Kündigungsschutz zu lockern (natürlich mit gewissen Ausnahmen/Schutzzeiten) . Von der Sache, vom Anreiz her gefällt es mir mehr sich eine dauerhafte Perspektive selbst zu erarbeiten/erhalten. Der AG wird faule Äpfel schneller los und die guten müssen nicht bangen und werden vorweg eher unbefristet eingestellt.

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shotaro_kaneda 10.09.2019, 16:05
33. @ Proletheus #30

Meiner Meinung nach reichen 6 Monate vollkommen aus, um zu erkennen, ob jemand motiviert und seinem Job gewachsen ist.

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irobot 10.09.2019, 16:12
34.

Ich habe mich mal auf eine Stelle als Programmierer beworben (mehrjährige Berufserfahrung gewünscht). Als Angebot bekam ich:
6 Monate unbezahltes Praktikum.
Danach ein Jahr mit Zeitarbeitsvertrag und einem Gehalt, dass 70% von meinem Wunsch betrug.
Danach ggf. Verlängerung des Zeitarbeitsvertrages um ein weiteres Jahr. Selbes mieses Gehalt.
Danach 6 Monate Probezeit. Danach Festübernahme.
Die Stelle war danach noch für etwa 2 Jahre ausgeschrieben. Haben wohl keinen bekommen.

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almeo 10.09.2019, 16:20
35.

Zitat von Sleeper_in_Metropolis
[...] Ist in dem Unternehmen, in dem ich arbeite genau so : Jeder neu eingestellte erhält erst mal zwei auf jeweils ein halbes Jahr befristete Verträge, im Anschluß daran dann i.d.R. einen unbefristeten Vertrag. [...]
Bei Ihrem Arbeitgeber würde ich ja nicht einsteigen wollen. Für "Unstimmigkeiten" gibt es ein halbes Jahr Probezeit, aber ich ziehe doch nicht für einen neuen Arbeitgeber von Berlin nach München, um dann zweimal ein halbes Jahr befristet eingestellt worden zu sein. Ganz abgesehen vom Stress den ich da parallel noch mit dem Arbeitsamt habe (ich muss mich ja Monate vor Vertragsende schon arbeitslos melden, egal ob ich einen Anschlussvertrag bekomme oder nicht), miete ich doch in einer so unsicheren Situation keine neue Wohnung an und investiere vielleicht mehrere tausend Euro in einen Umzug?

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almeo 10.09.2019, 16:29
36.

Zitat von Proletheus
[...] Wer bei mir angestellt ist, kann arbeitsrechtlich gesehen für alle Ewigkeit dort arbeiten, egal, ob er Leistung bringt oder nicht, jedes Jahr fünf Wochen erkältet ist etc. So lange er mir nicht direkt mit der Faust ins Gesicht schlägt, reicht's in der Regel nicht für eine Kündigung. Solche Mitarbeiter werden auf Kosten der motivierten Kollegen mitgezogen. In zwei Jahren Befristung habe ich bessere Chancen, solche Menschen zu erkennen als in sechs Monaten Probezeit. [...]
Ich frage mich da manchmal, in welchen Unternehmen so manche Kommentatoren so arbeiten? Ich war nun schon für einige Arbeitgeber tätig, keines von denen hatte irgendwie das Problem, dass ganze Abteilungen von demotivierten, faulen Mitarbeitern lahmgelegt wurden. Ganz im Gegenteil. In vielen Unternehmen in denen ich war, hat eher die Führungsriege durch Abwesenheit und/oder Unfähigkeit geglänzt.
Entweder scheinen diese "Schmarotzer-Mitarbeiter" sich in ausgewählten Betrieben besonders anzusammeln, oder aber mancher Vorgesetzter missversteht, dass nicht jeder Arbeitgeber bereit ist, für sein Monatsgehalt 50, 60 Stunden die Woche zu arbeiten. Wer in einem Betrieb das Gefühl hat, sich dafür rechtfertigen zu müssen, am Freitag pünktlich ins Wochenende zu gehen, hat wohl eher die falschen Chefs als die falsche Arbeitsmoral.

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tonnesimon 10.09.2019, 16:43
37. Baugewerbe

Scheinselbständige werden nur zu gerne von Häuslebauer genommenweil Geiz geil ist und man sich später über den Pfusch nur lauthals beschwert. Habe es schon öfter erlebt1
Als Generalunternehmer haftet man für sämtliche nicht bezahlten Sozialversicherungsbeiträge und den Tariflohn!
Solte es da bei einer Kontrolle Ärger geben ist dann auch noch eine Gewinnabschöpfungsstrafe fällig. Wir müssen regelmäßig bei grösseren Projeten die Bescheinigungen der Sozialversicherung vorlegen!
Und wir haben auch nur Mitarbeiter die unbefristete Verträge haben und auch Übertariflich bezahlt werden.
Das ist aber auch bei allen normalen Bauunternehmen standart. Nur der Häslebauer greift gern mal auf Billigheimer zurück und fragt dann noch frech"gehts den auch ohne Rechnung wg der Mwst"

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spon-1244121367769 10.09.2019, 17:29
38. Und der Staat?

Wieder ein Artikel über Befristung in der Industrie... Der größte Befrister in unserem Land ist jedoch nach wie vor der öffentliche Dienst, insbesondere die Wissenschaft leidet darunter erbärmlich. Wie wäre es denn mal mit einem gut recherchierten Artikel über dieses Thema?

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Sleeper_in_Metropolis 10.09.2019, 17:36
39.

Zitat von shotaro_kaneda
Kommt darauf an, ob das Unternehmen sich das leisten kann. Ich jedenfalls habe in meinen befristeten Anstellungen weiterhin nach einer festen Anstellung gesucht, was letztendlich auch geklappt hat. Da war mir es dann auch herzlich egal, ob der Arbeitgeber mir später möglicherweise einen entfristeten Vertrag anbietet oder nicht. Und jeden, den ich in befristeten Tätigkeiten kenne, hats genauso gemacht oder machts genauso. Die besten Leute, die wissen was ihr Können wert ist, gewinnt man damit nicht. Und solange die Befristung als verlängerte Probezeit genutzt wird, kann es so schlecht um genügend Arbeitskräfte nicht bestellt sein.
Naja, gibt aber auch sehr viele Leute, die nicht "zu den besten" gehören, sondern einfach "nur" gut ihren normalen Job machen. Da ist ein befristeter Vertrag mit klarer Aussicht auf Entfristung schon mal nicht schlecht.

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