Forum: Karriere
Klinikärzte vor dem Zusammenbruch: "Sechs Wochen Pause, so ein Glück"
Heike Richter

Wochenenddienste, kaum Zeit für Patienten und jede Menge unbezahlte Überstunden: Drei Klinikärzte erzählen von ihrem Arbeitsalltag - und warum sie froh sind, wenn sie selbst krank werden.

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good_wife 11.04.2019, 15:27
1. Frage

Die deutschen Ärzte/Ärztinnen sind doch sehr gut organisiert (z.B. Bundesärztekammer, Marburger Bund etc...) und sie sind einflussreich. Die Mitglieder haben studiert und zum Teil promoviert. Wieso sind sie nicht in der Lage Standards durchzusetzen, wie es Gewerkschaften in der Industrie gegen weit mehr Widerstand in der Regel schaffen?

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gatoalforno 11.04.2019, 15:37
2. Alles eine Frage der Motivation!

Als die Arztgehälter niedriger waren hat sich keiner über Dienste beschwert, da man so sein Gehalt gut aufbessern konnte. Mit Einführung des Arbeitszeitgesetzes muss jeder Arzt nach einer 24h-Schicht nach Hause. Dafür wurde das Grundgehalt angehoben. Also das gleiche Geld und morgens nach Hause. Die logische Forderung ist jetzt: gleiches Gehalt, gar keine Dienste. Und was kommt danach?

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gatoalforno 11.04.2019, 15:42
3. Nicht nachvollziehbar!

Deutsche Ärzte unterliegen einem komfortablen Arbeitszeitgesetz. Wochenarbeitsstunden, Arbeitszeit am Stück... alles geregelt, nach 24h müssen sie nach Hause, und das bei einem überdurchschnittlichen Angestelltengehalt.

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gatoalforno 11.04.2019, 15:50
4.

Zitat von good_wife
Die deutschen Ärzte/Ärztinnen sind doch sehr gut organisiert (z.B. Bundesärztekammer, Marburger Bund etc...) und sie sind einflussreich. Die Mitglieder haben studiert und zum Teil promoviert. Wieso sind sie nicht in der Lage Standards durchzusetzen, wie es Gewerkschaften in der Industrie gegen weit mehr Widerstand in der Regel schaffen?
Deutsche Ärzte haben hervorragende Gehälter und unterliegen dem Arbeitszeitgesetz, das z.B. Wochenarbeitszeiten und Bereitschaftszeiten sehr komfortabel regeln.

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Spiegelleserin57 11.04.2019, 15:53
5. oft Alltag für das gesamte medizinische Personal!

die geschilderten Umständen waren über sehr lange Zeit auch Alltag für andere Berufe im medizinischen Personal. Das hat komischerweise niemanden gestört und auch keine Ärzte die zu dieser Zeit tätig waren. Häufig wollten die Ärzten auch den nächsten Tag noch arbeiten weil sie so wesentlich mehr Geld verdient haben und die in die private Planung einbezogen haben, z.B. Hausbau.
Viele andere Berufe wie MTAs haben über viele Jahre die selben Arbeitszeiten mitmachen müssen und macxhen es auch heute noch.
Man sollte beim ärztlichen Beruf nicht Schichten mit Bereitschaftsdiensten verwechseln.
Ärzte im Vollschichtdienst gibt es nur selten. Bereitschaftsdienst sind wesentlich anstrengender da man auch nachts mehrfach aus dem Schlaf geholt werden kann. Die Bereitschaftsdienste werden Ärzten sehr gut bezahlt und viele Kliniken haben auch gegen den Widerstand der Ärzte durchgesetzt dass die Ärzte nach dem Dienst nach Hause gehen müssen was bei vielen Ärzten gar nicht gut ankam. Dass die Ärzte nur unter dem Bereitschaftsdienst gelitten haben ist schlicht falsch!
Man sollte auch beide Seiten schildern. Beim sonstigen med. Personal waren und sind Bereitschaftsdienste trotz miserabler Bezahlung selbstverständlich und da tut sich bis heute gar nichts. Die gute Bezahlung der Bereitschaftsdienste gilt ausschließlich für die Ärzte.
Oft wird in den Bereitschaftsdiensten das nachgearbeitet was am Tag liegen geblieben ist und damit wird dann auch das restliche Personal mit einbezogen, sprich Befunde am Abend abgefragt die man am Tag schlicht vergessen hat was natürlich die Bereitschaftsdienstzeit für das weitere Personal betrifft. .

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feinindividuellerotter 11.04.2019, 15:54
6.

Kann mich der Frage vom Vorposter nur anschließen. Ich bin selbst AA in der Inneren Medizin in einem kleinen Haus auf dem Land. Die Arbeitsbelastung - insbesondere wenn nur 1-2 Kollegen erkrankt sind - ist unmenschlich. Ganz abgesehen von der völlig mangelhaften Versorgung der Patienten.

Ich verstehe nicht, wieso unsere Gewerkschaften es nicht schaffen, hier gegenüber Staat, Kassen und Klinikbetreibern mehr Druck aufzubauen!

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steffi_suse 11.04.2019, 15:54
7. Studium abgebrochen aus Selbstschutz

Ich habe während meinem (Traum-)Studium der Medizin in einer Uniklinik in der Gynäkologie gearbeitet, auf Station sowie in der Poliklinik und Notaufnahme. Was ich dort beobachten musste an Arbeitspensum, Überlastung der Ärzte, OPs nach durchwachten Nächten wegen Nachtdienst fürs komplette Haus, Ausnutzung und Verantwortungsüberlastung von jungen Ärzten, besonders harte Bedingungen für Ärztinnen, (der Chefarzt war ein absoluter Patriarch und bevorzugte die Ärzte), entsprechende z.T. entwürdigende Folgen für die Patientinnen (was vom Pflegepersonal in hohem Maße aufgefangen wurde), war für mich so desillusionierend und ernüchternd, dass ich mein Studium abgebrochen habe, weil ich weder mich noch meine Familie dieser Belastung aussetzen wollte. Ich habe die Konsequenzen bei Ärztinnen beobachtet, die Familie hatten. Darauf wurde nie Rücksicht genommen und Teilzeit war ein No-Go. Mich wundert, wie wenig diese Arbeitsüberlastungen in den Medien sind. Wie good_wife geschrieben hat, der Einfluss ist ja nicht unbedeutend. Theoretisch.....

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gatoalforno 11.04.2019, 16:08
8. Weiteres Problem:

Die Ressourcen -z.B. OP-Kapazitäten, Pflegepersonal-sind mittlerweile so knapp bemessen, dass vieles in den Bereitschaftsdienst verschoben werden muss. Das Fallpauschalen-System tut sein übriges dazu: immer mehr Patienten bei immer kürzerer Liegedauer. Reine Geldfrage.

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BettyB. 11.04.2019, 16:24
9. Das Problem

Die Vertreter der Ärzteschaft müssten für ein sozialeres Miteinander in der Gesellschaft eintreten, was aber nicht nur gegen die Interessen der christlichen und freidemokratischen Politiker wäre, sondern irgendwie auch gegen die eigenen, denn mit niedrigeren Gehältern könnten auch mehr Ärzte beschäftigt werden, doch wer wollte schon in volle Taschen greifen...

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