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JVA-Mitarbeiterin: "Der Frühdienst beginnt mit der Lebendkontrolle"
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Sie schaut nach, ob Gefangene Drogen oder Waffen versteckt haben, ob sich jemand das Leben genommen hat und wie sich die Menschen in Haft entwickeln: Eine JVA-Mitarbeiterin berichtet von ihrem Alltag.

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velbart 24.04.2019, 16:41
1. Mehr

Schönfärberei geht nun wirklich nicht. Ich unterrichte in einem Halboffenen Vollzug nebenbei. Was dort i.d.R. los ist, hat mit dem hier Geschilderten Alltag nichts zu tun. Viellicht gehen Sie selbst einmal nach Tegel oder Moabit und schauen sich die Realität an. Glauben Sie mir, ein Tag und nie wieder schreiben Sie eine derartigen Artikel; außer im Auftrag.

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quidquidagis1 24.04.2019, 17:02
2. So so..

..der Beamte beurteilt,wie sich ein Häftling entwickelt.Haben die Herrschaften eine psychologische Ausbildung?

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Der_schmale_Grat 24.04.2019, 17:26
3. Ambivalent

Einerseits kann ich dem ersten Kommentator teilweise recht geben, doch gleichzeitig handelt es sich hier um eine noch frische Dienstperson, die einige Basics gut widergegeben hat. Aber das interne Bild, was ich von einem harten und großen "Knast" im Südwesten habe, geht wohl eher auch in Richtung Tegel. Es gibt viel Gewalt und zuweilen auch Willkür in dem Gefängnis. Resozialisierung, die ja eigentlich einen wichtigen Stellenwert einnehmen sollte laut Gesetzgeber, kann ich nur in Ansätzen sehen. Das ganze Konzept Gefängnis leuchtet mir bei den meisten Gefangenen nicht ein, viele brauchen etwas anderes. Es müssten echte Reformen her, doch kann ich im Süden Deutschlands keinen Willen erkennen. Falls sich jemand genötigt sieht, mir Kuschelknastmentalität vorhalten zu wollen, möchte ich proaktiv entgegenhalten: Erstens, aktuell würde ich keinem Menschen auch nur einen kurzen Aufenthalt dort wünschen, es gibt schönere Orte, doch was ich sehe ist, dass es immer restriktiver wird. Militärgefängnisse aus den USA sind Vorbilder von Regierungsbeamten hierzulande, dies wurde mir nicht nur einmal zugesteckt; völlig falscher Weg. Zweitens, und hier wird es meines Erachtens spannend, sind mittlerweile auch sehr viele Justizvollzugsbeamte und Menschen vom Revier (Krankenstation) so ausgebrannt, dass viele Stellen unbesetzt bleiben, hoher Krankenstand, viele Frührenten, schlechte Qualifikation der Beamten usw. die Folgen sind. Es wird wahrscheinlich immer so weiter gehen, weil man sich als Politiker nur die Karriere versauen kann, wenn man sich auf dem Gebiet für bessere Bedingungen einsetzt. Wer mich hier beeindruckt hat, war Obama, der kurz vor seinem Ausscheiden noch ein Gefägnis besucht hat und er wohl sinngemäß sagte, dass der Grat schmal gewesen sei in seinem Leben und er auch dort hätte enden können. Doch wenn mittlerweile viele Beamte nur noch kaputt sind, dann läuft wirklich etwas ganz schief und könnte irgendwann doch zu einem Umdenken führen.

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blsthko 24.04.2019, 18:37
4. Selbst in ehrlicher Resozialisierung gewesen

Ich bin selbst in einer Haftanstalt gewesen, in der man Erstinhaftierte zusammen verwaltet hat. Das ist bei mir jetzt ca. 20 Jahre her. Seit fast gleicher Zeit arbeite ich als Informatiker. Ohne diese Chance wäre ich mit Sicherheit in irgendeinem Drogensumpf untergegangen.

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rheinlandtürke 24.04.2019, 19:20
5. Regionale Unteschiede

In NRW haben im geschlossenen Vollzug etwa 15 % der Inhaftierten Arbeit.
Laut einer Studie der Uni Münster haben ca. 80% der JVA Beamten und der Inhaftierten nach 2 Jahren Dienst/Haft einen psychischen Schaden.

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Senf-o-Mat 24.04.2019, 19:23
6. Wie denn sonst?

Zitat von quidquidagis1
..der Beamte beurteilt,wie sich ein Häftling entwickelt.Haben die Herrschaften eine psychologische Ausbildung?
Die haben sie meist vermutlich nicht. Aber wie denn sonst? Soll sich der Psychologe (m/w/d...) tage- oder wochenlang daneben setzen? Selbstverständlich werden auch die Leute gefragt, die den- oder diejenige täglich zu Gesicht bekommen. Das ist vielleicht nicht perfekt, aber wie sonst (machbar & bezahlbar)? Macht aber eigentlich auch tatsächlich Sinn (wie ich finde).

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moritz27 24.04.2019, 19:59
7. Aus irgendeinem Grund

fiel mir beim Lesen dieses Aufsatzes (Thema: Meine ersten Tage am neuen Arbeitsplatz) der Begriff "putzig" ein.

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Senf-o-Mat 24.04.2019, 21:32
8. Mörder, Räuber und Drogendealer

"Mörder, Räuber und Drogendealer" - ist ja praktisch das Selbe... oder vielleicht doch nicht? Oder so absolut ganz und gar nicht? Wenn ich so drüber nachdenke, eigentlich kein Bisschen? Hm...

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pepie 25.04.2019, 00:41
9.

Also meine Realität im Vollzug sieht anders aus!
Viele Inhaftierte haben Psychische und Gesundheitliche Probleme, Personen die aus Krisengebiete kommen bringen ihr Trauma mit. Im Schmelztiegel des Vollzuges treffen alle möglichen Typen von überall her aufeinander. Konflikte bestimmter Bevölkerungsgruppen miteinander verschwinden nicht einfach sondern treten offen zutage.
Für 25 bis 40 Inhaftierte ist ein Vollzugsbeamter im Dienst. Wenn dann auch nur das notwendigste geschafft ist, dann ist das schon viel. Es fehlt an Personal an allen Ecken und enden. Arbeiten im Schichtdienst an Wochenende und Feiertagen mit jeder Menge Überstunden, dazu die Physische und Psychische Überbeanspruchung der Vollzugsbeamten . Die Bezahlung ist unterirdisch, es erfolgt keine Anerkennung der Leistung. Wenn ich lese, Vorsicht der Täter ist gefährlich, nicht ansprechen oder anfassen, dann frage ich mich wirklich was die Leute denken. Wird der wenn er durch das Tor einer JVA fährt dann plötzlich ein anderer Mensch? Wohl kaum! Es gibt hinter der Mauer Menschen die sich um diese Typen kümmern und die Vollzugsbeamten haben Respekt und Anerkennung verdient aber beides wird Ihnen versagt. Vollzug findet für die Öffentlichkeit nur dann statt wenn im Strafvollzug mal was passiert, einer Flüchtet oder ähnliches. Wo aber bleibt das Interesse in der anderen Zeit? Genau es existiert nicht. Den es ist ja nur der Strafvollzug.

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