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Kinder-Notaufnahme: "Seid froh, wenn ihr warten dürft"
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Ein Junge hat eine Zecke, ein anderer schlürft Limonade. Daneben aufgebrachte Eltern, die nicht warten wollen. Woher sollen sie auch wissen, dass nebenan ein Kind stirbt? Eine Krankenschwester erzählt.

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AndreHa 29.07.2016, 10:17
40.

Es ist leider so, dass genau dieses verkehrte Anspruchsverhalten in der Gesellschaft vor allem von den Medien hervorgerufen wird. Man berichtet ja so gerne von Negativerfahrungen in Kliniken, garniert mit Krankenhauskeimen und bestechlichen Ärzten. Anonyme Beschwerdeportale und Veröffentlichungen über schlechte Behandlungen runden das Ganze ab. Die Patienten kommen dann mit diesem Hintergrund in die Klinik "na, da wollen wir doch mal sehen - aha, lange Wartezeiten, auch noch unfreundlich, gleich mal bei der Direktion beschweren"!

Ich weiß, wovon ich rede. In unserer NFA geht es nicht anders zu. Stoßzeit jeweils nach Feierabend. Mit Wehwehchen in die NFA, da muss man sich ja nicht anmelden, die haben rund um die Uhr geöffnet, dürfen niemanden abweisen und man "kommt gleich dran - und wehe, wenn nicht"!

Anspruchsgesellschaft olé.

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hughw 29.07.2016, 10:17
41. Sie sind nicht beim Arzt, sondern in der Notaufnahme

Zitat von Leser161
(...) Denn deshalb fahr ich ja zum Arzt, um eine Expertenmeinung zu hören, nicht um langwierige Untersuchungen zu erzwingen.
Sie sind da aber nicht "beim Arzt", Sie sind da in der Notaufnahme!
Eine Notaufnahme ist eine Aufnahme für Notfälle, ist eine Aufnahme für Notfälle, ist eine Aufnahme für Notfälle. Wenn Sie eine Expertenmeinung hören wollen sind Sie KEIN Notfall, gehen sie zu Ihrem Hausarzt, oder zu dem Doc den der Hausarzt empfiehlt. Ist das so schwer zu begreifen?

Ich danke den Leuten, die mich in der Notaufnahme dem Tod von der Schippe geholt haben, danke dass Ihr damals da wart.

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SasX 29.07.2016, 10:19
42.

Zitat von Frittenbude
Diese "Fachkraft mit Kennerblick" ist nun mal der Arzt/Ärztin. Und bis die Zeit für Sie haben, um die Diagnose "Kein Notfall" stellen zu können, müssen Sie nun mal warten. Was ist daran so schwer zu verstehen?
Warum fühlt sich dann eine Krankenschwester im Artikel befähigt, die Einteilung vorzunehmen?

Man kann sich nicht auf der einen Seite als Krankenschwester beschweren, dass viele keine Notfälle wären, auf der anderen Seite aber sagen, dies kann nur der Arzt entscheiden.

Wenn dies nur der Arzt kann, dann kann es die Vielzahl der Eltern sicher nicht. Dann ist denen auch kein Vorwurf zu machen.

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dajafung 29.07.2016, 10:31
43. @black mamba

Kann ich Ihnen Dutzende Beispiele nennen: die Mutter hat zum Beispiel keine Hebamme weil ihre Wohnung ein Saustall ist und sie keinen reinlassen wollen. Oder sie raucht und will Diskussionen vermeiden wie schädlich das für ihr Kind ist. Oder sie hat die billigste aller billigen Krankenversicherungen (privat) abgeschlossen um bisschen Geld zu sparen - und diese schließt eine Hebammenversorgung explizit aus. Eigentlich verlässt in Deutschland keine Mutter eine Entbindungsklinik ohne Karte mit Hebammenrufnummer. Es wäre so einfach - 20 Euro Gebühr wenn die Eltern ihr Kind gegen ärztlichen Rat nicht aufnehmen lassen, insbesondere wenn sie sich mit Rettungswagen Vorfahren lassen, z. B. Weil das Kind in den Dreck gefallen ist oder gebrochen hat und der Papa fährt mit BMW mit weißen Ledersitzen die sauber bleiben sollen hinterher. Wir haben eine kleine Klinik und vielleicht 10-20 Notfallambulanzen/Zugänge pro Schicht, nicht 65. Schlimm ist nicht die Zecke oder das Kind mit Blähungen. Schlimm sind die Eltern - ihre Blicke, ihre gepressten Worte und ihre unfassbare Arroganz. Dies schreit einem aus 2 dummen Beiträgen hier exemplarisch entgegen. Danke für den Beitrag der Krankenschwester - ihr seid Engel für alle Eltern und mich als Kinderarzt ebenso.

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gehtsnochbesser? 29.07.2016, 10:33
44. Ja, wir sind wieder nach Hause gegangen

Unser Sohn hatte (wie wir später erfahren haben) eine heftige Gehirnerschütterung und wir alle nach 4 Stunden Warten, die Hoffnung aufgegeben. Nein im Ernst, unser Sohn konnte nicht mehr sitzen und wollte nur noch nach Hause.

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reviloland 29.07.2016, 10:36
45. Mangelnde Kommunikation

Ein hervorragender Bericht, der in allen Notaufnahmen aushängen sollte. Aber wieso kann man den Leuten das eigentlich nicht sagen? Ich bin mir sicher, wenn man den Leuten erklärt, dass die Ärzte gerade um ein Leben kämpfen, verstehen sie das. Deshalb verstehe ich auch das "leider" im folgenden Satz nicht: "Die Ärztin wird unfreundlich und sagt leider, was ich denke: "Ihr Kind ist kein Notfall."" Es fehlt wohl ein bisschen an der Kommunikation.

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Bernd S 29.07.2016, 10:37
46. Pest oder Cholera?

Kinder werden offenbar grundsätzlich am Freitag Abend krank. Das mag "nur" ein Fieber sein mit zunächst unklaren Symptomen. Dann sieht man als Eltern ersteinmal drei schlaflose Nächte vor sich, bevor man Montag zum Kinderarzt gehen kann. Und das Risiko, dass es eben doch etwas "ernsteres" sein könnte und man zu spät mit einer Behandlung beginnt.

Zu meiner Kindheit gab es Kinderärzte, die auch am Wochenende Hausbesuche machen. Hausbesuche sind aber inzwischen irgendwie komplett gestrichen und am Wochenende schon gar nicht. Also, was macht man? Man geht in den Notdienst. Wartet dort drei Stunden, kriegt einen milden Rüffel, weil es kein Notfall war, aber kriegt ein fiebersenkendes Mittel mit dem das Kind (und deshalb auch man selber) drei Nächte schlafen kann. Drei Stunden warten für drei Nächte Schlaf sind ein guter Tausch.

Der Notdienst muss herhalten, weil der "Service" durch niedergelassene Ärzte einfach grottenschlecht ist.

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hackebeilchen 29.07.2016, 10:37
47. Ahhh verstehe.....

Zitat von Leser161
Ich denke nicht das die hier dargestellte Beruhigungstrategie nicht wirklich beruhigt. Ich war auch schon mit Nachwuchs im Krankenhaus (war halt Wochenende). Und was nervt ist die Ungewissheit und das Warten. Wenn eine Fachkraft mein Kind mit Kennerblick anschauen würde und sagen würde "Das ist kein Notfall, sie können warten, aber wahrscheinlich sollten Sie einfach nach Hause fahren" - dann wäre ich beruhigt. Denn deshalb fahr ich ja zum Arzt, um eine Expertenmeinung zu hören, nicht um langwierige Untersuchungen zu erzwingen.
Sie gehen mit einem Notfall (!) in die Notaufnahme (wir reden hier nicht von der Sorechstunde) und möchten eine schnelle Blickdiagnose vom Fachmann. Soll möglichst max. 5 Min dauern. Keine "langwierigen" Untersuchungen. Hmmmm.....und mal ehrlich....Sie fahren mit Ihrem Kind in die Notaufnahme um beruhigt zu werden ?? Ich dachte man fährt mit seinem Kind dorthin damit das Kind professionell versorgt wird. Und mir würde die Aussage "wahrscheinlich (!) sollten Sie einfach nach hause fahren ohne eine entsprechende Untersuchung dann doch nicht reichen. Fachkraft....Kennerblick....schnell...sofort...gle ich wieder nach hause...logisch. Zeitgeist.

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Furchensumpf 29.07.2016, 10:42
48.

Zitat von hughw
Wenn Sie eine Expertenmeinung hören wollen sind Sie KEIN Notfall, gehen sie zu Ihrem Hausarzt, oder zu dem Doc den der Hausarzt empfiehlt. Ist das so schwer zu begreifen?
Unser Kleiner hat vor ein paar Wochen Samstagabends plötzlich rote Pikel im Gesicht bekommen. Da in der Kita gerade Hand-Mund-Fuß und Scharlach umging, wir aber nicht wussten, ob es etwas von den beiden war, sind wir ins Krankenhaus und haben uns, gerade weil wir es nicht einschätzen konnten und die Konsequenzengravierend hätten sein können, eben eine "Expertenmeinung" geholt. Ähnlich ergeht es anderen Eltern, die nicht unterscheiden können ob die Bauchschmerzen nun eine gewöhnliche "Kolik" sind oder doch etwas vom Blinddarm, und einfach nur eine Sicherheit wollen. Ist das so schwer zu begreifen? Anscheinend wohl!

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dajafung 29.07.2016, 10:43
49. @Teilzeiterzieherin

So ein Schwachsinn. Keine Kindernotaufnahme kann Ihnen irgendwas ausstellen - auch kein Arzt dort. Sie müssen am nächsten Arbeitstag zum Kinderarzt oder niedergelassenen Hausarzt und sich krankschreiben lassen.
Und warum gibt es diese Regel? Weil
Nur ein Bruchteil der Kinder genau Mittwoch oder Freitagnachmittag krank wird - und trotzdem erleben wir es dass in der regulären MVZ Sprechstunde vormittags 10
Notfälle ( neben Impfungen, U- Untersuchungen, etc. Auftauchen) und nachmittags wenn MVZ zu ist dieselbe Zahl nach 2-3 Stunden schon übertroffen wurde. Komischerweise können diese "Notfälle" warten bis Bruder aus Kita abgeholt ist, Oma auf kleine Schwester aufpassen kann und Papa vom Fußball heimgekommen ist aber nicht bis zum nächsten Morgen. Es ist eine verlogene Diskussion von Menschen die einen kranken Blick auf sich selbst haben.

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