Forum: Karriere
Karriere im hohen Alter: Wenn der Durchbruch erst mit 90 gelingt
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Seit über 50 Jahren ist sie bereits als Künstlerin aktiv. Doch Geta Bratescu musste 90 werden, bis sie international berühmt wurde. Und es gibt noch mehr Senioren-Künstler auf Erfolgskurs.

Europa! 16.12.2017, 09:39
1. Ruhm ist ein mühseliges Geschäft

Gerade bei vielen Schriftstellern lässt sich feststellen, dass "Ruhm" ein kumulativer Effekt ist. Jahrzehntelang gelten sie als "Nachwuchs", "Geheimtipp", "schwierig" etc. Erst um den 60. Geburtstag herum kommen dann die großen Preise oder ein Verlagswechsel und "plötzlich" hat das Land einen neuen großen Autor. Bei Fußballern und Rockstars geht alles viel schneller. Die haben ihren Höhepunkt oft schon überschritten, wenn jeder sie kennt.

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synonym_ 16.12.2017, 12:28
2. ...der unbekannte F.E. Walther?!

Franz Erhard Walther und später Erfolg? Soll das ein Witz sein? Der Teilnehmer der documenta 5 (1972) hat in der internationalen Kunstszene schon seit Ende der 60er-Jahre mitgemischt (MoMA-Ausstellung 1969), nahm an drei weiteren documenta-Ausstellungen teil und war ab 1971 (mit 32 Jahren) für lange Jahre einflussreicher Professor an der Hamburger Kunsthochschule. Der Ausstelllungstätigkeit tat das keinen Abbruch. Der Autor des Beitrags ist offenbar zu jung für die jüngere Kunstgeschichte. Recherche wäre da keine schlechte Idee gewesen...

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BrunoGlas 16.12.2017, 22:11
3. Kunst eine Wette in die Zukunft

Der Artikel beschreibt nichts anderes, als dass das Betreiben von Kunst eine Wette in die Zukunft ist. Manchen Künstlern gelingt erst im hohen Alter eine Fokussierung von Werk und persönlichem Ausdruck und Syntax, sodass das Werk für die interessierte Öffentlichkeit und Förderinstitutionen überhaupt erst lesbar wird. Mit anderen Worten, es gehört eine gewisse abgeklärte Klarheit im Kopfe dazu, um sich auf dem Markt durchsetzen zu können.

Kontraproduktiv ist aber, dass der Kunstmarkt alles dafür tut, um Künstler möglichst schon in jungen Jahren auf die Erfolgsspur zu bringen, oft als schnell zu verschleißendes Frischfleisch für hungrige Kunstkäufer als Geldanleger, aber auch für das viele gehortete Schwarzgeld, was sonst nirgendwo so scheinbar seriös ausgegeben werden könnte, ist tatsächlich so, kein Witz!

Es gibt also viele Künstler, die einfach nur das Pech haben, nicht trendy zu sein, es partout auch nicht sein wollen. Die müssen lange warten, oft ein Leben lang, ein hartes Geschäft mit vielen Unwägbarkeiten. Haben sie dann sehr spät Erfolg, sind sie oft körperlich nicht mehr in der Lage, den Erfolg zu genießen. Die drei hier abgebildeten Künstler haben ihren Erfolg also eher einem gewissen Konservatismus in ihrer Kunst zu verdanken, letztlich sprengen sie nicht den Erwartungshorizont, was der gemeine Museumsmann und das Bildungsbürgertum unter Kunst versteht, das ist in ihrem Falle für den späten Erfolg mit ausschlaggebend.

Der Rest der eher erfolglosen Künstler hat zwar vielleicht ein schönes Leben gehabt, aber irgendwann geraten sie in die Mühlen des Sozialstaats, werden gehänselt, verspottet, getreten, gedengelt, nach dem Motto, selber Schuld. Eigentlich sollte der Autor mal über diese Klientel berichten, über den Sinn Kunst zu machen, auch wenn der Erfolg weit und breit nicht zu sehen ist. Letztlich geht es um die Frage, inwieweit ist die Gesellschaft bereit, eine kulturelle Produktion mit zu tragen, die völlig zweckfrei ist und zunächst auch keinerlei ökonomischen Aspekte erfüllt.

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Spiegleinaderwand 17.12.2017, 08:48
4. Besser spät als nie

Ein großartiges Beispiel, dass man auch im Alter noch gesehen werden kann und Präsenz zeigen kann. Solche Artikel sollte es öfters geben um unser Altersbild auch mal in die positive Richtung zu lenken

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vitalik 17.12.2017, 10:03
5.

Zitat von BrunoGlas
Der Artikel beschreibt nichts anderes, als dass das Betreiben von Kunst eine Wette in die Zukunft ist. Manchen Künstlern gelingt erst im hohen Alter eine Fokussierung von Werk und persönlichem Ausdruck und Syntax, sodass das Werk für die interessierte Öffentlichkeit und Förderinstitutionen überhaupt erst lesbar wird. Mit anderen Worten, es gehört eine gewisse abgeklärte Klarheit im Kopfe dazu, um sich auf dem Markt durchsetzen zu können. Kontraproduktiv ist aber, dass der Kunstmarkt alles dafür tut, um Künstler möglichst schon in jungen Jahren auf die Erfolgsspur zu bringen, oft als schnell zu verschleißendes Frischfleisch für hungrige Kunstkäufer als Geldanleger, aber auch für das viele gehortete Schwarzgeld, was sonst nirgendwo so scheinbar seriös ausgegeben werden könnte, ist tatsächlich so, kein Witz! Es gibt also viele Künstler, die einfach nur das Pech haben, nicht trendy zu sein, es partout auch nicht sein wollen. Die müssen lange warten, oft ein Leben lang, ein hartes Geschäft mit vielen Unwägbarkeiten. Haben sie dann sehr spät Erfolg, sind sie oft körperlich nicht mehr in der Lage, den Erfolg zu genießen. Die drei hier abgebildeten Künstler haben ihren Erfolg also eher einem gewissen Konservatismus in ihrer Kunst zu verdanken, letztlich sprengen sie nicht den Erwartungshorizont, was der gemeine Museumsmann und das Bildungsbürgertum unter Kunst versteht, das ist in ihrem Falle für den späten Erfolg mit ausschlaggebend. Der Rest der eher erfolglosen Künstler hat zwar vielleicht ein schönes Leben gehabt, aber irgendwann geraten sie in die Mühlen des Sozialstaats, werden gehänselt, verspottet, getreten, gedengelt, nach dem Motto, selber Schuld. Eigentlich sollte der Autor mal über diese Klientel berichten, über den Sinn Kunst zu machen, auch wenn der Erfolg weit und breit nicht zu sehen ist. Letztlich geht es um die Frage, inwieweit ist die Gesellschaft bereit, eine kulturelle Produktion mit zu tragen, die völlig zweckfrei ist und zunächst auch keinerlei ökonomischen Aspekte erfüllt.
Ich finde, dass die Künstler in den jungen Jahren sich eher auf die Kunst fokussieren. Aber zum Erfolg braucht es vor allem PR. Die Künstler in dem hohen Alter kommen irgendwann zu dieser Erkenntnis und haben, dank der über Jahre gesammelten Kontakte, eine gute Möglichkeit ins Rampenlicht zu kommen.
Es gibt auch genügend Beispiele mit jungen Künstlern, die plötzlich auftauchen und als der Nächste ? (was auch immer) betitelt werden. Wenn man genauer hinsieht, dann sieht man dabei immer, dass im Hintergrund eine PR Maschine läuft.

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werner_hoffmann 17.12.2017, 14:08
6. Einfach klasse!

Aktiv bleiben - geistig und körperlich- Das ist die beste Demenzvordorge.
#Karriere ab #Rente Immer wieder gibt es Menschen, die erst in der Rente Karriere machen.
Warum auch nicht? Denn auch ab der Rente sollte man sich Aufgaben suchen, die das Leben erfüllen.
Ob dies im sozialen, künstlerischen oder dem in der vergangen erlernten Beruf ist, spielt dabei keine Rolle.
Gerade Ältere haben im Beruf eine umfangreiche Erfahrung, die auch ab der Rente noch wichtig ist.
Ob es sich im einen Feuerwehrmann, Polizisten, Altenpfleger oder Sachbearbeiter handelt. Die Erfahrung kann oft auch ab der Rente genutzt werden (z.B. beim Feuerwehrmitarbeiter beim vorbeugenden Brandschutz, beim Polizisten in der Prävention von Einbruch-Diebstahl).
Auch wenn heute das Wissen im Internet fast immer abrufbar ist, die Erfahrung ist sehr wichtig).
Das Reisen und Ausspannen alleine kann es auch nicht immer sein. Das Gehirntraining und auch die Aufgaben sind sinnvoll, damit Demenz nicht eintritt.

Der nachfolgende Artikel aus dem Spiegel Online soll hier Mut machen.
Wenn der Durchbruch erst mit 90 gelingt
Seit über 50 Jahren ist sie bereits als Künstlerin aktiv. Doch Geta Bratescu musste 90 werden, bis sie international berühmt wurde. Und es gibt noch mehr Senioren-Künstler auf Erfolgskurs.
Quelle: SPIEGEL Online

http://blog.forum-55plus.de/index.php/2017/12/17/karriere-erst-in-rente-und-hohem-alter/

www.forum-55plus.de

Werner Hoffmann
1.Vorsitzender d. gemeinnützigen Vereins für die 4 Generationen 55-9lus

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helisara 17.12.2017, 20:49
7. Besser spät als nie

Immerhin erlebt diese Künstler noch zu Lebzeiten ihren Ruhm. Der arme Vincent Van Gogh hat nicht erleben können, daß er heute als einer der größten Maler aller Zeiten gilt.

Dafür werden manche, zu Lebzeiten vom Feuilleton hochgelobte Künstler nach ihrem Tod schnell vergessen. Für einen Maler, Bildhauer, Komponisten oder Schriftsteller ist es natürlich leichter zu Nachruhm zu kommen. Konzeptkünstler müssen sich ihren Ruhm zu Lebzeiten erarbeiten, wenn sie nicht völlig in Vergessenheit geraten wollen.

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BrunoGlas 17.12.2017, 22:46
8. Lieber Herr Hoffmann ....

Ihr Einsatz für ihren Verein, auch ihre vielen Links zu ähnlichen Themenblogs in Ehren. Das Thema Kunstkarriere im Alter lässt sich aber nicht so einfach in einem geriatrischen Kontext verwursten, oder als Link in Postillen für besseres Leben oder für Karriere im Alter.

Eine Kunstkarriere im hohen Alter als Ergebnis eines lebenslangen Überlebenstrainings ist schon eine andere Kategorie als dass es sich als gekonnte PR (vitalik) erklären ließe, oder als Ergebnis geistiger Fitness, oder gesundheitsbewussten Lebenshaltung, oder was auch immer. Viele der Künstler leben oft auch zu exzessiv, rauchen wie ein Schlot, saufen, kümmern sich nicht um ihre Rente, leben mental oft am Scheideweg zu sozialen Sicherungssystemen.

Letztlich beschreibt der Artikel auch nicht, inwieweit die Künstler tatsächlich aus eigener Kraft ihre Karriere betrieben haben, oder inwieweit die typische Archivierungswut des Kunstmarktes der geistigen Erfahrungswelt dieser älteren Künstler entgegengekommen ist.

Tatsächlich ist es aber so, dass viele Galeristen händeringend nach solchen Urgesteinen der Kunstszene suchen, um letztlich das große Geld zu machen. Der eigentliche Karrieresprung von Künstlern im Alter wird nur gemacht, weil es einen gewissen Hunger nach authentischen Biografien als ökonomische Unikate gibt, dabei ist noch nicht mal die objektive Qualität der Werke ausschlaggebend. Die wird zum Schluss "schöngeredet", der Markt bezahlt alle diese Kataloge aus der Portokasse.

Bestes Beispiel in Deutschland ist die von der Autorin völlig übersehene Künstlerin Mary Bauermeister aus Köln-Rösrath: https://roesrath-wird-zur-galerie.de/kuenstler/forsbach/atelier-mary-bauermeister/ Diese ist mittlerweile schon fünfundachtzig Jahre alt und hat eine ellenlange Vita angesammelt, die schon mehr als beachtlich ist: Ex-Ehefrau des weltbekannten Komponisten Karl-Heinz-Stockhausen, Mitiniatorin des Fluxus, Ex-Ehefrau von dem und dem, Mutter des Komponisten Markus Stockhausen, und noch viel mehr.

Tatsächlich hat die Frau Kräfte wie ein Bär und hat ihr Wohnatelier und alles Drumherhum selbst gebaut. Trotzdem lief sie jahrzehntelang nur unter "ferner liefen", als Ex des bekannten Komponisten. Der Zeitgeist ihrer Kunst war bereits vergangene Kunstgeschichte, trotz frühen Erfolgen in Museen in USA. Der eigentliche Erfolg über die Region Köln hinaus begann aber erst zum Zeitpunkt, wo jetzt der Berliner Galerist Ralf-Otto Hänsel die Zügel in die Hand nahm. http://www.401contemporary.com/home.php?place=berlin und das Werk komplett neu orchestrierte und mit den Objekten weltweit auf den Messen auftauchte. Seitdem rast der Markt regelrecht auf die Künstlerin zu, die Preise schnellen in wahnsinnigem Tempo hoch.

Der Grund, warum also manche Kunstkarrieren erst im Alter gelingen, hat eher mit dem Spruch zu tun: "Ordnung ist das, was man vom Chaos her kennt". Es braucht also immer jemanden, der dieses Chaos lesen kann und zugleich über viel Geld verfügt. Zugleich werden viele Künstler erst im Alter in iher Persönlichkeit klar, bei manchen ist es aber bereits zu spät.

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