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Jobsuche: Der ganz normale Bewerbungswahnsinn
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Telefoninterview, Assessment-Center, Vorstellungsgespräch, Arbeitsprobe, zweites Vorstellungsgespräch - von der Bewerbung bis zur Einstellung vergehen oft Monate. Viele Unternehmen betreiben exzessive Bewerbungsverfahren, viele Bewerber verzweifeln daran.

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kalanak 13.06.2013, 07:06
1. Aus langjähriger ...

Zitat von sysop
Telefoninterview, Assessment-Center, Vorstellungsgespräch, Arbeitsprobe, zweites Vorstellungsgespräch - von der Bewerbung bis zur Einstellung vergehen oft Monate. Viele Unternehmen betreiben exzessive Bewerbungsverfahren, viele Bewerber verzweifeln daran.
Erfahrung kann ich nur sagen, dass die sogenannten Auswahlverfahren mit Ihren pseudopsychologischen Inhalten letzten Endes diejenigen weiterbringen, die sich optimal auf die Tests vorbereiten - nicht diejenigen, die neben Fachkenntnissen auch menschlich für die Position qualifiziert sind.

Als Leiter einer Fachabteilung war es ein stetiger Kampf gegen Personalabteilungen, die zwar nicht die leiseste Ahnung hatten, was meine Abteilung für einen Bedarf hat, aber dennoch das entscheidende Element sein wollte.

Warum nicht einmal den Zweitbesten nehmen, wenn der schlicht menschlich besser zur Abteilung passt? Ach ja; Wettbewerb! Der Mitarbeiter soll ja in Konkurrenzsituation bleiben, damit er schneller in den Burn-Out kommt.

Schaut man sich dazu Assessmentcenter an und sieht, welche Pfeifen in Führungspositionen kommen, kann man langsam anfangen am Verstand der Personaler zweifeln.

Ich kann qualifizierten Kräften (und für die ist der Markt da) nur raten den Spieß umzudrehen.

Assessmentcenter? Ohne mich!
Das zweite Vorstellungsgespräch bringt noch keine Entscheidung? Danke, vergessen sie es!
Der potenzielle fachliche Vorgesetzte nimmt nicht teil, weil die Personalabteilung das nicht zulässt? Rufen sie mich an, wenn ein Fachmann mit am Tisch sitzt.

Kluge Personaler (auch die gibt es) sollten stets im Auge behalten, dass es gilt eine Position zu besetzen, um die herum es schon Mitarbeiter gibt. Fachliche Kompetenz ist als wichtig. Doch passen Persönlichkeit und Arbeitsmethodik? Passen Erwartungshaltung von Vorgesetztem und Bewerber?

Erst wenn hier das Optimum gefunden ist, liegt Effizienz vor.

Die ganzen anderen Foltermaßnahmen dienen nur zwei Zwecken:

Zum einen soll der Bewerber auf der Kippe gehalten werden, damit er sich mit geringeren Einkünften zufrieden gibt. Zum anderen muss die Personalabteilung ihren aufgeblähten Apparat rechtfertigen.

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mwroer 13.06.2013, 07:14
2. Warum ...

mussten nun 60 Bewerbungen und 7 Telefoninterviews hervorgehoben werden? Hat meine Generation auch geführt, 2 Bewerbungsgespräche waren damals auch schon völlig normal.

Gott bewahre mir kommt gerade ein schrecklicher Verdacht? Müssen die armen jungen Leute von heute vielleicht sogar noch einen Test über sich ergehen lassen wo sie mit 30 anderen in einem Zimmer sitzen und Aufgaben lösen?
Etwas nie dagewesenes breitet sich aus: Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Das Sommerloch ost da ...

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foobar 13.06.2013, 07:25
3. Es geht auch anders

Immer wenn ich von diesem Wahnsinn höre, wird mir schlecht. Ich hatte gegen Ende meines Studiums absolut keine Lust auf sowas und hätte es mir auch finanziell kaum erlauben können, erstmal monatelang durchs Land zu tingeln und dutzende Bewerbungsgespräche zu führen. Es ging aber auch anders und erstaunlich problemlos. Wie so oft erforderte die Lösung jedoch etwas Vitamin B: Ich lernte während des Studiums zufällig den Sohn des Geschäftsführers eines kleinen Unternehmens mit ca. 10 Mitarbeitern kennen, der die Personalsorgen seines Vaters kannte und auch meine Jobsorgen kannte. Er tat dann, was nahe lag und brachte uns zusammen. Ich fuhr noch während des Studiums zu einem unverbindlichen Gespräch, wir beschnupperten uns, ich erzählte was ich kann, der Chef erzählte was er braucht. Kurz darauf rief er mich an und fragte, wann ich anfangen könnte. Nach einem weiteren Gespräch, wo wir die Konditionen und das Gehalt festklopften, hatte ich den Job. An einem Freitag gab ich meine Abschlussarbeit ab, am darauf folgenden Montag fing ich an zu arbeiten. Natürlich habe ich nun nicht die Aufstiegschancen wie in einem Weltkonzern, aber ich kann mich entfalten und das Gehalt stimmt auch.

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rosiratlos 13.06.2013, 07:33
4. Sollte es in Zeiten von

angeblichen Mängeln an Fachkräften nicht viel einfacher sein, einen Job zu finden? Und wie verträgt sich das denn damit, dass viele Unternehmen stattdessen lieber mal für einige Tage mit Musik und Volkstanzgruppe in den Süden Europas fahren, um da junge Leute aus ihrem Umfeld abzuwerben?

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gulpix 13.06.2013, 07:34
5. Fachkräftemangel?

Ein 27-jähriger Wirtschaftsingenieur schreibt 60 Bewerbungen und braucht Monate um eine Anstellung zu finden. Wie paßt das zum allerorts prpagierten Fachkräftemangel?

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Hodiko100 13.06.2013, 07:36
6. Bewerbungen in den 60ern.

Zugegeben, ich habe nicht studiert, Bewerbungen musste ich trotzdem schreiben. In den sechziger Jahren bewarb ich mich als Industriekaufmann bei der GHH, damals ein Riesenkonzern.
Eingangstest: ca. 100 Mitbewerber mussten Dreisatzaufgaben lösen, ein Diktat überstehen sowie über ein vorgegebenes Thema schreiben. In diesem Fall: Arbeitserleichterung durch Büromaschinen.
Nachdem man diese Anforderungen bestanden hatte, kam es zu einem persönlichem Gespräch mit dem Personalchef (So hiess das damals noch).Nach ca. 10 Minuten war es beendet und ich hatte den Job.
Vielleicht stellte sich bei manchen heraus, dass sie in der Praxis nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllten. Um das zu korrigieren, gab es ja die Probezeit.
Es ging also auch ohne tagelange Gespräche, zig Terminen und ewigen Wartezeiten. Die Mitarbeiter waren bestimmt nicht schlechter als die heutige "Elite-Auslese".

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rbn 13.06.2013, 07:39
7. 1969 im Juli legte ich mein Examen als graduierter Ingenieur ab,

Zitat von sysop
Telefoninterview, Assessment-Center, Vorstellungsgespräch, Arbeitsprobe, zweites Vorstellungsgespräch - von der Bewerbung bis zur Einstellung vergehen oft Monate. Viele Unternehmen betreiben exzessive Bewerbungsverfahren, viele Bewerber verzweifeln daran.
Note 2.3. Am 1.10.1969 begann ich an meiner ersten Arbeitsstelle in Stuttgart mit einer 3 monatigen Probezeit. Wegen der Staus jeden Morgen und jeden Abend rief ich am 10.11.1969 bei einer Firma in München an und vereinbarte ein Bewerbungsgespräch für den Buss- und Bettag, der in Baden-Württemberg ein Feiertag ist.

Am 15.11.1969 fuhr ich zum Bewerbungsgespräch nach München, am 20.11.1969 erhielt ich meinen Arbeitsvertrag. Am 7.1.1970 trat ich meine neue Stelle an, an diesem Tag war eine Besprechung, in der 3 Hauptabteilungsleiter miteinander stritten, in welcher Abteilung ich arbeiten sollte.
Wo ist der Fortschritt zwischen 1969 und 2013. Vielleicht der, dass die damalige Generation einen Menschen auf den Mond brachte und dass heutzutage die "Entscheider" nicht auf den Mond sondern hinter den Mond gehören.

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gollygee01 13.06.2013, 07:43
8. Spiessroutenlauf für Musiker

Das klingt alles harmlos gegen den Spiessroutenlauf, dem sich Musiker unterwerfen müssen. In zahllosen Vorspielverfahren sollen die Orchestermusiker einen Konsens über Bewerber finden, schon vom Ansatz her eine Mission impossible. So kommt es häufig schon nach der ersten Vorspielrunde (von 3 an einem Tag vorgesehen) zum Abbruch, ohne Angabe von Gründen, ohne Feedbach, eine Zumutung für die häufig sehr gut qualifizierten Bewerber, eine unerträgliche Arroganz seitens der Etablierten, man fragt sich welche menschenverachtende Menschenbild dort eigentlich herrscht (oder will man sich unliebsame Konkuttenz von Halse halten ??) . Eine einzigartige Schweinerei auch, dass die Bewerber beim oft jahrelangen Wanderzirkus auf Ihren Unkosten (Fahrt und häufig auch Unterkunft) sitzen bleiben, weil die meisten Orchester die Übernahme ablehnen. Dabei könnte genau das die Bewerberauswahl beschleunigen, weil man schon aus Kostengründen gezwungen wäre einmal über Effizienz auch nur nachzudenken. Unglaublich auch die Bevorzugung intern schon bekannter Bewerber, die sich in der ersten anonymen Vorspielrunde (hinter Vorhang) per SMS melden können und ihre Nummer bekanntgeben, damit ausnahmesweise mal "zielgerichtet" im Orchester abgestimmt werden kann. Da können die einem oft weit angereisten Mitbewerber nur Leid tun, die um ihre Chancen im wahrsten Sinne betrogen werden. Eine Schweinerei auch Pseudobewerbungsverfahren, die nur dazu dienen Stellen offen zu halten, um sie nicht zu verlieren. Man sollte dringend über eine Reform dieses vielleicht mal aus Sicht der Orchestermitglieder als "besonders demokratisch" gedachten Verfahrens nachdenken. Hier emfehle ich dem Autor mal zu recherchieren und diesen Skandal in die Öffentlichkeit zu tragen.

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rbn 13.06.2013, 07:44
9. 1969 im Juli legte ich mein Examen als graduierter Ingenieur ab,

Zitat von sysop
Telefoninterview, Assessment-Center, Vorstellungsgespräch, Arbeitsprobe, zweites Vorstellungsgespräch - von der Bewerbung bis zur Einstellung vergehen oft Monate. Viele Unternehmen betreiben exzessive Bewerbungsverfahren, viele Bewerber verzweifeln daran.
Note 2.3. Am 1.10.1969 begann ich an meiner ersten Arbeitsstelle in Stuttgart mit einer 3 monatigen Probezeit. Wegen der Staus jeden Morgen und jeden Abend rief ich am 10.11.1969 bei einer Firma in München an und vereinbarte ein Bewerbungsgespräch für den Buss- und Bettag, der in Baden-Württemberg ein Feiertag ist.

Am 15.11.1969 fuhr ich zum Bewerbungsgespräch nach München, am 20.11.1969 erhielt ich meinen Arbeitsvertrag. Am 7.1.1970 trat ich meine neue Stelle an, an diesem Tag war eine Besprechung, in der 3 Hauptabteilungsleiter miteinander stritten, in welcher Abteilung ich arbeiten sollte.

Wo ist der Fortschritt zwischen 1969 und 2013. Vielleicht der, dass die damalige Generation einen Menschen auf den Mond brachte und dass heutzutage die "Entscheider" nicht auf den Mond sondern hinter den Mond gehören.

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