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Lehramts-Quereinsteiger in Berlin: Plötzlich Pauker
Corbis

Lehrer werden ohne Ausbildung? In Berlin kein Problem: Der Pädagogen-Mangel in der Hauptstadt ist so groß, dass Quereinsteiger ohne Fortbildung auf Schulklassen losgelassen werden. Kurse gibt's später.

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mcvitus 09.07.2014, 20:43
30. Anheuern als Lehrer mit 40+?

Das halte ich für gewagt. Ausgebildete Lehrer denken in diesem Alter schon mal an's aufhören. Lehrer an öffentlichen Schulen für gescheiterte Existenzen? Die Privatschulen werden sich über den Boom an Schülern freuen, den ihnen diese krude Politik bescheren wird.

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warp0 09.07.2014, 20:46
31. na super

das hat gerade noch gefehlt, dass Legionen Geisteswissenschaftler die nichts geworden sind, weil sie nichts können und nie einen Plan hatten, ausser "ach ich studiere dann mal", jetzt als persönlichen Not-Fallschirm an die Schule wechseln. Ist mir ÜBEL.
Und ich bring's ja schwer über die Lippen, aber
> vor allem aus Süddeutschland, wo über Bedarf ausgebildet wurde.
vielen Dank dafür, liebe Bayern und Baden-Württemberger!

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freespeech1 09.07.2014, 21:36
32.

Interessantes Modell. Sollte man auf andere Bereiche übertragen, z.B. bei Fachkräftemangel in Krankenhäusern. Es gibt genug Leute, die sich für Krankheiten interessieren. Warum sollten die nicht als ungelernte Krankenpfleger oder Ärzte eine Chance als Quereinsteiger bekommen?

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TS_Alien 09.07.2014, 22:58
33.

Zitat von dimetrodon109
guter Freund von mir hats in RPL versucht. Quereinsteiger an einer Brennpunkthauptschule. Er hat einen Selbstmordversuch unternommen, war nicht mehr wieder zuerkennen nach der Zeit; Nicht die Schüler waren das Problem sondern die neidischen, missgünstigen, verbeamteten Kollegen. Ein reines Frauenkollegium; die Geschichte sollten sich alle mal anhören die das machen wollen. Die besten Geschichte die er erzählt hat war: Der Lehrerkollegen haben ihm an den Tagen vor der Lehrprobe die Klassen entzogen und am Tag der Lehrprobe wiedergegeben, den Schülern geraten bei den Lehrproben nicht mitzumachen....., er ist promovierter Naturwissenschaftler kann toll erzählen und beibringen.... . Aber wie sagte ihm der Semminarleiter: darauf kommt es nicht an. Jeder sollte sich überlegen in dieses Tollhaus einzusteigen. Man mag gut verdienen, aber nur wenn man sich brechen und bespucken lässt (nicht von den Schülern).
Es wird viel erzählt. Die Lehrerkollegen können einem keine Klassen entziehen. Was sucht ein promovierter Naturwissenschaftler als Referendar an einer Hauptschule?

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walter_de_chepe 10.07.2014, 00:57
34. Das endet wie der BER - im Chaos

Was ist in Berlin nur los? Wer kann den Berlinern noch helfen? Wo würde man einem Neuen keine Einarbeitung zugestehen? Wo ich arbeite, rechnet man bei einem Ingenieur oder Informatiker mit Berufserfahrung mindestens mit einem halben Jahr, bis sie alleine laufen können. Die meisten brauchen ein Jahr. Nach meinem Gefühl muss man soviel Zeit auch bei einem Lehrer ansetzen.
Wenn man schon seine eigene Unfähigkeit als Methode verkauft und "Crash-Start" nennt, würde ich es wirklich ganz grausam machen, so wie eine amerikanische Unternehmensberatung: Alle anfangen lassen, die es wagen wollen, und gnadenlos das Scheitern von mehr als der Hälfte in den ersten Jahren hinnehmen. Die Selektion bei der Einstellung ist unter solchen Bedingungen sowieso nur eine Farce.

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federtinte 10.07.2014, 04:27
35. ...Anspruch und Realität

Ich selber unterrichte seit 6 Jahren an einem Berliner Gymnasium. Die Realität an unserer Schule in Charlottenburg?
Zunehmend Quereinsteiger bzw. "Wiedereinsteiger" (die z.B. Anfang der 80er Jahre ein Referendariat absolviert hatten, dann aber nie im Beruf gearbeitet haben) aus Berufsfeldern wie Journalismus, Informatik etc.
Oftmals jenseits einer Altersgrenze von 50 Jahren. Leute, die freiwillig nie in die Schule wollten, nun aber aus wirtschaftlichen Gründen müssen und möchten.
Sicherlich oftmals bemühte Kollegen, die allerdings in den meisten Fällen völlig überfordert in den Schulalltag stolpern und schnell mit tiefen Sorgenfalten durchs Lehrerzimmer hetzen bzw. den Schülern, Eltern, Kollegen und Schulleitern ungewollt das Leben schwer machen. Unterrichten muss man lernen - undzwar durch Praxis. Didaktik ist den wenigsten Fällen eine "Gottesgabe" - das spüren die meisten spätestens im Referendariat. Mag es für einen Laien lächerlich klingen: aber 19 Unterrichtsstunden in einer angemessenen Qualität als Einsteiger im "Kaltstart" zu absolvieren grenzt an Größenwahn. Da bleibt kein Raum für qualitative Entwicklung und Reflektion und erst recht keine Möglichkeit für das Erwerben schulrechtlicher Kenntnisse und der etlichen anderen Inhalte und Fähigkeiten, die mittlerweile zum Lehrerberuf dazugehören und den ihn in den letzten Jahren auch maßgeblich verändert haben. Es ist noch kein guter Lehrer vom Himmel gefallen. Anspruch und Realität haben hier wenig miteinander zu tun.

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lindenbast 10.07.2014, 07:14
36.

Zitat von warp0
das hat gerade noch gefehlt, dass Legionen Geisteswissenschaftler die nichts geworden sind, weil sie nichts können und nie einen Plan hatten, ausser "ach ich studiere dann mal", jetzt als persönlichen Not-Fallschirm an die Schule wechseln. Ist mir ÜBEL. Und ich bring's ja schwer über die Lippen, aber > vor allem aus Süddeutschland, wo über Bedarf ausgebildet wurde. vielen Dank dafür, liebe Bayern und Baden-Württemberger!
"Über Bedarf ausgebildet" ist eine Nebelkerze. Es handelt sich durchaus nicht um Fehlplanung der Länder, wie der Ausdruck suggeriert; hierzulande darf nämlich jeder selbst entscheiden, was er studieren will, und der einzige legitime Grund, es ihm zu verwehren, besteht darin, dass die Lehrkapazitäten der Uni nicht ausreichen. Solange sie aber ausreichen, darf man ihn nicht abweisen. Wo keine Planung, da auch keine Fehlplanung.

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Evoken 10.07.2014, 07:16
37. Ein Grausen

Das Grundproblem ist nicht das Thema Quereinsteiger Ja oder Nein, sondern wie es dazu gekommen ist, wie sich das Problem nun auf die jetzige und kommende Schulgeneration als Versuchskaninchen auswirken wird und insbesondere dass die heutige Ausbildung des Lehramts-Pädagogen noch immer nicht gut ist. Die besagte Studie im Spiegel über ausgebrannte Lehramts-Studenten sagt auch wieder viel aus. Es existiert heutzutage noch immer kein richtiger Eignungstest und keine Auswahlkriterien für Lehramtsanwärter und Studenten. Und nun kommen Quereinsteiger hinzu und ich bezweifle wieder, dass es hier konkrete Eignungstests - insbesondere auf die didaktischen und empathischen Veranlagungen - geben wird. Dies geht auch schon seit Jahrzehnten an den Oberstufenzentren und Berufsschulen fehl, wo wir bereits Quereinsteiger haben.

Der gesamte Knackpunkt ist weiter das marode Bildungssystem in Deutschland. Wobei sich sehr viel zu Positiven getan hat. Aber noch immer steht das Frontalwissen im Vordergrund und eben nicht die Wissensvermittlung. Unsere Lehrer verfügen über so viel wissen. Nur vermitteln können sie dieses meistens nicht, wenig, schlecht bis halbwegs gut. Ausnahmen gibt es natürlich. Dabei ist das Wissen an sich gar nicht so wichtig. Wichtig ist eher, wie gelangen wir an das Wissen und was können wir damit anfangen und wofür gebrauchen.

Schule an sich ist zum größten Teil ineffektiv. So war es bei mir. Von Klassenarbeit und Test zu Klassenarbeit und Test gehetzt. 90% davon weiß ich nicht mehr. Das bestätigt die moderne Hirnforschung. Die heutige Bildung ist veraltet. Sie orientiert sich nicht an moderner Bildung und Medizin und Effektivität. Das menschliche Gehirn ist am Tag nur begrenzt Aufnahmefähig und dennoch bürden wir unseren Kindern tagtäglich Unsummen von Wissen auf, dass sie im Prinzip gar nicht aufnehmen können. Doch wofür? Für willkürliche Noten zum Beispiel. Wir ermüden unsere Kinder, trotz wir einen Teil durch Wettbewerb der Noten anheizen.

Was heute noch immer auffällt. Wer gut auswendig lernen kann, der hat die halbe Miete bei Klassenarbeiten und Tests sowie Zeugnisnoten schon drin. Vielleicht sogar die Ganze. Und das Kreative? Das ist kaum vorhanden und wird unterbunden. Hier hat sich in 60 Jahren Bildungssystem BRD wenig geändert.

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lindenbast 10.07.2014, 10:03
38.

Zitat von TS_Alien
Es wird viel erzählt. Die Lehrerkollegen können einem keine Klassen entziehen. Was sucht ein promovierter Naturwissenschaftler als Referendar an einer Hauptschule?
Promoviert, habilitiert, keinen Ruf bekommen, für die sogenannte freie Wirtschaft mit Ende 30/Anfang 40 zu alt, befristete Jobs an der Uni nicht mehr zu bekommen wg. 12-Jahres-Grenze (nochmal schönen Dank an Frau Bulmahn). Das geht ganz schnell und sagt über die Qualifikation und Kompetenz des entsprechenden Herrn rein gar nichts aus.

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Malereien 10.07.2014, 10:10
39. Rackles`Märchen

Es ist schon verwunderlich, was Herr Rackles dort als Begründung anführt: Vorzeitige Pensionierung? Es wurden die Arbeitszeitkonten abgeschafft, und nun können ältere Lehrer ein oder zwei Stunden weniger unterrichten, was in jedem anderen Bundesland üblich ist. Es wurde in Berlin einfach wie so vieles andere verschlafen, dass eine sehr große Pensionierungswelle in den den nächsten sechs Jahren auf uns zukommt.
Warum wird eigentlich den Quereinsteigern immer so viel mehr Kompetetenz bescheinigt als den ausgebildeten Lehrkräften? Sollten wir vielleicht die Lehramtsstudiengänge ganz abschaffen? Und noch ein bisschen aus der Realität geplaudert:
Der Quereinsteiger steht von Anfang an für 19 Stunden vor der Klasse, daher ist, je nach Fach, für 120 bis 200 Schüler verantwortlich und besucht außerdem noch drei Seminare, welche allerdings noch nicht einmal vom Senat eingerichtet worden sind. Er muss sich darauf verlassen, dass aus dem Kollegium sich jemand in seiner Freizeit um ihn kümmert, denn es gibt keinerlei Abminderungsstunde für die Betreuung von Quereinsteigern. Mitunter wird er das Problem haben, keine reguläre Schulleitung vorzufinden oder ein Kollegium, dass zu einem Drittel oder mehr aus Referendaren oder Quereinsteigern besteht.

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