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Kulturschock Schweiz: "Mach das mal speditiv"
Steve Przybilla

Schwyzerdütsch ist wie Deutsch plus Akzent - dachte Markus Renner. Dann zog er nach Basel und war überrascht, dass er eine Fremdsprache lernen muss. Manche Fehler macht er, weil die Schweizer so höflich sind.

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Harry143 01.05.2015, 19:24
100. Andere Sprache? Unfug!

Also ich wohne in Südbaden, in der Nähe zur Schweiz und das ist definitiv keine andere Sprache. Klar für jemanden der allemanische Dialekte gar nicht kennt scheint es vielleicht so aber wenn ein Süddeutscher mit älteren Ostfriesen spricht ist das genau das gleiche. Dialekte sind nunmal mehr als andere Betonungen, es gibt individuelle Vokabeln und mit jedem Kilometer den Sie von Karlsruhe weiter nach Süden fahren nähern sich die regionalen Dialekte in kleinen Schritten dem Schweizerdeutsch an. Das hört aber nach der Grenze nicht auf. Baslerisch verstehe ich ganz gut, in Zürich oder Bern sieht die Welt schon wieder anders aus.
Fazit: Ein Dialekt wie jeder andere. Der einzige Unterschied ist der, dass in einem ganzen Land der Dialekt quasi die Hauptsprache ist und daher bleibt er "stabiler" während das allemanische im Süddeutschen Raum immer schwächer wird.

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beetlemeier 01.05.2015, 19:27
101. @rrblah:

rrblah heute, 18:32 Uhr
Das mag für aussenstehende schwer verständlich sein. In der Deutschschweiz wird es tatsächlich nicht so geschätzt, wenn Deutsche versuchen Schweizerdeutsch zu sprechen. ausnahmslos alle Hochdeutsch verstehen.
---
Ich weiß natürlich nicht, inwieweit diese "Geringschätzung" wirklich allgemein existiert oder nur gefühlt ist. Sollte es aber tatsächlich so sein, wäre das schon ein erheblicher Sprachdünkel und bedient damit wiederrum das Klischee vom "hochnäsigen" Schweizer (dem ich selber ausdrücklich NICHT folge!).

So oder so: Die Aufnahme dieses Artikels in die Rubrik "Kulturschock" ist mE deutlich übertrieben und verfehlt.

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romeo_mike 01.05.2015, 19:28
102.

Zitat von beetlemeier
... Was ich ebenfalls nicht verstehe, ist der logische Bruch, wonach der Autor zwar im Berufsleben ohne Probleme (nur) Englisch spricht, dann sich aber "nie anmaßen würde, Schwytzerdütsch zu können": Wo diese selektive Erfurcht und DIfferenzierung herkommt, erschließt sich mir schon logisch nicht.....
Warum nicht einfach das Deutsch sprechen, das man gelernt hat?

Der Schweizer eben seinen Dialekt und der Deutsche das Deutsch, wie er es z.B. zu hause spricht?

Der Zürcher, der nach Bern umgezogen ist, wird deshalb doch nicht Berndeutsch "lernen". Zumindest nicht bewusst. Und kein Berner wird das je von ihm verlangen. Die paar Spezialausdrücke wird er sich merken.

Wenn's zwischen dem Deutschen und dem Dialekt ein Problem gibt, dann kann man das einzelne Wort oder ja immer noch auf "Hochdeutsch" übersetzen. Das müssen ja vielleicht auch der Münchner und der Kölner, wenn die beide in ihrem Dialekt radebrechen ;-)

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drs3 01.05.2015, 19:28
103. Hei alpechalb

Zitat von alpechalb
Eben – die hatten einen Duden, wir nicht. Stellvertreter zweier Kulturen reden aneinander vorbei, weil sie die jeweils andere aus ihrer jeweils einen Perspektive betrachten, das ist alles. Ich freue mich auf einen Artikel über einen Bayern in Friesland.
Klar es git ou Duden in Schiizerdütsch....

Aber dä bedient nur e chline Teil vo eire Mundart...

D Bärnermundart.

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gympanse 01.05.2015, 19:31
104.

Wenn meine Uroma mit Urkölsch anfängt verstehe ich auch kein Wort. Man muss also nicht ein mal Deutschland verlassen um unbekannten "Vokabeln" in der eigenen Sprache entgegen zu treten. Der Bericht ist also ziemlich schwach und nichtssagend. Nur meine Meinung.

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dabizi99 01.05.2015, 19:32
105. Basel = Schweiz light

Im besonderen Fall von Basel kann man noch anmerken, dass das Baseldeutsche vermutlich die "harmloseste" Ausprägung des Schweizerdeutschen ist. Baseldeutsch ist der einzige niederalemannische Dialekt der Schweiz, hier sagt man "Kind", nicht "Chind" oder gar "Ching". Als Basler kann man sich im südbadischen Raum (wohin man gern und häufig zum Einkaufen und Essen fährt) problemlos in Mundart verständigen. Ausserdem ist es neben Genf vermutlich die internationalste Schweizer Stadt, was den Bevölkerungsmix betrifft.

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Reziprozität 01.05.2015, 19:35
106.

Zitat von vndl
... Ich selber trau mich nicht wirklich, Schweizerdeutsch reden zu versuchen, eben weil ich genau weiss, dass man den Deutschen immer raushören wird, und ich mir da etwas lächerlich vorkommen würde. Ich behelfe mich damit, einfach meinen eigenen Dialekt zu reden (Schwäbisch), weil ich vermute, dass das bei den Schweizern etwas sympathischer rüberkommt, als knackiges Hochdeutsch (das ich ohenhin nicht kann). Auch fliessen da mitlerweile wohl mehr Schweizer Ausdrücke und Klänge ein, als mir bewusst sind. Aber so ganz gelöst habe ich diese Frage für mich noch nicht... ...
Über die Jahre identifiziert man wenigstens in seinem näheren Umfeld, zu welcher "Fraktion" der jeweilige Gesprächspartner gehört. Und wechsele dann jeweils. Unbekannten gegenüber oder Leuten mit denen man nur wenig zu tun hat, ist es sicher besser ein Gespräch auf Hochdeutsch zu führen (was ich auch nicht gut kann, da selbst von Kindesbeinen an Dialektsprecher). Ich meine, wer mit einem Dialekt aufwächst und den aktiv gebraucht hat, hat grosse Mühe einen komplett anderen zu lernen.

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mistersteve 01.05.2015, 19:36
107.

Zitat von richif
'Isch bin hüt in Züri gsiii' geht wirklich gar nicht.
Wobei einem der uralte Witz von den drei Herren einfällt, die in der Schweiz im Zug Richtung deutsche Grenze sitzen: ein Schweizer, ein Schwabe und ein Nord-/Niederdeutscher. Irgendwann fragt der Schweitzer den Norddeutschen: "Bisch au z'Züri gsi?" Verständnisloses Stirnrunzeln des Norddeutschen. Darauf der Schweizer mit etwas mehr Nachdruck: "Jo, bisch au z'Züri gsi?" Der Norddeutsche, sichtlich irritiert: "Tut mir leid, ich verstehe Sie nicht." Woprauf sich der Schwabe einschaltet: "Gwä, gwä moint er!"

Womit wieder mal gezeigt wäre, dass Schwiizerdütsch/Schweizer Alemannisch und Schwäbisch doch keine Lichtjahre auseinanderliegen.
Wir hatten mal in der Firma einen Kunden aus Zürich, dessen Sachbearbeiterin sich mit dem Hochdeutschen hörbar schwer tat und die uns eines Tages fragte, ob es uns etwas ausmache, wenn sie mit uns am Telefon Schwiizerdütsch spreche. Worauf wir ihr bestätigten, dass dies kein Problem sei, wir würden dann eben ggf. Schwäbisch sprechen. Was wir auch taten. Hat auf beiden Seiten bestens funktioniert und manche geschäftlichen Erörterungen deutlich ungezwungener gestaltet ...

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kar98 01.05.2015, 19:44
108. Ja, und?

Es geht einem Thüringer, der nach Bayern zieht, nicht viel anders. Robban, Martel, Obadzder usw., alles Vokabeln, die ich nicht kannte, von Aussprache und Grammatik ganz zu schweigen.

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Claudia_D 01.05.2015, 19:52
109.

Zitat von Diskutierender
Es stimmt zudem, dass Schweizer wesentlich höflicher sind und sich besser benehmen als Deutsche - mit einer Ausnahme: Im Umgang mit Telefonen (z.B. Handygebrüll in öffentlichen Verkehrsmitteln, Smartphone-Zombies, Stehenlassen von Gesprächspartnern wegen eines klingelnden Telefons) legen Schweizer das gleiche rüpelhafte Verhalten hin wie Deutsche (wär übrigens bisher auch der einzige Grund für einen ordentlichen Streit mit einem Schweizer in den 5 Jahren).
Seien Sie versichert, dass das Italiener mindestens genauso gut beherrschen wie Schweizer und Deutsche (persönlich bin ja davon überzeugt, dass es nicht mehr lange dauert, und die Kinder dort werden bereits mit einem Handy am Ohr geboren) :-)

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