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Karriere: Lohnt sich das Studium noch?
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Nie gab es in Deutschland mehr Studenten als heute. Viele zweifeln deshalb, ob der Abschluss von der Uni tatsächlich noch ein Garant für einen sicheren Job und ein gutes Einkommen ist.

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Ökonomikon 22.11.2017, 09:27
150. Die "Jobangebote" bei der Arbeitsagentur sind oft Potemkinsche Dörfer

Über die Arbeitsagentur werden massenhaft Stellen ausgeschrieben. Wie schon öfter berichtet wurde, kann dort jeder unbegrenzt Stellen ausschreiben, wobei in der Regel keine Identitäts- und Ernsthaftigkeitsprüfung stattfindet. Daher sind "Jobbörsen" meist auch für Datensammler, Betrüger und "Marketing" betreibende Unternehmen etc. attraktiv. Was wirklich hinter den "offenen Stellen" steckt, merken die Bewerber (auch die Akademiker) dann sehr schnell. Auf Bewerbungen gibt es entweder gar keine Antwort oder nur Standardabsagen von Automailern. Die heute obligatorischen Online-Bewerbungen werden teilweise schon binnen Sekunden mit einer Absage bedacht, in denen dann auch noch behauptet wird, dass die Bewerbung "sorgfältig geprüft und intensiv diskutiert" wurde. Selbst Fragen zu "Stellenangeboten" werden häufig mit einer Absage beantwortet, in der für noch gar nicht eingereichte Bewerbungsunterlagen gedankt wird. Dieselben Stellen sind dann oft auch noch nach vielen Monaten oder sogar Jahren ausgeschrieben, wobei oft nur das Ausschreibedatum sporadisch aktualisiert wird. Im Internet findet man dann Erfahrungsberichte von Bewerbern, die sich schon vor Monaten oder Jahren um Stellen bewarben, aber nie eine Antwort oder nur die übliche Standardabsage erhielten, während dieselben Stellen noch heute ausgeschrieben sind. Und diese "Stellenangebote" werden dann als Beweis für einen "Fachkräftemangel" verkauft, während qualifizierte Akademiker selbst nach hunderten Bewerbungen keinen Job bekommen.

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Ökonomikon 22.11.2017, 09:40
151. Die "guten" Arbeitsmarktzahlen für Akademiker verdecken vieles

Wenn Akademiker und vor allem junge Absolventen eine qualifikationsgerechte Beschäftigung finden, so handelt es sich oft um Praktika, Volontariate, Traineeships, Zeitarbeit oder niedrig entlohnte Kettenbefristungen. Viele Akademiker müssen fachfremd und/oder deutlich unter ihrer Qualifikation arbeiten. Wer sich direkt nach dem Abschluss arbeitslos melden muss oder nach längerer Berufstätigkeit länger als 1 Jahr arbeitslos ist, landet in "Hartz-IV". Dann müssen auch Akademiker jeden noch so unqualifizierten Job zu jedem noch so geringen Lohn annehmen, wobei natürlich auch der ins Call-Center vermittelte Betriebswirt nicht mehr als arbeitslos gilt. Gleiches gilt für Akademiker, die zusammen mit unqualifizierten Arbeitslosen in "Maßnahmen" wie Bewerbungskursen usw. landen. Dass die Arbeitslosigkeit unter den Akademikern auf dem Papier niedrig ist, verwundert nicht, weil sich viele nicht arbeitslos melden. Eine qualifikationsgerechte Jobvermittlung kann von den Arbeitsagenturen und Jobcentern ohnehin nicht erwartet werden, sodass sich nur jene Akademiker arbeitslos melden, die unbedingt auf Sozialleistungen angewiesen sind. Wer über Erspartes oder einen gut verdienenden Partner verfügt, verliert ohnehin meist jeden Anspruch auf soziale Leistungen wie das ALG-II, sodass die Arbeitslosmeldung unterbleibt. Hinzu kommen Sonderregelungen für junge Arbeitslose unter 25 Jahren, die seit 2006 in den Haushalt der Eltern zurückziehen und von diesen unterhalten werden müssen, sodass sie meist alle Ansprüche auf ALG-II verlieren und sich nicht arbeitslos melden. Dies trifft auch viele Hochschulabsolventen, die nach dem erfolgreichen Abschluss wieder bei den Eltern einziehen müssen. Und nicht zuletzt werden Personen, die längere Zeit arbeitslos oder deutlich unter ihrer Qualifikation beschäftigt waren, in der Arbeitslosenstatistik nicht mehr als Akademiker oder als hochqualifiziert geführt, weil mit der Zeit eine Entwertung der Qualifikation unterstellt wird. Selbst in den MINT-Berufen ist die Arbeitslosigkeit in der Vergangenheit massiv gestiegen. Nicht umsonst arbeiten heute auch schon mehr als 100.000 Ingenieure für Leiharbeitsfirmen.

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Plasmabruzzler 22.11.2017, 09:51
152.

Zitat von hexenbesen.65
Obwohl gerade die "gewachsenen" Meister mehr auf dem Kasten haben, als ein Jüngling frisch von der Uni.
Ich bin selbst Handwerksmeister und habe dann Maschinenbau erfolgreich studiert. Die Aufgaben eines Meisters haben so gut wie nichts mit denen eines Ingenieurs zu tun. Vergleichbarer sind eher Tätigkeiten eines geprüften Konstrukteurs (vulgo "Techniker") und eines Ingenieurs.

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Alexander N. Sommerberg 22.11.2017, 11:19
153. ? Zukünftig konkurrieren wir mit intelligenten Maschinen/Robotern!

Mich wundert ein wenig, dass der Artikel sich ausschließlich darauf bezieht, dass "die Schwemme" von Akademikern zu einer Sinnfrage, ob oder ob nicht, führt.
Industrie 4.0, das IoT, Digitalisierung, Smart Data und Maschine learning werden epochale Auswirkungen ("Fallout") auf die Arbeit als solches, die generell zur Verfügung stehenden festen Arbeitsplätze und unser aller Leben haben.
Zukünftig werden wir mit effizient-intelligenten Maschinen/Robotern konkurrieren und uns Prozessen, die sich autonom optimieren, stetig anpassen müssen!
Insofern die großen Industriegesellschaften (Bsp. G20) hierfür keine EINDEUTIGEN ETHISCHEN GRUNDPRINZIPIEN formulieren und diese GESEZTZLICH VERANKERN (!), ist die Frage, ob studieren oder nicht, unser geringstes gesellschaftliches Problem.

In diesem Sinne
Ihr Alexander Sommerberg

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Plasmabruzzler 22.11.2017, 11:49
154.

Zitat von Alexander N. Sommerberg
Industrie 4.0, das IoT, Digitalisierung, Smart Data und Maschine learning werden epochale Auswirkungen ("Fallout") auf die Arbeit als solches, die generell zur Verfügung stehenden festen Arbeitsplätze und unser aller Leben haben.
Diese Beobachtung kann man konsequent seit der Industrialisierung machen. Die Begriffe sind heute allerdings andere. Deutschland hat, bislang erfolgreich, den Weg aus der Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft vollzogen. Ob man das gut finden muss? Wer weiß, das soll hier nicht Thema sein.
Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem dann, wenn sie die Zukunft betreffen. Ich denke nicht, dass wir bald ein Heer von Arbeitslosen haben. Ich sehe aber, dass gering bis gar nicht Qualifizierte es immer schwieriger auf dem Arbeitsmarkt haben werden.

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Alexander N. Sommerberg 22.11.2017, 12:15
155. Toller Beitrag von Herrn womo88 !

Zitat von womo88
Und so einen Bachelor-Abschluss kann man ganz vergessen. Ein Bekannter von mir ist Dipl.-Kaufmann und hat 22 Jahre lang ....
Sehr geehrter Herr womo88,
aus meiner Perspektive haben Sie einen ganz interessanten und wichtigen Aspekt der Thematik aufgezeigt!
Mit fortschreitender Digitalisierung wird sich dies für "Best Ager" immens zuspitzen, aber auch in ähnlicher Form die “Young Professionals" mehr und mehr betreffen.
Diese werden dann nicht in Konkurrenz zu ihren erfahrenen Kollegen stehen, sondern im Wettbewerb mit immer intelligenteren Maschinen und Robotern. Und was das in Betrachtung des Return-on-invest (keine Sozialabgaben, kein Urlaub, keine Arbeitsunfähigkeit, keine Diskussionen, effektivere Langlebigkeit...) für Auswirkungen haben wird, werden wir in nicht allzu ferner Zukunft erfahren.
Insofern keine ethischen und gesetzlich verankerten Grundprinzipien geschaffen werden, kann es sein, dass die Arbeit, die die Digitalisierung uns heute durch ihre Einführung beschert, „morgen“ durch ihre Funktion wieder wegnimmt.
Die Frage, die ich mir in diesem Zusammenhang nur stelle: "Handelt es sich hierbei um eine vorhersehbare Tragödie oder aber Farce?"

Beste Grüße
Ihr Alexander N. Sommerberg

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Alexander N. Sommerberg 22.11.2017, 12:17
156. Toller Beitrag von Herrn womo88 !

Sehr geehrter Herr womo88,
aus meiner Perspektive haben Sie einen ganz interessanten und wichtigen Aspekt der Thematik aufgezeigt!
Mit fortschreitender Digitalisierung wird sich dies für "Best Ager" immens zuspitzen, aber auch in ähnlicher Form die “Young Professionals" mehr und mehr betreffen.
Diese werden dann nicht in Konkurrenz zu ihren erfahrenen Kollegen stehen, sondern im Wettbewerb mit immer intelligenteren Maschinen und Robotern. Und was das in Betrachtung des Return-on-invest (keine Sozialabgaben, kein Urlaub, keine Arbeitsunfähigkeit, keine Diskussionen, effektivere Langlebigkeit...) für Auswirkungen haben wird, werden wir in nicht allzu ferner Zukunft erfahren.
Insofern keine ethischen und gesetzlich verankerten Grundprinzipien geschaffen werden, kann es sein, dass die Arbeit, die die Digitalisierung uns heute durch ihre Einführung beschert, „morgen“ durch ihre Funktion wieder wegnimmt.
Die Frage, die ich mir in diesem Zusammenhang nur stelle: "Handelt es sich hierbei um eine vorhersehbare Tragödie oder aber Farce?"

Beste Grüße
Ihr Alexander N. Sommerberg

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