Forum: Karriere
Kinderbetreuung im Unternehmen: Klein, aber Kita
Peter Ilg

Bis zu 1500 Euro pro Kind und Monat: Eine Betriebskita zu betreiben ist nicht nur teuer, sondern auch aufwendig. Viele Konzerne verzichten deshalb darauf. Ein 70-Mann-Unternehmen zeigt, dass es doch geht - und warum sich der Aufwand lohnt.

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su_ 10.07.2014, 07:41
1. Pflicht

Ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl müssten Firmen dazu verpflichtet sein eine betriebseigene Kinderbetreuung anzubieten. Das wäre der richtige Weg in der Kinderwüste Deutschland.

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QPDO 10.07.2014, 08:07
2. 10 Kinder ...

sind leider zu wenig um nach geltendem deutschen Recht eine adäquate Betreuung zu gewährleisten. Ohne teure Aufstockung der Erzieherstunden durch den privaten Träger wird nämlich nur nach Alter der Kinder gezahlt. Mit 6 Zweijährigen mag es ja noch ganz gut aussehen mit den Finanzen, aber wenn es plötzlich 6 Fünfjährige, 1 Zweijährige und 1 Dreijährige sind (so nach 3 Jahren ...) , dann sinken die Mittel, die die Stadt zahlt plötzlich um die Hälfte. Da werden aus den 37% Selbstbeteiligung plötzlich 69%. Wenn da nicht "rationalisiert" wird? Oder die drei Teilzeit-Erziehrinnen teilen sich dann nur noch zwei Teilzeitstellen stocken auf und warten auf fruchtbarere Zeiten oder ihre BU durch Burn-Out.

Ganz zu schweigen davon, dass die pädagogische Qualität in den Mini-Einrichtungen mit drei Teilzeitstellen einfach leiden muss, da die moderne Frühpädagogik mehr fordert als reine Aufbewahrung. Wie genau sollen denn bei drei Teilzeitstellen Planungen, Portfolio-Arbeit, Elterngespräche, Dienstberatungen und Ähnliches eingeplant werden? Am besten sicherlich in der Freizeit der Erzieher, denn die Routineabläufe (Frühstück, Anziehen, Mittag, Schlafen, Vesper, Windeln, Zähneputzen usw.) müssen erledigt werden, und lassen kaum Platz für kinderfreie Arbeitszeit, die aber mindestens einmal in der Woche notwendig ist, um die oben genannten Dinge zu realisieren.

Das sind nur grundlegende Fragen, dazu kommen noch:

Bezahlt der Verein denn nach TVöD?

Wie sieht es mit dem Arbeitsschutz aus (Hygiene und Desinfektion, Arbeitsplätze mit normalen Stühlen und Schreibtischen und Rechnern für Erzieher, Kinderpflegebereiche wie Wickeltische oder kindgerechte Toiletten)?

Werden die Erzieherinnen gleich noch als Küchen- und Putzfrau missbraucht (in kleinen Kitas oft die Regel, dass eine 20 Stunden Erzieherin darin 5 Stunden als Putz- und Reinigungskraft ackert)?

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damp2012 10.07.2014, 09:04
3. Zu gerne...

... würde ich einmal die "Zahlen" dieser Einrichtungen sehen, um zu verstehen, warum sich was wie nicht lohnen sollte ... Ich kann das - betriebswirtschaftlich - so nicht nachvollziehen und denke, dass so machen ablehnende Haltung von Unternehmen nicht wirklich berechtigt ist. Und ja: ich stimme zu - eine Verpflichtung von Unternehmen, ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl Kinderbetreuung anzubieten, wäre sicher hilfreich...

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Rosmarinus 10.07.2014, 09:16
4. Die sollen zahlen.

Zitat von su_
Ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl müssten Firmen dazu verpflichtet sein eine betriebseigene Kinderbetreuung anzubieten. Das wäre der richtige Weg in der Kinderwüste Deutschland.
Hachgottchen, immer, wenn etwas nicht stimmt, gibt es jemanden, der andere dazu verpflichten möchte, dafür zu zahlen.

Es ist ja schön, dass es betriebliche Kindertagesstätten gibt. Aber wollen Sie wirklich, dass sich der Staat seiner Verantwortung so einfach entziehen könnte? Einfach anderen befehlen, sie zu übernehmen?

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bekkawei 10.07.2014, 09:24
5.

Zitat von sysop
10 Kinder zwischen 1 und 6 Jahren und drei Teilzeiterzieherinnen hat diese KITA.

Das ist wohl eher nicht so zu verstehen, dass die Erzieherinnen gemeinsam in Teilzeit da sind, sondern der ganze Tag (8-9 Stunden oder gar mehr) abgedeckt wird und i.d.R. immer nur zwei gleichzeitig da sind.

Das heisst auf jede betreuende Person kommen 5 Kinder zwischen 1 und 6 Jahren, die ja wohl teilweise noch gewindelt werden muessen.
Donnerwetter. Da ist ausser beaufsichtigen nicht viel mehr drin.

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misslongstocking 10.07.2014, 09:27
6. Eltern-Kind-Arbeitsplatz

Wenn ich versuchen würde, mit meiner Tochter mehrfach die Woche einen Eltern-Kind-Arbeitsplatz zu nutzen, haben Sie eine Ahnung, wieviel ich dann noch zum Arbeiten komme? Mit Glück vielleicht 3h (statt 8) - denn es ist mitnichten so, dass das Kind ruhig dasitzt/-liegt und spielt und Mama/Papa in Ruhe arbeiten kann. Selbst die Babyphase, in der die Kleinen noch weitgehend immobil sind, kann sehr anstrengend sein, wenn das Baby Bauchweh hat oder sonstwo der Schuh drückt... Für mich sind Eltern-Kind-Arbeitsplätze eine Not-, aber definitiv keine Dauerlösung. Daher Hut ab für die mutige Unternehmerin und die Betriebskita - es wäre schön, wenn so etwas Schule machen würde. Aber ich befürchte dass - solange die Entscheider aus mittelalten Männern oder Frauen bestehen, die eher karriere- als familienorientiert sind (und vielleicht selbst auch gar keine Kinder haben) - dieser Wunsch genau das bleiben wird: ein Wunsch.

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bekkawei 10.07.2014, 09:52
7.

Zitat von misslongstocking
Für mich sind Eltern-Kind-Arbeitsplätze eine Not-, aber definitiv keine Dauerlösung.
Ich halte auch Eltern-Kind-Arbeitsplaetze als Notloesung fuer eine unfaire Sache den Kollegen gegenueber.
Die muessen ja die liegen gebliebene Arbeit mit uebernehmen.

Und das sage ich als dreifache Mutter, die inzwischen einen alten Elternteil betreut.
Und glauben Sie mir, da treten auch Notsituationen auf. Leider kann ich aber meinen dementen Vater nicht mit zur Arbeit nehmen, wenn seine Betreuerin mal wieder verhindert ist.

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malte.b 10.07.2014, 10:26
8. Prioritäten

Und wieder einmal: Wirtschaft über alles. Mir tun die armen Kleinen leid, die den Start ins Leben statt in einer intakten Familie in einem kalten Firmenumfeld meistern müssen. Die Gesellschaft wird immer liebloser für ein bisschen mehr an Bruttosozialprodukt.

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garfield 10.07.2014, 10:27
9.

Zitat von sysop
Bis zu 1500 Euro pro Kind und Monat: Eine Betriebskita zu betreiben ist nicht nur teuer, sondern auch aufwendig.
Erstaunlich, wie die sich im anderen Teil Deutschlands damals so etwas leisten konnten, wo es sogar noch weit verbreitete Normalität war. Nun ja, wenn man halt solche Ausgaben nicht gegen den Profit aufrechnen muss....
Zitat von sysop
Doch auch große Konzerne sträuben sich gegen Aufwand und Kosten, die ein eigener Kindergarten mit sich bringt ... Andere Firmen verweisen auf ihr Engagement in bestehenden Kindergärten.
Wow! Der Konzern B. Braun mit über 5 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr und 6000 Mitarbeitern am Standort, unter denen so einige Mütter mit Kleinkindern sein dürften, lässt in gleichem Zeitraum etwa geschätzte 45000 Euro für die lieben Kinder springen, die er dann von der Steuer absetzt. Na hoffentlich treibt ihn das nicht in den Ruin.

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