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Karriere: Lohnt sich das Studium noch?
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Nie gab es in Deutschland mehr Studenten als heute. Viele zweifeln deshalb, ob der Abschluss von der Uni tatsächlich noch ein Garant für einen sicheren Job und ein gutes Einkommen ist.

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MisterD 19.11.2017, 17:46
1. Sie gehen falsch an diese Sache heran...

ich kann jedem, der dazu in der Lage ist, nur dringendst(!) zum Studium raten.

Denn ein Studium wird in einer sich immer schneller ändernden Welt nicht mehr ein Garant für einen sicheren Job und ein gutes Einkommen sein... ein Studium wird in der Zukunft nötig sein, um überhaupt noch einen Job zu finden bzw. überhaupt noch ein Einkommen oberhalb des Exstenzminimums zu erzielen...

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trackingerror 19.11.2017, 17:50
2.

Diese Frage hängt von vielen Faktoren ab. Diese Frage lässt sich aber dennoch kaum beantworten, weil man das Paralleluniversum nur abschätzen kann. Dennoch konnte man anhand eine Antwort approximieren, indem man sich die qualitativen (z.B. soziale Veränderung) und quantitativen Opportunitätskosten (z.B. Gehalt bei Ausbildung, Übernahme und langfristigem Verbleib bei einer Firma) anschaut. In meinem
Fall hat sich das Studium nach meiner Einschätzung nicht gelohnt.

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cherrypicker 19.11.2017, 17:59
3. Das berühmte Märchen vom Fachkräftemangel!

Die Zahl der gesamtwirtschaftlich geleisteten Arbeitsstunden ist seit 20 Jahren gleich, die Zahl der Erwerbsbevölkerung aber in den vergangenen acht Jahren um gut 10% gestiegen. Wenn die gleiche Arbeit auf immer mehr Köpfe verteilt wird, erweist sich der vielbeschworene Fachkräftemangel irgendwann als Ammenmärchen der lohndrückenden Arbeitgeberbank. Tatsächlich werde einfache Tätigkeit gar nicht nachbesetzt und Verwaltungstätigkeiten, für die früher eine Ausbildung reichte, wie im Artikel beschrieben mit Studierten nachbesetzt. Die Frage ist also gar nicht, ob man künftig mit einem Studium einen besseren Job bekommt. Irgendwann wird man ohne Studium gar keinen Job mehr bekommen. Pflegekräfte sind im Übrigen ein verdammt schlechtes Beispiel für ein Berufsleben abseits der Akademisierung, denn in fast allen EU-Staaten ist für diesen Berufszweig ein Studium erforderlich. Nur in Deutschland hat das die Ärzte-Lobby bisher erfolgreich verhindert. Deswegen werden Pflegekräfte bei uns mies bezahlt. Und deswegen fehlen sie. Nur so wird ein Schuh draus.

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Theya 19.11.2017, 18:05
4. Mit einem Uni-Abschluss zur sicheren Stelle?

Leider nicht, wenn Sie vorhaben, selbst an einer Uni beschäftigt zu sein und das Wissen, dass sie erworben haben, an die nächsten Generationen weiterzugeben. Neben den wenigen Wissenschaftlern, die es mit Fleiß, Können und natürlich auch einer guten Portion Glück zur Professur schaffen, bleiben nur ganz wenige akademische Festanstellungen in Universitäten übrig. Die breite Masse an wissenschaftlichem Personal wird mit stets neuen befristeten Anstellungsverträgen abgespeist. Skandal? Im Gegenteil: gewollt. Denn so ist es im Wissenschaftszeitvertragsgesetz festgeschrieben, einer Norm, die speziell für wissenschaftliches Personal an Universitäten ein anderes Arbeitsrecht vorgibt -- nämlich eins, das in vielen Fällen die Universitätsangestellte gegenüber anderen Angestellten benachteiligt. Zwar wurde vor kurzem das WissZeitVG auf Druck der Betroffenen geändert, dass zumindest Staffetten von Dreimonatsverträgen in vielen Fällen nicht mehr zulässig sind, die grundsätzliche Beschränkung, Uni-Angestellte nur maximal sechs Jahre vor und noch einmal sechs Jahre nach der Promotion aus eigenen Mitteln befristet anstellen zu können, blieb jedoch unangetastet. Natürlich könnten die Mitarbeiter nach Ablauf der sechs Jahre auch gerne unbefristet angestellt werden. Dies ist aber in der Tag so gut wie nie der Fall. Was bleibt ist die Hoffnung auf immer neue Drittmittelfördermöglichkeiten, oder halt die Aufgabe der wissenschaftlichen Karriere. Wer sein Leben also gerne auch nur ein wenig planbar halten möchte, dem sei von einer Karriere als wissenschaftlicher Uni-Mitarbeiter abgeraten.

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lathea 19.11.2017, 18:10
5. Wenn es nicht gerade eine.....

.....Karriere in Wissenschaft und Forschung bzw. höherem Management sein soll, sondern eher etwas Bodenständiges, dann haben auf dem Arbeitsmarkt Bachelor-Absolventen in dualen Studiengängen die sichersten Jobs. Sie können nach Bachelor-Abschluss noch einen Master oder ein Voll- bzw. Diplomstudium absolvieren und parallel oder zeitweise beim alten Arbeitgeber weiter arbeiten mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit auf weiteren Aufstieg bei diesem bzw. der Konkurrenz - wenn sie nicht gerade goldene Löffel klauen oder mit vielen Krankmeldungen und schlechter Leistung aufwarten. Denn duale Studiengänge bieten die praktische Erfahrung, die Arbeitgeber gerne bei einem Studienabsolventen hätten. Das gilt für sehr viele Berufe.

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Profdoc1 19.11.2017, 18:14
6. Es fehlt noch etwas in der Story....

Der Bericht ist zwar recht interessant, ich kann der Aussage von #1 nur zustimmen, aber die Geschichte ist nicht vollständig erzählt. Sie beginnt im Grunde (kurz) vor dem Studium. Viele potentielle Studierende sind derzeit de facto nicht studierfähig, wenn sie zur Hochschule kommen. Das hat vielschichtige Gründe, aber zwei möchte ich herausheben, weil sie immer auffallen:
a) Die Studiernden sind einfach nicht reif! Zuzüglich sorgen Heli-Eltern dafür, dass das auch so schnell nichts wird. Diese Studierenden sind, weil sie nie selbständig waren, kaum zur Lösung eigener Aufgaben, Probleme und Entscheidungen fähig. Hierzu könnte ich Stories erzählen....
b) Studierende, oftmals, aber nicht nur von (Berufs)Kollegschulen, mit fachbezogenem Abitur; manche werden ohne jegliche Fachkompetenz "durchgewinkt", immer mit schlechten Noten, aber am Ende des Tages können sie sich einschreiben. Diese Studierenden sind chancenlos und werden anschließend einfach wieder vom System (irgendwann) aussortiert. Hier ist es besser, wenn diese jungen Menschen, die bestimmt tolle andere Fähigkeiten haben, sofort in diese Richtung gingen, ohne erst nach den 2, 3 Semester das erste Frustrationserlebnis zu haben. Viele derartiger Studierender findet man in den typ. Ingenieurwissenschaften.

Na ja, und jetzt bin ich etwas gehässig, wer denn garnicht weiß, was sie oder er studieren soll (mal an eine Ausbildung gedacht?) studiert dann eben BWL.

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keine-#-ahnung 19.11.2017, 18:22
7. "1984 waren von den Männern mit Uni- oder FH-Abschluss ...

... 30 Prozent überqualifiziert für ihren Job, 2010 waren es immerhin fast 34 Prozent. Unter den Frauen schoss der Anteil sogar von etwa 23 Prozent auf 33 Prozent, was aber auch daran liegt, dass heute mehr Frauen erwerbstätig sind als früher."
Will heissen, ein Drittel der Absolventen (!) dieser Einrichtungen wird so nicht auf dem Arbeitsmarkt gebraucht. Für einen Facharbeiterberuf sind solche Leute auch nur bedingt bis gar nicht geeignet, weil schlicht vor allem praktische Fähigkeiten dafür fehlen.
Wenn ich jetzt einen jungen Arzt, der unmittelbar vom Studium kommt, und eine x-beliebige Person, die ich gerade aus der Bushaltestelle gezogen habe, als MFA arbeiten lassen wollte, wären für mich im Arbeitsergebnis zumindest in den ersten Monaten im Wesentlichen zwischen beiden nicht oder kaum zu erwarten, wenn die Person aus dem Wartehäusschen nicht zufällig gerade MFA ist :-). Es würde schlicht keine Ergebnisse geben ...
Nicht anders ist es beim Hochschul-Informatiker vs. FiSi etc.pp. Von sog. Geisteswissenschaftlern mal ganz abgesehen.
Lohnt sich also der Gang an die Hochschule? Für die übergrosse Anzahl der Abiturienten ganz sicher, wenn sie sich vorher zumindest etwas kundig machen, was der Arbeitsmarkt gerne haben will. Und das halt nicht nur im Augenblick, sondern auch in Hinsicht auf längere Zyklen.
Wer aber nur auf eine Hochschule geht, um "zu studieren" und "Wissenschaft zu machen", kann sich mit dieser Entscheidung sein ganzes Leben verbauen. Das Studium war, ist und bleibt der Grundstock des Berufslebens - Hoppsassa und Trallalla kann man zwar mittlerweile auch studieren, das wird perspektivisch aber nur in den seltensten Fällen die Erwerbsbiographie sichern.
Der andere Aspekt der Geschichte - wir verschwenden an den Hochschulen Unmengen an Geldern und Ressourcen für die Ausbildung von vielen Menschen, die absehbar nie ihre berufliche Karriere auf diesem Studium gründen werden. Diese Ressourcen fehlen dann aber wieder an anderer Stelle ... und die "Studenten um des Studierens willen" fehlen der Wirtschaft in den Ausbildungsstellen.

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_gimli_ 19.11.2017, 18:22
8.

Zitat von MisterD
ich kann jedem, der dazu in der Lage ist, nur dringendst(!) zum Studium raten. Denn ein Studium wird in einer sich immer schneller ändernden Welt nicht mehr ein Garant für einen sicheren Job und ein gutes Einkommen sein... ein Studium wird in der Zukunft nötig sein, um überhaupt noch einen Job zu finden bzw. überhaupt noch ein Einkommen oberhalb des Exstenzminimums zu erzielen...
Dann vergleichen Sie mal das Gehalt eines Mechatronikers mit dem eines Germanisten.

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womo88 19.11.2017, 18:23
9. Studienabschluss garantiert gar nichts

Und so einen Bachelor-Abschluss kann man ganz vergessen. Ein Bekannter von mir ist Dipl.-Kaufmann und hat 22 Jahre lang 3 Autohäuser geleitet, hatte Prokura. Die Autohäuser wurden verkauft, er entsorgt und ist seit über 2 Jahren arbeitslos. Mit Anfang 50 ist der Zug sowieso abgefahren. Einem anderen Bekannten erging es schon 2004 ebenso als Dipl.-Ing. für Maschinenbau. Firma übernommen, Management ausgetauscht. Meine Frau ist Agraringenieurin, hat allerdings wie viele andere Akademiker die letzten 20 Jahre bei einem großen Mobilfunkanbieter und einem großen weltweit agierenden amerikanischen Unternehmen im IT-Bereich gearbeitet. Die gesamte Abteilung wurde entsorgt, alles Akademiker aus verschiedensten Bereich, ob nun BWL, oder Dr. der Mathematik ... Entsorgt! Eine Bekannte von mir ist Kunsthistorikerin. Brotlose Kunst ... ist mir bekannt. Wenn sie Glück hat, kommt sie auf 1000 € im Monat durch Museumsführungen.
Studium garantiert weder einen Arbeitsplatz noch ein gutes Einkommen. Das war einmal; ist aber schon lange her. Was am meisten hindert, ist das Alter. Ältere Mitarbeiter sind teurer, Jüngere preiswerter. Und jeder ist austauschbar.

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