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Juristenschwemme: Wohin nur mit all den Anwälten?

Mandanten knausern, Profite schrumpfen, die erfolgsverwöhnten Wirtschaftskanzleien rutschen in die Krise. Und weiter drängen Tausende Advokaten in den Markt. Jungen Juristen drohen schwere Zeiten mit Zwergenlöhnen statt Schampus in der glamourösen Law Firm.

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seikor 03.10.2013, 15:33
1. wirklich Mitleid?

Zitat von sysop
Angestellte Junganwälte müssen teils Minigehälter von 30.000 Euro brutto hinnehmen
Angesichts der Topverdiener mag das ja wenig sein. Aber andere akademische Berufsgruppen verdienen zu Berufsbeginn auch nicht wesentlich mehr.

Selbst gesehen in einer Familienstreitigkeit: Anwälte, denen man tausende von Euro als Honorar reinbuttert, die dann vor Gericht aber doch nur hilflos dastehen... Oder eine simple Scheidung ohne Konflikte? Und schon ist ein Monatsgehalt an Honorar weg. Arbeitsaufwand für den Anwalt: ein paar Emails hin- und her, etwas Postverkehr, ein Gerichtstermin... Natürlich mag es auch andere Fälle geben, in denen recherchiert wird und Zeit für Gespräche draufgeht. Aber einen guten Eindruck hatte ich bisher leider nicht vom Preis-/Leistungsverhältnis.

Was soll also dieses Gejammere? Wer nicht will, muss es ja nicht studieren.

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jesse01 03.10.2013, 15:41
2. Jammern auf hohem Niveau !

Na ja also 1,9 statt über 2 Mille pro Partner im Jahr kann man verkraften !! Aber stimmt schon, der Anwaltsmarkt ist total überlaufen. Das ist nicht so wie bei den Ärzten, die an hunderten Patienten pro Quartal verdienen. Statistisch benötigt man als Bundesbürger maximal 2 Mal im Jahr juristischen Rat. Das reicht halt nicht aus, um seine kleine Kanzlei über Wasser zu halten. Staatsdienst ist sehr beschränkt. pro Jahr vielleicht 3-4 Richterstellen pr Bundesland plus langer, langer Warteliste. Hohe Quali sprich im Schnitt über 9 Punkte, zumindest ein Vollbefriedigend je nach Bundesland. Die großen Law-Firms verlangen gleich Supermann mit 2 mal VB plus LLM plus Promotion. Das schafft nur der liebe Gott. Man kann nur vor dem Jurastudium warnen. Leider studieren das alle, da BWL ja Mathe enthält ! Da macht man dann halt Jura, weil nicht so festgelegt als Generalist ! Ganz großer Fehler !!!! Am Ende steht dann das 5 Punkte-Examen und die Zukunft ist futsch.

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mathildesch. 03.10.2013, 15:42
3. Schauen Sie mal ...

Schauen Sie mal in das Preußische Amtsblatt von 1816 und lesen Sie dort in etwa: "Die Bezirksregierung Braunschweig warnet vor der Aufnahme des Studiums der Jurisprudenz. Die Ämter können keine weiteren Referendariatsstellen schaffen, die Unterhaltung derselben Referendare ist nur bei entsprechender eigener Vorsorge möglich. ...."

Ich würde mich nicht wundern, wenn es entsprechende Anmerkungen bereits aus römischen Quellen gibt.

Gute Anwälte gibt es nie genug. Gute Anwälte sind nicht die karrierefixierten, die in Frankfurter Bürotürmen sitzen und vor lauter Angst beispielsweise nicht den Mund gegen die für Anwälte, Patentanwälte dramatische Bespitzelung ihrer Korrespondenz durch die N/USA aufmachen. Die mögen einmal gut gewesen sein - im Examen. Gute Anwälte sind Menschen mit gesundem Rechtsgefühl, wie jene, die nun die "Hamburger Erklärung" veröffentlicht haben. Gute Anwälte sind die, die den Beruf aus Interesse ergriffen haben und nicht nur, weil sie 'was Honoriges machen wollten und mit Mathe und Physik auf Kriegsfuss standen.

Gute Anwälte können wir nicht genug haben. Aber wie man nun in der Arztausbildung langsam feststellt: Gut ist nicht gleich zu setzen mit guten Examensnoten, sondern mit Einfühlungsvermögen in die Interessenslagen und scharfer Analyse.

DIESE Fehlentwicklung gilt es zu beklagen.

Wir haben zuviele "Scheinqualifizierte", die weder vom Leben noch von den Interessen der Menschen etwas verstehen, die sie bloß belehren, statt zu helfen.

Gute Anwälte kann man nie genug haben. Sie sind ein Bollwerk für die Freiheit gegenüber dem Staat und den Konzerninteressen.

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Lesender01 03.10.2013, 15:46
4. Wenn Sie Ihren Kindern ...

Zitat von sysop
Mandanten knausern, Profite schrumpfen, die erfolgsverwöhnten Wirtschaftskanzleien rutschen in die Krise. Und weiter drängen Tausende Advokaten in den Markt. Jungen Juristen drohen schwere Zeiten mit Zwergenlöhnen statt Schampus in der glamourösen Law Firm.
ein Vorbild sein wollen, dann lösen Sie Probleme im persönlichen Gespräch, beim Bier, oder ignorieren Sie bestimmte Sachverhalte. Was soll diese Spinnerei mit diesen Anwälten? Wie viele Bürger haben sich jahrelang vor Gericht gesehen, um dann doch nichts erreicht zu haben? Oft gehts um das liebe Geld. Später zur Therapie.

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sonntagskind87 03.10.2013, 15:53
5.

Zitat von seikor
Angesichts der Topverdiener mag das ja wenig sein. Aber andere akademische Berufsgruppen verdienen zu Berufsbeginn auch nicht wesentlich mehr. Selbst gesehen in einer Familienstreitigkeit: Anwälte, denen man tausende von Euro als Honorar reinbuttert, die dann vor Gericht aber doch nur hilflos dastehen... Oder eine simple Scheidung ohne Konflikte? Und schon ist ein Monatsgehalt an Honorar weg.
Da kann ich nur lauthals lachen. Neulich den Arbeitsvertrag einer Küchenhilfe in einer Kantine gesehen, kein Schulabschluß, keine Berufsausbildung -- 30.000 € im Jahr oder 2.5000 € brutto im Monat, also so viel wie ein Akademiker mit 2 Staatsexamen als Berufsanfänger --- angemessen?

In Familienrechtsstreitereien wie einer unkomplizierten Scheidung liegt das Anwaltshonorar ohne MWSt bei rund 1.300 € --- bei 5.000 € monatlichem Nettoeinkommen der Eheleute, bei 100.000 monatlichem Nettoeinkommen der Eheleute bekommt der Anwalt rund 5.500 € Honorar für die Scheidung, finden Sie das etwa zuviel? Dabei ist es unerheblich, ob er drei oder hundert Seiten schreibt, einen oder 15 Besprechungstermine mit dem Mandanten hat oder 1 oder 5 Gerichtstermine in dieser Angelegenheit.
Eine Hochzeit lassen sich die Menschen wesentlich mehr kosten ...

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david_2010 03.10.2013, 15:54
6. gut so

Wenn zwei sich streiten freut sich der Anwalt - gut, wenn diese Zeiten vorbei sind !

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icethoem 03.10.2013, 16:58
7.

Der Artikel spricht eine wichtige Überlegung für junge Juristen an- inhouse Jurist werden. Damit wird man zwar nicht reich, 70.000 Euro sind im Unternehmen aber allemal drin.

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sirius08/15 03.10.2013, 17:01
8. Die will ich sehen!

Zitat von sonntagskind87
Da kann ich nur lauthals lachen. Neulich den Arbeitsvertrag einer Küchenhilfe in einer Kantine gesehen, kein Schulabschluß, keine Berufsausbildung -- 30.000 € im Jahr oder 2.5000 € brutto im Monat, also so viel wie ein Akademiker mit 2 Staatsexamen als Berufsanfänger --- angemessen?
Was für eine Kantine war das denn?

Ich habe als gelernter Hauswirtschafter (mit Schulabschluß) schon in sehr vielen Kantinen gearbeitet. Eine Küchenhilfe bekommt meistens zwischen 6,50-9,50 Euro die Stunde. Zumindest in Norddeutschland. Damit beträgt der Bruttolohn 700-1200 Euro im Monat also 8000-14000 Euro (mit evtl. Zusatzleistungen wenn man Glück hat) im Jahr. Die von Ihnen angeblich benannte Summe verdient hier noch nicht mal der Cheffkoch.
Wenn Sie mir die Kantine nennen würde ich mich sofort dort bewerben.

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wiedumirsoichdir 03.10.2013, 17:02
9. Studium auf alle Fälle,

etwas Anderes kommt nicht in Frage! Da hat man das Abi geschafft, manchmal mehr schlecht als recht, und was macht man dann damit? Jura-Studium, ist gerade noch möglich! Eltern trimmen ihre Kinder mit Nachhilfeunterricht, um ja das
Gymnasium zu schaffen, anstatt das Kind seinen Neigungen entsprechend den Schulabschluss beenden zu lassen. Ein Handwerksberuf ist unter der Würde, diese Kategorie schreit aber nach guten Kräften. Dass man nach einer Lehre viele Aufstiegsmöglichkeiten hat, wird gar nicht erst in Betracht gezogen. Die vielen Studis-Abgänger sind die Arbeitslosen in Zukunft.

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