Forum: Karriere
Karriere als Unternehmensberater: Aufwärts immer, abwärts nimmer
Helene Endres

Junge Unternehmensberater erwartet ein Leben mit bester Bezahlung und reichlich Bonusmeilen. Ihre Karriere kennt nur eine Richtung: hinauf. Wer das Tempo nicht mithält, muss gehen.

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paulrevere 17.03.2015, 12:14
1. erfahrung

diese ganzen zunft mit ihren hochglanztabellen und charts, welche im akkord rausgeballert werden, sind die tinte nicht wert (hast du keine "areas for improvement" schaffen wir dir halt welche). teilweise sitzen ihnen junge "professionals" gegenüber, die noch vor kurzem an muttis brust gesaugt, pickel im gesicht und noch nie eine firma deren mechanismen von innen gesehen haben. diese "godfathers of economy" erzählen ihnen dann aber meistens auch nur das, was sie selber auch schon wusste, nur mit einem unterschied: der unternehmer / vorstand hat mit der nutzung des consulting aktivität gezeigt und kann sich kurzfristig gewünschten handlungsspielraum schaffen, der vielleicht vorher in diesem umfang nicht gegeben wäre. das in der zwischenzeit millionen an EUR aus dem fenster geblasen werden und am ende nur auf synergien und nicht werthaltiges wachstum gesetzt wird, übersehen die meisten unternehmer. ich kann nur jedem raten die finger von McK, BC ... etc. zu lassen.

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skoodge 17.03.2015, 12:17
2. Schon lustig und vielsagend,

dass eine Branche von Bullsh*tern die umsatzstärkste in ganz Deutschland ist..

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Martellus83 17.03.2015, 12:32
3. Hamsterrad

Ich habe selbst etwa 4 Jahre in der Beratungsbranche in einer kleinen Fachberatung gearbeitet. Das hieß bei relativ guter Entlohnung 4 bis 5 Tage in der Woche unterwegs sein und eine 60-Stunden-Woche absolvieren. Überstunden werden selbstverständlich nicht bezahlt und durch einen Bonus am Jahresende honoriert (der dann so schmal ausfällt, dass man umgerechnet nicht einmal auf den gesetzlichen Mindestlohn pro Überstunde käme).
Irgendwann habe ich für mich entschieden, dass ich aus diesem Hamsterrad ausbrechen muss und habe die Entscheidung noch keine Sekunde bereut. Heute arbeite ich in einem geregelten Arbeitsumfeld für weniger Geld, habe dafür aber mein Leben zurück!

Im Übrigen hatte ich bei meinem Job häufig das Gefühl etwas vollkommen sinnloses zu tun. Oft steht das Ergebnis der Beratung bereits zu Beginn des Auftrags fest. Die Leitungsebene ist sich der Probleme durchaus bewusst. Man braucht einfach einen externen Dritten, der diese Probleme klar benennt und dem man die Verantwortung in die Schuhe schieben kann. Leitungskräfte, die Rückgrat haben brauchen keine Berater, durch die sie sich Legitimation erkaufen, sondern fällen ihre eigenen Entscheidungen und verantworten diese dann auch. Nur meine bescheidene Meinung zum Thema...

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iconoclasm 17.03.2015, 12:46
4.

In welcher Branche dürfen denn Leute weiterarbeiten die "nicht mithalten"?

Ach ja, im Journalismus.

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Business Ethics 17.03.2015, 12:59
5.

"Bei den großen Firmen erklimmt am Ende etwa jeder zehnte Consultant die höchste Karrierestufe, die des Partners. Oder umgekehrt: Neun von zehn Einsteigern kommen nie dort an."

Zwei Dinge werden dabei übersehen bzw. sind der Allgemeinheit überhaupt nicht bekannt:

1. innerhalb dieser "höchsten" Stufe der Partner gibt es derart viele Hierarchiestufen, dass die etwa fünf Stufen darunter praktisch vernachlässigbar sind. Diese werden aber nicht nach außen transportiert, auch nicht innerhalb der Beratung

2. Gemäß einer internen, mehr oder weniger gut unter Verschluss gehaltenen Untersuchung der Beratung, für die ich einmal tätig war, rekrutieren sich die Partner zu 99% aus "homegrowns", d.h. aus dem Pool derjenigen, die sich direkt nach dem Studium dort einer Gehirnwäsche unterzogen haben und nach einer gewissen Zeit für Kritik nicht einmal mehr ansatzweise empfänglich sind. Für "experienced hires" ist die Partnerschaft nicht vorgesehen, der potentielle Störfaktor ist zu groß.

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bluenote 17.03.2015, 13:01
6. Jetzt mal halblang

Jaja, Berater sind ein Hassthema und alle Nicht-Berater ziehen gerne über sie her (sicherlich auch aus Neid, wie gegenüber allen Eliten). Auch ich war mehr als 3 Jahre in einer der Topberatungen. Alles was im Artikel steht stimmt, aber er lässt zwei wichtige Details aus: 1. Up or Out wird nicht als drohendes Damoklesschwert wahrgenommen. In meiner Zeit wurde nur ganz wenigen Leuten gekündigt. Die "Kündigungsangst" ist sogar geringer als in den Unternehmen, wo ich danach war, wo man der Vorgesetztenwillkür ausgesetzt ist.
Die Leute gehen allermeist freiwillig, wenn sie die Zeit reif dafür finden. Auch für mich war es nach 3 Jahren dann einfach genug und dann bin ich halt gegangen. 2. Die Leute kommen ja alle freiwillig zu diesen Firmen, wollen ja sogar um jeden Preis dort arbeiten, die wissen alle, was sie erwartet. Und: Ich habe nie wieder mit einer Gruppe von so guten Leuten arbeiten dürfen wie dort. Das macht wahnsinnig Spass, wenn man Freude an dieser Art Arbeit hat. Das Klima ist dementsprechend auch extrem fördernd, nicht nur fordernd. Ich habe nie wieder in so kurzer Zeit so viel gelernt und beruflich so intensiv und konzentriert gearbeitet wie in den 3 Jahren Beratung. Jedem, der sich des Preises bewusst ist, kann ich diese Erfahrung nur allerwärmstens empfehlen!

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eigene_meinung 17.03.2015, 13:02
7. -

Wenn ein Vorstand eine unsinnige Maßnahme durchsetzen will, engagiert er eine Unternehmensberatung mit dem Auftrag, diese unsinnige Maßnahme zu begründen. Gerne werden Unternehmensberater verwendet, um Massenentlassungen (sorry, ich meine natürlich "Restrukturierungen") vorzubereiten.

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mm2112 17.03.2015, 13:03
8. So manche der Prinzipien...

...wären im öffentlichen Dienst auch ganz gut aufgehoben.
Da wird schließlich niemand entlassen - allenfalls umgebettet.

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Common Sense! 17.03.2015, 13:32
9. Die meistüberschätzte, überbezahlteste Branche der Welt

Ich vermisse bei diesem Artikel etwas grundsätzliche Kritik an der Beraterbranche. Man könnte hier z.B. den Eindruck gewinnen, als ob das System tatsächlich dafür sorgt, dass nur die "Besten" nach oben kommen. Wahrscheinlich so wie bei den großen Banken (Vorsicht Ironie!). Es handelt sich aber nicht um einen 100 m Lauf mit Zeitmessung. Wo permanent subjektiv geurteilt wird, wäre es umgekehrt geradezu ein Wunder, wenn tatsächlich die Besten nach oben kommen würde. Außerdem könnte man auch mal andeuten, dass es nicht wenige Stimmen gibt, die längst glauben, dass die Beraterbranche keine Probleme löst, sondern selbst ein wesentliches Teil des Problems in unserer schönen "Sozialen Marktwirtschaft" darstellt.

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