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Karriere: Wie schaffe ich es, den viel jüngeren Chef zu akzeptieren?
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Ein Team arbeitet schon ewig zusammen, da kommt ein neuer Chef - und der ist viel jünger als alle anderen in der Firma. Das ist ungerecht, finden viele, die auch gern aufgestiegen wären. Ein Experte hilft.

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fatherted98 05.04.2019, 09:51
1. habe damit...

...absolut kein Problem. Der Chef sollte mehr können, mehr wissen und den Überblick haben und führen können....wenn er das kann ist Alter und Geschlecht egal....meist kann er es nicht...und zwar unabhängig von Alter und Geschlecht....das ist das eigentliche Problem.

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greenday 05.04.2019, 10:05
2. Drei Optionen

Es ist eigentlich immer so, dass man drei Handlungsoptionen besitzt: 1) "Take it" und akzeptieren Sie den neuen Chef so wie er ist. 2) "Change it", verändern Sie die Situation so wie im Artikel beschrieben. 3) "Leave it", verlassen Sie die Situation (Unternehmen, Abteilung etc.), wenn Sie es nicht mehr ertragen. Ausführliches und andauerndes Jammern und Tratschen ist keine Option und nur ein Zeichen von unprofessionellem Verhalten.

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neue_mitte 05.04.2019, 10:10
3.

Das Problem ist zunächst meist, das der neue Chef / die neue Chefin erstmal eine Marke hinterlassen wollen, um sich "Respekt" zu verschaffen. Allzuoft geht das aber nach hinten los. Denn Respekt muss man sich verdienen, den hat man als Chef nicht automatisch qua Titel. Viele vor allem neue Führungskräfte hingegen bauen von Anfang an auf ihren Titel und erwarten Respekt sowie Ansehen, völlig egal dessen, dass sie z.T. Jahrzehnte weniger Arbeitserfahrung haben.

Vor allem Führungskräfte, die eine Stelle nur als Durchlauferhitzer betrachten, sind besonders darauf bedacht, dass sie von Tag 1 an respektiert werden. Denn sie sind zu was höherem berufen, das müssen die Untergebenen nur noch einsehen. Und leider sind es meiner Erfahrung nach Frauen, die besonders hart in diese Kerbe hauen, meinen sie doch, sie müssten alles 150% tun, um als gleichwertig akzeptiert zu werden.

Ein erfolgreicher junger Chef hält sich im Hintergrund und greift das Wissen, die Erfahrung, das Gespür... der älteren Kollegen gewinnbringend für das Team (und auch für sich) ab. Wenn er zudem der Meinung ist, die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen zu haben, dann werden ihn die Kollegen von selbst respektieren.

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dasfred 05.04.2019, 10:16
4. Mit dem Neuen über den Alten sprechen?

So sinnvoll, wie der neuen Beziehung erzählen, was an der Ex besser war, oder warum sie genervt hat. Der neue Chef ist eine Persönlichkeit für sich. Wenn er gut ist, macht er sich erstmal ein Bild von seinen Mitarbeitern und bittet von sich aus um Vorschläge. Wenn er schlecht ist, übergeht er die Mitarbeiter, bringt nur ein was er von der Uni kennt und wird anschließend lernen, was man an der Uni nicht vermittelt. Nämlich, wie seine Untergebenen ihn bei erster Gelegenheit ins offene Messer laufen lassen. Gute Führung ist unabhängig vom Alter. Nicht aber von Aufmerksamkeit und Würdigung der Leistung seiner Mitarbeiter.

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neue_mitte 05.04.2019, 10:44
5.

Zitat von dasfred
So sinnvoll, wie der neuen Beziehung erzählen, was an der Ex besser war, oder warum sie genervt hat. Der neue Chef ist eine Persönlichkeit für sich. Wenn er gut ist, macht er sich erstmal ein Bild von seinen Mitarbeitern und bittet von sich aus um Vorschläge. Wenn er schlecht ist, übergeht er die Mitarbeiter, bringt nur ein was er von der Uni kennt und wird anschließend lernen, was man an der Uni nicht vermittelt. Nämlich, wie seine Untergebenen ihn bei erster Gelegenheit ins offene Messer laufen lassen. Gute Führung ist unabhängig vom Alter. Nicht aber von Aufmerksamkeit und Würdigung der Leistung seiner Mitarbeiter.
So sieht es aus. Der Chef muss sich immer vor Augen halten, dass er im weitesten Sinne nicht arbeitet, sondern voll und ganz von der Arbeit der Mitarbeiter abhängig ist. Er kann koordinieren, vermitteln, klären, entscheiden, beschwichtigen... aber in den meisten Fällen "richtig" arbeiten wird der Chef nicht. Und von jedem Detail, jedem benutzten Programm, jedem Auftrag... kennt er auch nur die Hälfte, wenn überhaupt. Das ist ja auch Okay, dafür gibt es ja auch die Mitarbeiter, denen der Chef den Rücken freihält, damit sie eben das tun, was sie am besten können.

Junge Chefs hingegen glauben, sie könnten ALLES alleine, wenn es sein muss. Diese jungen Chefs glauben auch zu wissen, wo noch Potential an Arbeitgeschwindigkeit, Arbeitsgüte usw. herauszuholen ist, denn sie könnten es ja besser und schneller. In den meisten Fällen führt das aber zum "ins offene Messer laufen lassen", wie Sie so schön schreiben.

Die Junior-Chefin unserer Firma (relativ frisch von der Uni, bereits eine Elternzeit genommen...) weiß, dass sie nichts weiß. Das ist sehr angenehm. Sie spricht mit jedem, sie schaut überall rein, lässt sich alles erklären und entscheidet dann schon mal direkt für sich, bis wie weit, wie detailliert sie es wissen möchte bzw. muss. Sie nimmt die alten Kollegen aber auch zurecht in Verantwortung. Ihr wisst, wie es geht. Also sagt mir, ob XY zu realisieren ist, wie lang es dauert, was für Probleme kommen könnten usw. Ihr habt die Erfahrung, ihr habt das Wissen (ihr habt ein Gehalt eurer Erfahrung entsprechend).

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hman2 05.04.2019, 11:14
6. Der wahre Grund für einen Chef frisch von der Uni ist ein ganz anderer

Sie sind schlicht billiger.

Zum einen sorgen die Tarifverträge dafür, dass ein Mitarbeiter mit hoher Alterstufe nach der Beförderung viel teurer ist als ein frisch eingestellter, der ja mit 0 Berufsjahren anfängt. Manchmal sind die Teammitglieder sogar ohne Beförderung teurer als ein Frischling-Chef.

Zum anderen kennen viele Studienabgänger ihren wahren Wert noch gar nicht, und sind daher auch frei verhandelt billig zu haben.

Und zu guter (schlechter) Letzt lassen sich viele Personalabteilungen mangels besseren Wissens von Titeln blenden. Da wird dann schon mal ein fachfremder (!) Diplomingingenieur dem schon im Team vorhandenen Mitarbeiter mit fehlendem Abschluss vorgezogen, obwohl der im richtigen Fach studiert hat und auch x Jahre Erfahrung in diesem Bereich hat. Einfach, weil ihm ein Papier fehlt.

Ich habe sogar schon mal erlebt, dass ein Diplom-Politologe einem studierten Elektrotechniker, dem nur die Abschlussprüfung fehlte, vorgezogen wurde. Seine Ausbildung brachte der Abteilung überhaupt nichts, aber laut Personabteilung "zeigt allein sein Abschluss, dass er zu höheren Tätigkeiten in der Lage ist", und das fehlte dem Kollegen.

Die Titelhörigkeit deutscher Personalabteilungen ist legendär. Schließlich ist es weniger Aufwand, das Vorhandensein eines Stücks Papier zu prüfen, als Berufserfahrung...

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grabenkaempfer 05.04.2019, 11:29
7.

Die Frage muss lauten: Warum werde ich nicht als geeignet angesehen diese Stelle zu besetzen? Wenn jemand einen Vorgesetzten als Jungspund bezeichnet, liegt die Antwort auf der Hand.

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großwolke 05.04.2019, 11:37
8. Schwieriger Fall

Wenn das Alter des neuen Chefs so ein kritischer Punkt ist, kann man vermutlich davon ausgehen, dass er abseits davon nicht viel mitbringt, was seine Stellung rechtfertigt. Wenn ein neuer Meister in eine Werkstatt kommt, wenn ein neuer Laborleiter ein altgedientes Team von Laboranten übernimmt, in solchen Fällen macht man sich vielleicht ein bisschen lustig über den "Frischling", aber im Grunde ist jedem klar, dass es ein Kompetenzgefälle gibt, und die neue Führungskraft sich für den Posten qualifiziert hat. Wo das nicht der Fall ist, wo die Entscheidung für eine unerfahrene Kraft nicht auf einem Ausbildungsvorsprung basiert, da erzeugt man mit so einer Entscheidung halt Unzufriedenheit.

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Hamberliner 05.04.2019, 11:48
9. Klarstellung

Im Artikel und in den Kommentaren erkennt man den nicht ausrottbaren Irrtum, ein Abteilungsleiter müsse fachlich mehr besser können als die Projektleiter, und deswegen sei der fachlich fähigste Projektleiter am besten geeignet, einen ausscheidenden Abteilungsleiter zu beerben. Das Gegenteil ist doch der Fall. Der Abteilungsleiter ist der Kollege, der sich um den fachlich anspruchslosen, nervigen, dringenden Kleinkram organisatorisch-kaufmännischer Art kümmert, damit die Genies, die Projektleiter, Entwickler und Wissenschaftler, konzentriert tüfteln, entwickeln, Probleme lösen und den Karren aus dem Dreck ziehen können ohne dauernd unterbrochen zu werden. Vom Projektleiter zum Abteilungsleiter zu werden bedeutet, fachlich entbehrlich zu sein. Das ist nichts, worauf man stolz sein kann.

Musiker wissen das auch kürzer zu formulieren: Was ist der Unterschied zwischen einem Orchester und einer Kuh? Bei einer Kuh befinden sich die Hörner vorn und das A.... hinten.

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