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Kommunikation mit Juristen: Herr Anwalt, ich wollte gar nicht freigesprochen werden
Corbis

Redet ein Anwalt, versteht der Laie nur StGB und BGB. Selbst kommt er kaum zu Wort, was den Advokaten nicht weiter schert. Eine Doktorandin belegt verheerende Folgen für Kanzleien: Wegen solcher Gesprächspannen nehmen viele Mandanten Reißaus.

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noalk 15.08.2013, 13:49
1. Juristen und Ärzte

Beide Berufsgruppen haben wohl das gleiche Problem. Die in dem Artikel beschriebenen Erfahrungen habe ich sämtlich schon selbst gemacht.

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eigene_meinung 15.08.2013, 13:53
2. Interessen

Das Hauptproblem ist, dass Anwälte andere Interessen haben als ihre Kunden. Kunden möchten ihr Recht. Anwälte wollen möglichst viel verdienen. Das führt unter anderem dazu, dass die Anwälte einfache Fälle unnötig verkomplizieren. Ob der Kunde am Ende Recht bekommt, ist dem Anwalt egal. Er bekommt sein Geld so oder so.

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moistvonlipwik 15.08.2013, 14:34
3.

Zitat von eigene_meinung
Das führt unter anderem dazu, dass die Anwälte einfache Fälle unnötig verkomplizieren.
Davon haben sie nichts außer Mehrarbeit: die Bezahlung richtet sich nach Streitwert, nicht nach Aufwand.

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wackerdurchsaufen 15.08.2013, 14:39
4. Aha

Also, dass der Artikel sich um die Geldgier von Anwälten drehen sollte, müsste mir als halbwegs aufmerksamen Leser vielleicht näher erläutert werden. Möglich ist es, dass das Problem bei Juristen und Ärzten auftritt (wenn auch wenigstens auf deutsch und nicht auf denglisch), aber so ist das mit Berufen, die Fachsprachen haben - es geht immer um eine Balance zwischen der Präzision, die eine Fachsprache aufweist, und der Kompabilität mit der Laienwelt. Nicht jeder Anwalt oder Arzt bekommt das hin, zugegeben; und in der Tat führt die Ausbildung beider diesbezüglich ein Schattendasein. Genährt werden die Kommunikationsprobleme aber nicht nur von der Sprache, sondern auch von Mandanten, die selbst nicht wissen was sie wollen, oder auch Journalisten, die so berichten, dass kein Mensch weiss, wovon eigentlich die Rede ist. Für mich selbst habe ich längst die Erfahrung gemacht, dass die meisten Laien verstehen, was man ihnen erklärt, wenn man sich bemüht und sich dafür auch ein wenig Zeit nimmt.

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ompo58 15.08.2013, 14:44
5. Unklar

Klar ist zunächst, dass hier Leser wieder eine ziemlich substanzlose Sozialneid-Debatte eröffnen. Und überhaupt - wer möchte nicht so viel wie möglich verdienen?
Meines Erachtens wird in dem Artikel in keiner Weise nach der Mandantenstruktur differenziert. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ich einen versierten Geschäftsführer, der sein Problem schnell auf den Punkt bringen kann, oder einen Mandanten, dem auch in seinem privaten Bereich die Artikulation schwer fällt, vor mir sitzen habe. Anwälte, die überwiegend mit Privatpersonen mit meist kleinen Fällen zu tun haben, haben schlicht und einfach nicht die Zeit, sich deren ganze Lebensgeschichte anzuhören. Und das passiert, wenn man den einen oder anderen Mandanten ausreden lässt! Der gute Anwalt versteht es, das Mandatengespräch so zu lenken, dass ihm der Mandant alle für die Bearbeitung seines Falles benötigten Informationen liefert. Dies kann beispielsweise durch engagierte und qualifizierte Zwischenfragen geschehen. Der Mandant wird dann nicht den Eindruck haben, der Anwaöt interessiere sich nicht für sein Anliegen. Wer sich darüber hinaus noch als Seelsorger des Mandaten betätigen will, bitte sehr.... Ich selbst fühle mich hierzu nicht berufen.

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kaynchill 15.08.2013, 14:51
6. kann das Problem sehr gut verstehen

Ich studiere selbst Jura und habe mich schon sehr oft gefragt warum wir auf diese weise studieren.
Wir sagen oft scherzhaft dass wir später mal keinen job bekommen würden wenn man in Gesetzen ein paar Wörter wegnehmen und den Satzbau ändern würde.
Ich habe sehr oft das Gefühl das wir extra dazu angehalten werden uns so kompliziert wie möglich auszudrücken.

Bestes Beispiel ist das bei Professoren so beliebte "Das ist evident unrichtig." Wieso sagt man nicht "Das ist falsch"? Es gibt so viele Beispiele an der Uni bei denen man denkt: "Wie soll mich später mal ein Laie verstehen?"

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pemschi 15.08.2013, 14:52
7. Kein Wunder, wenn Mandanten nicht zuhören können

Es ist echt lachhaft. Wie heißt es im Artikel (bei Bild 3):

"...Beispiel die Darlegungslast. Sie besagt: Jeder muss vor Gericht das beweisen, was für ihn günstig ist."

NEIN!
Das ist die Beweislast.
Darlegungslast heißt, der Anspruchsteller muss die Voraussetzungen eines Anspruchs erst mal genau darlegen, also z.B. in einer Klageschrift schriftlich die Tatsachen darstellen. Erst wenn er das getan hat und der Gegner bestreitet, kommt es zur Beweiserhebung. Deswegen ist die o.g. Beweislastregel auch falsch, denn es muss nicht alles Günstige bewiesen werden, sondern nur alles Günstige, was auch bestritten wurde und damit beweiserheblich ist.
Das alles begreifen Nichtjuristen sowieso nicht.
Ahoi, P.

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moistvonlipwik 15.08.2013, 15:02
8.

Zitat von pemschi
Es ist echt lachhaft. Wie heißt es im Artikel (bei Bild 3): "...Beispiel die Darlegungslast. Sie besagt: Jeder muss vor Gericht das beweisen, was für ihn günstig ist." NEIN! Das ist die Beweislast.
Es ist übrigens ein schönes Beispiel, wie die Presse zur Verwirrung beiträgt: sie wirft mit Begriffen um sich, ohne die Bedeutung zu klären.
Man bemerkt es auch bei der Berichterstattung über Prozesse: abgesehen von den wohltuenden Ausnahmen (Gisela Friedrichsen z.B.), in denen die Journalisten selbst über eine juristische Ausbildung verfügen, enthalten diese Berichte viele, zum Teil gravierende, Fehler: das beginnt mit der falschen Erläuterung der Begriffe, geht weiter über die (bisweilen grotesk) falsche Darstellung der entscheidungserheblichen Umstände und gipfelt in der - auch sonst weit verbreiteten - fehlenden Unterscheidung zwischen Zahlungsverpflichtung (Zivilprozess) und Strafe.

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lupo1307 15.08.2013, 15:02
9. optional

Der Anwaltsvertrag basiert auf §675. Das ist eine Generalerlaubnis bei voller Bezahlung nichts zu erklären und nichts zu leisten. Mit der Unterschrift unter die Prozessvollmacht entmündigt sich der Mandant selbst.

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