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Karriere: Lohnt sich das Studium noch?
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Nie gab es in Deutschland mehr Studenten als heute. Viele zweifeln deshalb, ob der Abschluss von der Uni tatsächlich noch ein Garant für einen sicheren Job und ein gutes Einkommen ist.

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Profdoc1 19.11.2017, 19:20
30. Nö.

Zitat von cherrypicker
Die Zahl der gesamtwirtschaftlich geleisteten Arbeitsstunden ist seit 20 Jahren gleich, die Zahl der Erwerbsbevölkerung aber in den vergangenen acht Jahren um gut 10% gestiegen. Wenn die gleiche Arbeit auf immer mehr Köpfe verteilt wird, erweist sich der vielbeschworene Fachkräftemangel irgendwann als Ammenmärchen der lohndrückenden Arbeitgeberbank. Tatsächlich werde einfache Tätigkeit gar nicht nachbesetzt und Verwaltungstätigkeiten, für die früher eine Ausbildung reichte, wie im Artikel beschrieben mit Studierten nachbesetzt. Die Frage ist also gar nicht, ob man künftig mit einem Studium einen besseren Job bekommt. Irgendwann wird man ohne Studium gar keinen Job mehr bekommen. Pflegekräfte sind im Übrigen ein verdammt schlechtes Beispiel für ein Berufsleben abseits der Akademisierung, denn in fast allen EU-Staaten ist für diesen Berufszweig ein Studium erforderlich. Nur in Deutschland hat das die Ärzte-Lobby bisher erfolgreich verhindert. Deswegen werden Pflegekräfte bei uns mies bezahlt. Und deswegen fehlen sie. Nur so wird ein Schuh draus.
Ihre Ausführungen zur Pflege stimmen so einfach nicht, vgl. u.a. hier: http://www.monitor-pflege.de/kurzfassungen/kurzfassungen-2017/mopf-01-17/konsequenzen-der-akademisierung-in-der-pflege

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donatellab 19.11.2017, 19:20
31. Das Niveau sinkt

Wer heute ein Abitur hat, ist einer unter vielen Absolventen. Wir stellen in Bewerbungsverfahren fest, dass das Bildungsniveau insgesamt gesunken ist.

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MisterD 19.11.2017, 19:30
32. Ich kann Ihnen sagen, wer das in Zukunft tun wird...

Zitat von Frida_Gold
Ich weiß nicht. Wie viele Juristen und BWLer brauchen wir - und wer wird die Dächer dieser Absolventen decken und ihre Heizungen warten, wenn alle nur noch studieren?
Polen, Rumänen, Ukrainer, Weißrussen...

Denn einen deutschen Handwerker können Sie schon heute kaum noch bezahlen, wenn Sie ihn nicht gerade Samstag gegen Bargeld für Sie arbeitet...

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spmc-125536125024537 19.11.2017, 19:32
33. Immer das Beispiel der Pflegekräfte für Fachkräftemangel

ist unfair weil eigentlich keine Alternative zum Studium. Wer aber allen Akademikern wirklich eine lange Nase zeigen wird sind die Handwerker. Auf Monnate hin ausgebucht, stets auf mehreren Baustellen gleichzeitig tätig, für Bagatellauftträge kaum noch zu bekommen. Sie sind die größten Profiteure der Akademikerschwemme und ich gönne es ihnen. Alles richtig gemacht.

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spmc-12355639674612 19.11.2017, 19:52
34. Das Niveau

Zitat von donatellab
Wer heute ein Abitur hat, ist einer unter vielen Absolventen. Wir stellen in Bewerbungsverfahren fest, dass das Bildungsniveau insgesamt gesunken ist.
Es kommt darauf an, was man unter "Bildung" versteht. Ich verstehe darunter auch, einen Überblick über wichtige Literatur der letzten 800 Jahre zu haben und sich einigermaßen in Geschichte auszukennen, obwohl ich von der Ausbildung her eigentlich Naturwissenschaftler bin. Das sind wahrscheinlich Dinge, die Sie im Bewerbungsverfahren nicht feststellen. Ich sehe aber nicht, dass die heutige Jugend wesentlich weniger weiß oder kann als die frühere. Allerdings haben sich die Schwerpunkte in den letzten 30 Jahren ganz gewaltig verschoben.

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cave68 19.11.2017, 19:57
35.

Zitat von MisterD
Polen, Rumänen, Ukrainer, Weißrussen... Denn einen deutschen Handwerker können Sie schon heute kaum noch bezahlen, wenn Sie ihn nicht gerade Samstag gegen Bargeld für Sie arbeitet...
vielleicht erklären sie mir dann warum die meisten Handwerksbetriebe ganz gut dastehen,wenn sie doch keiner bezahlen kann?
Das grössere Problem ist wohl eher dass die meisten Handwerksbetriebe keine Gesellen finden....und warum?Weil hier in DE zu viel gejammert wird dass man ja nichts verdient....ich persönlich kenne in meinem Umfeld kaum einen angestellten Handwerker,der am Hungertuch nagen muss.

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Kometenhafte_Knalltüte 19.11.2017, 20:00
36. Amerikanisierung des Abschlusses erfolgreich, deutsches Studium tot!

Ganz ehrlich, ich verstehe immer nicht, wie man heutzutage noch Studium mit "Intelligenz" und "Freigeist" verknüpfen kann, was wiederum in gerechtfertigtem höheren Gehalt münden soll? Diese Zeiten sind seit Bologna vorbei! Die Bedeutung der Begriffe hat sich schlichtweg verschoben!!!

Die Amerikanisierung des deutschen Bildungssystems ist erfolgreich. In den USA gab und gibt es sowas wie eine "deutsche BerufsAUSBILDUNG" nicht! Daher kann man dort nur mit Minimum Bachelor für Nicht-Aushilfsjobs vorstellig werden. Bachelor ist kein Studium, sondern eine Vorbildung für den Berufseinstieg (und zwar unten, nicht wie es der deutsche "Studierte" so gern hätte oben!)

Problem in Deutschland ist, das immer noch viel zu viele dem alten Gedanken hinterher hängen, das ein Studium heute die gleiche Bedeutung wie früher (vor Bologna) hat. Bestes Beispiel: Der Bachelor ist ein Abschluß. Das frühere Grundstudium war es nie! Nur behaupten heute plötzlich alle, sie haben ein Studium abgeschlossen, weil sie einen Bachelor haben. Früher hat jeder, der das Grundstudium geschafft hat und danach im Hauptstudium scheiterte eine Ausbildung angefangen. Beide haben studiert, nur das Selbstverständnis über die eigene Leistung ist eine Andere! Früher hat jemand, der ein abgeschlossenes Grundstudium hatte aber danach eine Ausbildung beendete wegen gescheitertem Hauptstudium nie als Erstes gesagt, "er hätte studiert", sondern er hat Ausbildung XY abgeschlossen. Beim heutigen Selbstverständnis kommt IMMER als Erstes "ICH habe studiert".

Sagt den Kindern doch endlich die Wahrheit. Der Bachelor ist die neue deutsche AUSBILDUNG. Der reine Ausbildungsberuf WIRD auch in Deutschland aussterben, weil er eben nicht international vergleichbar ist und man schlecht Rankings über ihn mit anderen internationalen Abschlüssen erzeugen kann. Eher werden die Ausbildungsberufe nicht mehr eine Berufsschule beinhalten, sondern dieser Theorieteil wird langfristig auf das Bachelorsystem verlagert und die Berufsschule wird aussterben.

Der Master geht in die Richtung eines Studiums. Ein Masterabsolvent kann sich mit früheren Diplomstudiengängern vergleichen. Und siehe da, mit Master ist es plötzlich auch am Arbeitsmarkt vergleichbar wie mit früheren Diplomern!

Also hört endlich auf Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Bachelor ist KEIN Studienabschluß vergleichbar mit einem früheren Studienabschluß! Nehmt den Master für solche Vergleiche her!

Früher wollten Banken Gymnasiasten als Auszubildende, heute wollen sie Gymnasiast oder Bachelor. Aber alles höhere muss ein Master sein!

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hj.binder@t-online.de 19.11.2017, 20:01
37. @MisterD

Kollege, alles sehr richtig - es ist noch was hinzuzufügen: Wir haben in DEU im Grunde zweierlei Abschlüsse, einmal die privatwirtschaftlichen "Berufsausbildungen" und die staatlichen Hochschulabschlüsse.
Das sind zwei Welten: Ein Schlosser, der 3 Jahre, z.B. wegen Auslandsaufenthalt nicht nachweislich in dem "Beruf" gearbeitet hat, wird von der Arbeitsagentur als Hilfsarbeiter angesehen und behandelt. Hat ein Gleichaltriger irgendeinen der inzwischen 18.000 möglichen BA abgesessen und fertiggebastelt, dann meinetwegen 3 Jahr nach Afrika gegangen wird er von der Agentur ganz anders behandelt. Er wird mit Hilfen überschüttet, mögliche Arbeitgeber, auf die sonst keine Sau kommen würde (ein kleines ev. Dekanat will einen größeren Missionskreis aufmachen und sucht einen Referenten) werden ausgegraben und kontaktiert und anschubfinanziert - schon allein deshalb hat sich der BA gelohnt.

Trotz allem Wildwuchs in der Hochschullandschaft: Die Kundschaft wird anders angesehen als der "Lehrling".
Ein wunderbares Beispiel sieht man immer mehr in BW: Lidl hat die Finger in der Dualen Hochschule BW. Mit viel Geld und viel Beziehungen zu Landrat, OB (alles tiefschwarz) ist es gelungen, die Aussenstelle Heilbronn als eigenen Standort zu etablieren - statt nach Feierabend die Filiale auskehren (Lehrling) pünktlich Feierabend und der Mensch wird mit Sie angesprochen (DHBW-Absolvent Heilbronn)

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jerkrussel 19.11.2017, 20:07
38. Zumindest aus meiner Perspektive...

... lohnt sich das Studium noch.
Meine studierten Kolleginnen machen exakt den gleichen Job wie ich. Zeitweise war ich Teamleiter mit abgebrochenem Studium und nur Alademikern im Team.
Am Ende liege ich jedoch 1-2 Gehaltsstufen unter den anderen und werde ohne Abschluss diesen Unterschied niemals überbrücken können. Ich arbeite unterm Dach des DGB.

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soniceagle 19.11.2017, 20:11
39. schwierige Zeiten

Studieren oder nicht ist die Frage. Ich denke, dass fast alle junge Leute mit Abitur/Fachabi oder abgeschlossener Berufsausbildung auch irgendein Studium schaffen können. Das ist einerseits beruhigend, andererseits erschreckend.
Hab jetzt im Oktober angefangen zu studieren, davor jahrelang Pflege als Altenpfleger mit Alten und Behinderten Menschen gemacht!
Was da teilweise an der Uni rumrennt, 19 bis 20 jährige Kids, noch nie gearbeitet aber Mama und papa zahlen den 1300 Euro Laptop sowie Miete und das Netflixabo! Wenn gegen 9 uhr ne Vorlesung ist, beschwert man sich noch darüber, dass sei viel zu früh!? Also in der Pflege hat mein Frühdienst immer um 6 bzw. 6.30 angefangen, was an 9 Uhr irgendwas "früh" sein soll, ich verstehs nicht!
Und ansonsten von Politik oder allgemeinen Gesellschaftlichen Fragen haben die kids auch keine Ahnung bzw. ne lächerliche Vorstellung. Zumal die nichtmal in der Lage sind dem Prof ne Stunde lang zuzuhören oder seine mails zu lesen aber immer blöde rumfragen wenn die Vorlesung vorbei ist. Aber hauptsache Netflix läuft! Ich hab im Altenheim Leute ohne Schulabschluss getroffen die vernünftiger gequatscht haben als diese kids. Wenn die sich nicht von der Persönlichkeit her innerhalb von 3 Jahren kolossal wandeln, blamieren die sich in jeder Firma wo sie arbeiten werden! Und werden rausgeworfen!
Aber gut, ich würde ohne Ausbildung auch keinen zum Studium zulassen, erstmal Ausbildung machen, egal ob Bankkaufmann oder Maurer und wenn man dann weitermachen will, dann studieren, aber bitte keine kids direkt aus der Schule zum Studium lassen, ausser sie sind hochbegabt, was aber nur etwa 2 Prozent sein dürfte.

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