Forum: Karriere
Klinikärzte vor dem Zusammenbruch: "Sechs Wochen Pause, so ein Glück"
Heike Richter

Wochenenddienste, kaum Zeit für Patienten und jede Menge unbezahlte Überstunden: Drei Klinikärzte erzählen von ihrem Arbeitsalltag - und warum sie froh sind, wenn sie selbst krank werden.

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Vanagas 13.04.2019, 12:47
100. #100 gatoalforno

Das es kein Mediziner- Nachwuchs gibt ist auch so eine weitere Legendenbildung der Ärzte. Lassen Sie sich nichts erzählen! Ist es wirklich Nachwuchsmangel wenn es >40.000 Bewerber zum Medizinstudium für 9.000 Studienplätzen gibt?? Und wenn man die „Schock- Kommentare“ der Experten hier liest, warum möchte überhaupt noch ein Abiturient Arzt werden und nicht gleich Trucker in Amerika oder bei Mercedes dreischichtig malochen, wie hier unverschämterweise zu lesen war, wenn soviel mehr Gehalt drin ist im Vergleich zur Arbeit als Arzt??

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gatoalforno 13.04.2019, 13:16
101. Richtig!

Zitat von alabama110
....es geht nur darum, als Frau gut als "Erziehungsberechtigte" und "Ärztin" gut zu sein. Männer können also ruhig schlechte Erziehungsberechtigte und Ärzte sein? Interessantes Weltbild. Wer wirklich gut sein will in seinem Beruf, für den reichen 8 h am Tag nicht aus? Also sind für Sie all diejenigen, die einen regulären achtstündigen Arbeitstag haben schlechte Arbeitnehmerinnen, weil diese ja nicht wirklich gut sein wollen in ihrem Beruf? Ebenfalls ein interessantes Weltbild. Schon mal daran gedacht, dass es viele Menschen gibt, die einen Beruf ausüben um ihren Lebensunterhalt zu sichern und nicht als sinnstiftende Lebenserfüllung sehen, für die man dann auch gern und gratis die Freizeit opfert?
Den Arztberuf als reinen Broterwerb zu sehen, ist schon mal das Problem. Geht aber auch. Dann listen Sie bitte die Berufsgruppen auf, die bei per Gesetz begrenzter Arbeitszeit vergleichbare Gehälter in vorwiegend unbefristeten Arbeitsverhältnissen beziehen.

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DogHoliday1 13.04.2019, 13:25
102. Was ist das denn...

Zitat von gatoalforno
Nachwuchs ist deshalb nicht in ausreichender Menge verfügbar, weil der Numerus clausus auf fast 1,0 gedrückt wurde und deutsche massenweise im Ausland studieren müssen, weil sie in Deutschland keine Chance haben. Stattdessen werden ausländische Ärzte eingestellt, deren Qualifikation mit so niedrigen Standards überprüft werden, wie es in keinem entwickelten Land der Erde vorstellbar wäre inkl. Sprachkenntnisse, was wiederum die übrige Ärzteschaft belastet.
für eine krude Logik. Nach Ihrer Aussage dürfte es dann, wenn der NC auf z. B. 3,0 gesenkt werden würde, keine Nachwuchsprobleme mehr geben - bei unveränderter Zahl der Studienplätze?. Das rechnen Sie uns allen doch mal bitte vor!

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DogHoliday1 13.04.2019, 13:48
103. Zwischen...

Zitat von Vanagas
Das es kein Mediziner- Nachwuchs gibt ist auch so eine weitere Legendenbildung der Ärzte. Lassen Sie sich nichts erzählen! Ist es wirklich Nachwuchsmangel wenn es >40.000 Bewerber zum Medizinstudium für 9.000 Studienplätzen gibt?? Und wenn man die „Schock- Kommentare“ der Experten hier liest, warum möchte überhaupt noch ein Abiturient Arzt werden und nicht gleich Trucker in Amerika oder bei Mercedes dreischichtig malochen, wie hier unverschämterweise zu lesen war, wenn soviel mehr Gehalt drin ist im Vergleich zur Arbeit als Arzt??
der Bewerbung zum Medizinstudium und der Arbeit als Arzt in der Klinik liegen viele Jahre, die zur der bitteren Erkenntnis führen, daß die Ideale, die zum Ergreifen des Studiengangs geführt haben dann bei der Ausübung der Praxis sehr bald auf der Strecke bleiben unter Mißachtung berechtigter eigener Interessen wie z. B. ein Familienleben, wie es für nahezu alle anderen selbstverständlich ist und ihnen auch selbstverständlich zugestanden wird.
Deshalb arbeiten heute viele Ärzte bzw. besonders Ärztinnen Teilzeit. Früher war dies (leider) nicht möglich.
Gerne wird immer angeführt, daß die Zahl der Ärzte in den Kliniken zugenommen hat. Das ist zwar richtig, aber entscheidend ist die Zahl der Stellen und so brauchen Sie 3 X 1/3-Stellen um eine ganze Stelle zu besetzen.
Tausende von Stellen sind nicht mehr zu besetzen und während früher viele Bewerber auf eine einzige ausgeschriebene Stelle kamen, können die Kollegen heute zwischen vielen Stellen wählen.
Man kann auch Nachwuchsmangel dazu sagen, gell?

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Horst Haber 13.04.2019, 15:32
104. Nach über 20 Jahren weiterhin der gleiche Scheiß

Vor 23 Jahren begann ich als Arzt im Praktikum, trotz abgeschlossener Berufsausbildung weit unterbezahlt, meine ärztliche "Laufbahn" im Krankenhaus. Vor 15 Jahren beendete ich diese komplett frustriert von der konstanten Ausbeutung mit über 2500 unbezahlten und unausgeglichenen Überstunden und bin seither als Notarzt tätig. Ich bin entsetzt, dass auch nach 15 Jahren Krankenhäuser geltendes Recht missachten, aber Ärzte auch weiterhin viel zu geduldig sich ausbeuten lassen. Dass der Staat da nicht regulierend eingreift ist klar, denn er ist der Nutznießer, sparen doch gerade kommunale Krankenhäuser dank ihrer Lohnsklaven viel Geld. Liebe Kollegen, kapiert endlich mal, dass sich nichts ändern wird, wenn ihr nicht JEDEN Tag aufs neue euren Chefs auf die Füße tretet wegen solcher Dinge.

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radikalatheist 13.04.2019, 18:25
105. niemals wieder Krankenhaus

Ich überblicke mittlerweile 23 Jahre Krankenhausmedizin mit mehreren 1000 Überstunden in Ambulanzen und dem OP. Der anfängliche Idealismus und das Helfersyndrom ist einer kräfteraubenden Dauerbelastung gewichen. Die Dokumentationswut des deutschen Gesundheitssystems und der schraubzwingenartige Sparzwang der KH Verwaltung bei steter Abwertung der DRG führt zu einem extremen körperlichen und psychischen Verschleiß des verbliebenden ärztlichen Personals. Wenn sich nicht bald was ändert und weiterhin niedergelassene Kollegen bei halben Zeitaufwand das dreifache verdienen, werden Krankenhäuser keinen Nachwuchs finden...und das ist gut so, nur dann wird sich was ändern. Schon heute gibt es keinen qualifizierten Nachwuchs mehr und Dienste werden von Honorarsöldnern, die zu alledem noch deutlich mehr verdienen als Hausangestellte, bestritten. Der moderne Chefarzt ist Handlanger der KH Verwaltung die ihn/Sie mit reichhaltiger Privatliquidation füttert und ihn somit für die Belange seiner Mitarbeiter blind macht. Nicht Geld frisst Hirn, sondern Verantwortung gegenüber seinen AÄ und OÄ. Aktuell gibt es einen Facharzt Exodus der Ü 50er in das Praxisleben, da viele erkannt haben, dass die Perspektive im KH gruselig ist und ein Überleben bis 67 immer unwahrscheinlicher wird. An alle die der Meinung sind ein Klinikarzt würde genug verdienen, sie haben recht...der Chefarzt mit altem Vertrag und 70 % Privatliquidation verdient Hunderttausende, der angestellte OA oder FA geht mit viel Glück und Diensten mit 120 Brutto nach Hause ( im Jahr !). Das hört sich viel an ist aber angesichts der 60 h Woche und der körperlichen und psychischen Belastung und dadurch bedingten Gesundheitsschäden nicht annähernd adäquat.

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radikalatheist 13.04.2019, 18:33
106. Lohngerechtigkeit

Zitat von Vanagas
Was für eine Abgehobenheit!! Ja, Ärzte verdienen in Deutschland überdurchschnittlich. Schon die Einstiegsgehälter liegen bei Berufsänfängern bei 55.000€/a und sind damit schon die mit Abstand höchsten akademischen Einstiegsgehälter in Deutschland und mit führend in Europa. Und 120.000€/a für eine mittlere Führungsposition(Oberarzt ) ist schon absolut top. Wer damit nicht zufrieden ist sollte wirklich den Beruf wechseln!
warum soll der Klinikoberarzt der die schwierigen Operationen bis in die Abendstunden macht und lebenswichtige Entscheidungen trifft sich mit 120 tsd abspeisen lassen, wohingegen niedergelassen mit 350 tsd und Chefärzte bis zu mehreren Millionen verdienen. Das Verhältnis stimmt nicht mehr.

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Vanagas 13.04.2019, 19:28
107. #109 radikalatheist

Ärzte reden von Lohngerechtigkeit und empfinden eine Entlohnung von 120.000€/a als Hungerlohn?? Wo leben Sie?? Aber wo wir gerade von Lohngerechtigkeit und Verantwortung im Beruf reden. Wenn Sie doch so eine soziale Ader haben. Sie muten es es doch dem Feuerwehrmann mit 3 Kindern für ein Gehalt von 45.000€/a sein Leben zu riskieren und Sie aus den Flammen zu retten! Ist das eine gerechte Entlohnung und haben Sie jemals einen Feuerwehrmann oder Polizisten derart über sein bescheidenes Gehalt jammern hören wie unsere Top- Verdiener in Weiß? Sie, die nur klagen, sollten sich Alle schämen!

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a.schmidt1 13.04.2019, 19:36
108.

Bin medizinischer Laie und auch als Patient gottlob lang nicht mehr im Krankenhaus gewesen. Also sorry für fehlendes Insiderwissen. Frage mich, warum wir bei dem offenkundigen Mangel an Ärzten nicht mehr davon ausbilden. Fehlt es an Kapazitäten? Oder muss man wirklich zwingend ein Abi mit 1,0 gemacht haben, um in diesem Beruf zu arbeiten?

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DogHoliday1 13.04.2019, 20:18
109. Wenn Sie mal....

Zitat von radikalatheist
Ich überblicke mittlerweile 23 Jahre Krankenhausmedizin mit mehreren 1000 Überstunden in Ambulanzen und dem OP. Der anfängliche Idealismus und das Helfersyndrom ist einer kräfteraubenden Dauerbelastung gewichen. Die Dokumentationswut des deutschen Gesundheitssystems und der schraubzwingenartige Sparzwang der KH Verwaltung bei steter Abwertung der DRG führt zu einem extremen körperlichen und psychischen Verschleiß des verbliebenden ärztlichen Personals. Wenn sich nicht bald was ändert und weiterhin niedergelassene Kollegen bei halben Zeitaufwand das dreifache verdienen, werden Krankenhäuser keinen Nachwuchs finden...und das ist gut so, nur dann wird sich was ändern. Schon heute gibt es keinen qualifizierten Nachwuchs mehr und Dienste werden von Honorarsöldnern, die zu alledem noch deutlich mehr verdienen als Hausangestellte, bestritten. Der moderne Chefarzt ist Handlanger der KH Verwaltung die ihn/Sie mit reichhaltiger Privatliquidation füttert und ihn somit für die Belange seiner Mitarbeiter blind macht. Nicht Geld frisst Hirn, sondern Verantwortung gegenüber seinen AÄ und OÄ. Aktuell gibt es einen Facharzt Exodus der Ü 50er in das Praxisleben, da viele erkannt haben, dass die Perspektive im KH gruselig ist und ein Überleben bis 67 immer unwahrscheinlicher wird. An alle die der Meinung sind ein Klinikarzt würde genug verdienen, sie haben recht...der Chefarzt mit altem Vertrag und 70 % Privatliquidation verdient Hunderttausende, der angestellte OA oder FA geht mit viel Glück und Diensten mit 120 Brutto nach Hause ( im Jahr !). Das hört sich viel an ist aber angesichts der 60 h Woche und der körperlichen und psychischen Belastung und dadurch bedingten Gesundheitsschäden nicht annähernd adäquat.
Ihren zum Großteil berechtigten Schaum vom Mund abwischen, nehmen Sie doch bitte geflissentlich zur Kenntnis, daß Ihre Aussage zum Verdienst der Niedergelassenen nicht weniger populistisch ist als die des von Ihnen zu recht attackierten Foristen. Sie verwechseln hier Umsatz mit Bruttoverdienst, so wie Sie es monatlich erhalten. Ich empfehle Ihnen sich genauer zu informieren z.B. im ZI-Berichten oder (besser) Neubauer-Gutachten.
Sicher richtig ist, daß Niedergelassene im Schnitt weniger Arbeitsstunden/Woche haben als Klinikvollzeitärzte, mit ca. 54 Std./wo aber immer noch mehr als sonstige Selbsständige (mit 49 Std./Wo) und sowieso als Otto Normalbürger. Denn wenn Sie nach langer Arbeit nach Hause gehen, müssen wir Niedergelassene, wie dies bei allen Selbstständigen stets der Fall ist, uns noch mit reichlich Belangen rund um die Praxis herumplagen. Auch ist die Schlagfrequenz in der Praxis noch viel höher als in der Klinik!
Der Vorteil liegt eindeutig darin keine Dienste mehr zu haben und die WE frei zu haben (bis auf die rel. wenigen KV-Dienste).

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