Forum: Karriere
Jobstart: Vier von zehn neuen Mitarbeitern werden befristet eingestellt
Bernd von Jutrczenka / DPA

Wer eine neue Stelle anfängt, der bekommt zunächst gerne mal einen Vertrag, der auslaufen kann. Arbeitsmarktforscher haben ausgewertet, welche Unternehmen besonders gern auf Befristungen zurückgreifen.

Seite 8 von 8
ohjeee 12.09.2019, 17:13
70.

Zitat von danduin
2 Jahre arbeitete ich hart und war auch sehr fähig. Danach kam die Wirtschaftskrise und das Unternehmen übernahm keine befristeten Verträge. Das Unternehmen hat seine Risiken an mich ausgelagert und folgende Personaler fanden es sehr merkwürdig, warum mein Vertrag nicht verlängert wurde. Der Aufbau meines Lebens konnte ich auch nicht in der Zeit aufbauen, sondern mußte verschoben werden. Nie wieder einen befristeten Vertrag
jou, lieber H4, da kann man sich besser ein Leben aufbauen.*ironie off*
(hatte selbst einen befristeten Vertrag, der 2x verlängert wurde (+12, +6 Monate), EZ der Vorgängerin, ole!) Mir wäre es im Traum nicht eingefallen, lieber zu Hause zu bleiben, als befristet zu arbeiten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Akademiker11 12.09.2019, 17:29
71. Auch beim Staat so!

Befristete Verträge sind mit eines der übelsten Mittel, Kosten zu drücken und Mitarbeiter zu kontrollieren. Ich habe das jahrelang an eigener Haut erfahren, als ich bei einem deutschen Grossforschungszentrum wissenschaftlich arbeitend befristet angestellt war. Im Nachhinein weiss ich, dass man diese Zeit vorwiegend nutzen sollte, sich nach einem anderen, festen Job extern umzusehen. Denn intern wurde kaum jemand aus einer befristeten Anstellung in eine Festanstellung überführt. Stattdessen stellt man lieber den nächsten wieder befristet an. Aus einer befristeten Tätigkeit im öffentlichen Dienst in die deutsche Industrie zu kommen ist auch beinahe unmöglich. Ich verliess nach Auslaufen meines Vertrags Deutschland und machte seither meine Karriere in den USA - ohne nervige Befristungen. In Deutschland wäre ich arbeitslos geworden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
frankfurtbeat 12.09.2019, 18:08
72. aus ...

aus Unternehmersicht alles gut da billige Arbeitskraft - der befristete Mitarbeiter kommt eventuell aus einer ganz anderen Region, ist gezwungen sich erstmal irgendwo vorübergehend einzuquartieren da er nicht weiß inwieweit er tatsächlich eine Existenz aufbauen kann. Noch über ist allerdings das Phänomen Zeitarbeit - inzwischen zu einer geschmeidigen Lösung für die Sachbearbeiter vom Amt verkommen - Hauptsache weg vom Schreibtisch, raus aus der Statistik, runter von der payroll.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
akohle 12.09.2019, 18:20
73. "Der Staat!"

Bitte nicht vergessen, dass wir der Staat sind.
Kein Staat ist fehlerfrei & Faulheit wird bestraft.
Wenn die Konditionen des Arbeitsvertrages nicht passabel sind, sollte man ihn nicht unterschreiben.
Einige Leute haben ev. keine andere Wahl, aufgrund einer Übersättigung des Marktes oder weiter Entfernungen zu anderen potenziellen Arbeitgebern, einen Vertrag mit zufriedenstellenden Konditionen unterschreiben zu können. Jedoch existiert in den meisten Firmen mit Personalmanagement meistens wenig Fairness, also sollte man diese Adressen meiden. Ich empfehle, zu Arbeitgebern direkten Kontakt aufzubauen, möglichst direkt telefonisch, auch wenn keine Stellenausschreibung existiert - nicht den aufgeblasenen Mittelstand, sondern kleinere Firmen anvisieren, die ohne Personalabteilung auskommen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Einhorn 12.09.2019, 19:28
74.

Zitat von ohjeee
jou, lieber H4, da kann man sich besser ein Leben aufbauen.*ironie off* (hatte selbst einen befristeten Vertrag, der 2x verlängert wurde (+12, +6 Monate), EZ der Vorgängerin, ole!) Mir wäre es im Traum nicht eingefallen, lieber zu Hause zu bleiben, als befristet zu arbeiten.
Es geht ja nicht gleich um "zuhause bleiben" - aber unser ganzes Wirtschaftssystem basiert doch auf Konsum und ewigem Wachstum. Wenn jetzt viele Menschen befristete Verträge haben, dann konsumieren sie unter Umständen nicht mehr "ordentlich", das tun aber die "Prekären" schon nicht. Können wir uns das leisten? Wie lange?

Und - naja, bis letztens wurde ja immer die schreckliche Demografie besungen, die scheint ja mit dem aktuellen Lehrermangel irgendwie hinfällig. Aber Menschen in befristeten Verträgen und Praktika, gründen nicht so leicht Familien.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Akademiker11 12.09.2019, 19:57
75.

[Zitat von Einhorn]
Wenn jetzt viele Menschen befristete Verträge haben, dann konsumieren sie unter Umständen nicht mehr "ordentlich", das tun aber die "Prekären" schon nicht. Können wir uns das leisten? Wie lange? Und - naja, bis letztens wurde ja immer die schreckliche Demografie besungen, die scheint ja mit dem aktuellen Lehrermangel irgendwie hinfällig. Aber Menschen in befristeten Verträgen und Praktika, gründen nicht so leicht Familien.

+1. Genauso ist es! Als ich in solchem befristeten Arbeitsverhältnis stand, habe ich schön alles angespart und nur das Notwendigste ausgegeben - in eine Hypothek für Wohnung oder Haus zu investieren wäre ja sowieso verfehlt. Familienplanung - ohje, wenn man doch wieder umziehen muss? Wären Angestellte mit befristetem Arbeitsverhältnis noch Teil der Arbveitslosen/suchenden-Statistk, sähe das Bild ganz anders aus!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schorsch_69 12.09.2019, 23:39
76. Tja

Jeder befristet eingestellte MitarbeiterX, muß diesen Vertrag so nehmen wir er ist - befristet.

D.h. Mit Beginn dieses Vertrags ist "Feuer frei" für die Suche nach einem anderen, evtl. besseren - und nicht das depperte Hoffen auf Verlängerung!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Spiegel-Wolfgang 17.09.2019, 10:26
77.

Zitat von Sleeper_in_Metropolis
Ich sehe in dieser Praxis kein Problem, laufen doch die meisten dieser anfänglichen Befristungen letztlich auf einen unbefristeten Vertrag hinaus. Ist in dem Unternehmen, in dem ich arbeite genau so : Jeder neu eingestellte erhält erst mal zwei auf jeweils ein halbes Jahr befristete Verträge, im Anschluß daran dann i.d.R. einen unbefristeten Vertrag. Sollte es bei einem Kandidaten doch mal zu unerwarteten Problemen kommen, muß sich das Unternehmen nicht mit aufwändigen Kündigungs- und ggf. Abfindungsregelungen herumschlagen, der Vertrag läuft dann einfach aus und fertig.
Das mag ja in ihrem Betrieb so sein, in vielen Branchen aber eher "nicht" die Regel!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Spiegel-Wolfgang 17.09.2019, 10:31
78.

Zitat von stolte-privat
...von maximal 6 Monaten sollte genügen. Dann kann man beiderseits feststellen, ob der Mitarbeiter zum Job passt und umgekehrt. Alles andere ist Lohn- und Sozialdumping. Leider wird solch eine Praxis auch noch vom Staat unterstützt. Firmen wie VW nutzen das weidlich aus und behandeln die Mitarbeiter dann jahrelang als "Manövriermasse", die hin und her geschoben und bei Flaute einfach entlassen werden. Eine Zukunfts- oder gar Familienplanung ist dabei nicht drin, auch die Gehälter sind eher mickrig.
Genau, auch so eine Branche (KFZ) die von der vor Jahren beschlossenen Flexibilisierung (?) profitiert, zu Lasten großer Teile der Belegschaften! Das nennt man Jobkarussell, jeder darf mal mitfahren, manchmal sogar öfters ;-((

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 8 von 8