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Jupiter Jones über das Musikgeschäft: Rocken auch fürs Bankkonto
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Geld wie Heu, Autos, jede Menge Groupies: Im Musikbusiness winken Ruhm und ewiger Wohlstand? Ein Märchen - davon kann die Band Jupiter Jones ein Lied singen. Gitarrist Sascha Eigner erklärt, wovon er lebt. Und zürnt über die Attacken ahnungsloser Piraten aufs Urheberrecht.

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Shlabotnik 04.05.2012, 09:33
1. Studiospielplatz

Liebe JJs,

wie wär´s denn mal mit üben und vorbereiten, dann braucht ihr keine 40 Tage Studiomiete. Lasst Euch mal von Sessionprofis in L.A. erzählen, wie schnell dort ein Album eingespielt und postproduced wird. Seht es mal so herum: der Produktionsvorschuss, den Columbia euch gibt, macht Euch abhängig.

Ein weiterer bedenkenswerter Aspekt: lässt sich Musik nicht ohne Video verkaufen? Irgendwie traurig, oder? Der "Mittelklassewagen" könnte euch gehören, wenn es nicht Leute gäbe, die predigen, ohne Video ginge nichts (seltsamerweise genau die Leute, die am Video verdienen) und euch damit an der Nadel halten.

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dieblein 04.05.2012, 09:46
2. Wow

150.000 Kopien bei einem Verkaufspreis (Amazon) von 13,99 macht das einen Erlös von 2.1 Millionen Euro. Davon bekommen die Musiker also 150.000 Euro.

1.95 Millionen für die Mafia, das klingt doch nach einem sehr guten Deal. Selbst ausgebeutet zu werden und die Ausbeuter noch verteidigen.

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Moridin 04.05.2012, 09:54
3. Ahnungslosigkeit

Zitat von
Und niemand, der sich ein Album runtergeladen hat, geht zwei Wochen später in den Laden und kauft es sich.
Doch, ich bin so einer, der das macht - zugegebenermaßen aber meist innerhalb von höchsten 3 Tagen nach dem Runterladen und meist gehe ich auch nicht in einen Laden, sondern kaufe die digitale Version oder lasse es mir schicken.

Dass man sich sowas runterlädt, heißt nicht, dass man nicht bereit ist, dafür Geld auszugeben, sondern man möchte einfach nur vorher wissen, ob es sich wirklich lohnt, dafür Geld auszugeben.

Bei mir ist es klar so, dass ich mehr Geld für Medien ausgebe, seit durch "illegale" Angebote die Verfügbarkeit von Medien enorm zugenommen hat. Das größte Problem ist es nämlich, neue Sachen kennenzulernen, für die man dann Geld ausgeben will.

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user543 04.05.2012, 09:54
4. Berufe im Wandel der Zeit

Fabrikarbeiter wurden in weiten Teilen durch Automation ersetzt, technische Zeichner wurden durch CAD-Systeme ersetzt, Droschken und Pferdekutschen wurden durch das Automobil ersetzt - man sieht, dass der technische Fortschritt viele Berufe verändert hat oder gar aussterben ließ.
Nun ist der Musikerberuf an der Reihe. Moderne Digitaltechnik hat den Verkauf von physikalischen Tonträgern genauso überflüssig gemacht, wie CAD-Systeme das Anfertigen von Zeichnungen mit Papier, Bleistift und Tusche überflüssig gemacht hat.
Angst vor dieser Technik müssen nur die Unqualifizierten haben, die Inkompetenten, die sonst nichts können.
Ich kenne viele Musiker, die durch die Verbreitung von kurzen Konzertmitschnitten auf Videoplattformen im Internet erst prominent wurden und sich heute vor Anfragen nach Konzerten und Unterricht nicht mehr retten können.
Was ist die Kernkompetenz eines Musikers? Richtig, die ist es zu musizieren. Kernkompetenz eines Musikers ist das Vortragen und geschickte inszenieren seines Könnens vor einem Publikum. Seine zweite Kernkompetenz ist es, dieses Können in Form von Unterricht weiterzuvermitteln. Nur Musiker, die in ihren Kernkompetenzen inkompetent sind, müssen Angst vor der Digitaltechnik haben. Das Erleben eines Konzerts kann niemand digital kopieren, ebensowenig qualifizierten Unterricht bei einem Virtuosen.
Ein weiteres Feld, um Geld einzunehmen sind die digitalen Medien selbst. Man kann heute gutes Geld damit verdienen, indem man Audioloops für die wachsende Schar der Hobby-DJs anfertigt. Immer mehr Musikkonsumenten wollen ihre Musik aus Bausteinen selbst zusammenstellen.

Wenn Musiker in ihrem Job überleben wollen, müssen sie sich weiterbilden. Sie müssen da punkten, wo Amateure aufgrund ihrer Fähigkeiten oder im Beruf gebundener Zeit nicht mithalten können - oder wollen. Und es gibt einen riesigen Markt für gute, geclearte Sounds, Samples und Audioloops.

Einem Fabrikarbeiter, der durch eine Maschine ersetzt wurde sagte man: siehste, hättest Du früher mehr gelernt. Das selbe gilt heute für Musiker. Virtuosen und ausgesprochene Könner, die digitale Medien für sich zu nutzen wissen werden das Rennen machen. Nichtskönner werden in der Masse der Amateure und Möchtegerns untergehen und Musik höchstens als eine Art exclusives Hobby betreiben.

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oliver9997 04.05.2012, 10:24
5. Hallo dieblein

Schon mal was von Mehrwertsteuer und Handelsmarge etc. gehört? Für eine 13,99 CD gehen erstmal 2,23 an den Finanzminister. Bleiben 11,76. Davon bekommt der Handel 25%, macht 2,94, bleiben 8,82 für das Label. Davon bekommt die GEMA, der Künstler und das Presswerk jeweils rund 1 EUR, bleiben 5,82. bei 150k cd sind das knapp 900k€ für das Label. Davon werden jetzt Marketing, Produktion, Video bezahlt, zusammen einige 100k€. Und natürlich Marketing, Produktion, Video für die Bands, die es dann nicht schaffen. Unterm Strich bleiben hier ca. 200 k€ über. Davon muss das Label seine Kosten bestreiten - genau wie die Band auch.

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morrisfan 04.05.2012, 10:26
6.

Die GEMA hat die Band gerettet? Das Geld dürfte jetzt etwas reichlicher sprudeln, aber in den Anfangsjahren, wo ihr in den kleinen Clubs gespielt habt, da hat euch die GEMA so richtig abgezockt.

Ich bin selbst ehrenamtlich in solch einem Club tätig und betreue auch die ganzen GEMA-Abrechnungen. Im Schnitt kamen bei den Künstlern ungefähr 10% der von den Veranstaltern bezahlten Summe an.

Wir hatten schon Veranstaltungen mit 10 und weniger Gästen, das kommt einfach davon, wenn man nicht nur Kommerzmucke spielen, sondern den musikalischen Nachwuchs fördern will.

Von Musik kostenlos runterladen halte ich auch nicht viel, aber man sollte bei dem Gejammer vielleicht nicht vergessen, das ist ein Problem, was eher Lady Gaga betrifft, als die vielen jungen Bands.

Die goldene Zeit der CD ist einfach vorbei, egal was ihr macht. Mittlerweile bringt die Jugend ihr Geld nicht nur in die Plattenläden, sondern bezahlt Handys und Computerspiele damit.

Und das die teilweise unverschämten Summen, die im Musikbusiness verdient und verschwendet wurden vorbei sind, finde ich jetzt auch nicht so schlimm.

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fordp 04.05.2012, 10:29
7. dann sollte der gute sascha eigner...

Zitat von sysop
Geld wie Heu, Autos, jede Menge Groupies: Im Musikbusiness winken Ruhm und ewiger Wohlstand? Ein Märchen - davon kann die Band Jupiter Jones ein Lied singen. Gitarrist Sascha Eigner erklärt, wovon er lebt. Und zürnt über die Attacken ahnungsloser Piraten aufs Urheberrecht.
...vielleicht mal arbeiten gehen. dieses sehr verbreitete anspruchsdenken dieser "künstler" auf geld für ihr hobby ist einfach nur lächerlich.

kein mensch braucht so viel geld für eine veröffentlichung einer guten platte. das problem ist nur, das die eben nicht so gut sind und daher mit viel geld in den markt geprügelt werden müssen.
weg mit solchen jammerlappen.
weg mit dieser art von urheberrecht.

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fordp 04.05.2012, 10:31
8. hallo ollilein

Zitat von oliver9997
Schon mal was von Mehrwertsteuer und Handelsmarge etc. gehört? Für eine 13,99 CD gehen erstmal 2,23 an den Finanzminister. Bleiben 11,76. Davon bekommt der Handel 25%, macht 2,94, bleiben 8,82 für das Label. Davon bekommt die GEMA, der Künstler und das Presswerk jeweils rund 1 EUR, bleiben 5,82. bei 150k cd sind das knapp 900k€ für das Label. Davon werden jetzt Marketing, Produktion, Video bezahlt, zusammen einige 100k€. Und natürlich Marketing, Produktion, Video für die Bands, die es dann nicht schaffen. Unterm Strich bleiben hier ca. 200 k€ über. Davon muss das Label seine Kosten bestreiten - genau wie die Band auch.
gute musiker brauchen aber den ganzen quatsch nicht. das braucht man nur um schlechte musik besser aussehen zu lassen.

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freeride4ever 04.05.2012, 10:34
9.

Danke! Endlich mal jemand hier der rechnen kann!

Es ist doch einfach frech wie manche Leute in ihrer "geiz ist Geil" und "Alles ist für umsonst" Mentalität glauben, dass man für Arbeit kein Geld bekommen soll.

Ich möchte die Leute mal sehen, wenn ihr Chef zu ihnen sagt, dass sie jetzt 50% weniger Gehalt bekommen sollen...

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